Mit einem Geschenk hinterlassen Sie Ihr persönliches Zeichen in Gedenken an Ramona von Vogtareuth. Veredeln Sie jetzt diese Gedenkseite durch ein Geschenk in Ihrem Namen.
von No Name am 22.04.2026 - 12:33 Uhr | melden
Nachdem ich in einem anderen Beitrag etwas näher auf meine Person eingegangen bin, möchte ich diesmal aus einer anderen Perspektive schreiben – als Hinterbliebener.
Wer einen solchen Verlust erlebt, weiß, dass danach etwas beginnt, das man nur schwer beschreiben kann. Ich nenne es oft den „Krieg nach dem Krieg“. Worte dafür zu finden, ist nicht einfach. Vor vielen Jahren, nach dem Mord an meiner Frau und meinen Kindern, stand ich genau an diesem Punkt. Es fehlten mir buchstäblich die Worte.
Ich hatte damals das seltene Glück, in Bereichen tätig gewesen zu sein und später auch zu studieren, die sich intensiv mit Extremsituationen und der menschlichen Psyche befassen. Doch eines habe ich gelernt: Theorie und Realität sind zwei völlig unterschiedliche Dinge.
Man kann vieles verstehen, vieles erklären – aber wenn es einen selbst trifft, ist alles anders.
Ramona war ein Mensch mit vielen Facetten. Sie hatte Stärke, sie hatte Belastungen, und sie hatte Menschen um sich, die sie geschätzt und begleitet haben. Es gab gute und schwere Zeiten. Wie bei jedem Menschen – nur manchmal intensiver.
Wir sind nicht einfach nur durch Gespräche gegangen. Es war eher ein gemeinsames Durchgehen durch schwierige Situationen – wie Bruder und Schwester im Kampf. Ein Miteinander, das weit über das hinausgeht, was man in klassischen Gesprächen kennt.
In solchen Situationen weiß man nie, wohin es führt. Es gibt keine Garantie, keine sichere Prognose. Man kann nur aufmerksam sein, Alarmzeichen erkennen und versuchen zu handeln.
Als die Meldung kam, stand ich nicht einfach nur da.
Ich war in Bereitschaft. In meinen Sachen. Wartend.
Laufend neue Informationen. Spannung, die man kaum beschreiben kann.
Man weiß in solchen Momenten nie, was einen erwartet.
Dann kam die Endmeldung:
Ramona ist tot.
Und die Kinder auch.
In diesem Moment nahm mich eine Kameradin einfach in den Arm.
Sie wusste um meinen Kontakt zu Ramona.
Und dann sagte sie einen Satz, den ich nie vergessen werde:
„Jetzt erlebst du das gerade zum zweiten Mal.“
Ja… so kann man es ausdrücken.
Es hat hart getroffen.
Ich mache in diesem Fall niemandem einen direkten Vorwurf.
Es gab Menschen, die für Ramona da waren – echte Freunde, aus verschiedenen Bereichen ihres Lebens.
Es gab aber auch Situationen und Verhaltensweisen, über die man nachdenken sollte. Denn eines habe ich gelernt: Jeder Mensch hat Grenzen. Und wenn diese Grenzen erreicht oder überschritten werden, können Dinge entstehen, die niemand so wollte.
Man darf wütend sein.
Man darf traurig sein.
Man darf sagen: „Ich verstehe es nicht.“
Das ist menschlich.
Wichtig ist nur eines:
Dass man sich selbst bewahrt.
Denn genau darin liegt der Weg, weiterzugehen. Nicht zu vergessen, sondern mit dem, was war, zu leben und vielleicht etwas davon weiterzugeben.
Ich habe begonnen zu schreiben. Hier und an anderen Stellen. Nicht, weil es einfach ist – sondern weil ich sehe, dass Menschen beginnen nachzudenken, sich mit Dingen auseinanderzusetzen und vielleicht etwas mitzunehmen.
Niemand muss meiner Meinung sein. Kritik gehört dazu. Auch das ist menschlich.
Wenn dadurch erreicht wird, dass man früher hinschaut, besser versteht und vielleicht verhindert, dass sich solche Dinge wiederholen, dann hat es einen Sinn.
Ramona war einer der wenigen Menschen, die in ihrer Not sehen durfte, wer sich hinter manchen Dingen und Sturmhauben verbirgt – ein Vertrauen, das nicht selbstverständlich ist.
Und vielleicht ist genau das etwas, das bleibt.





