Mit einem Geschenk hinterlassen Sie Ihr persönliches Zeichen in Gedenken an Renate Burgfeld. Veredeln Sie jetzt diese Gedenkseite durch ein Geschenk in Ihrem Namen.
Von Nadine 02.02.2021 um 09:54 Uhr | melden
...aber wahr.
Vor knapp einem Jahr war ich intensiv damit beschäftigt, einen Hospiz-Platz für Dich zu organisieren.
Es war Dein Wunsch, in meine Nähe zu kommen...irgendwie scheinst Du gewusst zu haben, dass ich es möglich machen kann.
Und es wurde möglich.
Ich sehe noch vor mir...das ungläubige Lächeln in Deinem Gesicht "Wie hast Du das bloß geschafft?".
Damals konnte ich Dir keine Antwort geben...heute würde ich sagen "Mit Hartnäckigkeit".
Und vielleicht habe ich doch etwas von dem sturen Kopf, der Dir immer so eigen war.
Am 05.02.20, also heute in drei Tagen, nur ein Jahr zuvor, habe ich auf Dich gewartet...ich wusste, Du würdest heute ankommen...Reinhold, Yannik und ich haben uns sehr früh auf den Weg gemacht, um Dein Zimmer ein wenig heimeliger zu gestalten.
Die Jungs waren extra noch mal losgezogen, um Bilderrahmen zu besorgen. Ich hatte so viele Fotos dabei, von denen ich wollte, dass Sie Dir Freude machen. Von uns, als wir klein waren...unsere Putzi...Bilder von Dir, von Deinem 70sten Geburtstag...wir hatten Dich einfach überrascht; Du wusstest nichts davon, dass wir kommen würden.
Fotos von Dir mit Deiner Schwester...von Deinen sechs Enkelkindern...jetzt, wo ich darüber schreibe, ist alles wieder präsent...
Ich war so nervös, Mama...ich wusste, Du bis unterwegs...Deine Schwäche jedoch hat mir Sorgen bereitet. Ich hoffte, dass Du die (Tor)T(o)ur gut überstehen würdest; der Weg von Mönchengladbach hierhin ist ja nun nicht mal eben "um die Ecke".
Wir waren gegen halb neun morgens vor Ort...diese Warterei war eigentlich das Schlimmste, nachdem wir mit einrichten fertig waren.
Ich rief gegen halb zwölf im Krankenhaus an weil ich ja wusste, dass Dein Transport um 8:15 Uhr bestellt war. Man sagte mir, dass Du pünktlich das Haus verlassen hattest. Also hieß es "weiter warten" ... .
Ich weiß noch, dass ich zwischendurch mal austreten musste. Mein Blick fiel auf einen Krankentransportwagen, der vor der Tür des Hospizes stand.
Zunächst ging ich davon aus, dass die Herrschaften, welche vor dem Haus standen, diesen Wagen benötigten.
Als ich nach ca. fünf Minuten wieder herauskam, sagte die Praktikantin "Ich glaube, ihre Mutter ist da". Und kaum sprach sie es aus, wurde ein Rollstuhl sichtbar, den eine Dame vor sich hin schob.
Im Rollstuhl saßt Du.
Die Tür ging auf und ich höre es noch immer vor mir...ich sagte "Hallo Mama...da bist Du ja endlich!"...ja Mama, mir schossen die Tränen in die Augen; ich war so erleichtert in diesem Augenblick. Ich hatte Dich bei mir.
Das Warten hatte ein Ende ... .
Aber gleichzeitig war ich unendlich traurig, ich war so aufgewühlt...weil mit diesem Moment klar war, dass Du die Einrichtung nicht mehr lebend verlassen wirst.
Es war so endgültig.
Deinen Blick werde ich nie vergessen. Du hast zunächst die Augen zugekniffen, weil Du nicht mehr so gut gucken konntest (für eine Brille warst Du immer zu eitel ;o) )...dann, in Sekundenbruchteilen, hast Du verstanden, wer da vor Dir steht und was ich gesagt hatte. Und Deinem Blick war die Überraschung deutlich anzusehen.
Dein "Ach Nadine..." habe ich noch deutlich im Ohr.
Und dann konnte ich Dich ENDLICH in die Arme nehmen..so weit der Rollstuhl es zuließ. Ich habe Dir einen Kuss auf die Stirn gegeben zur Begrüßung. Dann nahm ich Deine Hand und Du wurdest neben mir geschoben. Der Fahrerin werde ich bis an mein Lebensende dankbar dafür sein, mit wieviel Respekt und Achtung sie Dich behandelt hatte. Leider weiß ich nicht, wie sie hieß...aber es war schön zu sehen, dass ihr beide euch wohl recht gut verstanden habt auf dem langen Weg von Mönchengladbach nach Dortmund.
Mit Deiner Hand in meiner bin ich langsam neben Deinem Rolli hergegangen; ich habe Dir die Einrichtung mit ihrem gemütlichen Wohnzimmer gezeigt und Dich auf lauter Kleinigkeiten hingewiesen.
Aufmerksam hast Du dir alles angesehen...ich sehe es vor mir...Deine wachsamen Augen auf alles gerichtet, was ich Dir zeigte.
So sind wir langsam in deinem Zimmer angekommen. Dies war das erste und letzte Mal, dass Du vor der Tür deines Zimmers warst; Du hast es nicht mehr verlassen ... .
Und dort hast Du erst einmal gesessen und dich umgesehen. Bis ich Yannik zu uns holte...er und Reinhold hatten sich im Badezimmer versteckt, als Überraschung für Dich...Du solltest die zwei auf keinen Fall schon vorher sehen. Deine Freude in Deinen Augen, als Yannik auf Dich zukam "Ach hallo Yannik... ja jetzt kann ich nicht mehr". Du hast so gestrahlt.
Nachdem Du diese Freude erst mal hast sacken lassen, sagte ich "Naja, Yannik ist aber nicht allein, er hat noch jemanden mitgebracht"...mit diesen Worten deutete ich Reinhold an, dass auch er herauskommen sollte. Und der überraschte Ausdruck in Deinen Augen...es war so, so schön zu sehen. Dein jüngster Sohn (und Liebling von uns vier, das wissen wir alle ,o) ) war da, um dich ebenfalls persönlich zu begrüßen. Da benötigte es keinerlei weitere Worte mehr..Du warst glücklich in diesem Augenblick.
Später hast Du auf deinem Bett gesessen, dich umgesehen und gesagt: "Das ist aber ein schönes Zimmer".
Kurz danach: "Eigentlich kann ich hier ja tun und lassen, was ich will". Und ich: "Ja Mama, das kannst Du. Wenn Du etwas brauchst, ist immer jemand da."
Es war so schön, das alles mitzuerleben.
Was bleibt, sind Erinnerungen.
Und die Liebe, die man hinterlässt.
Du fehlst mir!
Deine Nina





