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von Michaela Schuster am 11.10.2013 - 08:18 Uhr | melden
Hiobsbotschaft
Ein
Einziger
Satz
und
meine
Welt
Zerbricht
Margarte Clasen
Und plötzlich ist alles anders
Mit einem einzigen Satz beginnt das Unbegreifliche.
Die Diagnose, die Todesnachricht – in einem Satz vorgebracht – verändert alles.
Nun beginnt das, was wir Menschen nicht erleben wollen, nämlich die unendlich schlimme Erfahrung eines Verlustes.
Noch verhindert der Schock, den dieser einzige Satz auslöst, dass wir begreifen, was auf uns zukommen wird. Doch es wird mit uns unausweichlich und unerbitterlich geschehen, was geschehen muss: der Schmerz, die Trauer, die Leere, die Ohnmacht, die Verzweiflung. Die Welt ist nun eine andere geworden. Sie ist nicht mehr unsere Welt. Wird sie eines Tages wieder werden?
Von Roland Kachler, aus Sucht mich in eurem Herzen Trostbuch für Trauernde
Verzweifelt bin ich über deinen Tod
Der Tod eines geliebten Menschen lässt uns zweifeln. Er lässt an allem zweifeln, am Leben, an der Gerechtigkeit, an Gott und an seiner angeblichen Güte. Was vorher gegolten hat, gilt nicht mehr, was vorher sicher war, ist zerbrochen, was vorher gut war, ist nicht mehr gut.
An was soll ich mich als Trauernder halten? An meinen geliebten Menschen kann ich mich nicht mehr halten, er ist nicht mehr da. Soll ich mich an Gott halten, der meinen geliebten Menschen nicht gehalten hat? Wohl kaum. Nichts und niemand gibt mir Halt, nichts und niemand hat sich als verlässlich erwiesen.
Aus dem Zweifel wird Verzweiflung. Wird sich der Schatten der Verzweiflung eines Tages wieder lichten? Ja, vielleicht, vielleicht, wenn wir die Verzweiflung gelten lassen, gelten lassen als ein Gefühl, das für unsere Situation passt.
Roland Kachler
Ich kann es nicht fassen,
dass sie nicht mehr ist und
dass ich sie nie wieder sehen soll…
Fjodor Dostojewski
Ins Leere greife ich – du bist nicht mehr da
Ich will nach meinem geliebten Menschen fassen, um ihn in meine Arme zu nehmen. Doch ich greife ins Leere. Meine Hände erstarren, weil sie nichts zu fassen bekommen.
Es ist nicht zu fassen. Mein geliebter Mensch ist nicht mehr da. Er ist nicht mehr – ein unfassbarer Satz, eine unfassliche Wahrheit. Und das soll immer so bleiben? Er wird nie mehr kommen und ich werde ihn nie wieder sehen?
Diese Fragen treiben Trauernde bis an den Rand des Wahnsinns. So auch der russische Schriftsteller Dostojewski nach dem Tod seiner Tochter Sonja. Immer wieder die Erfahrung: Sie oder er ist nicht mehr da. Ich greife ins Leere. Werden wir das je begreifen? Wir müssen uns daran“ gewöhnen“.
Mehr wird es wohl nicht sein. Begreifen oder verstehen – das wäre zu viel von uns verlangt.
Roland Kachler
Sucht mich in euren Herzen
So vieles wird nie wieder sein
Nie wieder – nie wieder werde ich mit dir durch Felder streifen, nie wieder werde ich mit dir lachen, nie wieder werde ich mit dir Musik hören, nie wieder wirst du meine Hand halten.
Ich muss Abschied nehmen von dir und unserer Zukunft. Was ich mit dir erleben wollte, werde ich nie mehr erleben. Was ich mit dir erhofft habe, wird unerfüllte Hoffnung bleiben, was ich mit dir geplant habe, bleibt leerer Plan.
Mit dir meine Sonne, meine Lebenssonne begraben und der silberne Mond geht für mich nicht mehr auf. Das Lied der Amsel klingt gedämpft, der sanfte Wind bleibt für immer kalt.
Roland Kachler
Sucht mich in euren Herzen
Ich klage mit dir über deinen Tod
Trauernde dürfen und sollen klagen. Sie dürfen sich beklagen darüber, was ihrem geliebten Menschen und ihnen angetan wurde. Und sie dürfen anklagen, den Tod, das Schicksal, gewiss auch Gott. Wie konnte so etwas geschehen? Warum nur, warum? Warum hat es das Schicksal so gewollt? Warum hat Gott das zugelassen?
Die Klage schreit den Schmerz nicht nur heraus, sondern formuliert den Schmerz, fasst ihn in Worte, aber ohne Überlegung, ohne Nachdenken, ohne Rücksicht auf andere.
Wir haben das Klagen verlernt. Wir müssen den Schmerz in uns halten, ihn verbeißen, ihn schlucken. Wir müssen ruhig und still sein, für uns selber trauern, im stillen Kämmerlein.
Die Klage will laut werden und hinaus gerufen werden.





