Mit einem Geschenk hinterlassen Sie Ihr persönliches Zeichen in Gedenken an Ramona von Vogtareuth. Veredeln Sie jetzt diese Gedenkseite durch ein Geschenk in Ihrem Namen.
von no name am 01.06.2026 - 17:36 Uhr | melden
Hallo Ramona Hallo Annabelle und Vivian,
Es ist mal wieder an der Zeit, euch einige Zeilen zu schreiben. Es freut mich so sehr, dass alles einen großen Anklang findet. Ok, ich kann nicht so professionelle Websites bearbeiten, aber dafür sind andere da, die das wirklich super machen. Mich erstaunt der Anklang etwas.
Mir ist es lediglich wichtig, euch in Erinnerung zu bringen. Manchmal bin ich erstaunt, wenn man sagt, das Web vergisst nichts und ich schaue, was damals mit meiner Frau und den Kindern geschehen ist und ich finde zunächst nichts. Selbst eineiige KI, die sich auf Zeitungen usw. berufen, finden nichts. Es ist irgendwie unmenschlich, denn bis heute habe ich die Originale der Zeitungen und andere Originale. Sehr schlimm fand ich, als die Presse bei der Uni nachgefragt hatte und man über ältere Vorgänge etwas wusste, aber über meine Frau und Kinder konnte oder besser wollte man nichts mehr wissen. Da setzte man natürlich nach, präsentierte einige der damals riesigen Schlagzeilen, die über Monate gingen, aber da schwieg die Uni. Zu peinlich oder einfach nur ignorant.
Man sagt, viele in Vogtareuth haben das, was euch geschehen ist, nicht vergessen, aber man spreche nicht darüber. Typisch Bayern? Bei der Bundespolizei ist immer noch bei einigen Leuten die Frage ob sie übersehen haben, ob sie Fehler machten. Und natürlich ist die Frage nach dem Ehemann und natürlich dem Geliebten.
Viele denken, ich würde nach etwas suchen. Natürlich suche ich nach diesem Auslöser. Niemand geht hin und erschießt seine Kinder und sich selbst. Natürlich bringt man den aktuellen Top Grund psychische Ausnahmezustand ins Spiel, was auf der einen Seite durchaus richtig sein mag, doch ein Mensch muss erst einmal in diese Ausnahme kommen und einfach so stolpert man da auch nicht rein. Was also brachte dich liebe Ramona an diesem Punkt?
Es ist sehr schwer hier Wissenschaft anzusetzen, denn es mag viele Fälle geben, aber dazu gibt es kaum Daten und Aussagen und Vergleiche. Sicher ist, dass die Menschen in so einer Lage (salopp ausgedrückt) nur noch den sicheren Platz im Jenseits glauben und alles, was sie lieben, mit holen. Das scheint der Punkt zu sein, an dem der Tod besiegelt ist. Aber was bleibt, was bringt einen Menschen dahin?
Jetzt darf man nicht den Fehler machen, alle ähnliche Fälle zu vergleichen, denn der Mensch ist ein Unikat. Während der eine über eine Situation herzlich lacht, kann es für den anderen der sichere Weg in den Tod sein. Du liebe Ramona und die beiden Kinder waren normale, liebenswerte und lebensbejahende Menschen, die wie eine Vielzahl anderer Menschen mit Höhen und Tiefen zu leben hatten. Alles in einem Rahmen, der nie bei solchen “Typ” Menschen zu einer solchen Reaktion deuten und andere erschießen.
Es muss etwas gewesen sein, was plötzlich schnell und sehr tief getroffen war und erhebliche Angst auf alles machte. Beruf, Privatleben, Sport - alles und das wiederum wurde von dir Ramona so extrem und erst genommen, dass du womöglich nur noch einen Ausweg gesehen hast.
Es verwundert weniger, dass ich diesen Aspekt gerne wissen möchte, ohne jetzt jemand anklagen oder die Schuld zuweisen zu wollen. Was geschehen ist, das lässt sich nicht mehr verändern, doch ich denke, man könnte viel lernen, wenn man anfängt darüber zu reden.
Über den Anklang der Gedenkseite als auch über einige Zuschriften war ich sehr froh. Bislang ergaben sich einige sehr gute Dialoge, aber auch wenn es nur einfache Dinge sind, wie jene, die du nie zu unserer Einheit gehört hast. Ja, du warst kein formelles Mitglied, aber wenn man es so rechnen darf, ist etwa 20 Jahre eine sehr liebgewonnene Freundin. Ja, wir machen um unsere Einheit ein riesiges Geheimnis, was aber mehr damit zu tun hat, dass es Gesetze gibt, sowas wie Geheimnisträger und das auf oberstem Niveau.
In einem Artikel heißt es, dass selbst unsere Familien oftmals nicht wissen, was wir wirklich genau machen. Das stimmt. Einige (viele) gehen morgens wie normale Leute auf die Arbeit, schreiben zwischendurch das übliche Ich liebe dich und kommen Abends wieder heim. Das Entgelt kommt nahezu immer pünktlich, die Abrechnung stimmt, ist nachvollziehbar und selbst wenn man den ein oder anderen Weg nachverfolgt, wird man nie Auffälligkeiten sehen.
Wahre Freunde?
Das ist sehr selten und in den letzten 40 Jahren würde ich ggf. von 2-3 Leute reden, die so dicht an uns waren wie du. Wir haben erlebt, dass Annabelle und Vivian zur Welt kamen und aufgewachsen sind. Wir haben deinen ganzen Lebensweg gesehen. Und du hast uns gesehen, so wie wir im Original sind. Das ist noch seltener denn (wie sagte mal wer) wenn ich vor dir stehe, würdest du nicht mal im Ansatz erahnen, wer wirklich vor dir steht. Wir haben das Problem, wenn Kameradinnen oder Kameraden fallen. Es gehört zu meiner Aufgabe, die Hinterbliebenen zu informieren, und zwar im Klartext. Viele Partnerinnen und Partner fallen salopp aus allen Wolken. Oft kommt die Frage, warum man das so versteckt habe.
Ich versuche es immer so auszulegen, dass man seiner Partnerin oder Partner keine unnötigen Sorgen bereiten wolle denn es ist ein ganz anderes Tschüss Bis heute Abend, wenn du weißt deine Partnerin oder Partner geht in einen extremen Einsatz dessen Ausgang niemand wissen kann.
Ramona, du sagtest mal zu mir: "Ich will dich niemals so verlieren”.
Das setzt ganz schön zu, aber wir wissen damit umzugehen. Auf der anderen Seite zeigt es, wie verbunden man einfach ist, auch wenn man nicht direkt zur Truppe gehört. Du wir alle wussten aber damit umzugehen.
Du hattest auch diese Fälle miterlebt, wo uns nahestehende Truppen Verluste hatten. Da gab es Fälle das sich Kameradinnen bzw. Kameraden selbst getötet haben, weil sie dem Feind nicht lebend in die Hände fallen wollten. Für uns immer wieder extrem schwere Situationen. Dann, wie so oft Ramona holt uns an x ab.
Ich erinnere mich noch. Wir kamen aus dem Nordirak zurück und haben unsere Aufträge erfüllt. Beweismittel sind wie immer längst auf dem Weg zu hochkarätigen Behörden gewesen. Du hast uns gut gekannt und wir kennen dich. In ruhiger Runde später hast du mich in den Arm genommen und gesagt “was war denn”.
Wir haben dir berichtet. Schwere Gefechtssituation. Eine kurdische Kämpferin wurde in ihrer Stellung angegriffen und stand kurz davor, eingenommen zu werden. Durch unsere Ferngläser und Zielfernrohre sahen wir, wie sie eine Art “Gebet” sprach, dann die Waffe auf sich richtete und sich beim Eintreffen der IS erschoss. Die IS hat ihre Leiche regelrecht zerfetzt, die Teile überall auf der Straße verteilt. Wir haben uns dazu entschlossen, das als Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu werten und sofort die Leute, die das taten, unter Beschuss zu nehmen und sie zu verfolgen. Etwas später waren alle tot. Wir sammelten die Leichenteile ein und übergaben sie den kurdischen Kameradinnen und Kameraden.
Ein Grundaspekt unserer Aufträge ist, die Dinge so gut wie möglich zu dokumentieren und natürlich zu agieren und alles schnellstmöglich den höchsten involvierten Behörden mitzuteilen, was da auch geschah. Manche Bilder/Videos gelangen in die Veröffentlichung und was du dann gesehen hast, war schon extrem.
Und du hast mich einfach in den Arm genommen, ich durfte Mensch sein Mensch fühlen. Mehr sage ich dazu nicht.
In der “Langzeitplanung” war mal der Gedanke, dass dein Leben optimal verläuft, so wie du es dir gewünscht hast und wir dann vllt. etwas “offen raus” über solche tiefen Freundschaften berichten, zumal auch die Kinder salopp immer etwas ahnten. Wir wollen mit unserer “Geheimhaltung” niemand belügen oder vor den Kopf stoßen. Es gibt auch weniger Eigenschutz, es ist mehr Schutz für andere. Wir gehen da weniger von “Angriffe” aus. Es kann aber Anfeindungen geben oder gar Neid, was du, liebe Ramona, durchaus oft erfahren hast. Dein Projekt war super und wir waren stolz, dass gewisse Aspekte eingebunden waren, die sich in ähnlichen Projekten nicht mal im Ansatz finden. Es waren deine Erfahrungen und salopp unseren Senf, den wir dazu gaben.
Und die Kinder. Sie waren einfach zu jung. Einmal haben sie uns gesehen, als wir dich nahe Vogtareuth abgesetzt hatten. Schmunzle, naja das musste auffallen drei unauffällige zivile Kleinbusse mit Stadtkennzeichen und Zahlenkombination und deine Tochter fragte dich "Wer waren denn die Männer mit den Gewehre”. Du sagtest, wir seien deine Berufskollegen. Die kindliche Neugier war befriedigt. Ich glaube bis heute haben die beiden Kinder wohl mehr geahnt, was man denkt. Kinder sind nie zu unterschätzen.
Du liebst deine Töchter über alles, daher war es ein schwerer Schlag auch von ihrem Tod zu erfahren, aber es war für mich ein sicheres Zeichen, dass es ein Extrem an Auslöser gewesen sein muss. Nun denn. Es ist wieder viel Text geworden. Bald sind wir wieder in deiner alten Heimat und versprochen wir besuchen die wichtigsten Stellen vor Ort.





