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Von Mama 30.07.2013 um 19:21 Uhr | melden
Lieber Benedikt,
heute vor einem Jahr haben wir beide das letzte Mal miteinander telefoniert.
Du konntest kaum sprechen, wurdest von Weinkrämpfen geschüttelt.
Du wolltest mir klar machen, dass du dich endgültig entschieden hattest.
In meinem Kopf wirbelten die Gedanken durcheinander, was sollte ich bloß tun aus fast 800 km Entfernung???
Deine Abschieds - Email war der Auslöser dafür, dass die Polizei eingeschaltet wurde.
Liebe Eltern,
ich mache es mir nicht leicht, der Schritt ist gut überlegt. Seit meinem
16. Lebensjahr denke ich über diesen Schritt nach. Im Laufe der Zeit
wurde es immer schlimmer. Seit diesem Jahr sind die Depressionen so
stark, dass ich es nicht mehr aushalte.
Geld, Gesundheit sind wertlos, wenn man ohne eine Partnerin durch das
Leben geht. Dieser Drang ist tief im Menschen drin. Es gibt keine Hoffnung mehr für mich.
Es tut mir leid, wie unser Gespräch gelaufen ist, Papa. Als du von einer
rechtlichen Handhabe gesprochen hast, habe ich wirklich Angst bekommen.
Irgendwann muss man sich entscheiden, ob man leben oder sterben will.
Ich habe diese Entscheidung lange hinausgezögert. Längst glaube ich,
dass das Leben absolut sinnlos ist, der Tod ist es auch.
Die Entscheidung zwischen diesen zwei sinnlosen Übeln ist schwer, aber weil
ich vom Leben nur noch Qualen zu erwarten habe, kann es auch enden.
Ich habe immer wieder versucht, es doch irgendwie im Leben auszuhalten,
aber immer, wenn ich versuchte, etwas zu ändern, wurde es am Ende nur noch schlimmer.
Es lässt sich nicht vermeiden, mit dieser Entscheidung anderen weh zu
tun, aber mir ist der Preis, mich nur deswegen weiter durch das Leben zu
quälen, zu hoch.
Ganz liebe Grüße
Benedikt
Die ganze Nacht erhielten wir keinerlei Informationen, weil mehrere Polizeistationen involviert waren.
Das Warten war die Hölle für uns. Erst am nächsten Morgen erfuhren wir, dass sie dich unter der Neckartalbrücke bei Horb gefunden hatten.
Die Gedanken und Gefühle von damals sind jetzt wieder sehr präsent, aber ich tröste mich mit der Hoffnung, dass du deinen Frieden gefunden hast.
Vielleicht war dir dieser Weg vorbestimmt, wer weiß das schon?
In ewiger Liebe
Mama
Ich hab meinen Frieden gefunden, er hat mir Flügel geschenkt.
Ich kann es spüren, wenn ihr an mich denkt.
Ich guck euch zu, ich kann euch sehn von hier,
bitte verbergt eure Tränen vor mir.
Ich wäre jetzt auch gern bei euch, doch bitte bleibt da.
Lebt euer Leben, wartet einfach auf den einen Tag.
Wir sehen uns wieder, ich weiß, alles hat seine Zeit.
Genießt das Leben, habt Freude an jeder Kleinigkeit.
Denkt an mich, denkt zurück an die verrückte Zeit.
Wenn ich noch einen Wunsch frei hab,
dann wünscht ich, dass ihr glücklich seit.





