Mit einem Geschenk hinterlassen Sie Ihr persönliches Zeichen in Gedenken an Ramona von Vogtareuth. Veredeln Sie jetzt diese Gedenkseite durch ein Geschenk in Ihrem Namen.
von no name am 08.07.2026 - 11:11 Uhr | melden
Es muss mal an dieser Stelle etwas klar gesagt sein:
Als ich Ramona kennengelernt habe, war sie noch ziemlich jung. Eine junge Frau, die am Anfang ihrer Karriere stand. Sie war begeistert von dem, was wir taten und auf der anderen Seite, wie so viele andere wenige Leute, die uns erleben, überrascht. Die Welt, in der wir agieren, ist nicht so, wie man sie sich oft vorstellt. Es hat auf der einen Seite seinen Grund warum Einblicke verwehrt werden, was auf der anderen Seite dazu beitragen kann, dass die abenteuerlichsten Dinge vermutet werden.
Ramona war von Anfang an für meine Kameradinnen und Kameraden und besonders auch für mich eine Schwester im Kampf.
Da entwickeln sich Dinge, die ebenso oft zu Gedanken und Auslegungen führen, die schlicht absurd sind. Wir können uns in den Arm nehmen tief in die Augen schauen Lieder singen, die durchaus eine gewisse Romantik haben und wie es in einem Lied heißt 1000 x berührt 1000 x ist nichts passiert. Wenn es dann Zoom macht, bedeutet das nicht, dass die große Bett-Affäre passiert. Es bedeutet eher, dass eine sehr tiefe Freundschaft passiert.
Wie viele erfolgreiche Menschen hat auch Ramona Anfeindungen, Hass und Neid erfahren. Natürlich fragte man sich, wie sie hier und da auf einige Aspekte kamen, die ihre Projekte begleitet haben. Das konnte doch nur ein sehr tiefes Fachwissen sein, aber woher hatte diese junge Frau so ein Fachwissen. Nun ja, wenn man solche Freunde hat, die zu den besten Eliteeinheiten der Welt gehören, bekommt man einiges mit, doch damit geht man nicht hausieren und es wäre auch nicht in unserem Interesse gewesen sowas zu verbreiten.
Mit dem Kampfsport kamen dann Techniken hinzu, die du so in keinem Kurs gezeigt bekommst und wir waren bereit, solche Techniken zu zeigen, denn das Projekt von Ramona war für Kinder, Jugendliche und Frauen, die sich Gewalt widersetzen sollten. Das fanden wir sehr gut. Auch auf einer Polizeischule selbst auf der Ebene SEK MEK wirst du einige Techniken nie gezeigt bekommen. Natürlich war man auch auf der Ebene der Polizei begeistert, was Ramona da anzubieten hatte und wir wissen, dass man sich fragte, woher sie nur solches Wissen hatte. Während der Ermittlungen nach der Tat kamen hin und wieder solche Fragen auf, woher Ramona gewissen Wissen hatte, doch das spielte für das Aufklären keine relevante Rolle. Bis heute und wohl bis in alle Ewigkeit gibt es Sperren, die nicht dazu dienen, etwas zu vertuschen, sondern sie dienen zum Schutz gewisser Menschen als auch zu unserem Eigenschutz.
Ramona war nie an einem unserer Einsätze beteiligt. Ich will es mal auch so beschreiben, sie war bestenfalls manchmal ziemlich nah dran.
Dann ist da noch die Sache mit dem Liebhaber. Nein, ich bin nicht dieser Liebhaber gewesen und ja, Ramona hatte am Ende ihres Lebens eine Beziehung außerhalb ihrer Ehe. Wir haben dies für keine gute Option empfunden und ausgedrückt.
Nach der Tat war der Presserummel da. Es gab gute und es gab weniger gute Berichte. Wir haben uns eine lange Zeit aus dieser Ebene fern gehalten, fanden jedoch, dass wir uns auch hier einbringen sollten. Dazu suchten wir Medien, die in ihrer Art frei und unabhängig sind. Leider kann man das von vielen Medien nicht sagen, aber wir fanden ein kleines, nicht so toll bekanntes Presseunternehmen und dort war die Überraschung schon groß, zumal einer der Medienmacher einst selbst Elitesoldat war. Man kannte also unsere Szene, was uns einiges einfacher machte. Bis heute gibt es ein optimales Zusammenwirken.
Und dann ist da noch das Umfeld von Ramona.
Viele waren sehr überrascht, als wir mit der Schaffung der Gedenkseite aufgetreten sind und diese Seite hat sehr guten Zulauf. Wir konnten etwas ausdrücken, was ausgedrückt werden sollte. Eine Seite, die viele Leute im Umfeld von Ramona nicht kannten. Einige ahnten, dass da “noch was" ist. Es ist nichts Schlimmes - es ist wohl nur etwas Außergewöhnliches.
Auf der Seite des nahen Umfeldes, auf der Seite des beruflichen Umfeldes haben wir bemerkt, dass einige Leute sagten “ich habe es doch immer gewusst”. Sorry wenn wir eine Weile brauchten um diese Ungewissheit aufzudecken und Sorry das wir nicht alle Leute aus diesen Umfelder direkt ansprechen. Wir haben auch nach der Tat diese Umfelder genau im Blick behalten und wir wissen, dass es viele Fragen gab.
Die häufigste Frage war wohl, was man selbst falsch gemacht habe und was man übersehen habe.
Niemand hat etwas falsch gemacht oder übersehen.
Das Verhalten des Liebhabers kurz vor dem Tod von Ramona war sicherlich nicht gerade der beste Weg, doch solches Verhalten war immer abzusehen. Das wusste Ramona, das wussten wir. Es ist nicht die Frage, ob Verhalten anderer zu einer Tat beigetragen hat. Die Tat selbst geht immer von der Handlung des Täters aus. Er oder sie trägt immer die alleinige Verantwortung für das, was man macht.
An einigen Stellen habe ich etwas über mein persönliches Schicksal erwähnt. Meine damalige Frau, unsere beiden Kinder und ich sollten ermordet werden. Ein kranker Plan eines verwirrten Menschen. Ich überlebte - meine Frau und meine beiden Kinder haben einen sehr grausamen Tod erfahren. Man erlebt es eher sehr selten, plötzlich zu überleben und sich sagen zu müssen: Frau und Kinder sind tot. Drei Menschen mit einem Schlag zu verlieren ist ein Extrem.
Ramona trat in der Zeit auf, wo das damals alles noch frisch war. Ich schätzte ihre Ehrlichkeit, ihre Anteilnahme. Das schweißt extrem zusammen.
Ja und dann, gut 30 Jahre später, kommt die Meldung "Ramona und die Kinder sind tot".
Da geht in dir ein Film ab den ich keinem Menschen wünsche.
Man erlebt sehr viel Grauen auf unserer Ebene, was immer wieder schwer zu verarbeiten ist. Hier und da haben wir alle unsere persönlichen Schicksale, doch das, was dann mit Ramona war, hat heftig eingeschlagen. Wie auch an anderen Stellen angeführt, lernen wir nicht nur Waffen und Granaten, sondern wie man mit solchen Situationen umgehen kann. Bis heute sitzt der Schmerz tief und nicht nur mir, sondern allen Kameradinnen und Kameraden geht es so. Ramona war für uns ein ganz normaler Mensch mit eigenen Ideen und eine sehr liebgewonnene “Schwester”. Ihre Kinder waren viel zu jung um diese Aspekte vermittelt zu bekommen und im Umfeld von Ramona gab es bestenfalls zwei oder drei Freunde, die salopp gesagt etwas mehr darüber wussten. Es war zu erwarten, dass einige Zeit Gesellen unsere Verbindung oft restlos falsch auslegen und abenteuerliche Dinge denken oder verbreiten.
Es ist uns ehrlich gesagt egal.
Ramona kannte uns wie wir waren. Viele sehen in uns was auch immer und scheinen zu vergessen, dass hinter jeder Maske ein ganz normaler Mensch steckt. Ja, wir haben uns unseren Werdegang selbst ausgesucht und wie auch immer, denkt man es so zu sagen, dass wir die beste Eliteeinheit der Welt sind. Wir selbst sehen uns schlicht als Menschen mit einem eher außergewöhnlichen Job.
Selbst unsere Familien wissen oft nicht, was wir wirklich tun.
Auch unsere Umfelder kennen etwas von uns, aber was wir wirklich machen, wissen sie nicht. Das hat weniger etwas mit Vertrauen oder Geheimhaltung zu tun, sondern ist schlicht Schutz und es ist ein Teil dessen, auf was wir uns eingelassen haben. Als Paradebeispiel sei gesagt, dass es genug üble Leute gibt, die unseren Familien etwas anz´tun würden, wenn sie nur wüssten, wer unsere Familien sind.
In einem der wenigen TV-Beiträge drückte es die Journalistin so aus, dass sie den Eindruck gewonnen habe, dass wir zwei Familien haben.
Ramona war ein Mensch, der einfach sehr lange Zeit Mitglied unserer internen Familie wurde. Eine Schwester im Kampf, wie wir es gerne bezeichnen. Wir urteilen nicht darüber, was Ramona getan hat. Wir sagen klar, dass es so niemals angehen darf und dennoch passierte es.
Wir kennen solche Situationen und es sind Extreme. Es sind für alle Extreme. Ich drückte es an einer Stelle so aus, dass, als ich damals vor Ort gewesen wäre, dass Ramona mich wahrscheinlich auch hätte erschießen müssen. Es gibt in solchen Lagen keine andere Option und wenn es mir möglich gewesen wäre, nein, wenn es uns allen möglich gewesen wäre, hätten wir dort gestanden und wären wahrscheinlich alle tot.
Was geht in einem Menschen vor, der seine Kinder und sich tötet?
Du musst immer jede solche Situationen als einzelne individuelle Situation sehen. Oft redet man heute von psychischer Ausnahmesituation. Eigentlich Blödsinn, denn wer in so einer Situation steckt, der hat eine Ausnahmesituation, die nicht erklärt werden muss. Man sieht nur noch die Option sich und ggf. andere mit salopp in eine “bessere Welt” zu befördern. Wir können nur darüber spekulieren, ob das tatsächlich so gelingt. Wir wissen nur, dass es den Tod als Grundlage hat und selbst über Tod können wir nur spekulieren.
Was wir wissen ist dieser Grundgedanke und das es genug Menschen gibt die diese Ideen haben. Das macht uns wirklich traurig denn Leben kann wirklich manchmal hart und extrem sein, doch es gibt andere Optionen, sein Leben fortzusetzen. Viele Dinge in der Gesellschaft sind wahrlich schrecklich geworden. Der Umgang ist oft zu einem Extrem geworden und niemand soll sagen, man stünde über den Dingen. Bei manchen genügt ein kleiner Auslöser und die Hölle bricht los. Wir haben das seltene Privileg, mit Extreme zu tun zu haben und lernen stetig damit umzugehen. Wenn man so in die Gesellschaft schaut, sollte man anfangen dies auch zu tun, denn an vielen Stellen im Leben kann es echt Extrem werden und jeder kann in die Lage gebracht sein zu denken, dass Tod besser sei als Leben.
Wir müssen diese Entscheidung jedem selbst überlassen und drücken klar aus, was wir alle für die Option Leben entschieden haben.
Ich weiß nicht, wo Ramona und die Kinder gelandet sind. Auch ich habe meinen Glauben, der eine Rolle spielt. Sei wie es ist. Wenn es ein Wiedersehen gibt, werde ich ihr sowas von in den Hintern treten, sie wie so oft in den Arm nehmen und wenn es dann nochmal Zoom macht, geht es nach dem Tod weiter… wahrscheinlich dann etwas anders.
Zwar bin ich einer der wenigen der Truppe, der schon in die Jahre gekommen ist und ich sage immer, dass ich etwa 80% Leben geschafft habe. Wann es bei mir dann soweit ist weiß ich nicht. Ich werde leben und überleben bis es soweit ist. Bis dahin kann ich die Erinnerung und das Gedenken an geliebte Menschen aufrechterhalten und mich mitteilen. Das mag manchen gefallen und manchen nicht gefallen. Ich respektiere beides. Ich gebe das weiter, was ich daraus lerne und empfinde als Mensch hier hinter einer Art virtuellen Maske. Ich muss und ich will deshalb nicht ins Rampenlicht.
Mir ist es wichtig, dass andere Leute etwas lernen und womöglich in einem Extrem genau daran denken und sich für Leben statt für den Tod entscheiden.





