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Von Werner Bochen 15.06.2015 um 09:09 Uhr | melden
Hi Flori,
heute ist es genau 2 Monate her. Morgens klingelte mein Telefon und die Polizei teilte Deiner Mama und mir die schrecklichste und Folgenreichste Nachricht unseres Lebens mit. Diese Sekunden sind uns im Kopf und Herzen eingebrannt, überall tief in uns eingebrannt. Es wird wohl auch für immer so bleiben, dass es uns immer schwerer fällt, die Tage und Nächte zu überstehen, je näher der 15. eines Monats rückt.
Es heißt, Abschied nehmen müsste man lernen. Nun bin aber schon steinalt und habe noch immer nicht verstanden, wie das gehen soll. Wir soll man etwas loslassen, wenn man nicht loslassen will, nicht kann, sich alles in einem dagegen sträubt? Und wie soll es einem helfen, wenn man loslässt? Der verlorene Mensch kommt dadurch doch auch nicht zurück.
Gibt es bei Dir da oben nicht doch jemanden, der das alles versteht und mich mit Weisheit überschütten kann, und sei es nur ein wenig? Könnte ich verflucht gut gebrauchen!
Lege doch bitte mal ein gutes Wort für mich ein.
Und wenn Du dort jemanden triffst, der Tauschhandel mag, biete mich bitte an. Bitte!
Ich passe erheblich besser zu Janis Joplin, Bob Marley, John Lennon, Marvin Gaye, Jimi Hendrix, June Carter und Johnny Cash.
Du gehörst da noch lange nicht hin; ich schon!
Neulich sagte mir jemand, es gäbe für alles einen Grund. Und man solle darauf vertrauen, dass Dich Dein Schicksal vor noch schlimmeren bewahrt hätte. Flori glaube mir, ich habe diese schlauen Sprüche sowas von satt. Was sollte denn noch schlimmer sein? Darauf aber wusste man auch keine Antwort. Wen wundert es?
Ich glaube nur an eines: Es war falsch!
Dein Abschied vom Leben kam zum absolut falschen Zeitpunkt. Grob geschätzt 80 Erdenjahre zu früh. Für Dich, und alle Menschen um Dich herum, total falsch.
Mir ist es ein kleiner Trost, zu wissen, dass Du eine liebe, Dich liebende Mama hattest. Auch wenn Du nicht unbedingt täglich davon überzeugt warst; kein Teenager glaubt und erkennt das! Sie hat alles für Dich und Deine Schwester gegeben, viel mehr an Euch beide gedacht und für Euch getan, als Du es Dir vorstellen konntest. Und Du durftest diese Frau stolz „meine Mama“ nennen.
Sei auch weiterhin stolz darauf, das kann Dir niemand mehr nehmen!
Danke für die wunderbaren Momente in all den Jahren mit Dir.
Und ich bitte um Entschuldigung für die weniger guten, an denen ich nicht den richtigen Ton getroffen habe. Jeder einzelne davon war einer zu viel. Eines Tages hätte ich das wohl auch erkannt.
Aber wie sagte einst John Fogerty,
someday never comes
Dein Werner





