Von Lilchen 03.03.2016 um 14:13 Uhr | melden
Alleine schon der Begriff "März" lässt seit jenem verhängnisvollen Vormittag, an dem Flug 4U9525 in einen Berg gerast ist, nur noch einen bestimmten Gedanken zu; nämlich der Gedanke der Fassungslosigkeit und ein seltsames Gefühl der Hilflosigkeit und des Schams, weil ich zum Zeitpunkt des Geschehens bester Laune war und herzhaft gelacht habe, ahnungslos davon, was sich gerade eben zugetragen hat in meinem direkten Nachbarland!
Noch immer durchzuckt mich eine schmerzende Kälte beim Anblick meiner fröhlichen Fotos vom Abend davor. Ich genoss den Sonnenuntergang und freute mich schon sehr auf den bevorstehenden Frühling! Am Spätabend durchforstete ich noch ein wenig die Neuigkeiten bei Facebook, beantwortete Nachrichten und liebe Kommentare zu meinen Bildern. Was würde ich darum geben, wenn ich die Zeit nochmal zurückdrehen und dabei aber schon wissen könnte, was am nächsten Tag geschehe würde, um all die Menschen, die in jenes Flugzeug eingestiegen sind, warnen und vor diesem schrecklichen Sterben bewahren zu können!
Was mögen die Passagiere an ihrem letzten Abend gemacht haben? Manche haben bestimmt Geschenke gekauft für die Liebsten, von denen sie am darauffolgenden Tag am Düsseldorfer Flughafen erwartet werden würden. Sicher haben einige von ihnen auf einen gelungenen Urlaub angestoßen, gut gegessen, gelacht und vielleicht getanzt. Andere haben ihre Kinder zu Bett gebracht, ihnen einen Gute-Nacht-Kuss gegeben und den Tag ruhig ausklingen lassen, womöglich interessante Gespräche geführt mit dem Partner. Vermutlich sind viele der Flugpassagiere nochmal ihren Terminkalender durchgegangen für die Tage nach der Ankunft in Düsseldorf, und haben Telefonate geführt. Nichts, aber auch wirklich gar nichts, deutete darauf hin, dass die 150 Menschen ihr Ziel niemals erreichen sollten! Und manchmal lässt es mich noch immer verzweifeln, den unschuldigen und offensichtlich lebensfrohen Opfern nicht geholfen haben zu können!
Ich weiss, diese Gedankengänge bringen niemanden weiter, aber irgendwie helfen mir diese/meine Fotos des 23. und 24. März 2015 auch dabei, irgendwie zu verstehen, was nicht zu verstehen ist. Es hilft mir zu begreifen, dass unser aller Leben endlich ist und sich die Erde einfach weiterdreht, weil sie gar nicht gemerkt hat, dass jemand fehlt. Das will man zuerst auf gar keinen Fall wahrhaben, aber es ist wichtig, sich vor Augen zu führen, dass wir alle nur zu Gast sind auf dieser Welt - und deshalb immer gut zueinander sein sollten...




