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von Andrea am 23.12.2019 - 13:47 Uhr | melden
Lieber Vatl,
die Erinnerungen an die Winter, die Weihnachtsfeste meiner Kindheit sind, wie sicher viele Kindheitserinnerungen meiner und auch früherer Generationen, geprägt von Eiseskälte, Wollhandschuhen, Kohleöfen, Tschapkas, Düften, Rascheln, Geheimniskrämereien, umgefallenen Weihnachtsbäumen und reichlich Schnee. Ich weiß noch, dass Du einmal Gänge schaufeln musstest, um unsere Fenster in der Erdgeschosswohnung frei zu machen, weil es nicht hell werden wollte. Ich weiß noch, wie Du mich flüsternd durch den knarzenden Schnee gelotst hast, um mir einen Schwarm Rebhühner zu zeigen, der sich auf dem in der Sonne glitzernden Feld niedergelassen hatte. Ich erinnere mich daran, wie Du mir mit der Taschenlampe die schlafenden Sperlinge im Inneren der Tannen gezeigt hast, dass es mich geschauert hat, weil Du so gern gebratene Rebhühner und auch Täubchen gegessen hast, erinnere mich an das Knacken der winzigen Knöchelchen und an mein Entsetzen darüber, das bis heute anhält. Ich erinnere mich an die vielen Stunden bei und mit Dir im Schuppen, wie ich Dir beim Reparieren und Basteln und Erfinden zugeschaut und bald geholfen und selbst versucht habe, schöpferisch tätig zu werden. Den Hang zur Kreativität habe ich wohl von Dir geerbt. An die Skistöcke aus Haselnussholz erinnere ich mich, die Du mir geschnitzt und mit Bändern aus einem alten Ledergürtel ausgestattet hast. Leider hab ich bis heute nicht gelernt, wie man Ski fährt. Ja, es gibt viele gute Erinnerungen und auch viele weniger gute. An die Weihnachtszeit, an die harten Winter, an Dich.
Morgen ist Heiligabend. Morgen fahren wir wieder zu Mutti. Ihr geht es gut, obwohl sie schwächer zu werden scheint. Morgen ist das 5. Weihnachten ohne Dich.
Ich vermisse Dich. Unvermindert.
Deine Ea
♥





