Luisa Wirtz

Luisa
Wirtz

26.05.1995
Simmerath
-
16.10.2012
Köln

stimmungsbild
ZurückAus dem Kondolenzbuch: Zigarrenkäfer und Libelle

von Oma am 20.09.2014 - 08:37 Uhr | melden

Zigarrenkäfer und Libelle

Ganz tief unterhalb der Wasserfläche eines kleinen Teiches lebte eine kleine Zigarrenkäferkolonie. Weit weg von der Sonne lebten sie da glücklich und zufrieden. Viele Monate krabbelten sie geschäftig durch den weichen Schlamm am Grunde des Teiches. Sie bemerkten, daß immer mal wieder einer aus ihrer Kolonie keine Lust zu haben schien, mit seinen Freunden herumzukrabbeln. Statt dessen klammerte er sich an den Stengel einer Seerose und kletterte ganz langsam daran hoch, bis er nicht mehr zu sehen war. Sie bekamen ihn nie wieder zu Gesicht.
"Seht mal", sagte eines Tages einer der Zigarrenkäfer zu seinen Freunden, "wieder klettert einer von uns am Stengel der Seerose hoch. Was meint ihr, wo er hin will?" Ganz langsam kletterte ihr Freund immer höher und höher. Und während sie ihn noch beobachteten, verschwand er plötzlich aus ihrem Gesichtsfeld.
Seine Freunde warteten und warteten, aber er kam nicht zurück. "Das ist irgendwie komisch," sagte ein Zigarrenkäfer zum anderen. "Hat´s ihm hier denn nicht gefallen?" fragte ein zweiter. "Was glaubst du, wo er hingekrabbelt ist?" wunderte sich ein dritter. Sie zerbrachen sich den Kopf, aber keiner hatte eine Antwort darauf. Schließlich versammelte der Anführer der Zigarrenkäfer seine Freunde um sich: "Ich habe eine Idee. Der nächste von uns, der den Stengel der Seerose hochklettert, muß versprechen wiederzukommen und uns zu erzählen, wo er hingegangen ist." "Wir versprechen es", sagten alle ganz feierlich.
Kurz darauf an einem schönen Frühlingstag bemerkte der Anführer der Zigarrenkäfer - eben der, der den Plan ausgeheckt hatte - daß er an einem Seerosenstengel hochkrabbelte. Höher und höher ging es. Und ehe er sich´s versah, hatte er den Wasserspiegel durchbrochen und fand sich auf einem großen grünen Seerosenblatt wieder. Er rieb sich überrascht die Augen, denn er konnte nicht glauben, was er sah. Dazu kam, daß sich sein alter Körper in einem bestürzenden Tempo verwandelte. Plötzlich zeigten sich vier silberne Flügel und ein langer Schwanz. Und während er noch mühsam versuchte auf die Beine zu kommen, verspürte er den Wunsch, seine neuen Flügel zu bewegen. Die Wärme der Frühlingssonne trocknete schnell die überschüssige Fechtigkeit von seinem neuen Körper. Wieder bewegte er seine Flügel, und plötzlich fand er sich oberhalb des Wassers in der Luft schwebend wieder.
Er war eine Libelle geworden. In weiten Kurven sich wiegend, dann wieder blitzschnell herabsausend, flog er durch die Luft. Voller Heiterkeit genoß er seine neue Welt. Nach einer Weile landete er überglücklich auf einem Seerosenblatt, um sich eine Verschnaufpause zu gönnen. Zufällig sah er dabei über den Rand des Seerosenblattes nach unten auf den Grund des kleinen Teichs: Da waren ja wahrhaftig seine alten Freunde, die Zigarrenkäfer. Er war direkt über ihnen. Sie krabbelten eifrig durch den weichen Schlamm - so wie er es bis vor Kurzem auch gemacht hatte. Da fiel ihm das Versprechen ein: "Der nächste von uns, der den Stengel der Seerose hochklettert, muß versprechen wiederzukommen und uns zu erzählen, wo er hingegangen ist."
Ohne weiter nachzudenken stürzte sich die Libelle - unser alter ehemaliger Zigarrenkäfer - kopfüber hinunter und .................... prallte an der Wasseroberfläche zurück. Er war eine Libelle geworden. Er konnte nicht mehr ins Wasser hinein. "Ich kann nicht zurück", sagte er bestürzt, und dann - nach einer kleinen Weile - besann er sich: "Ich habe es immerhin versucht, aber ich kann mein Versprechen nicht halten. Sogar wenn ich zurückgehen könnte, würde es nichts nützen. Denn nicht einer meiner alten Freunde würde mich in meinem neuen Körper wiedererkennen. Ich denke, ich muß warten, bis sie auch Libellen geworden sind. Dann werden sie verstehen, was mir passiert ist, und wo ich hingekommen bin."
Und die Libelle breitete ihre schimmernden Flügel aus und flog beglückt in ihre neue wunderbare, sonnige und luftige Welt hinein.

(frei übersetzt nach einer Geschichte von D. Stickney)
(aus: "Ein Hospitzmärchen")

Oma
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