Frida Maria Taubensee

Frida Maria
Taubensee

01.03.1908
Danzig
-
11.10.1993
Ahrensburg Schleswig-Holstein

Stimmungsbild-Frida Maria-Taubensee-11

Gedenkseite für Frida Maria Taubensee geb. Scherbart

Foto oben: "Petri Heil" am Freitag dem 8. April 1938 am Teich des Bauerhofes der Familie Gustav Adolf Taubensee in Keitlau (Swaryszewo) bei Tiegenhof (Nowi Dwor Gd). Rechts: Frida Maria Taubensee geb. Scherbart (30 J.) mit Sohn Klaus Taubensee (2 J.).


"Je schöner und voller die Erinnerung, desto schwerer ist die Trennung. Aber die Dankbarkeit verwandelt die Qual der Erinnerung in eine stille Freude. Man trägt das vergangene Schöne nicht wie einen Stachel, sondern wie ein kostbares Geschenk in sich." Dietrich Bonhoeffer (* 04.02.1906 in Breslau, † 09.04.1945 im KZ Flossenbrück,).

In tiefer Liebe und bleibender Erinnerung gedenken wir einem besonderen Menschen: Frida Maria Taubensee geb. Scherbart. Geboren in Danzig, trug sie die Heimat und deren unverkennbaren Geist stets in ihrer Seele, bevor ihr Lebensweg sie nach Ahrensburg in Holstein führte. Dort, in den stillen Stunden des Abends schloss sich am Samstag, den 11. Oktober 1993 um 20:!15 Uhr ihr Lebenskreis. Frida Maria Taubensee wurde an Montag,. den 18. Oktober 1993 auf der Grabstelle A 00078 auf der EV- Luth Kirchengemeinde in Ahreneburg.. Hamburger Straße 160, neben ihrem Ehemann Willy Rudolf Taubensee (geb. 11.04.1905 in Neulanfhorst / Westpreußen, gest. 29.08.1983 um 15 : 21 Uhr in Ahrensburg) bestattet .Die Grabstelle befundet sich unmittelbar gegenüber der Friedhofskapelle aus dem Jahre 1925 - der Friedhof selber wurde 1883 angelegt ( Fläche des Friedhofs 7,3 ha, rund 8.400 Grabstellen).
Auch wenn seit jenem Moment viele Jahre vergangen sind, bleibt das Band der Liebe und Dankbarkeit unzerreißbar. Ihre Wärme, ihre Lebensgeschichte und ihr unvergessliches Wesen strahlen weit über die Zeit hinaus. Sie hat tiefe, unauslöschliche Spuren in den Herzen derer hinterlassen, die sie lieben und vermissen.
Ein Mensch, der uns verlässt, ist wie ein Stern, der erlischt – doch sein Leuchten bleibt für immer in unseren Erinnerungen präsent. In stillem und ehrendem Gedenken an eine geliebte Seele.

Am Sonntag, den 1. März 1908 erblickte um 02:45 Uhr Frida Maria Scherbart in Danzig, Am Stein 11 das Licht der Welt
„Am Stein“ ist der historische deutsche Name einer kleinen Straße in der Danziger Altstadt), die heute offiziell ulica Stajenna heißt.
Der Name leitet sich kurioserweise von einem Übersetzungs- bzw. Deutungsfehler ab. Das polnische Wort für Stall lautet stajnia. Im Zuge der historischen Namensgebungen im 18. Jahrhundert wurde dies phonetisch oder fälschlicherweise mit dem deutschen Wort „Stein“ assoziiert. Die Bezeichnung „Am Stein“ wurde im Jahr 1778 offiziell für diese Straße festgelegt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg (1945) wurde die Straße im Zuge der Polonisierung aller Danziger Straßennamen in uli. Stajenna (Stallstraße) umbenannt, was die ursprüngliche Bedeutung wieder aufgriff.
Die Eltern von Frida Maria Scherbart sind der Bauarbeiter Conrad August Scherbart (geboren 27. Februar 1882 in Danzig, Neugarten 30, getauft 5. März 1882 in St. Marien, gestorben 11. März 1962 um 06:30 Uhr in Büchen; unehelicher Sohn von der Dienstmädchen Maria Emilia Mathilde Scherbart, geboren 8. Mai 1861, eine Tochter von Johann Friedrich Scherbart und Renate geborene Riesen) und seiner Ehefrau Johanna Scherbart geborene Zagermann (geboren 13. Dezember 1874, gestorben im Juni 1927 im St. Marienkrankenhaus, Weidengasse 34) wohnten in der Nähe des Radaune Kanals (Kanal Raduni) bis 1910 in Danzig, Am Stein (ul. Stajenna) 11 (historischer Straßenname seit 1778). Hier wurde Tochter Frida Maria Scherbart am Sonntag, den 1. März 1908 um 02.45 Uhr, geboren.. Vom 1915 bis Oktober 1922 besuchte Frida Maria Scherbart die Mädchenvolksschule in Danzig, Hakenwerk 10 / 12.
Es folgte eine Kaufmannslehre von Oktober 1922 bis Oktober 1925 bei der Firma Wilhelm Machwitz in Danzig, das auch gerösteten Kaffee vertrieb. Sie verdiente monatlich bis zu 60 Danziger -.-Goldgulden:
Von Oktober 1925 bis Mai 1926 war sie als Verkäuferin bei der Papierwarengroßhandel H.J. Jacobsen in Danzig beschäftigt. Ihr Gehalt betrug monatlich 100 Danziger-Goldgulden. 1
Von September 1926 bis Juni 1928 war sie als als Serviererin in den Machwitz-Kaffee-Stuben in Danzig, Langgasse 14, beschäftigt, Hier verdiente sie bereits monatlich 150 Danziger-Goldgulden. Ab Juli 1928 bis 30.September 1930 war sie Kassiererin bei der Machwitz-Filiale in Zoppot, Seestraße 39/41 . Hier verdiente sie zuletzt 290 Danziger Goldgulden. Der: berühmte Ahne, Schriftsteller und „Paradiesvogel“,war der direkte Nachfahre von Frida Maria Taubensee, war ihr Großonkel Paul Karl Wilhelm Scheerbart (Pseudonym: Bruno Käfer): Paul Scheerbart wurde am 08. 01.1863 in der Fleischergasse 38 in Danzig geboren. Sein Vater der Schiffszimmerer Karl Eduard Scherbart, war ein Bruder von Conrad Scheerbart`s Großvater Friedrich Wilhelm (geb. 28. Februar 1814, gest. 22.12. 1886). Er war u.a. Lokalreporter für den „Danziger Courier“.
Paul Scheerbart – Kosmiker, Phantast und einer der eigenständigsten originärsten deutschen Schriftsteller (30 Buchveröffentlichungen) der Jahrhundertwende, gehörte zum Literaten- und Künstlerkreis Karl Demel, August Strindberg, Stanislaw Przybyszewski, Edward Munch, Knut Hansu Erich Mühsam, Franz Pfempfert, Herwart Walden und Else Lasker-Schüler, den er mit seinen satirischen und abenteuerlichen Einfällen in Erstaunen versetzte. Kein geringerer als der berühmte Maler Oskar Kokoschka (1886-1980) hat ihn 1910 in Öel auf die Leinwand. gebannt.

„Verliebt, verlobt, verheiratet" – das war schon immer so, und so war es auch bei Frida Scherbart und Willy Taubensee (geb.11.04.1905 in Danzig, gest. 29.08.1983 in Ahrensburg) in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts. Sie lernten sich kennen und lieben, als Frida bei der Firma Wilhelm Machwitz (gegründet 1883) beide sehr erfolgreich tätig waren: sie als Serviererin in den Machwitz-Kaffeestuben und er als Geschäftsführer der Machwitz-Filiale in Danzig, Langgasse. Ihre standesamtliche und kirchliche Hochzeit war am Samstag, den 4. Oktober 1930 (Standesamt I, Danzig, Melzergasse 7/8, Standesbeamter Hoffmann). Trauzeugen waren Walter Thierling (23 J.) und Wilhelmine (Tante Minna) Didschuleit geb. Levandowski (71J.)
Die kirchliche Trauung war in der St. Marienkirche in Danzig (erbaut 1343 - 1502), die hauptsächliche evangelisch-lutherische Pfarrkirche der Stadt und eines der prägendsten Wahrzeichen der damaligen Freien Stadt Danzig. Nach dem Ulmer Münster galt sie zu dieser Zeit als die zweitgrößte evangelische
Kirche der Welt.
Hier wurden noch am selben Tage Frida und Willy Taubensee vom Pfarrer und Diakon Hermann Daniel kirchlich getraut.
Es war die Mittagsstunde des 7. April 1936, als in der Ringstraße 104 – der späteren Magdeburger Straße – in Danzig-Langfuhr ein neues Leben begann. Um Punkt 12:30 Uhr tat Klaus Ulrich in der Taubensee-Wohnung seinen ersten Atemzug.An seiner Seite stand eine Frau, die wie keine andere das Werden und Wachsen in diesem Viertel begleitete: die legendäre Hebamme Meta Brzowski. Bekannt für ihr herzliches Wesen, ihren unverwüstlichen Humor und ihren tatkräftigen Geist, war sie die Hüterin des Lebens in einer bewegten Zeit. Dieselben Hände, die an diesem Frühlingstag Klaus Ulrich ins Leben halfen, hatten Jahre zuvor schon anderen Danziger Jungen den Weg geebnet: Am 5. Mai 1925 erblickte durch sie der spätere Schauspieler Eddi Arent das Licht der Welt, und am 16. Mai 1930 folgte ihm Wolfgang Völz.So verbindet die Erinnerung an diesen einen Tag in Langfuhr das ganz persönliche Familienglück mit den großen Namen der deutschen Kulturgeschichte – festgehalten im Herzen einer unvergessenen Hebamme.
Am 1. November 1940 haben sich Frida und Willy Taubensee einen Traum erfüllt und sich beruflich selbstständig gemacht und ein Kolonialwaren- und Feinkostgeschäft in Danzig-Langfuhr, Magdeburger Straße 73 (Ecke Brosener Weg) eröffnet (mit vier Verkäuferinnen und einem Lehrling). Am 20.07.1945 wurde sie und ihr Sohn Klaus in einem Eisenbahngüterzug von der polnischen Stadtverwaltung Gdansk zwangsumgesiedelt und in die sowjetischr Besatzungszone Deutschlands ausgewiesen, Die dramatische Vertreibungs-Odyssee führte sie dann unter sehr schlechten erschrecklichen, furchtbaren Umständen weiter über Küstrin - Berlin - Ludwigsllust - Gleisin - Wolfsnurg-Vorsfelde - Bad Segeberg nach Ahrensburg in die damalige Britische Besatzungszone.

Es gibt Menschen, die brennen sich für immer in unsere Herzen ein. Nicht, weil ihr Leben leicht war, sondern weil sie trotz aller Härte ihr Schicksal voller Liebe, Güte und Menschlichkeit meisterten. Eine solche unvergessene, wunderbare Frau war unsere geliebte Frida. Fridas Leben wurde von Kindheit an durch tiefe Wunden und historische Tragödien geprüft: Der plötzliche, viel zu frühe Tod ihrer über alles geliebten Mutter Johanna Scherbart – von allen nur zärtlich „Muttchen“ genannt – hinterließ eine tiefe Lücke. Die darauffolgende Familiensituation brachte neue, emotionale Härten in ihr junges Leben. Sie musste die Schrecken zweier Weltkriege miterleben. Unvergessen bleiben die fürchterlichen Bomben- und Artillerieangriffe auf ihre Heimatstadt Danzig und mit dem Einmarsch der russischen Truppen in Danzig folgten Tage des puren Entsetzens. Der absolute Tiefpunkt des Leidens war die Vertreibung aus Danzig-Langfuhr im Juli 1945. Trotz all dieser Traumata und der Härte, die das Schicksal ihr auferlegte, zerbrach Frida nicht. Sie wurde nicht bitter. Wir werden sie für immer für die Eigenschaften in Erinnerung behalten, die sie so einzigartig machten:
Ihre Fröhlichkeit, die Licht in dunkle Tage brachte.
Ihre tief verwurzelte Menschlichkeit und unerschöpfliche Herzenswärme.
Ihre unendliche Güte und stete Hilfsbereitschaft für jeden, der sie brauchte.
Ihre bewundernswerte Bescheidenheit, mit der sie ihr Leben meisterte.
Ein wunderbarer Mensch ist nicht mehr da. Doch in unseren Herzen hat sie einen festen, sicheren Platz auf Lebenszeit.




"Jedes Foto aus dem Leben von Frida Maria Taubensee erzählt
eine Geschichte..."

K.T.







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