Ramona von Vogtareuth

Ramona
von Vogtareuth

29.11.1983
 
-
03.04.2020
Vogtareuth

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ZurückAus dem Kondolenzbuch: wenn das Unbegreifliche geschieht

von noname am 14.07.2026 - 10:24 Uhr | melden

Liebe Ramona,

Bald habe ich den 32. Gedenktag. Frau und Kinder bei einem gezielten Anschlag verloren. Ich sollte auch sterben und im Nachgang versuchte man es nochmal, aber ich überlebte. Ich war einfach down.

Einige Monate vor der Verhandlung gegen den Täter ging ich in den Jugoslawienkrieg, suchte nach Massengräber und Konzentrationslager. Ich machte feindliche Stellungen aus und jagte, wie es so üblich war, Kriegsverbrecher. Alles mit Erfolg und wie so oft hagelte es Lob, Anerkennung und Auszeichnungen. Aber das alles war mir egal.

Das Verfahren ist naja der typische Werdegang obschon der Gerichtsmediziner und ich es brachten, dass sich einige im Saal bei unseren Aussagen restlos übergeben müssen und sich die Anzahl der Zuschauer im Saal um gut 50% sank. Die Presse gab sich ein Stelldichein, aber man hatte auf breiter Ebene einen gewissen Respekt vor mir. Es gab Zitate meiner Aussage in den Medien, aber einen Satz haben sie sich nicht getraut zu bringen der an der Stelle damals ein riesiges Schweigen im Saal auslöste. Du konntest wirklich eine Stecknadel fallen hören. Ich hatte alle Fragen beantwortet und führte an Herr Vorsitzender ich muss meiner Aussage noch etwas beifügen nämlich das ich diesem grausamen Mord etwas positives abgewonnen habe.

Alles war absolut still und es dauerte gefühlte Unendlichkeiten bis der Richter fragte, was können Sie denn so einer Tat Positives abgewinnen.

Ich sagte: Ich habe gelernt, dass man Liebe niemals ermorden kann.

Niemand sprach mich mehr an und als ich als Zeuge entlassen war und das Gebäude verlassen habe, standen an einer Ampel andere Zuschauer und Pressevertreter, die erstaunlich weit Abstand hielten.

Jahre später kamst du.

Es war wieder kurz vor einem Gedenktag und ich glaube, meine Kameradinnen und Kameraden haben dich informiert. Wir saßen beisammen und du fragst mich, was los ist. Ich wollte gerade loslegen, da hast du deine Hand auf meinen Mund gelegt und sagtest “ich weiß” und hast mich in den Arm genommen.

Du und ich waren in diesem Augenblick mehr Mensch als man denken konnte. Was taten wir?

Wir haben zusammen geweint. Nicht mehr, nicht weniger. Und es tat gut. Und in all den Jahren hatte es sich immer wieder wiederholt.

Heute liebe Ramona - ja, ich vermisse dich. Und auch hier kann ich was sagen:

ich habe gelernt das auch hier ein Mord unsere besondere tiefe Freundschaft nicht auslöschen konnte.

noname
Geschenk Am 08.04.2020 von Gedenkseiten.de angelegt.
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