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Von Nicole 20.03.2026 um 22:15 Uhr | melden
Über den Tod
Drei Buchstaben nur,
aber wer unmittelbar mit dem Tod konfrontiert wird,
für den ändert sich augenblicklich alles.
Nichts ist mehr, wie es einmal war
und wird nie wieder so sein.
Von nun an gibt es eine Zeitrechnung
vor und nach dem Ereignis.
Es scheint, als würde die Welt sich weiter drehen,
als wäre nichts geschehen,
doch für den Hinterbliebenen hat sich die ganze Welt verändert.
Das Ausmaß ist schier unbegreiflich
und wie zum Schutz
für den Moment
nicht zu erfassen.
Jeder Versuch,
das Geschehen und das Empfinden
in Worten auszudrücken,
bleibt unzureichend.
Schock, Verzweiflung, Schmerz, Angst ...
keine Beschreibung kann annähernd wiedergeben,
was für ein Gefühl nun um sich greift.
Doch so wie der Tod unbegreiflich ist,
ist er auch unausweichlich.
Diese Tatsache tröstet jedoch wenig,
wenn ein Kind stirbt,
der geliebte Partner,
die Eltern, die Geschwister oder ein Freund.
Für die, die bleiben, ist es immer zu früh.
Der Tod nimmt mit, was geliebt wurde
und hinterlässt eine Leere.
Sie fühlt sich dunkel an,
tief und schwer.
Sie kann lähmen oder vereinnahmen,
ohnmächtig machen und hilflos.
Dem ersten Schock folgt ein Nicht-wahrhaben-Wollen.
Es kann nicht sein, was nicht sein darf!
Eigentlich sterben nur die Anderen.
Und wie weiter?
Ein Leben ohne den geliebten Menschen
scheint unvorstellbar.
Was tröstet, wenn man ohne Partner weiterleben muss?
Was kann Eltern trösten, die ihr Kind nicht mehr sehen?
Es gibt keinen schnellen Trost für diesen tiefen Schmerz.
Er muss ausgehalten werden und ertragen.
Und es gibt nichts,
was den Tod mildert.
Er scheint unbarmherzig,
wenn er zu früh kommt
und barmherzig,
wenn er Leiden beendet.
Doch der Tod hinterlässt immer,
wenn ein geliebter Mensch stirbt,
viel Kummer und Leid.
Viele Menschen haben Angst vor dem Tod
und vermeiden sogar,
darüber zu sprechen,
weil er so machtvoll, endgültig und jenseits
der Vorstellung ist.
Tod bedeutet aufgeben,
was lieb und teuer ist.
Ab einem gewissen Punkt
entzieht er sich einfach der menschlichen Kontrolle.
Eingreifen in den Lauf des Lebens
lässt sich selbst durch medizinische Fortschritte nur begrenzt.
So kann Leben verlängert und manchmal der Tod
sogar auf bestimmte Zeit abgewendet werden.
Viel Hoffnung auf dem Weg!
Es kann Aufschub geben, doch kein Entkommen,
am Ende steht immer der Tod – früher oder später,
ausnahmslos bei jedem.
Im Umgang mit dem Tod hilft nur,
den Lauf des Lebens zu akzeptieren
und den Tod als Teil des Lebens zu sehen.
Sich der Endlichkeit des eigenen Lebens
und der Vergänglichkeit
von allem bewusst zu werden,
kann Berührungsängste abbauen.
Und ohne Ängste
lebt es sich freier
und manche Chancen
im Umgang mit Tod und Sterben
werden nicht vergeben.
Der Gedanke: „Jeden Tag so zu leben,
als könnte es der letzte sein“
bereichert und bringt mehr Intensität in das Leben.
Dazu gehört auch,
die kleinen, scheinbar selbstverständlichen Dinge
des Lebens zu würdigen
und sich stets aufs Neue bewusst zu werden,
dass nichts von Dauer ist.
Dies lässt sich erreichen,
indem die Aufmerksamkeit
immer wieder auf das Hier und Jetzt
gerichtet wird.
Die Endlichkeit annehmen
und mit ihr Frieden schließen
führt letztlich auch zu innerem Frieden.
Und auch Frieden schließen
mit sich und anderen Menschen hilft,
vorbereitet zu sein,
wenn der Tod das Leben berührt.
© Diana Mirtschink




