Ramona von Vogtareuth

Ramona
von Vogtareuth

29.11.1983
 
-
03.04.2020
Vogtareuth

stimmungsbild
ZurückAus dem Kondolenzbuch: Ein Mord ändert nichts

von no name am 09.05.2026 - 11:48 Uhr | melden

Liebe Ramona,

Ein Mord vor fast 32 Jahren und wie ich gut ein Jahr später aussagen könnte der Mord hatte nichts an der Liebe geändert. Mit einem Schlag verlor ich drei geliebte Menschen und ich stand da mit meiner kleinen Tasche Türen versiegelt und das Beileid ausgedrückt. Was nun?

Ich hatte die erste Nacht draußen verbracht und es war weniger Schlaf, es war mehr Ohnmacht, Unglaube, Liebe, Tränen, Wut und noch so viel mehr. Am Tag danach brach der Presse Rummel los und ich wusste rein nichts darüber, wie man damit umgeht, aber ich hatte mir vorgenommen es zu lernen und bis heute muss ich sagen oder besser gesagt sagen es andere, hab ich es gut drauf. Das erste Jahr war die Hölle.

An Arbeit Studium war nicht zu denken. Also ging ich in den Krieg Jugoslawien. Massengräber KZ Lager aufspüren üble Zeit Gesellen, die all das veranstalten neutralisieren. Damals entstand eine Dokumentation und ich dachte, dass sich kein Mensch interessieren würde. Das Ding wurde in drei Sprachen übersetzt und wurde sogar ausgestellt.

Tja Ramona. Du kamst danach und was wir uns gegenseitig geben konnten, war rein menschlich völlig normal. Du hattest öfter an Skandale gedacht und ach wenn die Leute das mitbekommen. Na und? Wir waren Bruder und Schwester im Kampf nicht mehr, nicht weniger, aber das kann genauso zusammenschweißen wie die große Liebe.

Dann wieder der Mord. Du und deine geliebten Kinder tot.

Man kann es nehmen und sehen, wie man will, du sollst geschossen haben. Drei Schüsse und das in schnellem Ablauf. In nicht mal 5 Sekunden seid ihr da gewesen, was wir Jenseits nennen. Der Entschluss muss in dir festgebrannt gewesen sein.

Ich sage immer, das war kein psychologischer Ausnahmezustand.

Man verwendet gerne diese Umschreibung, was ich oft als Blödsinn empfinde, denn man versucht leider sehr oft etwas auszudrücken, was schwer zu beschreiben und zu verstehen ist. Ich denke, es war dieser “tödliche Auslöser”.

Wir waren im Einsatz beim Nova Festival Israel.

Wieder Schicksal, wieder Zufall. Wir waren nicht weit weg. Alarm mit Prio. Unterwegs erste Meldungen. Wir hatten kaum Zeit uns richtig einzukleiden, was uns oft auch nicht möglich ist. Das richtige Werkzeug wählen. Und schon ging es los. Strategie steht raus raus aus und rein ins Gefecht. Die Kugeln flogen uns um die Ohren. Egal, weiter weiter. Wir sahen schon von weiten was da abgeht. Die Menschen taten uns so leid.

Mitten in Gefechten, die man sich eher im Krieg, aber nie an eine Tanzveranstaltung denken würde. Menschen sind oft so schrecklich zugerichtet. Manchmal sehe ich heute Bilder von Opfer und ich erkenne einige wieder. Bei manchen weiß ich, dass sie lebten und starben in unserem Beisein. Manche sagten dann "Ich will nur noch sterben”.

Da war er dieser Auslöser.

Diese Opfer haben die Hölle erlebt und was und wie sie erlebten und all das andere in ihrem Leben brachte sie zu dieser Aussage "Ich will nur noch sterben”. Sowas nehmen wir im Einsatz auch unter Beschuss sehr ernst, denn mit hoher Wahrscheinlichkeit werden solche Menschen salopp aufhören zu leben, egal wie sehr du dich bemühst. Man kann nur da sein, ihnen die Hand halten und sie gehen. Extrem harte Momente für uns.

Später wollte uns der Staat (wie so oft) hochgradig auszeichnen. Wir lehnten es geschlossen ab.

Ja und dann du. Dass du damals keinen Alarm geschlagen hast. Ich denke, ich weiß warum. Ich wäre auch bei dir gewesen und keinesfalls hätte ich es hingenommen, dass du die Kinder und dich tötest. Das bedeutet für mich in Hinblick auf deine Verfassung - du hättest mich dreimal erschießen müssen. Ich hätte nie eine Chance auf Abwehr gehabt, wäre also bewusst in den eigenen Tod gegangen.

Für meine Schwester und ihre Kinder im Kampf hätte ich so agiert.

Das hast du gewusst, daher kam kein Alarm.

Was muss das für ein grausamer unmenschlicher Auslöser gewesen sein, der den Schalter in dir umlegte ?

Ich habe Menschen in solchen Phasen erlebt. Manchmal wusste ich den Auslöser. Bei dir liebe Ramona weiß ich den Auslöser nicht so genau. Einiges kann ich aber erahnen und dann ging es los. Es muss die Hölle in dir gewesen sein.

Nein ! Das soll keine Entschuldigung oder Ausrede für diese Tat sein. Es kann und darf nie so angehen und muss in aller Schärfe verurteilt sein. Dennoch kommen immer wieder Menschen in solchen Phasen. Sie enden nie mit dubiose Amokfahrt oder anderen Dinge - sie enden fast 99,9% tödlich.

Interessant ist, dass wir als Eliteeinheit auf sowas trainiert wurden und ständig lernen. Wir wissen um das, was ich Auslöser nenne und wir wissen jeder Mensch kann es treffen und da wir alle gerne leben und überleben wollen, achten wir auf solche Aspekte. Wie ich schon öfter gesagt habe, sind Eliteeinheiten nicht nur Waffen und Gefechte. Wir lernen Dinge von denen man nicht mal annehmen würde das wir sie lernen.

Man muss vorab sagen, wir sind wahrlich sehr eigensinnig.

Wir wollen nicht mit dem Gesicht im Rampenlicht stehen und manche fragen sich, warum die Leute Masken tragen, wo keine Maske nötig wäre. Wir machen nur unseren Job und ich sage es mal salopp selbst einige deiner Vorgesetzen mit goldenem Laub und Sterne wissen nicht wer unter den Masken steckt.

Du hast aber die Gesichter gesehen. Du hast mein Gesicht gesehen.

Es war ok, wir akzeptieren dich.

Du hast dazu gehört, ohne dabei zu sein.

Schmunzel, ich musste gerade an dein Gesicht denken. Du hast so gewisses Hintergrundwissen gehabt. Wenn es Ärger gibt, wende ich mich an "die". Dann das erste Treffen. Ich glaube, das Gesicht hat das gesagt, was viele sagen würden, wenn wir die Maske fallen lassen. Echt jetzt ausgerechnet “der” oder “die”?

Deine Geschichte, dein Leben und es war in einigen Phasen extrem. Von der Kindheit über Jugend im Dienst bis hin zum Sport. Überall hast du nicht immer Friede, Freude, Eierkuchen erlebt und ja manches war sicher die Hölle. Wir sind durch vieles gemeinsam durch. Ich erinnere mich noch. Dein Blick hat schon einiges gesagt. "Du, da gibt es jemanden". Der Anfang mit dem Liebhaber. Meine Meinung dazu hast du gehört, aber du warst mehr als überrascht, denn so Leute wie ich respektieren Lebensart, auch wenn sie nicht unserer Art entspricht.

Aber ich sagte dir auch, dass es der Anfang von einem Ende sein kann. Klar schwer zu verstehen, aber es war tatsächlich so. Diese Sache Liebhaber spielt sicher in Bezug auf den Auslöser eine Rolle. Es wird nicht “die Rolle” gewesen sein, aber es war und ist ein Stück davon.

Sei wie es ist. Das wollte ich heute mal wieder loswerden.

Nun liebe Ramona, was du auch immer angestellt hast, im Jenseits trete ich dir dafür noch so kräftig in den Hintern. “… wenn wir im Team reden, sage ich immer ach Leute, ich habe 80% vom möglichen Leben hinter mir und die 20% schaffe ich noch locker trotz all den Belastungen und altersbedingten Aspekten…"

Wir sprechen oft von dir und den Kindern. Ja da ist eine Lücke, ja da fehlt was, aber die “Verbindung” zu dir und den Kids bleibt immer.

Schmunzel so Ramona, jetzt mache ich mich mal an die verbleibende 20% Leben ran, was wahrscheinlich noch einige Jahre bedeutet. Viel zu tun.

Ganz im Sinne von Bruder und Schwester im Kampf: hab dich und die Kids lieb

PS: dazu das Video Verbindungen" ... "Ramona ich vermisse dich und die Kinder so sehr..."

no name
Geschenk Am 08.04.2020 von Gedenkseiten.de angelegt.
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