Mit einem Geschenk hinterlassen Sie Ihr persönliches Zeichen in Gedenken an Constantin Winter. Veredeln Sie jetzt für 2,99 Euro diese Gedenkseite durch ein Geschenk in Ihrem Namen.
Von Sophia Fois 31.10.2017 um 14:36 Uhr | melden
Erst starb unser geliebter Constantin dann wurde Donald Trump Präsident, jetzt hat die AFD noch 12,6 % bei der Bundestagswahl 2017. Die Welt geht immer mehr den Bach herunter und unser Constantin wäre vielleicht noch jemand gewesen, er uns vor schlimmerem Übel bewahren hätte können. So viel schreckliches geschieht in der Welt und dann kommt der Tod und gibt uns den Rest. UNd jetzt kann ich mir vorstellen, wie Du Dich als Mutter fühlst; ein tiefer Einschnitt in Dein Leben. Ich habe bereits einiges an schweren Zeiten durchlebt, schlimmer als Du es dir vorstellen kannst. Trotzdem finde ich es wundervoll, wie du mit der Situation, ohne Realitätsverlust umgehst. Mich beruhigt da immer klassische Musik.
Aber im wirklichen Leben kann fehlende psychische Gesundheit ein durchaus heikles Thema sein. Wir reden nicht gern über diese fast schon unangenehme Angelegenheit, und selbst wenn wir es dann mal tun, reden wir sehr schlecht darüber. Und das meint sowohl unprofessionell als auch herabwürdigend. Denn „Geisteskrankheit“ wird in unserer Gesellschaft immer noch stark stigmatisiert und diskriminiert. Menschen mit Depression oder anderen seelischen Erkrankungen wird kaum Beachtung geschenkt. Man tut sie als „Psychos“, „Verrückte“, „Schwachsinnige“ und „Irre“ ab. Und nicht nur wir liegen oft falsch mit unserer Ausdrucksweise, selbst anerkannte Psychologen mit einem Doktortitel im Namen stellen in Scripted Reality-Formaten wie „Hilf mir doch“ bei RTL fehlerhafte und vereinfachende Diagnosen.
Ein extremeres Beispiel hierfür ist die amerikanische TV-Serie „Dr. Oz – Am I normal or nuts?“ („Dr. Oz – Bin ich normal oder verrückt?“). Lasst mal folgenden Dialog auf euch wirken und bewertet dann dessen Professionalität: „Bist du wirklich komplett verrückt geworden? (…) Denn weißt du, komplett verrückte Menschen gehen nach draußen, lutschen an Steinen und bellen den Mond an.“ Ja, ganz genau. Was hat das bitte mit dem Thema zu tun? Genannte „Symptome“ sind keinesfalls Anzeichen für eine psychische Störung, sondern zeigen höchstens, dass man ein Wolf mit Eisenmangel ist. Der Psychodoc hat die Patientin also mit einem anämischen Wolf verwechselt.
Auch heute noch spürt man die Auswirkungen dieser Strategie in den USA. So gibt es eine Methode, mit Menschen, die psychiatrische Hilfe benötigen, umzugehen, ironisch bezeichnet als „Windhund-Therapie“ - und nein, es hat leider nichts damit zu tun, einen Hund zu umarmen, der, mal ganz nebenbei bemerkt, zu 90% aus Haut und Knochen besteht. Es ist eine andere Art von Windhund gemeint, nämlich die mit vier Rädern und einer kaputten Toilette. Die Rede ist von einem amerikanischen Busunternehmen namens „Greyhound“, dessen Busse im US-Bundesstaat Nevada benutzt werden, um als eine Art psychiatrische Klinik auf Rädern zu fungieren. Die „Therapie“ besteht dabei darin, psychisch Erkrankten ein One-way-Ticket auszuhändigen, sie also in die Busse zu setzen und aus der Stadt bzw. dem Bundesstaat zu transportieren. Es tut mir wirklich leid, aber man kann Menschen, die man in der eigenen Stadt nicht haben will, nicht einfach in eine andere Ortschaft abschieben, um sich des Problems zu entledigen. Wenn man das könnte, dann wäre das der Ablauf jeder Trennung eines ehemaligen Liebespaares: „Sorry, Ursula, es liegt nicht an dir, sondern an mir. Aber auf der anderen Seite bin ich überzeugt, dass dir dein neues Leben in Kanada sicher gefallen wird. Tschüs!“
Und es geht noch schlimmer: Sowohl in Amerika als auch in Deutschland enden einige psychisch Kranke sogar im Gefängnis, natürlich ohne straffällig geworden zu sein, nur weil man keine andere Unterkunft für sie findet. Für Amerika bedeutet das dann, dass zehnmal mehr hilfsbedürftige psychisch Erkrankte in Gefängnissen sind als in professioneller psychiatrischer Behandlung! Und das ist einfach unzumutbar.
Im Vergleich zu folterähnlichen Methoden in damaligen Anstalten kann man durchaus sagen, dass sich einiges zum Positiven verändert hat, aber eindeutig nicht genug. Denn laut dem Fachmagazin „European Neuropsychopharmacology“ sind ca. 164 Millionen Europäer psychisch krank. Das sind rund 38% der Bevölkerung. Durchschnittlich leiden ca. 21 Millionen der 19- bis 79- jährigen Deutschen unter einer psychischen Erkrankung. Das ist die ungefähre Einwohnerzahl von Griechenland mal zwei. Und die meisten von uns wissen mehr über Griechenland als über unser Gesundheitssystem in Hinblick auf psychische Gesundheit. Denkt mal darüber nach, dann fallen einem mindestens drei Dinge über Griechenland ein: Die Wirtschaft ist kollabiert, Aristoteles und seine ganzen Kumpels waren Griechen und momentan ist es echt günstig, dort Urlaub zu machen. Aber Spaß beiseite, denn alles in allem sind es durchaus alarmierende Fakten, wenn man bedenkt, dass lediglich ein sehr kleiner Teil der Erkrankten von professioneller Hilfe Gebrauch macht bzw. machen kann.
Enttabuisierung des Tabus – Redet darüber!
Jedoch scheint Besserung in Sicht: In den USA gibt es mittlerweile Polizei-Abteilungen, die „crisis intervention training“ anbieten. Dort werden Polizisten in Sachen Umgang mit psychisch Kranken in Notfallsituationen weitergebildet – beworben wird es als „bahnbrechendes Programm“. Das scheint schon mal ziemlich gut, aber es „bahnbrechend“ zu nennen, ist ein wenig übertrieben, denn bahnbrechende Ideen sollten keine komplett logischen und offensichtlichen Dinge sein, die wir die ganze Zeit schon hätten tun sollen. Sie sollten ausgefallen sein und die Grenzen des scheinbar Unmöglichen überschreiten! Das ist jedoch nur ein geringer Teil von dem, was sich ändern muss. Das komplette System, von Stigmatisierung und Sprache bis hin zu Polizeiarbeit und Politik, muss verbessert werden, was sicherlich nicht einfach ist. Aber wenn ich mich recht erinnere, gibt es ja einige Politiker, die behaupten, sich dafür zu interessieren, wie Mike Huckabee oder auch einige deutsche Politiker. Dann macht aber auch was dagegen, wenn ihr psychisch Kranke so oft für Gewalttaten beschuldigt, dann ist das mindeste was ihr ihnen schuldet ein Plan! Denn es geht um Menschenleben.
Jedenfalls hoffe ich, dass ich dir ein bisschen helfen konnte.
Lass Dich nicht runterziehen, egal wie viele Leute dummes Zeug in die Kommentare schreiben. Du Stehst da drüber. Außerdem wünsche ich dir viel glück, Kraft und Gottes Segen für dein restliches Leben.
Liebe Grüße
Deine Soso





