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von Andrea Fruehauf am 01.11.2020 - 09:50 Uhr | melden
Es ist Herbst geworden, eine widersprüchliche Jahreszeit, eine Zeit, die auch ein Menschenleben erfährt, erfahren muss. Ich sehe die Menschen um mich herum altern. Ich sehe mich morgens im Spiegel, sehe, wie ich mich verändere, welke, und ich wünsche mir, dass ich das noch lange tun darf. Ja, ich weiß, jedes Einschlafen ist ein kleiner Tod, denn man weiß nie, ob man die Morgensonne, ob man die Familie wiedersieht.
Mit dem Tod habe ich mich früher schon oft beschäftigt, in Zeiten, in denen es mir schlecht ging, ich habe Gedichte über ihn geschrieben und versucht, mich in die Trauer eines Menschen hinein zu versetzen. Heute weiß ich, dass ich kläglich gescheitert bin, heute, an einem grauen Sonntag, trauere ich immer noch mit einer Intensität, die mich lähmt. Du bist vor fast sieben Jahren von uns gegangen bist. Du bist im Schmerz gegangen, ein Gehen, das man niemandem wünschen mag. Diese Wunde verheilt nie. Sie bricht immer wieder auf, vor allem jetzt, im Herbst.
Ich passe auf mich auf.
Deine Ea
♥
Fortgegangen
Sie mag den kalten Morgen nicht,
den fahlen Mond, den Nebel
vor tiefgefrornem Sonnenlicht,
nicht mal den Ruf der Krähen.
Die Birke schweigt, der Apfelwein
ist trübe wie der Abend.
Im Schrank liegt Staub, das Brot ist Stein,
verdorrt sind Schmerz und Rosen.
Den Mund zum Strich gefaltet geht
sie wieder in die Kammer.
Das Bett ist unberührt, verdreht
ist nur die Uhr – auf gestern.
Als Sommer war und jede Zeit
erfüllt mit seinem Leuchten.
Die ganze Nacht hat es geschneit,
da ist er fortgegangen.
© Andrea M. Fruehauf
23.08.2013
♥





