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Burak Bektas

Burak
Bektas

14.02.1990
Berlin
-
05.04.2012
Berlin Rudow

stimmungsbild

Dünyadan göçtün ama kalbimizde yaşayacaksın.

Zum Gedenken an Burak

Geboren am 14.02.1990

Ermordet am 05.04.2012

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Eigentlich wollten sie nur raus, ein bisschen abhängen, ein bisschen feiern: Alex, Jamal, Ömer und Seltunc waren am Abend des Mordes gemeinsam mit Burak Bektas unterwegs. Alex und Jamal wurden bei dem Angriff angeschossen und schwer verletzt. Einige Monate nach der Tat, im August 2012, sprachen alle vier am Tatort in der Rudower Straße mit rbb-Reporter Torsten Mandalka noch einmal über die schwer fassbare Tat und ihre Folgen.



In der Tatnacht: Wie ist der Abend vorher abgelaufen?

Alex: Es war eigentlich alles zufällig. Ich habe mich mit meinem Freund getroffen, mit Jamal. Wir hatten Langeweile. Wir wollten ein bisschen raus gehen. Ein bisschen feiern und dann wieder nach Hause. Dann trafen wir die drei anderen zufällig, Seltunc, Ömer und Burak. So hat es angefangen, es war nix dabei. Die wollten eigentlich auch alle bald nach Hause. Es war nichts geplant, es war alles Zufall. Niemand hat was Schlechtes gedacht.

Und dann habt Ihr hier einfach angehalten, um noch ein bisschen zu reden?

Seltunc: Genau. Wir waren auf dem Weg zum Bus und wollten zwei Freunde nach Hause begleiten, also auf ihren Bus warten. Und auf dem Weg haben wir hier einen Zwischenstopp gemacht, weswegen auch immer. Eine Raucherpause... und dann haben wir den Täter schon neben uns gesehen, irgendwann. Er hat seine Waffe gehoben und einfach auf uns geschossen.

Alex: Ohne Grund.

Hat er irgendwas gesagt?

Seltunc: Nein, er hat keinen Ton von sich gegeben. Wir haben uns gerade mal zu ihm gedreht, da zog er schon die Waffe. Wir hatten noch nicht einmal die Zeit zu fragen, was er will oder sonst was.

Alex: Oder zu sehen wie er aussieht. Ich weiß nur wie er da stand - irgendwie vor mir. Ich habe immer nur dieses Bild. Wie er die Waffe hob, zielte und: bamm. Ich weiß nur, wie ich dann auf die Knie fiel und das wars.

Ömer: Er ist auf uns zugegangen, ohne was zu sagen. Hat direkt angefangen zu schießen. Ich habe ihn erst bemerkt, als er zwei, drei Meter neben uns war. Als er auf uns zukam. Dann hat er schon direkt seine Waffe raus gezogen.

Jamal: Ich kann mich nur noch erinnern, dass ich auf dem Boden lag. Dass ich irgendwie meinen Bruder erreichen konnte, dass ich ihm das erzählt habe – in einem Satz. Dann war ich auch schon im Krankenhaus. Ich habe hier die Schreie noch gehört. Das ging alles hintereinander, alles schnell.

Als der Mann geschossen hat, hattet Ihr da das Gefühl, er hat speziell auf jemanden gezielt?

Jamal: Ich hatte nicht das Gefühl, dass er gezielt einen treffen wollte. Ich hatte eher das Gefühl, dass er blind auf die Gruppe losgeschossen hat. Das war nicht gegen eine Person gerichtet.

Ömer: Ja, er hat direkt in die Gruppe geschossen.

Und dann war der Täter wieder weg?

Seltunc: Nein, der stand noch da und hat mich und Ömer beobachtet. Wir standen bei Burak. Ich habe ihn nicht mehr angeguckt.

Ömer: Ich kann mich noch erinnern, dass alle auf dem Boden lagen. Seltunc wollte mich wegziehen. Ich bin noch hiergeblieben. Als Seltunc weg war, stand der Mann noch paar Sekunden hier, als ob nichts wär. Dann hat er sich umgedreht. Ist ein paar Schritte gelaufen. Dann wurde er immer schneller – und dann war er wieder weg.

Ihr habt auch nicht daran gedacht, Deckung zu suchen oder ihn anzugreifen?

Ömer: Ich wusste nicht, was ich machen soll. Alle lagen auf dem Boden. Alex und Jamal hier, Burak da. Ich bin bei Burak geblieben. Ich kenne ihn ja schon lange. Ich wollte ihn nicht da liegenlassen. Bis zur Beerdigung habe ich gar nicht dran geglaubt, dass er jetzt tot ist.


Könnt Ihr euch vorstellen, dass der Mann Euch kannte?

Ömer: Nein, nicht wirklich.

Jamal: Auch wenn er uns kannte: Was haben wir gemacht, dass er uns töten will? Ich glaube eher nicht, dass er uns kannte.


Was ist danach passiert?

Seltunc: Ich bin ins Krankenhaus gerannt. Ich wollte Hilfe holen. Auf dem Weg, als ich gerannt bin, habe ich sogar noch die Feuerwehr angerufen. Ich dachte, entweder bin ich vorher schon im Krankenhaus oder vorher schon mit der Feuerwehr verbunden. Im Krankenhaus habe ich dann rum geschrien. Da war aber keine Menschenseele, und dann ging auch schon der Notruf an mein Telefon und dann habe ich ihnen gesagt, dass die raus kommen sollen. Ich warte vor dem Eingang. Und dann habe ich die halt zum Ort her gelotst.


Was denkt Ihr heute? Wahrscheinlich geht Euch das doch jeden Tag durch den Kopf?

Alex: Ja. Jeden Tag denke ich darüber nach. Ich habe zwar Burak nicht gekannt, aber jeden Tag denke ich trotzdem über ihn, über jeden einzelnen von uns nach. Ich stelle mir immer nur die Frage: "Warum"? Und was war das Motiv? Wenn er mal gefasst wird, will ich einfach nur wissen, warum er so was gemacht hat. Was war der Grund?


Ihr habt nun alle, wie man so sagt, einen Migrationshintergrund. Ist das für Euch klar, dass diese Tat rassistisch motiviert war?

Seltunc: Nein, das sind alles Spekulationen. Man will immer wissen, warum das passiert ist, weil man es sich nicht erklären kann. Ich sage nicht, dass es unbedingt einen rassistischen Hintergrund haben muss. Ich weiß es nicht. Ich habe keine Erklärung dafür. Mich frisst nur auf, dass mein bester Freund tot ist. Ich denke nicht jeden Tag an diese Tat, ich versuche das zu verdrängen, zu vergessen.

Jamal: Ich denke öfter darüber nach, dass es einen rassistischen Hintergrund hat. Aber sicher kann ich nicht sein. Es könnte jeder Mensch gewesen sein, der zu viel getrunken hat, der Probleme hat oder der gezielt Hass hat.

Ömer: Vielleicht ein Drogenabhängiger oder so. Keine Ahnung. Er kam ohne was zu sagen, hat geschossen und ist wieder gegangen.


Eine Theorie ist auch, dass sich irgendein Durchgeknallter durch Euch belästigt gefühlt haben könnte, durch Lärm oder so?

Seltunc: Nein, nein. Das ist auch aus der Luft gegriffen. Wir waren überhaupt nicht lautstark, ganz normal leise. Wir haben uns unterhalten – ganz normal.

Alex: Also laut waren wir überhaupt nicht. Wir machen so was nicht, also laut pöbeln ist nicht unser Ding.


Die Vorstellung: irgendwann ist er gefasst, steht vor Gericht. Was löst diese Vorstellung bei Euch aus?

Seltunc: So ein mulmiges Gefühl. Weil ich irgendwie nicht vor Gericht sitzen und noch mal alles aussagen möchte. Ich will einfach mit diesem Thema abschließen. Natürlich möchte ich auch, dass der Täter gefasst wird.

Aber trotzdem bist Du heute hier...

Seltunc: Ja, ich möchte auch, dass diese ganzen Gerüchte weggehen, von wegen, dass wir irgendwie kriminell wären oder irgendwelche anderen Sachen, die aus der Luft gegriffen wurden. Wir wären zu laut, hätten herum gepöbelt, wir hätten so einen schlechten Ruf. All diese Thesen möchte ich widerlegen. Weil es nicht so ist. Die Leute suchen Gründe dafür, und dann hört man was von irgend jemandem und dann kommen diese Gerüchte in Umlauf.

Alex: Die sagen, wir hätten was gemacht, oder so. Das regt mich übertrieben auf. Zum Beispiel jemand fragt mich, von den Lehrern, Fremde oder Klassenkameraden: Ihr habt doch bestimmt was gemacht. Das macht dann drinnen so eine richtige Wut. Von wegen - man hat es verdient oder so. Das macht einen sauer.

Seltunc: Außerdem möchten wir noch an die Öffentlichkeit appellieren, vielleicht gibt es ja Leute, die was gesehen haben oder jemanden in Verdacht haben, dass sie sich zur Polizei begeben sollen. Es kann immer noch sein, dass manche sich nicht trauen, zur Polizei zu gehen.

Was denkt Ihr heute über die Tat?

Jamal: Für mich ist es, als ob ich ein zweites Leben geschenkt bekommen habe. Es sind sehr viele Fragen bei mir offen, die nicht beantwortet sind.

Alex: Niemand glaubt, dass in so einem Land, in Deutschland, in Berlin, das angeblich sicher ist, einfach so jemand kommt und einfach so auf Jugendliche schießt. Ich würde es mir vielleicht auch nicht vorstellen können, wenn ich nicht betroffen gewesen wäre.

Jamal: Wir wollen eigentlich alle wissen, warum er das gemacht hat. Wieso gerade wir? Hat er das geplant? War es sein Ziel, Leute umzubringen, Jugendliche umzubringen oder gezielt eine jugendliche Gruppe umzubringen? Das ist die Frage. Das wollen wir alle wissen.

Mit den Betroffenen sprach Torsten Mandalka, rbb



Der Mörder ist bis heute nicht gefasst.
Die Polizei hat die Ermitllungen eingestellt.
Falls jemand einen Hinweis hat, bitte ich Sie sich bei der Mordkommission in Berlin zu melden.
Es findet fast jeden Monat in Berlin eine Mahnwache
für Burak statt.
Mehr Informationen zu den wechselden Orten findet Ihr auf
http://burak.blogsport.de/

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