Ramona von Vogtareuth

Ramona
von Vogtareuth

29.11.1983
 
-
03.04.2020
Vogtareuth

stimmungsbild
ZurückAus dem Kondolenzbuch: Mehr war da nicht nur Menschlichkeit

von No Name am 13.02.2026 - 16:39 Uhr | melden

Hallo liebe Ramona,

ich habe so den Eindruck das meine Schreiberei wie auch immer gerne gelesen wird. Ist auch ok. Daher hier noch ein Text diesmal zu dem Aspekt was einige Leute denken hier zu erkennen...

Klar da war eine salopp unübliche Nähe. Genau das ist es was ich zulasse und was andere Kollegen und Kolleginnen völlig ablehnen. Meist tun sie es zum Eigenschutz und das soll auch völlig ok sein denn Nähe kann so eine Sache für sich sein.

Ich lernte Nähe im Krieg. Einfach gesagt viele sind in meinen Armen gestorben was etwas mehr in mir in mir bewirkte doch sah ich da ein Akt der Menschlichkeit. Es war einfach ok. Viel wichtiger aber ist kann man selbst damit vernünftig umgehen? Ich will mal die These reinbringen - die meisten können und wollen es nicht. Auch das sei ok. Wiederum ich: ja ich kann das.

Wie so üblich irgendwo im nirgendwo man trifft sich. In der Regel man gibt sich die Hand ich bin der und du bist die usw.

Ja so könnte man das erste Treffen beschreiben. Aber schnell kamen Dinge zur Vorsprache die einfach reinhauen und eine Packung "Klinex" hätten es auch nicht getan. Man schaut sich an und einfach in den Arm nehmen. Das nenne ich Nähe. Nein dabei muss nicht etwas schräges passieren dabei entsteht einfach Menschlichkeit. Etwas zeigen ohne Worte denn viele Situationen haben keine Worte.

Ja so geschehen und nochmals betont mehr war da nicht und mehr wurde auch nicht.

Und ja es schafft Nähe. Sagst du einem üblichen Hausarzt Herr/Frau x ist gestorben wird er wohl sagen "ach ja". Als man mir sagte Ramona und die Kids sind tot sagte ich "sch...e". Klar es haute rein aber ich wusste damit umzugehen und auch wenn das echt weh tat das weh war es mir für ein Stück Menschlichkeit wert. Ich sehe es im vergleich wie ein Handwerker der sein Job mit aller Hingabe macht und sich mit dem Hammer auf den Finger haut. Das tut weh und dennoch macht er weiter und liefert meisterliche Arbeit.

In so einer "nahen Situation" sagtest du mal "wenn das jetzt gewisse Leute sehen machen die einen dicken Skandal".

Ich musste lachen und ganz typisch ich "ja Ramona du musst diese Leute auch verstehen für die ist Menschlichkeit ein Fremdwort".

Du musstest lachen.

Das erinnert mich an eine Aktion. Große Schlagzeilen überall. Ich war auf einem Bahnhof jemand kam mit einer "Bilder" Zeitung schau mal du machst wieder Schlagzeilen. Ich holte die Zeitung formte einen Ball und spielte Fußball damit und sagte das beste was man damit machen kann. In einigen anderen Zeitungen hatte man das berichtet und die Leute fanden es einfach super. Weißt du in einem Extrem lächeln zu können ist eine Kunst für sich. Solange das aber möglich ist darf man hoffen es schaffen zu können.

Ich kenne auch solche Situationen: da ist kein lachen mehr da ist kein Selbstwert mehr da ist nur noch dieser eine Schritt. Man hängt wie ich sage immer zwischen Himmel und Hölle. Extrem. Sehr gefährlich.

Leider war ich in dieser Situation nicht vor Ort. Du mit einer Waffe. Ok da gehen viele in Deckung und suchen alles andere als Nähe. Aber genau diese Nähe wäre es wohl gewesen die am Ende drei Leben am Leben gehalten hätte. ... ok oder es hätte vier Tote gegeben.

Ja da gibt es auch Risiken. Viele schweifen da auch zu weit aus. Sich in den Arm nehmen bedeutet nicht gleich die ach so tolle Liebe und Verhältnis und so Sachen. Es bedeutet einfach Menschlichkeit und ja man kann sogar lächeln bewirken. Lächeln das am Leben hält auch wenn es nur einige Sekunden oder Stunden oder Tage bedeutet.

Du und viele andere haben das sehr wohl verstanden. Mehr war da nicht nur Menschlichkeit.

Ja die letzten Tage von dir. Die Hölle würde ich sagen. Du hast auch Hilfe angenommen. Und dann...

Sowas passiert auch selbst wenn die die beste Hilfe der Welt hast.

Solche Situationen kenne ich auch. Du kommst wem näher und das Gegenüber weiß ganz genau der wird dich nie und nimmer heldenhaft anspringen und dich vor dem Fall nach unten retten. Außerdem hält der so viel Abstand usw. Manche schauten mich an ohne ein Wort ... weg.

Schon in salopp interne Kreisen ist das extrem belastend. Völlig normal völlig ok. Aber auch hier ich weiß damit umzugehen.

Ich denke das hast auch du klar erkannt. Manchmal frage ich mich war es das was dich "gehindert" hat einfach anzurufen oder mir zu schreiben "ich kann nicht mehr"? Ich wäre gekommen ich wäre da gewesen und sei dir versichert einem Menschen mit Schusswaffe auch wenn ich ihn kenne begegne ich mit einer gesunden Vorsicht und Held spielen ach das liegt mir echt nicht.

***

Nun das sind diese Dinge von denen niemand spricht über die niemand (frei) sprechen will. Manches sind so genannte Tabu Themen. Ach was hat sich die Menschheit selbst Steine in den Weg gelegt wobei man viel Leben erhalten hätte können wenn man sich einfach nur ein Stück näher gekommen wäre.

Ich will den Text beenden mit folgender Szene der Erinnerung:

wieder nahe du hast geheult und dein Gesicht voller Ohnmacht und due sagtest "... ich heue dir die ganze Jacke voll" und ich sagte "macht nix ich weiß du hast eine Waschmaschine". Bevor du etwas sagtest schautest du mich und und da war es das lächeln....

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Geschenk Am 08.04.2020 von Gedenkseiten.de angelegt.
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