Mit einem Geschenk hinterlassen Sie Ihr persönliches Zeichen in Gedenken an Ramona von Vogtareuth. Veredeln Sie jetzt diese Gedenkseite durch ein Geschenk in Ihrem Namen.
von No Name am 15.03.2026 - 13:31 Uhr | melden
Trigger sind die Minenfelder der PTBS. So habe ich es einmal beschrieben, und ich denke, dieses Bild trifft die Sache recht gut. Ich möchte hier keinen Fachvortrag über Trigger halten, sondern einfach auf einige Aspekte aufmerksam machen.
Die Medien sind oft schnell zur Stelle. Als der Mord an meiner Frau geschah, standen über Monate hinweg die Zeitungen voll davon. Damals hatte ich keine Ahnung, wie man mit so etwas umgeht. Irgendwann sagte ich mir: Dann lernst du eben, damit umzugehen. Tatsächlich bin ich später auch auf anderer Ebene im journalistischen Bereich tätig geworden.
Im Fall von Ramona und ihren Kindern war der Umgang mit Medien für mich bereits Routine. Doch es gibt auch andere Fälle, die in der Öffentlichkeit stehen und zeigen, wie lang die Schatten von extremen Erlebnissen sein können. Ein sehr bekannter Fall aus Österreich zeigt aktuell wieder, dass selbst nach Jahrzehnten die Vergangenheit Menschen einholen kann.
Dabei fällt mir immer wieder etwas auf:
Es gibt durchaus gute Experten, engagierte Fachleute und viele Versuche zu helfen. Daran zweifle ich nicht. Doch manchmal zeigt die Realität, dass die üblichen Wege nicht immer ausreichen.
Man arbeitet über Jahre, erkennt Zeichen, sieht Entwicklungen – und trotzdem steht ein Mensch plötzlich wieder an einem extremen Punkt. Das ist kein Vorwurf. Es ist eher eine Erinnerung daran, wie komplex das Trauma wirklich ist.
Wer mit schweren Traumata zu tun hat, weiß, dass Trigger wie ein Minenfeld wirken können. Du weißt nicht, wo sie liegen, wann sie ausgelöst werden und wie stark sie wirken. Manche erkennt man, andere können jahrelang verborgen bleiben. Und dann, plötzlich, explodieren sie.
Trigger zerfetzen den Körper nicht.
Sie wirken auf die Seele.
Manchmal hilft in solchen Momenten etwas sehr Einfaches: jemanden in den Arm zu nehmen. Doch genau diese menschliche Nähe wird in manchen professionellen Konzepten eher vermieden. Distanz gilt dort als wichtig. Das kann ich teilweise verstehen, denn Nähe und Mitgefühl können auch den Helfenden treffen.
Ja, ich habe durch meine Nähe zu Ramona auch Trauer erfahren. Diese Trauer hätte ich mir vielleicht ersparen können, wenn ich Abstand gehalten hätte. Aber ehrlich gesagt: Was ist so schlimm daran, Trauer zu empfinden?
Ramona hat mit einer sehr schweren Last gelebt. Sie hat geweint, gekämpft und weitergemacht – lange Zeit. Am Ende hat sie es nicht geschafft. Das ist tragisch.
Doch bis zu diesem Punkt hat sie gelebt, gekämpft und viel ausgehalten.
Menschen wie sie könnten uns sehr viel über das Trauma und das Leben danach erzählen. Nicht nur Ramona hat von mir gelernt – ich habe auch von ihr gelernt. Solche Erfahrungen bekommt man nicht in einem Hörsaal oder durch endlose Sitzungen.
Man lernt sie im echten Leben.
Deshalb ist mir eines wichtig: Wenn du selbst in einer extremen Situation steckst, suche dir Hilfe. Du wirst unterschiedliche Hilfe finden – gute und weniger gute. Aber der wichtigste Schritt ist, überhaupt Hilfe zu suchen.
Trigger sollte man niemals unterschätzen.
Das Leben wird vielleicht anders werden als früher. Das ist eine Realität. Aber anders zu leben bedeutet nicht, dass das Leben vorbei ist.
Es ist immer noch dein Leben.
Dein Recht.
Dein Weg.





