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Von Sophia 25.03.2026 um 19:40 Uhr | melden
"Will I wake tomorrow from this nightmare? /
Lässt mich dieser Alptraum je wieder frei?"
(aus dem Musical Rent)
Liebe Elena,
das oben zitierte Lied ist ein wunderschöner Kanon und ich höre es zurzeit sehr oft. Es ist dabei klar, was für mich dieser Alptraum ist. Und der Gedanke, ob er nicht morgen vorüber sein könnte, weckt in mir immer Erinnerungen an den 25. März 2015.
Als ich früh aufstand und mich gefragt habe: Ist das alles wirklich passiert? Wann kommt die Meldung, dass alles nur ein Irrtum war? Können wir nicht einfach noch mal einen Tag zurückgehen und alles ändern.
Als ich auf die Straße bin und mich gefragt habe, warum dort alle Menschen so normal herumlaufen, wo doch gefühlt gestern die Welt stehengeblieben ist. Als mir ein Mann im Vorbeilaufen freundlich zugenickt und es sich angefühlt hat wie ein "schön, dass du noch da bist."
Als ich auf der Shoppingtour mit meiner Schwester immer, wenn sie noch länger im Laden war, nach Neuigkeiten und Artikeln auf meinem Handy gesucht habe und schließlich die Traueranzeige der Schule gefunden habe, mit deinem Namen an zweiter Stelle. Als ich kurz darauf auch ein Bild von dir gesehen habe.
Später wusste ich dann, dass dieser Tag auch dein 16. Geburtstag gewesen wäre, und das macht alles noch unwirklicher. Wenn ich diesen Tag schon erlebt habe wie einen wirren Alptraum zwischen Fassungslosigkeit, Erschütterung und ja, für mich dann doch auch Alltag, wie muss es für deine Lieben gewesen sein? Wie kann ein Gehirn überhaupt erfassen und ein Herz aushalten, dass man sich statt dem Geburtstag seines Kindes mit dessen Tod auseinandersetzen muss? Hätte der Alptraum nicht über Nacht enden müssen, weil die Realität viel zu grausam und ungerecht wäre, als dass man sie sich vorstellen könnte?
Liebe Elena, das Schlimmste am Tod ist diese Endgültigkeit. Für viele Alpträume gibt es eine Auflösung und man kann sich wieder beruhigen. Aber dafür nicht. Deshalb mag ich auch die deutsche Übersetzung des Liedes oben gerne. Denn der Alptraum hätte meinetwegen gar nicht "morgen" enden müssen. Ein verpasster Geburtstag, das wäre schade, aber man hätte es verschmerzt wenn man Hoffnung haben könnte, dass der Alptraum jemals endet. Die gibt es jedoch, zumindest für dieses Leben, nicht. Die einzige Hoffnung bleibt, dass es irgendwann ein Wiedersehen zwischen dir und deinen Lieben geben wird, wo ihr alles Verpasste nachholen könnt - deinen 16. Geburtstag genauso wie alle anderen verlorenen Tage.
Ich denke mit ganzem Herzen an deine Eltern, deinen Bruder, an Käthe und alle Verwandten und Freunde, die dich vermissen. Und besonders an dich, Elena, denn es wird zwar leider immer "der Tag nach der Katastrophe", aber vor allem auch dein Geburtstag sein.
Alles Liebe,
deine Sophia




