Mit einem Geschenk hinterlassen Sie Ihr persönliches Zeichen in Gedenken an Ramona von Vogtareuth. Veredeln Sie jetzt diese Gedenkseite durch ein Geschenk in Ihrem Namen.
von no name am 05.06.2026 - 11:31 Uhr | melden
Du Ramona
Ich bin richtig stolz, dass andere Leute diese Gedenkseite besuchen. Natürlich wünschte ich mir mehr Reaktionen, mehr Beiträge, auch wenn es ungewöhnlich ist, in einem Kondolenzbuch dies zu tun, aber es ist eben eine andere Art von sich mitteilen.
Einige tun dies und es sind wahrlich auch kritische Meinungen dabei, was völlig ok ist. Gut finde ich auch, dass man einige Aspekte “klarer” hinstellt. Natürlich warst du nie aktives Mitglied unserer Truppe, aber du hast einfach zu uns gehört. Derweil ist auch mehr bekannt über das, was wir so tun. Ja, richtig aktuell haben wir wieder mehr Wirken in Richtung der "Geister Einheit", wie man uns so nennt. Extra gegründet in Israel, um Verbrecher dingfest zu machen, die ihre grausamen Dinge auf dem Nova Festival taten.
Dazu haben wir uns beraten und wollen uns einmal genauer darstellen, ohne jetzt Geheimhaltungspflichten zu verletzen.
Vor sehr vielen Jahren bildete sich eine kleine Gruppe von Profis in Sachen Extreme. Jeder von uns hat so seine Erfahrungen gesammelt, gerade in den Kriegen. Eine Kameradin beschrieb uns mal eine andere Art Gruppe von Leiharbeitern. Salopp gesagt bieten wir unsere Erfahrungen Staaten an, die mehr und mehr auf uns zugreifen. Von Spez. Einsätze in Afghanistan über Befreiungen im Irak bis hin zur Jagd auf Kriegsverbrecher, was schließlich unsere Spezialität ist. Kein Wunder, dass sich die Kameradinnen und Kameraden der 888 freuten, dass wir sie unterstützen dürfen. Daher haben wir manchmal weder eine genaue Bezeichnung noch Dienstausweise.
Das war es eigentlich, was uns damals zusammengebracht hat. Eine Art “Aushilfe” bei einer Veranstaltung weil die Kräfte die ihre Show machen sollten verhindert waren und man schlicht uns fragte ob wir das übernehmen könnten. Schnell in sowas wie Uniform gesteckt und die Show wurde perfekt. Und du warst vor Ort. Es hat dich interessiert und sehr schnell bemerkten wir danach, wie du uns beobachtet hast. Die flüchtigen Blicke durch den Absperrzaun. Wir hatten sofort Vertrauen, was eigentlich selten ist und machten es so, dass du am Eingang von einer Kameradin abgeholt wurdest und dann bei uns gesessen hast.
Du hattest großes Interesse an Polizeiarbeit und irgendwie mussten wir ja dabei schmunzeln, denn wir waren keine Polizei. Als ich dann als erster die Maske abnahm, taten die anderen es auch taten und wir dir erklären, wer wir eigentlich sind, vergesse ich nie den Blick von dir. Ich glaube, du wärst am liebsten direkt bei uns geblieben, doch so einfach ist es bei uns nicht. Das hast du sehr schnell verstanden, aber dein Entschluss zur Polizei zu gehen, dort deine Arbeit zu tun, stand fest, was wir immer tatkräftig unterstützt haben. Schon früh war in deinen Gedanken die Idee eines Konzeptes für Kinder und Jugendliche Gewaltprävention. Ach solche Programme gibt es aber wir zeigen dir einige Aspekte die du übernommen hast wie Gefahren erkennen, den richtigen Blick für Situationen haben usw.
Bei dem Aspekt, was alles als Abwehrwaffe dienen kann, warst du immer so begeistert. Ich erinnere mich. Wir gingen mit dir in ein Übungsgebiet. Ein Parkhaus. Abgestellte Autos, dunkle Gänge usw. Das übliche Szenario. Dann fragten wir uns was tun, wenn sich plötzlich Angreifer nähern. Du sagtest sich bemerkbar machen wir fragten und wie? Du zeigst auf ein Alarmgerät, das einen schrillen Ton erzeugt. Wir fragten und was ist, wenn du es nicht dabei hast. Da fing der Kopf an zu denken. Natürlich Flucht. Richtig, das wäre eine Option und dabei um Hilfe rufen, das wäre eine weitere Option. Wir simulierten also die Sache und standen mit dir hundert Meter vom Objekt entfernt. Es war da kaum etwas wahrzunehmen. Dann sagte eine Kameradin, jetzt komm mal mit, ich zeigte dir eine andere Option.
Simuliert kamen auf dem untersten Deck zwei Angreifer. Also Flucht. Statt aber seinen Atem mit lauten Rufen zu schwächen, ging die Kameradin beim Weglaufen hin schlug und trat gegen die Autos, was bei den meisten Autos den üblich gewordenen Alarm auslöste. Das Geheule war in hundert Meter Entfernung locker wahrzunehmen. Autobesitzer neigen sehr schnell dazu bei Alarm hinzuschauen, ob nicht das geliebte eigene Auto betroffen ist und schnell zu agieren. Ein Hilferuf hingegen wird oft überhört. Lektion verstanden.
Wir zeigen nicht jedem solche Techniken, aber dir haben wir sowas gezeigt, weil wir dich unterstützt haben, denn du warst ein guter Mensch, ein warmherziger Mensch und was du uns zurückgegeben hast, war die menschliche Wärme, eine andere Art Liebe.
Das haben du und ich ausgelebt und daran sehe ich keine schlimme Sache, keine Affäre oder so.
Du warst sehr bedacht auf andere Leute. Wir wollten niemand vor den Kopf stoßen oder weh tun. Hinzu kam das “Spezielle” um die Truppe. Innerhalb unserer Kreise konntest du dich ausleben und draußen auch oft tobten Dinge, die einfach nur absurd waren. Man kann nicht verstehen, warum sich Leute Feindbilder schaffen, aber dass man in dir so ein Feindbild sah, ist einfach absurd. Eine erfolgreiche junge Frau. Na und?
Doppelleben, wie wir es nennen.
Viele von uns haben selten Familie und wenn, dann wissen die meisten Familien nicht, was wir wirklich machen. Alle von uns haben sowas wie ein Doppelleben und du mittendrin. Es war klar, dass niemand von unserer Freundschaft erfahren durfte. Das war keine Frage, die geklärt werden musste: Du warst einfach bei uns dabei, uns selbst hohe Stellen werden schlicht den Begriff hohe Geheimhaltungsstufe hören, wenn sie “zu dicht” an uns herankommen. Schmunzeln, deine “Akte” war schneller unter Verschluss als manche dachten, was bis heute so gilt.
Es sei betont, es dient dem Schutz des Landes und der Personen.
Was aber gut ist, es dient auch dem persönlichen Bereich. Das, was zwischen uns war. Eine sehr tiefe menschliche Freundschaft, die etwa 20 Jahre so bestand und nach deinem Tod auch so weiter geht, denn ich werde dich nie vergessen. Meine Kameradinnen und Kameraden werden dich nie vergessen. Wir pflegen etwas, was leider nur noch wenige aus deinem “normalen” Umfeld tun. Viele scheinen dich einfach zu vergessen, ja einiges einfach auszulöschen. Für manche bist du nur eine Mörderin und genau viele übersehen, was du alles durchgemacht hast. Viele glauben, sowas könnte ihnen nie geschehen, doch Menschen sind sehr schnell an ihren Grenzen. Klar, dein Vorgehen kann und darf nicht angehen, aber es passiert und du bist da kein Einzelfall.
Was geschehen ist, das ist geschehen. Es hat uns und besonders mir ziemlich zugesetzt. Man verliert nicht einfach so einen geliebten Menschen und man geht nicht einfach hin und erschießt seine Kinder und sich selbst. Das alles hat einen riesigen komplexen Verlauf.
Man stellt sich immer unter Eliteeinheit Ausrüstung, Waffen und Krieg vor, was auch so ist, doch wir lernen viel mehr. Dinge, von denen man nicht mal im Ansatz ahnen würde, dass wir uns damit befassen. Zu den schwersten Elementen wäre da auch der Verlust eines geliebten Menschen und genau das trat in deinem Fall gleich dreimal ein. Die Kinder. Ja, sie waren irgendwie auch ein Teil. Also verlor ich an einem Tag drei geliebte Menschen.
Sowas steckst du nie so einfach weg.
Ja, und in meinem Fall es war wie eine Art Wiederholung, denn 32 Jahre zuvor habe ich genau das erlebt. Frau und Kinder sterben auf schreckliche Weise bei einem Anschlag, der auch mir gegolten hat. Ich überlebte. Hätte ich von deinem Vorhaben gewusst, ich wäre vor Ort gewesen und wahrscheinlich wäre ich auch gestorben.
Das nennt man wahrlich Wiederholung auf extreme Art.
Dennoch haben wir gelernt, mit solchen Situationen umzugehen, denn es sind Dinge, die passieren können und ich hatte das Pech, sie gleich zweimal zu erleben. Auf der einen Seite dieses Pesch, auf der anderen Seite eine Erkenntnis, die nicht jeder machen kann.
Es ist die Erkenntnis, dass Liebe niemals mit dem Tod endet.





