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von Michaela Schuster am 05.02.2014 - 10:22 Uhr | melden
Unser Hirn: Feind oder Freund?
Wenn wir an unseren Zweifeln verzweifeln ~~~
Eine Wesenhaftigkeit des Lebens besteht darin, Erfahrungen zu machen.
Neben Erfahrungen, die wir mit vielen Mitmenschen teilen und die zum "natürlichen" allgewöhnlichen Entwicklungsprozess des Menschen gehören, gibt es auch die außer-ordentlichen Erfahrungen ~ wie den Tod des Kindes. Solche außer-ordentlichen Erfahrungen sind nicht so schnell einordbar, durchfühlt, "verstanden", greifbar ~ sie gehören zu den seltenen Erfahrungen, mit kaum einer vorher gemachten Erfahrung vergleichbar und damit "sortier bar", schnell verarbeitet und integriert.
Erfahrungen führen uns in die Wahrnehmung. Unsere "Grenzerfahrungen" sind nicht über-natürlich, aber doch außer-natürlich.
Unser Verstand ist damit außer-ordentlich gefordert.
Er beginnt, Fragen zu stellen, zu klagen, zu hadern, zu zweifeln. Er schickt immer wieder seine Vernunft-geborenen Impulse ans Herz/die Seele ~ er bringt sie ins Fühlen, ins immer-wieder-nochmal-erfahren und durchfühlen, bis die Wahrnehmung/Erfahrung zur Wahr-Gebung führt. Diese liegt außerhalb unserer Erfahrung, sie ist in diesem Leben nicht prüfbar. Sie ist eine Entscheidung des Zusammenspiels von Herz UND Verstand.
Alle Gedanken, aus dem Kopf geboren, berühren und bewegen das Herz, lassen es verschiedene Gefühle durchfühlen mit dem liebevoll gemeinten "Ziel", seine eigene Wahrheit zu finden, im Einklang von Herz und Verstand. Und das solange, bis man sich für eine "Antwort", eine Wahrgebung entscheiden kann, die als persönliche Wahrhaftigkeit verstanden und gefühlt werden kann. Das DARF ein längerer Prozess sein, gerade bei außer-ordentlichen Erfahrungen, die so wider-natürlich erscheinen, weil sie gegen das Gesetz der Natur zu verstoßen scheinen. Die Erfahrung führt somit zu einer gedanklichen Auseinandersetzung mit Fragen und Zweifeln, Überlegungen annehmen und verwerfen ~ das Herz/die Seele übernimmt ihren Part im Durchfühlen ~ Verstand und Herz bleiben im Austausch ~ und arbeiten gemeinsam solange an der Wahrnehmung, bis sie sich gemeinsam für eine Wahrgebung entscheiden können.
Menschen, die wenn auch liebevoll und von Hilfsbereitschaft gelenkt meinen, ihre Wahrheit sei DIE Wahrheit, verunsichern oft noch mehr als dass sie wirklich helfen. Die Natur hat uns nicht so ausgerichtet, dass wir "so einfach" andere persönliche Wahrheiten ungeprüft und durchfühlt in uns integrieren, gerade bei außer-gewöhnliche Erfahrungen. So verunsichern manche Menschen manchmal noch mehr als zu unterstützen, weil man sich unverstanden fühlt und sich selbst zusätzlich wieder in Frage stellt. Und gleichzeitig erhalten wir von unseren Mitmenschen damit auch wertvolle Impulse, die uns ins Denken und Fühlen bringen, die in uns rühren und uns bewegen.
DIE eine Wahrheit gibt es definitiv nicht. Weil sie immer Ergebnis einer Wahr-Gebung ist. Und diese ist individuell. Da gibt es kein richtig und falsch. Es ist nicht prüfbar und belegbar ~ in diesem Leben. Und auch das wird seinen Sinn haben. Einzig wichtig ist, wie man sich selber mit seiner persönlichen Wahrheitsfindung annehmen kann und wie sie den eigenen Weg führt. Wir dürfen kritisch bleiben. Es macht keinen Sinn, sich andere Wahrheiten überzustülpen. Der Verstand wird sich dagegen wehren, das Herz wird nicht unbedingt unbeschwerter. Es gibt auch kein vorgegebenes Ziel. Es ist keine Prüfbarkeit möglich, Wahrgebung ist immer eine individuelle Entscheidung. Herz und Hirn in Teamwork machen die persönlichen Erfahrungen zum Impulsgeber für die eigene Wahrheitsfindung. So dürfen wir auch unsere Zweifel und unerwünschten Gefühle, die damit einhergehen, liebevoll annehmen und zulassen. Sie sind ein Zeichen für die Bewegung, den Kontakt und die Kommunikation zwischen Hirn und Herz.
Somit ist auch der Kopf ein wertvoller Teil in uns und will gehört werden. Wieso hätte die Natur ihn uns gegeben, wenn alles an uns geliebt sein soll? Sie wird uns das Hirn nicht umsonst geschenkt haben. Wir dürfen es annehmen als liebevollen und hilfreichen Teil in uns. Sein Wirken besteht darin, uns durch seine Gedanken in Bewegung zu bringen und das Herz ins Schwingen. Genauso ist es umgekehrt möglich.
Herz und Hirn sind nicht Feind, sie sind wie Bruder und Schwester.
Daher ist meine Wahrheit, mein Herz nicht vom Hirn zu trennen. Sie inspirieren sich gegenseitig und sind beide Teile unseres Wesens, und zeugen in ihrer Zusammenarbeit von Ganzheit, Integrität, Bewegung und damit Lebendigkeit.
In diesem Sinne: vertrauen wir der Sinnhaftigkeit unserer Zweifel ~~~ dass auch sie zum Guten führen ~~~
(Alexandra Wirth)





