Karin Dembkowski

Karin
Dembkowski

13.04.1955
Hamburg
-
25.03.2026
Ponta Delgada - Azoren

Stimmungsbild-Karin-Dembkowski-1
ZurückAus dem Kondolenzbuch: Als mich der Tod umarmte

von Martin Dieter Picotta am 09.07.2026 - 15:47 Uhr | melden

Als der Tod mich umarmte
Als Karin starb, öffnete sich in mir ein Raum, den ich
nie zuvor kannte. Kein Ort aus dieser Welt, kein
Zimmer, kein Gedanke — sondern ein stiller
Übergang, ein Schimmern zwischen Atem und
Ewigkeit.
Und dort stand er. Der Tod.
Nicht als Schatten, nicht als kalte Gestalt, sondern als
eine Präsenz, die mich sofort durchdrang. Seine
Augen waren wach und sanft, als hätten sie jede
Seele der Welt gesehen und jede davon mit einer
unendlichen Geduld gehalten. Seine Stimme war
warm, wie ein Wind, der durch die Zeit streicht. Und
sein Lächeln trug dieses tiefe Wissen, das älter war
als jede Angst, älter als Schmerz, älter als Verlust.
Ich fragte ihn, ob seine Arbeit nicht zu schwer sei. Ob
es ihn nicht erschöpfe, dieses Wandern über die
Erde, Tag und Nacht, Stunde um Stunde, Seele um
Seele.
Er sah mich an, und in seinem Blick lag eine Ruhe,
die mich fast zum Weinen brachte. Er sagte, ich solle
mich nicht sorgen.
Niemand bleibt zurück. Niemand muss für immer
leiden.Niemand muss für Ewig hier verharren.
Jede Seele wird befreit, wenn der Moment
sich öffnet wie eine letzte, sanfte Tür.
Manchmal, sagte er, bleibt er länger. So wie bei Karin.
Ich sah, wie er sich zu ihr neigte, wie seine Hand ihre
Stirn berührte mit einer Zärtlichkeit, die ich nie mit
ihm verbunden hätte. Es war, als würde er sie
erinnern an etwas, das sie längst wusste: an das
Licht, an die Wärme, an die Ruhe, an den Ort, der
jenseits aller Schmerzen liegt.
Er sprach zu ihr, leise, warm, wissend: Sie solle
gehen. Sie solle sich lösen. Sie solle heimkehren.
Und ich sah, wie er ihre Seele befreite, wie er ihr den
Weg zeigte, wie jemand, der eine Tür öffnet und sagt:
„Nun kann ich nichts mehr für dich tun. Du bist frei.“
In diesem Augenblick war die Welt um uns nicht
mehr die Welt. Sie war ein Übergang, ein leises
Pulsieren zwischen Dunkel und Licht. Ich spürte, wie
etwas in mir zerbrach und gleichzeitig heilte. Wie ein
Schleier fiel, wie ein Wissen in mich sank, das ich nie
gesucht hatte und doch immer in mir getragen habe.
Dann wandte er sich mir zu. Wir umarmten uns —
vertraut, innig, ohne Scheu, ohne Angst. Seine Nähe
war nicht fremd, nicht kalt, sondern wie ein uraltes
Versprechen, das mich durchdrang und mich
gleichzeitig trug.
In dieser Umarmung lag eine Wahrheit, die ich nicht
aussprechen kann. Er versprach mir nichts, und
doch wusste ich: Er wird eines Tages auch mir den
Weg zeigen. Den Weg zu ihr. Den Weg in das Licht, in
die Wärme, in die Ruhe.
Wenn meine Zeit sich öffnet wie eine letzte, sanfte
Tür

Martin Dieter Picotta
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