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Von Nicole 13.12.2025 um 19:31 Uhr | melden
Der verlorene Adventszauber
In einer Stadt wie überall auf der Welt,
begab es sich, dass sich ein alter Mann
während der Adventszeit
auf die Suche nach dem Adventszauber machte.
Der alte Mann trug noch den Adventstraum
seiner Kinderzeit in sich und glaubte,
diesen verloren zu haben,
so wollte er sich seinen Adventstraum
wieder in Erinnerung rufen.
Doch wohin der alte Mann in der Stadt auch kam:
Sämtliche Straßen waren hell erstrahlt,
grelle, gefüllte Schaufenster leuchteten mit den Marktbuden
und dem ganzen glitzernden Tand
um die Wette
und aus den Kaufhäusern
erklang weihnachtliche Musik,
die jedoch niemand beachtete.
Die mit vollen Taschen beladenen Leute
drängelten den Alten hektisch durch die Einkaufsstraßen
und schoben ihn durch die überfüllten Gassen,
vorbei auch an Gasthäusern und Stehplätzen,
in denen die Menschen sich eine kurze Verschnaufpause erhofften
und vorbei auch an offenen Kirchentüren,
die zu kurzer Besinnung einluden.
Der Alte schüttelte verwundert den Kopf.
Was war das für eine Adventszeit,
in der die Menschen trotz des weihnachtlichen Anscheins
nicht mehr zur Ruhe kommen konnten?
Dabei dachte er an seine eigene Kinderzeit zurück.
Seine Eltern waren nicht reich gewesen,
jede Münze wurde vor dem Ausgeben noch drei Mal umgedreht.
Doch was herrschte bei den adventlichen Spaziergängen
der Familie
immer für eine stille und heimliche Vorfreude.
Und erst zu Beginn der Adventszeit
roch es im Haus nach frischgebackene Plätzchen.
Der Nikolaus aber brachte Äpfel, Nüsse
und einige langersehnte Lebkuchen.
Die Mutter aber versteckte die übrigen Plätzchen
und gab sie erst am Heiligen Abend zu den wenigen Geschenken,
die unter einem kerzenerhellten Christbaum lagen - preis.
Das Evangelium von der Geburt Christi
wurde noch vor dem Christbaum gelesen
und anschließend sang die Familie,
sich an den Händen haltend,
das Lied der stillen Nacht.
Und sie waren damals zufrieden,
denn es herrschte Liebe und Eintracht in der Familie,
trotz des Wenigen,
was man besaß.
Heute aber schien es ihm,
dass im Zeichen des Überflusses
die ersten Nikoläuse, Weihnachtsmänner und Lebkuchen
schon Mitte des Monats Oktober in die Regale
der Kaufhäuser gestellt wurden.
Im Fernsehen wurde die Werbung schon ab Anfang November
nicht mehr müde,
den Menschen Dinge anzupreisen,
deren sie gar nicht bedurften.
Und am Weihnachtsabend,
gleich nach der Bescherung,
flohen nicht wenige Kinder aus dem Haus,
um mit Freunden
die so genannten X-mas -Weihnachtsparty zu feiern.
Vor lauter Nachdenken bemerkte der Alte gar nicht,
dass man ihn einfach weitergeschoben hatte.
Er fand sich unversehens
in einer ihm aus seiner Kinderzeit
bekannten Gasse wieder,
die abseits der lärmenden Zone ein stilles Dasein führte.
Wie wohl ihm diese Ruhe tat.
Kein Lärm, keine Hektik, kein Gedränge,
nur Beschaulichkeit.
Die Gasse wurde von kleinen Lichtern erleuchtet,
die aus den Fenstern der Häuser grüßten.
Familien mit Kindern verweilten auf der Gasse.
Die Kinder hüpften froh und heiter umher.
Dabei geschah es,
dass ein kleines Mädchen aus Versehen
an ihn stieß und ihn mit leuchtend großen Augen
und einer vor Kälte roten Nasenspitze erschreckt ansah.
Er lächelte und beugte sich zu dem Kind nieder:
„Ich habe dich wohl übersehen, kleine Prinzessin?“
Das Mädchen lächelte schüchtern zurück
und ließ mit einer Antwort nicht auf sich warten:
„Ich bin keine Prinzessin und ich war schuld.
Ich habe getanzt,
weil ich mich auf das Christkind freue,
das bald kommen wird.“
„Was denn, du freust dich noch auf das Christkind?“,
fragte der Alte erstaunt.
„Und was wünscht du dir denn von ihm?
Worauf das Mädchen antwortete:
„Ich wünsche mir eine kleine Puppe oder ein Stofftier zum Spielen.
Ich weiß aber nicht,
ob das Christkind meinen Wunsch erfüllen wird.
Papa sagt, dass das Christkind den Weg
in unser Haus nicht finden kann,
wir sind nämlich eine ganz große Familie“.
Das kleine Mädchen hielt dabei die Hände hoch
und bewegte alle zehn Finger:
„Ich habe noch sooooo viele Geschwister.
Und alle wünschen sich etwas vom Christkind !“.
Der Alte lächelte das Mädchen an und erwiderte:
„Ich bin mir ganz sicher,
dass das Christkind auch euch besuchen
und den einen oder anderen Wunsch erfüllen wird !“
Da sprang das kleine Mädchen freudestrahlend davon.
Die Augen des Alten aber begannen zu leuchten,
denn er fühlte,
dass er seinen verloren geglaubten Adventszauber
wieder gefunden hatte.
So beschloss er frohen Herzens,
am nächsten Tag als Helfer des Christkinds
in diese Gasse
und zum Haus des Mädchens zurückzukehren.
-Josef Albert Stöckl-




