Tanja Gräff

Tanja
Gräff

23.12.1985
Trier Rheinland Pfalz BRD DE
-
07.06.2007
Trier Pallien Roten Felsens

Stimmungsbild-Tanja-Gräff-1
ZurückAus dem Kondolenzbuch: Der Todesfall Tanja Gräff beschäftigte zunächst als Vermisst

von Otto Beck am 22.07.2026 - 18:53 Uhr | melden

Der Todesfall Tanja Gräff beschäftigte, zunächst als Vermisstenfall, jahrelang die deutsche Öffentlichkeit. Die deutsche Studentin Tanja Gräff (* 23. Dezember 1985 in Trier; † mutmaßlich 7. Juni 2007 ebenda) galt nach ihrem überraschenden Verschwinden am frühen Morgen des 7. Juni 2007 nach einem Sommerfest der Fachhochschule Trier jahrelang als vermisst. Am 11. Mai 2015 wurden ihre sterblichen Überreste in Trier-Pallien unweit des Hochschulgeländes unterhalb des „Roten Felsens“ gefunden. Die Ermittlungen ergaben keine Hinweise auf ein Gewaltverbrechen, sodass von einem Unfall (Klippensturz) ausgegangen wurde. Das Ermittlungsverfahren wurde im Juni 2017 eingestellt.
Rekonstruktion der Ereignisse in der Nacht ihres Verschwindens

Am späten Abend des 6. Juni 2007 besuchte die Lehramtsstudentin Tanja Gräff mit befreundeten Kommilitonen ein jährlich stattfindendes Sommerfest auf dem Gelände der FH Trier. Unter geschätzt 10.000 Besuchern verloren sich die Freunde nach und nach aus den Augen. Gegen 3:30 Uhr wurde Gräff von einem Bekannten in der Nähe der Bühne gesehen, der sie fragte, ob sie sich mit ihm auf den Heimweg machen wolle. Ein unbekannter, etwa 1,80 Meter großer Mann soll sich plötzlich eingemischt haben, mit der Aufforderung, der Bekannte solle „Tanja in Ruhe“ lassen. Da Gräff nach Aussage des Freundes den Mann anscheinend kannte, brach er kurz darauf ohne sie auf.

Gegen 4 Uhr wurde sie auf dem Parkplatz der FH von mehreren Zeugen gesehen. Diese berichteten übereinstimmend, dass sich Tanja Gräff telefonisch mit einem Bekannten in der Innenstadt verabredet habe. Anschließend soll sie in die Runde gefragt haben, wie man um diese Zeit noch zum Nikolaus-Koch-Platz in der Innenstadt von Trier komme. Auch diesen Personen fiel nichts Ungewöhnliches am Verhalten Tanjas auf; sie soll gut gelaunt gewesen sein. Zeugen erinnern sich, dass hinter Tanja zwei junge Männer standen, von denen einer näher beschrieben werden konnte.[1]

Um 4:13 Uhr telefonierte Tanja Gräff vom FH-Gelände aus zum letzten Mal mit ihrem Bekannten in der Innenstadt.[2] Danach verlor sich ihre Spur – am Nikolaus-Koch-Platz kam sie nie an.
Hinweise

Ein Ohrenzeuge sagte aus, in seiner Wohnung nahe dem Parkplatz bei der Talstation der stillgelegten Trierer Kabinenbahn um 4:30 Uhr von einem lauten, panischen Frauenschrei geweckt worden zu sein. Die Sachverständigen der Kripo Trier stellten allerdings 2015 in einem phonetischen Gutachten fest, dass selbst ein lauter Schrei an der Absturzstelle am roten Felsen in der Nähe der Fachhochschule von dem Zeugen nicht zu hören gewesen wäre.[3] Der Zeuge widersprach in einer Dokumentation, er habe die Schreie bei dem Experiment „sehr wohl“ gehört.[4] Siehe dazu unten.

Eine Gruppe weiterer Zeugen gab an, zwischen 5 Uhr und 5:30 Uhr auf einem Fußweg eine Frau, die Tanja Gräff ähnelte, mit einem Mann streiten gesehen zu haben. Zu dieser Zeit hat ein Veranstaltungshelfer, der gerade Sperrzäune abbaute, an einer anderen Stelle des Geländes etwas Ähnliches mitverfolgt: Er sagte aus, einen Streit zwischen einer Frau, die ebenfalls Tanja Gräff gewesen sein könnte, und einem dunkelhaarigen Mann beobachtet zu haben. Der Mann habe demnach auf die Frau eingeredet, während diese sich verwahrt haben soll, er solle sie „nicht anpacken“, sie wolle „nur noch nach Hause“. Eine Gruppe Jugendlicher, die sich in der Nähe aufhielt, sei dann auf den Streit aufmerksam geworden. Zwei Männer der Gruppe seien zu dem Paar gegangen, woraufhin sich der Mann entfernt haben soll. Etwa 10 Minuten später will der Veranstaltungshelfer durch das heruntergekurbelte Beifahrerfenster am Steuer eines blauen Peugeot 307 den Mann das Gelände verlassen haben sehen. Das Kennzeichen bestand gemäß der Aussage des Zeugen aus schwarzen Ziffern auf gelbem Grund.
Fahndung

Nachdem Tanja Gräff zwei Tage lang verschwunden geblieben war, leitete die Polizei eine Großfahndung ein.[5][6] Ein freiwilliges Wegbleiben oder gar Suizid galten von Beginn an als unwahrscheinlich, da Tanja Gräff als sehr zuverlässig galt, in sozial stabilen Verhältnissen lebte und konkrete Pläne für ihre Zukunft hatte. Soweit bekannt, führte Gräff außer ihrer weißen Umhängetasche, ihrem Handy und etwas Bargeld nichts mit. Mehrmals wurden das gesamte umliegende Gebiet sowie angrenzende Abschnitte der Mosel und mehrere Baggerseen gründlich durchsucht, ohne Hinweise auf das Schicksal der verschwundenen jungen Frau zu finden. Tanjas Freunde und ihre Eltern wandten sich an die Medien und traten in verschiedenen TV-Sendungen auf. Die Beamten werteten mehr als 6.000 Fotos aus, die auf der FH-Party entstanden waren – jedoch konnte Tanja Gräff auf keinem der Bilder eindeutig identifiziert werden. Die Überprüfung ihres Laptops ergab ebenfalls keine Hinweise. Tanjas Handy wurde letztmals an jenem 7. Juni 2007 um 4:13 Uhr auf dem FH-Gelände einer Funkzelle zugeordnet, als sie mit ihrem Bekannten in der Innenstadt telefonierte; seitdem war es vermutlich abgeschaltet und wurde im Mai 2015 zusammen mit den sterblichen Überresten Gräffs gefunden. Der Fahrer des blauen Peugeot wurde nie identifiziert; auch eine Gruppe möglicher Zeugen, die seinerzeit vom Bauzaunhelfer beobachtet worden war, konnte die Polizei nie namentlich ermitteln.

Mangels neuer Spuren löste man die Sonderkommission FH der Polizei im Januar 2009 auf. Von Herbst 2010 bis November 2011 befasste sich nochmals eine dreiköpfige Ermittlergruppe mit dem Fall. Der aufgekommene Verdacht, der belgische Serienmörder Ronald Janssen könnte etwas mit dem Fall Tanja Gräff zu tun haben, erhärtete sich nicht. Ein Zeuge berichtete, am 9. Juni 2007 – zwei Tage nach dem Verschwinden – gegen Mitternacht in Homburg einen Mann beobachtet zu haben, der eine wimmernde Frau auf seinen Schultern zu einem weißen Peugeot Kombi trug.[7] Auch hier ergaben sich keine weiteren Anhaltspunkte. Eine Vorstellung des Falls in Aktenzeichen XY … ungelöst Spezial Wo ist mein Kind? am 30. März 2011 lieferte keine neuen Erkenntnisse.[8][9] Aufgrund eher vager Aussagen der in der Tatnacht überwiegend alkoholisierten Zeugen konnte bislang kein Fahndungsbild gefertigt werden.

Am 27. Januar 2015 erhob ein pensionierter Kriminalbeamter des Polizeipräsidiums Trier und ehemaliges Mitglied der im Fall ermittelnden Soko schwere Vorwürfe gegen Polizei und Staatsanwaltschaft: Viele Einzelfragen seien nach wie vor ungeklärt. So seien Spuren und Ansätze sowohl mit Blick auf die Kabinenbahn als auch auf Tanja Gräffs erweiterten Bekanntenkreis unzureichend durchleuchtet worden. Die Verantwortlichen hätten wichtige Ermittlungen mindestens vier Jahre lang verzögert oder gar blockiert.[10]

Für Hinweise, die zur Klärung des Falles führen sollten, war eine Belohnung von 30.000 Euro ausgesetzt.

Quelle Wikipedia

Otto Beck
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