Karl Sagmeister

Karl
Sagmeister

19.10.1960
Eisenerz
-
24.10.2020
Wiener Neustadt

stimmungsbild

Gedenkseite für Karl Sagmeister

In memoriam Karl

Meine Lieben!
Jetzt ist es drei Wochen her, dass Karl so plötzlich von uns gegangen ist, uns traurig, ungläubig, verzweifelt zurück gelassen hat. Noch immer glaube ich, er kommt gleich wieder nach Hause, höre seinen Schlüsselbund in der Tür und darf mich gleich wieder in seiner Umarmung finden. Doch niemand öffnet die Tür, niemand flucht, weil wieder einmal der Parkplatz besetzt ist, niemand erzählt mir, was er alles eingekauft hat für uns, verhungern unmöglich, Bussi, was essen wir morgen?
Ich sitze auf dem Sofa, sehe den leeren grünen Sessel vor mir, seinen Sessel, auf dem er immer seine (meist Sport-)Sendungen im Fernsehen verfolgte, auf dem er morgens seine Zeitung von hinten nach vorne las (über die sportlichen Ereignisse informiert zu sein war ihm immens wichtig), mir immer wieder einmal das eine oder andere aus der Zeitung zeigte, vorlas, meine Meinung dazu hören wollte – besonders wenn er hoffte, dass sie mit seiner übereinstimmte.

Niemand mehr hier frühmorgens, kein Kaffee, den er seit dem letzten Italienurlaub für uns im italienischen Espressokocher zubereitete, für ihn schwarz und stark, für mich mit extra aufgeschlagenem Milchschaum, Cappuccino, vorsichtig mit dem Kaffee ein Herz hineingezeichnet. Egal, ob morgens um sechs Uhr, wenn ich zeitig in die Schule musste, oder am Wochenende etwas gemütlicher erst um acht oder neun. Es war ihm wichtig, mich glücklich zu sehen. Es war ihm wichtig von mir geliebt zu werden, umarmt zu werden, und wir umarmten uns ständig, berührten uns immer, wenn wir aneinander vorbei mussten, hielten einander auf, verlangten Bussi-Maut, grinsten und lachten dabei.Aber niemand ist da, nur die Katze…

Ihr alle habt mir gesagt, wie sehr ihr ihn vermisst, wie sehr er euch fehlt und ich danke euch für diese Worte, sie trösten mich, helfen mir über die vielen Stunden, in denen ich lerne, mit der Einsamkeit, dem Alleinsein zurecht zu kommen. Ich danke euch für euren Trost, eure Hilfe, eure Unterstützung und ich hoffe, ich konnte und kann euch in den vielen kurzen und langen Gesprächen, die wir miteinander führen, ebenfalls ein wenig Trost spenden. Unmöglich ihn zurück zu holen, so gern wir das möchten, so gerne ich wie Orpheus in die Unterwelt eintauchte, um meinen Liebsten, um Karl wieder ins Leben zu führen, wir können unseren Trost nur in der Erinnerung an ihn finden, die Erinnerung an sein großes Herz, die Erinnerung an seinen Trotz, sein Querdenken, wenn er etwas als falsch oder ungerecht empfand, seine ehrliche und nachdrückliche Äußerung seiner Ansichten, Trost in der Erinnerung an seine Hilfsbereitschaft, die er allen zukommen ließ, die ihn darum baten. Für jeden hatte er ein offenes Ohr, egal, ob es darum ging, irgendein Kasterl irgendwo zu befestigen oder ein Schriftstück aufzusetzen, Arbeiter zu organisieren, wenn es galt, etwas zu renovieren oder zu reparieren, manchmal auch irgendetwas Spezielles einzukaufen, immer wieder setze er sich für die ein, die ihm wichtig waren, unterstützte diejenigen, die er gern hatte, für die er sich verantwortlich fühlte. Und er fühlte sich für alle verantwortlich, die er irgendwann einmal zu seinen Schäfchen gezählt hatte. Er wollte, dass es den Menschen um ihn herum gut ging, und er tat, was er konnte, damit dieser Wunsch Erfüllung fand.
Alle, die einmal das Glück hatten, unter seine Fittiche zu kommen, wollte er nicht mehr loslassen, alle konnten auf ihn zählen, wenn sie ihn brauchten. Und er vergaß niemals, jedem zum Geburtstag zu gratulieren, schrieb sich Jahr für Jahr alle Geburtstage in seinen Kalender, um nur ja keinen zu vergessen. Er mochte sich von niemandem trennen, wollte jeden in seiner Herde behalten. Seine schützende Hand, seine Hilfe zu verlieren war fast ein Ding der Unmöglichkeit.
Ihr alle habt einen Menschen verloren, der euch wichtig war, der euch viel bedeutete und den jeder auf seine Art liebte. Ich habe den Mann verloren, mit dem ich mein Leben bis ins hohe Alter gemeinsam verbringen wollte, so viele Pläne hatten wir für unsere gemeinsame schon sehr bald absehbare Pension, die niemals ein „Ruhe“-Stand hätte werden sollen, so sehr hat er sich darauf gefreut, den Großteil seiner Zeit uns und unseren Hobbys widmen zu können. Nichts davon wird stattfinden. Nicht für ihn. Nicht für uns in unserer Zweisamkeit.
Ihr vermisst ihn, ich vermisse ihn. Nie wieder wird er mich einfach so im Vorbeigehen umarmen, nie wieder meine Hand halten, bis wir beide eingeschlafen sind, nie wieder werden wir einander in der Eingangstür stehend verabschieden, wie wir es jedes Mal fast wie ein Ritual hielten, und noch ein allerletztes Bussi!, winkend, bis das Auto nicht mehr zu sehen war. Er hat sein Leben gelebt, intensiv gelebt, ganz bewusst wahrgenommen. Und so wie er gelebt hat, so ist er gestorben. Intensiv.
Ich habe ihn gefunden, als ich an diesem Donnerstag, dem 22. Oktober, drei Tage nach seinem 60. Geburtstag, am späten Nachmittag heimkam, er lag vor mir auf dem Boden, bewusstlos, gleich im Eingangsbereich. Seitdem fühle ich mich, als hätte irgendjemand das Netz durchtrennt, das unser gemeinsames Leben für mich bedeutete, das mir Sicherheit und Liebe gab, seine Liebe, die mich fast fünfzehn Jahre, knapp sieben davon als seine Ehefrau, begleitete und mich erfüllte. Er hat das Bewusstsein nicht mehr erlangt, aber ich glaube dennoch, dass er gefühlt hat, wie ich mich, wie sein Sohn und seine Tochter sich noch von ihm verabschieden konnten, bis er am 24. Oktober endgültig los ließ. Ich kann nur hoffen, dass die Ärzte Recht hatten, als sie überzeugt kundtaten, er könne keine Schmerzen mehr gespürt haben. Seine Verletzungen waren so schwer wiegend, dass Karl nie wieder hätte Karl sein können. So schmerzhaft es ist, aber der Tod war für ihn in dieser Situation die beste Möglichkeit, die Erlösung, auch wenn wir – ihr genauso wie ich – ihn gerne bei uns behalten hätten. Ich wünsche ihm, dass er seinen Platz „dort drüben“ gefunden hat, inmitten seiner Lieben, die ihm schon vorangegangen sind und wo er auch uns irgendwann einmal wieder treffen wird.
Ich vermisse ihn, ihr vermisst ihn, halten wir ihn in unserer Erinnerung am Leben, geben wir ihm das, was er sich für uns gewünscht hat, leben wir für ihn weiter, erfüllen wir seine Wünsche und Hoffnungen für ihn und freuen wir uns auf ein Wiedersehen irgendwann einmal.
Ich danke euch, für euren Trost, für eure Unterstützung und für eure Liebe zu Karl, gemeinsam werden wir ihn nie vergessen.
Frei nach STS:
I hob eam lebn gsegn,
So sehr leben, dass is nie vergiss.
Er wor ana von denen, die des kennen,
Leben ohne Kompromiss.

Sylvia

13. November 2020

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