Mit einem Geschenk hinterlassen Sie Ihr persönliches Zeichen in Gedenken an Ramona von Vogtareuth. Veredeln Sie jetzt diese Gedenkseite durch ein Geschenk in Ihrem Namen.
von no name am 06.08.2026 - 09:36 Uhr | melden
Liebe Ramona
Jetzt sind es weit über sechs Jahre nach deinem Tod und dem Tod der Kinder und manchmal kommt es mir vor, als sei es eben erst passiert und manchmal kommt es mir vor wie eine Ewigkeit.
Aber egal wie ich bemerke, ich glaube, das ich schon ziemlich alt geworden bin. Altersbedingte Erscheinungen, wie ich es immer ausdrücke, machen sich im Alltag breit und oft denke ich, wie es wohl gewesen wäre, wenn sich damals alles anders abgespielt hätte. Doch das sind Fantasien und da muss man aufpassen. Man muss sich stets an den Satz erinnern, dass sie tot sind. Sich sowas zu sagen ist ziemlich schwer, aber es bewahrt einen vor Fantasien und anderen Gedanken.
Ich denke oft zurück an alles, was war und natürlich gab es all die Dinge, die schwer belastet waren. Vieles wird so gerne verschwiegen und schöngeredet, aber schlussendlich waren all die Aspekte, mit einem Teil deiner Entscheidung sterben zu wollen. Man sollte sowas nie vergessen oder ihnen all das Gewicht geben. Dennoch hat jeder einzelne Aspekt mit dazu beigetragen, dass dein Weg lieber im Tod als im Leben endete. Genau das machen auch andere Menschen durch und ich finde es Unterkante, dass die Gesellschaft immer noch Tabuthemen daraus macht . Hinzu kommen dann völlig falsche Wege, die die ganze Sache eher noch verschlimmern.
Ich höre heute noch aus den Kreisen deiner Arbeit und deinem privaten Leben Leute, die sich fragen, was sie falsch gemacht haben.
Niemand hat da etwas falsch gemacht, auch wenn man bei einigem Verhalten das durchaus so denken mag.
Wenn man Themen wie Mobbing oder Kinderklau schön redet, dann wird sich an der Sache nie etwas ändern. Schlimme Aspekte, die es da gibt, bleiben und man kann schon an fünf Fingern abzählen, wann denn das nächste Opfer ansteht. Kürzlich sprang ein 12-jähriges Mädchen in Wien aus einem Fenster, weil es mit gewissen Betreuern nichts zu tun haben will. bewusst nahm die Verletzung den eigenen Tod in Kauf. Er überlebte mit schweren Verletzungen. Schaut man sich an, in welcher Situation das Mädchen war, wird selbst dem Laien bewusst, dass es zwar kein Weg ist, Probleme aus dem Weg zu gehen, aber für viele Leute ist der eigene Tod der Glaube an eine bessere Welt die Option. Ich bin mal gespannt, was das Mädchen zu der Sache sagen wird und es war klar, dass hier das große Tuch des Schweigens ausgebreitet wird. Ein Opfer, das reden und reden will, aber es wird mehr als weniger daran gehindert.
Das ist keine Option, sowas aufzuklären und trägt dem Opfer noch mehr Schaden bei.
Wenn man Opfer kannte, so wie ich dich kannte, dann lernt man alle Seiten kennen. Man lernt den Menschen kennen. Mag sein dass man in dir viel zu sehr die Polizistin die Kämpferin gesehen hat was sicherlich eine Seite gewesen ist doch du hattest wie jeder Mensch noch ganz andere Seite. Da ist diese tiefe, liebe Art von dir. Deine Zärtlichkeit, deine Liebe, was alles sehr intensiv gewesen ist. Wer das kannte, wusste aber auch, dass gerade dort ein Angriffspunkt besteht, was du natürlich gewusst hast. Man weiß sich zu schützen, doch es gibt kein Patent darauf, dass nicht gerade dort Angriffe erfolgen können und solche Angriffe können sie extrem einschlagen.
Genau das scheint dann in den letzten Stunden massiv gewirkt zu haben.
Massiv ist noch der milde Begriff dazu. Die Wirkung war tödlich.
Das Verhalten des Liebhabers zwei Tage vor deinem Tod war wohl der Anfang einer Kettenreaktion von Angriffen, die auf einer Ebene wirkten. Ich war damals sofort bei dir, daher erkläre ich mir das weitere Leben nach so einem Schlag, doch es kamen wohl weitere Angriffe, von denen du weniger berichtet hast und dann der finale Tag Mitternacht mit deiner Aussage ich kann nicht mehr.
Manchmal frage ich mich, warum ich zwei Tage vorher nicht hingegangen bin und dem Spuk ein Ende gemacht habe. Wie ich schon mal sagte, ich hätte dich nehmen sollen, dann hätten wir geheiratet, die Kinder mit dabei und fertig. Das hätte dein und mein Leben zwar sehr radikal verändert, aber womöglich wärst du und die Kinder noch am Leben.
Warum wir den Schritt nicht machen, bleibt mir bis heute fremd.
Ich will es auch mal so sagen: das Ja war da die Grundlagen waren da nur die Umsetzung fehlte.
Das sind so Gedanken, die es immer wieder gibt und auch hier muss man sehr realistisch damit umgehen. In der Gesellschaft kannst du nur schwer solche Themen besprechen, denn auch das sind Tabuthemen und man kann so einiges an Tiefschläge erleben. Ein Glück, dass ich auf solche Situationen vorbereitet wurde. Das ist auch immer wieder interessant. Man stellt sich der Eliteeinheit immer in einem gewissen falschen Licht vor. Es ist mehr als Waffen, Krieg und etwas Psychologie.
Es gibt genug Bewerbungen auf unseren Job, doch ich darf es nicht genau sagen, aber es ist ok, wenn ich andeute, dass man eine Chance auf Aufnahme von etwa 1 % hat. Viele andere ähnliche Einheiten haben ihre eigenen Regelungen und so wundert es mich weniger, dass sich viele Sondereinheiten nennen, aber was zu sehen ist, wird und geht dann im Ernstfall restlos schief.
In den vielen Jahren wo du bei uns warst, hast du das auch gelernt. Es sei nochmals betont, dass du kein aktives Mitglied gewesen bist, aber du warst einfach dabei. Viele Leute in deinem Umfeld fragen sich immer wieder, woher du nur manche Ideen genommen hast, gerade in Hinblick auf dein Konzept bezüglich Prävention. Da kamen Dinge vor, die man nie im Kampfsport oder aus dem Handbuch der Polizei genommen haben kann. Ein Geheimnis, das sich ja nach deinem Tod gelüftet hat.
Deine Akte ist längst geschlossen, die Ergebnisse sind festgehalten und geprüft und wir sind sehr froh, dass in unserem Bezug niemand hoch oder runter gespielt wurde.
Mit den Jahren danach kam auch die Zeit, wo ich dich einfach vermisse. Ich denke an den Einsatz des Nova Festival. Was wir sahen, war das, wofür wir geschaffen wurden. Es war die Hölle, das Grauen der Menschheit, aber wir lernten damit umzugehen. Dann endet so ein Einsatz und man kommt zurück. Du warst immer für uns da, aber nach deinem Tod fehlt etwas. Du kannst nicht mehr da sein.
Auch sowas haut eine tiefe Lücke in unserem Leben, doch selbst auf solche Dinge wird man vorbereitet. Ich kenne kaum eine andere Eliteeinheit, die auf solche Sachen vorbereitet wird und daher sind wir mit dem Begriff Elie sehr sparsam. Es gibt wirklich viele gute andere Einheiten, doch sie werden kaum so ausgebildet wie wir es werden. Unsere Ausbildung geht nicht von bis oder hat zum Abschluss ein Zertifikat, wo man x Punkte haben muss, um es zu bekommen. Unsere Ausbildung, wie ich immer sage, endet nie.
Du warst ein mensch der sich mit jungen Jahren schon für solche Dinge begeistert hat und ich glaube alle von uns erinnern sich an den ersten Tag als die Masken gefallen sind an den Moment wo du noch gedacht hast Sondereinheit x aber vor dir stand die (so sagen es andere) die besten Elite Kämpfer und Elite Kämpferinnen der Welt. Ein purer Zufall, dass wir da waren, purer Zufall, dass du dort gewesen bist, doch dieser Zufall ist auch nur eine Art Teil eines Plans, den wir alle nicht verstehen.
Dieser Zufall hat uns und uns viele wunderbare Jahre gebracht mit Höhen und Tiefen. Es war einfach ein sehr menschliches Miteinander auf sehr tiefer Ebene, wie das intern bei uns so üblich ist.
Genau das versuchen heute noch Kritiker kaputt zu reden, doch sowas ist uns schlicht egal. Wir nehmen es zur Kenntnis und sehen es als Bestätigung, dass solche Dinge andere belasten können. Das sind diese kleinen Dinge, die andere Menschen in die Verzweiflung treiben können. Du hast erlebt, wie wir damit umgehen, doch wahrscheinlich hast du es weniger verstanden, denn hättest du es verstanden, wärst du wahrscheinlich noch am leben.
Es zeigt, dass du (leider) kein aktives Mitglied gewesen bist, denn wir lernen wie schon gesagt damit umzugehen. Jemand, der nur zuschaut, kann nicht alles aufnehmen.
Es war irgendwie nie die Rede davon, dass du auch aktiv aufgenommen werden willst und ich denke du hast erkannt, wo deine Grenzen sind. Das ist sehr beispielhaft, denn viele mit aufgenommen werden wollen ihre Grenzen nicht und würden sich und andere eher in Gefahr bringen als sich und anderen zu dienen. Es war gut, dass du selbst deine Grenze erkannt hast.
Nun liebe Ramona das sind wieder so Gedanken die einfach mal gesagt sein sollen.





