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von Otto Beck am 02.05.2026 - 14:49 Uhr | melden
Verhaltensänderung der Opfer
Mit der psychischen und physischen Erniedrigung der Opfer gehen laut FBI häufig spezifische Verhaltensänderungen einher, auf die das Umfeld der Kinder achten sollte. Diese Verhaltensänderungen können Hinweise auf Selbstverletzung oder Suizidalität sein:[42]
Plötzliche Verhaltensänderungen, wie z. B. Rückzug, Stimmungsschwankungen oder Reizbarkeit
Plötzliche Veränderungen des Aussehens, insbesondere Vernachlässigung des Aussehens
Veränderungen der Ess- oder Schlafgewohnheiten
Sie brechen ihre Aktivitäten ab und werden immer isolierter und zurückgezogener
Narben, oft in Mustern
Selbstverletzendes Verhalten wie frische Schnitte, Kratzer, Blutergüsse, Bissspuren, Verbrennungen oder andere Wunden
Fansigning: Einschneiden von Wörtern oder Symbolen auf der Haut
Sie tragen bei heißem Wetter lange Ärmel oder Hosen
Mit Selbstmord drohen und offen über den Tod sprechen, sich nicht gewollt oder gebraucht fühlen oder geistige Abwesenheit
Strafverfolgung
Im Januar 2025 gab Europol eine Warnung vor kultartigen Online-Netzwerken mit Verbindungen zu schwersten gegen Minderjährige gerichtete Straftaten heraus.[43]
Viele Mitglieder der 764 werden nicht erst aktenkundig, wenn sie schwerste Straftaten begehen, sondern fallen schon früher auf, etwa durch Hinweise auf geplante Amokläufe oder Verhaltensauffälligkeiten.[6]
Der Cyberkriminologe Thomas-Gabriel Rüdiger erklärte, dass die Täter Teil von Netzwerken seien, die im „globalen digitalen Raum“ agierten. Dem stünden nationale und föderale Ermittlungsbehörden gegenüber, welche auch durch Ermittlungen gegen einzelne Mitglieder nicht „erschüttert“ werden. Rüdiger plädierte für eine stärkere Präsenz von Sicherheitsbehörden im digitalen Raum.[44]
Belgien
Die Zeitung De Morgen berichtete am 16. Juli 2025, dass zwei Personen in Belgien von der belgischen Antiterrorbehörde Coördinatieorgaan voor de dreigingsanalyse (OCAD) beobachtet würden, da der Verdacht bestehe, dass sie mit dem 764-Netzwerk in Verbindung stehen. Der belgische Parlamentsabgeordnete und ehemalige Leiter der OCAD, Paul Van Tigchelt erklärte, dass dies unterstreiche, wie groß die Gefahr sei, die von 764-Mitgliedern ausgehe. Der Leiter der OCAD, Gert Vercauteren sprach von Aspekten einer Gamification: Wer Straftaten begehe, steige in der Rangordnung auf.[45]
Deutschland
White Tiger
In Deutschland erhielt das 764-Netzwerk öffentliche Aufmerksamkeit, als am 17. Juni 2025 ein 20 Jahre alter deutsch-iranischer Mann aus dem Hamburger Stadtteil Marienthal festgenommen wurde. Shahriar J., der im Internet als „White Tiger“ auftrat, wurde vorgeworfen, aus sadistischen und sexuell motivierten Beweggründen eine 13-jährige US-Amerikanerin gezielt in den Suizid getrieben zu haben und dasselbe bei einer 15-jährige Kanadierin versucht zu haben.[46] Chatprotokolle aus einem rechtsextremen Telegramkanal legen eine rechtsextreme und judenfeindliche Gesinnung des Täters nahe.[47]
Laut deutschen Medienberichten seien der Festnahme des Beschuldigten monatelange Ermittlungen vorausgegangen. Eine Sonderkommission mit dem Namen „Mantacore“ wurde eingerichtet. Anfangs berichteten die Ermittlungsbehörden von 100 Straftaten und acht Opfern, von denen drei aus Deutschland und die restlichen aus Finnland, Kanada und den USA stammten.[46] Die Anzahl der schweren Straftaten, die dem Täter vorgeworfen werden, wuchs auf mindestens 120.[48]
Ermittlung, Verhaftung und Prozess
Das amerikanische National Center for Missing & Exploited Children war auf Shahriar J. aufmerksam geworden und hatte dem Bundeskriminalamt bereits im Jahr 2021 einen 40-seitigen Bericht über „White Tiger“ und seine Mitgliedschaft im 764-Netzwerk übergeben. Das Landeskriminalamt nahm Ermittlungen auf und identifizierte den Inhaber der IP-Adresse. Im November 2021 wurde Shahriar J. vom LKA Hamburg vernommen. Bekannt war zu dem Zeitpunkt der Besitz von „jugendpornografischen Schriften“ und die Bestärkung suizidaler Gedanken bei Jugendlichen.[49]
Bereits zwei Tage nach dem Verhör setzte Shahriar J. seine Online-Aktivitäten im 764-Netzwerk fort,[49] sein Verhalten habe sich auch im Anschluss nicht geändert.[50] Das Ermittlungsverfahren wurde dennoch wegen Geringfügigkeit eingestellt. In Medienberichten wird gemutmaßt, dass die Staatsanwaltschaft das Ausmaß der Taten unterschätzt haben könnte.[49]
Im Herbst 2022 wurde der Fall „White Tiger“ auf einer in Den Haag stattfindenden Konferenz von Europol thematisiert. FBI-Beamte berichteten über ihre Ermittlungen zum 764-Netzwerk. Das BKA informierte die Behörden in Hamburg über die neuen Erkenntnisse zu Shahriar J.[51]





