Michael Uffmann

Michael
Uffmann

24.09.1963
Bielefeld
-
15.09.2007
Halle

Stimmungsbild-Michael-Uffmann-1
ZurückAus dem Kondolenzbuch: Brief an Dich

von Heike am 26.10.2016 - 14:59 Uhr | melden

Lieber Michael,

wie ist die Zeit vergangen, seit du gestorben bist!

Neun Jahre sind vorüber. Was hat diese Zeit mit mir gemacht? Ich will versuchen, dir zu erzählen, wie nach Trauer und Schmerz Neues entstanden ist.
Es ist Freitag Abend. Es ist ein Abend ganz anderer Art . Damals kam ich vom Krankenhaus nach Hause und wusste nicht, ob ich dich am nächsten Tag noch lebend antreffen würde. Als ich am Morgen jenes Freitags auf unsere Terrasse hinausblickte, da sagte mir ein leises Ahnen, dass du wohl nie mehr dort auf deinem Stuhl sitzen und mir entgegenstrahlen würdest. Es war ein Ahnen, das mich traurig machte.Verzweifelt betete ich das erste mal zu Gott dem ganzen Leid und Elend ein Ende zu machen. war es für mich unvorstellbar, dass du einmal nicht mehr bei mir, sein würdest.
Wir haben so oft über diesen Tag geredet,wir wussten das er kommt.............. aber das es so sein wird hätte ich nie gedacht.
Dann kam der Samstag. Alles war so friedlich, ein wunderschöner Herbsttag. Morgens rief das Krankenhaus an.
"Fremd und erschreckend war das Wort des Arztes, der mir deinen Tod mitteilte. „Nun ist alles aus!“, so schoss es mir durch den Kopf."
Ich konnte nicht weinen .
Hatte ich schon begriffen, was passiert war? Ich funktionierte und tat zusammen mit dem netten Pfleger das, was nötig war. Die Tränen kamen erst später.
Und dann das Erleben eines unbeschreiblichen Friedens an deinem Totenbett. Du warst von uns gegangen und warst doch nicht fern. Deine Hand war noch warm und es war fast so wie sonst auch, wenn ich deine Hand in der meinen hielt. Es war schön, dass ich so lange an deinem Bett mit dir sitzen und deinen Frieden wahrnehmen durfte.
Ich habe darüber nachgedacht wie sehr Du deine Mutter , die schon lange vor Dir gegangen war, vermisst hast, und Du Dir immer gewünscht hast sie wiederzusehen.Ob sie Dich begleitet hat? Es wäre so schön und ich habe es mir für Dich gewünscht.Du hast immer gesagt das es nach dem Tod ein neues Leben kommt, das die Seele nie stirbt und immer wieder geboren wird.
Der schlimmste Tag war der Tag der Beerdigung, denn da war es für mich endgültig.Ich hab nur da gestanden, ohne Tränen, es waren so viele Menschen da, alle waren traurig und viele haben geweint.Auf dem Nachhauseweg mit Patrick ist noch etwas ganz komisches passiert. Patrick wollte mal wieder was aufheben, ich hab geschimpft weil ich ja wusste wie sehr Du Dich darüber immer geärgert hast. Es war ein schöner Tag, die Sonne schien.Plötzlich kam ein leichter Wind auf und genau an der Stelle wo Patrick sich bückte drehten sich die Blätter im Kreis.Ich bin mir sicher das Du da warst und nach dem rechten geschaut hast.
.Neun Jahre sind seither vergangen. Was ist in dieser Zeit passiert? Es galt, der Zeit ohne dich Sinn zu geben. Ich hielt das abendliche Alleinsein in meinem Wohnzimmer aus und erfuhr, Alleinsein ist nicht gleichbedeutend mit Einsam sein. Du warst weg, aber so vieles von dir war noch da. Das größte Vermächtnis, das du mir hinterlassen hast, ist deine unbeschreibliche Ruhe und Gelassenheit. In dieser Ruhe konnte ich atmen, konnte ich mich finden.
Ein Jahr des Erinnerns. Ein Jahr der Ruhe war das Trauerjahr. Aber alles hat seine Zeit, so sagt es schon der Prediger Salomo. „Weinen hat seine Zeit, lachen hat seine Zeit; klagen hat seine Zeit ...“ Es wäre nicht in deinem Sinn, wenn ich an der Trauer festgehalten, mich in sie verkrochen hätte. Und so kam nach dem Jahr der Trauer ein neues Jahr. Ein Jahr des langsamen Vorwärts gehens.
Was du mir gegeben hast, das lebt in mir und ein Stück von dir ist unauslöschlich in mir und wird mich bis an das Ende meiner Tage begleiten. Die Jahre an deiner Seite haben mich geprägt, haben mich zu einem Teil von dir werden lassen.
Ich lasse auch die Erkenntnis zu, dass mit dir etwas in mir gestorben ist. Es ist das, was den Blick rückwärts lenkt, das, was der Vergangenheit mehr Raum geben will als der Gegenwart. Du warst ein Mensch der Gegenwart und ich weiß, du willst, dass ich vorwärts blicke. Dies aber mit den an deiner Seite geschärften Augen und trotzdem nicht mit deinen, sondern mit meinen Augen. Du wolltest, dass ich eine eigene, selbstständige Frau werde. Bei aller Nähe, die wir lebten, hast du mir die Freiheit zur eigenen Entfaltung gegeben. Hab Dank dafür!
Lange dachte ich darüber nach und erkannte, meine Augen sind nicht mehr voller Trauer. Die Trauer hatte ihre Zeit und das war gut so. Was kommt, weiß ich nicht. Eines aber weiß ich, dich freut es, dass meine Augen nicht mehr voller Trauer sind.
Ich habe dich grenzenlos geliebt und ich danke dir für deine Liebe. Dass meine Liebe sich gewandelt hat, zeigt die Farbe der Rosen, die an deinem diesjährigen Todestag dein Grab schmücken werden. Es sollen keine roten, es sollen lachsfarbene sein. Aber es werden weiterhin Rosen sein, denn: „Die Liebe hört niemals auf.“ Sie wandelt sich nur.
Unser Leben war, wie es war, unser Leben! Es war mit allen Tiefen und Höhen wunderschön. Ich möchte von diesem Leben keinen einzigen Tag missen, denn es waren Tage an der Seite eines wunderbaren Mannes. Es waren Tage mit dir!

Heike
Geschenk Am 25.08.2016 von Oliver Schmid angelegt.
Geschenk Am 20.02.2016 von Gedenkseiten.de angelegt.
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