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von Michaela Schuster am 30.10.2013 - 13:20 Uhr | melden
Aus dem Buch von Chris Paul „ Keine Angst vor fremden Tränen“
Reden ist Silber, Zuhören ist Gold
Bei all dem Nachdenken über die richtigen Worte = liegt eigentlich ein Missverständnis vor. Trauernde Menschen wollen gar nicht viel von anderen hören. Ein kurzer, ernst gemeinter Gruß ist ausreichend. Wer trauernden Menschen ein wenig Zeit zur Verfügung stellen möchte, sollte weniger reden als vielmehr zuhören. Das ist keine Verpflichtung. Jeder entscheidet selbst ob die Situation gerade passt, um ein Gespräch anzubieten. Die Käsetheke im Supermarkt ist dazu nicht geeignet. Auch die Minuten vor einer Besprechung nicht. Es braucht einen Ort, an dem Sie nicht ständig gestört werden und an dem nicht jeder mithören kann, vielleicht ein ruhiger Platz in einem Cafe‘ oder das eigene Büro, wenn gerade nicht so viel zu tun ist.
X Bitte vermeiden Sie:
„Ruf mich an, wenn du etwas brauchst.“
„Wir sind immer für dich da, du musst dich nur melden“
Allgemein gehaltene Angebote sind wenig hilfreich. Bleiben sie daran sich bei dem Trauernden zu melden. Schlagen sie immer konkrete Unterstützung an, und nehmen sie diese wahr.
Das Geschwisterkind zu Hobbys oder sonstiges mit zunehmen und wieder heim zu bringen.
„ Das wird schon wieder!“
„ Kopf hoch, das schaffst du schon“
Durchhalteparolen und Appelle signalisieren die Hilflosigkeit des Sprechers. Sie wirken abweisend und führen zu schnellem Ende des Gesprächs. Wenn sie Vertrauen in das Leben und in ihr Gegenüber haben, dann nutzen sie das, um dem trauernden Menschen ohne Angst zu begegnen. Atmen sie tief durch und vertrauen sie darauf, dass Ihnen Worte und Gesten einfallen werden, seinen Sie einfach da. Das ist tröstender als ein scheinbar aufmunternder Spruch.
„ Du bist ja so stark“
„ Ich bewundere dich, wie du das alles schaffst“
Beim ersten Mal ist es vielleicht schmeichelhaft zu hören, dass andere die eigenen Bewältigungsstrategien bewundern. Aber die Stärke, die andere sehen, ist aus der Not geboren. Trauernde wünschen sich, nicht stark zu sein zu müssen. Wenn sie wählen könnten, wäre der Mensch, den sie vermissen, noch am Leben. Dass sie über sich selbst hinauswachsen, um diesen Verlust zu verkraften, gibt ihnen keinerlei Befriedigung. Sie möchten kein Lob dafür, dass sie sich zusammenreißen können. Sie wünschen sich eher Mitgefühl dafür, dass sie das tun müssen. „ Ich finde, du leistest gerade unglaublich viel.“ „ du kämpfst dich durch Berge von Aufgaben, ich habe Hochachtung vor dir.“
„ Meinst du nicht, dass es jetzt langsam mal gut ist?“
„ Lass dich nicht so hängen“
Ich kenne niemanden, dem es wirklich gern schlecht geht. Trauernde, die sehr unglücklich sind, machen da keine Ausnahme. Mit unfreundlichen Äußerungen trägt man nichts dazu bei, dass sich jemand besser fühlt. Wenn sie ungeduldig werden oder sich Sorgen machen, drücken Sie das auch so aus. „Ich kann das nicht gut aushalten, wie schlecht es dir geht.“ Manchmal braucht jemand einen Schubs, um sich wieder alltäglichen Dingen zuzuwenden. So ein kleiner Schubs kann heißen: „ ich komme um drei und hole dich ab zum Einkaufen. Versuch, bis dahin aufgestanden und geduscht zu sein, ich nehme aber auch so mit!“ Kommen Sie doch heute Abend um sieben zum Essen, ich möchte sehr gern, dass Sie mal wieder was Warmes in den Bauch bekommen.“
„ Ich weiß genau, wie du dich fühlst.“
„ Du darfst jetzt auf keinen Fall…“
„ Du solltest unbedingt …“
Wenn Sie daran glauben, dass in Leid ein verborgener Sinn steckt, dann ist es hilfreicher, wenn Sie das ausstrahlen, als das Sie es aussprechen. Ausgesprochen wirkt diese Überzeugung eher, als würden Sie das Ausmaß des aktuellen Schmerzes nicht ernst nehmen. Indirekt kann ihre Überzeugung dem Menschen aber gut tun, weil es ihnen hilft, dem Trauernden ohne Angst und Sorge zu begegnen. Es kann, sein, dass auch ihr Gegenüber irgendwann rückblickend so etwas wie einen Sinn in Verlusten und Krisen sieht. Das ist jedoch ganz allein seine Angelegenheit.
Mit aufrichtiger Anteilnahme…
Beileid aussprechen mit Sinn und Verstand
X Bitte vermeiden Sie:
• Vermeiden Sie Hinweise auf die Ersetzbarkeit des Verstorbenen. Zum Beispiel nach dem Tod eines Kleinkinds: „ Eure beiden Großen werden euch über den Verlust hinwegtrösten, und wer weiß ob nicht bald ein neues Kind eure Familie komplett macht.“ Oder du wirst nach dem Tod des Partners bald ein neues Glück finden, selbst wenn, - der Verlust dieses einen Menschen bleibt bestehen und die Lücke, die dieser besondere Mensch hinterlässt, ist da, auch wenn neue Lieben gefunden werden. Verstorbene sind nicht ersetzbar. Stellen sie sich einen Moment lang vor, es wäre ihr Kind oder ihr Mann, die gestorben wären? Würden Sie solche Sätze hören wollen?
• Vermeiden Sie Floskeln und Zitate, die das Ende des Trauerprozesses betonen, wie „ Aus jedem Unglück entsteh am Ende ein Sinn „ oder: „ Ihr werdet bald Licht am Ende des Tunnels sehen.“ Es kann gut sein, dass das so eintreffen wird. Aber wenige Tage oder Wochen, nachdem jemand gestorben ist, fühlen sich diese Sätze nicht tröstlich an. Im Gegenteil wirken sie wie Verhöhnung der im Moment empfundenen Verzweiflung. Einzige Ausnahme – wenn Sie selbst trauern, können sie von sich und ihren Erfahrungen erzählen: „ Mir hat geholfen…“ Heute, 10 Jahre danach, vermisse ich ihn immer noch, aber ich kann wieder schlafen, tanzen, lachen. Ich möchte euch Hoffnung machen, dass es irgendwann leichter wird.“
• Vermeiden Sie allgemeine Hilfsangebote:“ Du kannst mich jederzeit anrufen“. Wir sind immer für Sie da, Sie müssen sich nur melden.“ Sagen Sie Bescheid, wenn Sie etwas brauchen.“ Auf diese Angebote werden Trauernde meist nicht zurückkommen. Jeder kennt das Phänomen, dass es einen Punkt im eigenen Schlechtgehen „ gibt, ab dem man nicht mehr um Hilfe bitten kann. Es fühlt sich demütigend an, auf die eigene Bedürftigkeit aufmerksam machen zu müssen. Auch ein allgemeines: „ Was kann ich für dich tun? „ kann eine Überforderung darstellen. Wenn Sie ernsthaft Ihre Unterstützung anbieten möchten, dann tun Sie das so konkret wie möglich:“ Ich würde Sie gern besuchen und werde mich in der kommenden Woche bei ihnen melden, wann es ihnen recht ist.“ Wenn Sie konkrete Angebote ausgesprochen haben, erfüllen Sie die bitte auch.
Tipp: Denken Sie auch an die Geschwister eines verstorbenen Menschen. In der Regel werden Eltern und Partner eines Verstorbenen in der Beileidskarte angesprochen. Manchmal auch die Kinder. Aber es gibt auch die Geschwister. Eine Frau, deren erwachsene Schwester starb, als sie 42 war, erzählte mir, dass ihre Eltern über hundert Beileidskarten bekommen hätten, sie selbst keine einzige. Erst als sie das aussprach, wurde ihr der Mangel an Respekt und Unterstützung für ihre eigene Trauer deutlich, und sie brach in Tränen aus.





