Rupert Davies

Rupert
Davies

22.05.1916
Liverpool
-
22.11.1976
London

Stimmungsbild-Rupert-Davies-3

Gedenkseite für Rupert Davies

Zur Erinnerung an Rupert Davies (22.05.1916 - 22.11.1976)

“Mein Freund Maigret” - Rupert Davies und die Rolle seines Lebens

Hommage eines nachgeborenen Fans

“Mein” Maigret - das war Jean Gabin. Felsenfest war diese Überzeugung in mir verankert, seitdem ich die Ikone des französischen Kinos in dem Spielfilm “Maigret kennt kein Erbarmen” zum ersten Mal als Kommissar Jules Maigret gesehen hatte. Natürlich war es naheliegend - der berühmteste französische Detektiv, wenn auch von einem belgischen Schriftsteller ersonnen, musste auch von einem Franzosen verkörpert werden. “Kommissar Maigret stellt eine Falle” und “Kommissar Maigret sieht rot” zementierten meine Meinung.

Bis zu jenem Tag im Juli 2015 als ich mich entschied, die erste Staffel einer Serie auf DVD zu erwerben, von der ich bis dahin lediglich gehört hatte: “Kommissar Maigret” mit einem gewissen Rupert Davies in der Titelrolle. Ein Engländer, der einen der berühmtesten Charaktere der französischen Literatur verkörpert? Unglaublich. Ich war skeptisch, doch das einhellige Lob für diese Serie weckte meine Neugier auf etwas, das lange vor meiner Geburt auf deutschen Bildschirmen zu sehen und mir daher vollkommen fremd war.

Ein Musette-Walzer, dessen höchst eingängige Melodie zugleich beschwingt und dennoch melancholisch klingt. Ein Mann, der ein Streichholz an einer Wand anreißt und mit einem wissenden Lächeln seine Pfeife entzündet. Das war er also: Rupert Davies als Kommissar Maigret. Ein Mann von imposanter Statur, dessen Auftreten geprägt ist von gelassener Autorität, jemand, der ganz und gar in sich selbst ruht. Von der Natur beschenkt mit einem Charakterkopf und einem offenen, sogleich Vertrauen erweckenden Gesicht mit ausdrucksvollen Augen, die tiefe Mitmenschlichkeit und einen wachen Verstand offenbaren - all das zog mich sogleich in seinen Bann.

Georges Simenon hat seine berühmte Schöpfung Jules Maigret auf unverwechselbare Weise beschrieben, wobei der Familienname sich in schöner Ironie von "maigre" (mager) ableitet. Vergleicht man Simenons Worte mit dem Gesicht von Rupert Davies, so ist die Ähnlichkeit in der Tat frappierend. Des Öfteren schwelgt die Kamera geradezu in Großaufnahmen dieses Antlitzes, in dem Güte und Verschmitztheit, Härte und Sanftmut sich auf wunderbare Weise ergänzen.

Bereits wenn er in der ersten Episode “Maigret und die Tänzerin Arlette” durch sein Büro stapft, scheint Rupert Davies’ Maigret direkt den Seiten der Romane von Georges Simenon entstiegen zu sein. Früher hätte ich zwischen dem filmischen und dem literarischen Maigret keinerlei Vergleiche anstellen können, denn erst meine Faszination für Rupert Davies und seinen Kommissar Maigret bewegte mich zur Lektüre von Simenons Werken. Und natürlich mussten es unbedingt die Ausgaben der nur noch antiquarisch verfügbaren Heyne Taschenbücher sein, denn deren Titelseiten ziert der
gebürtige Liverpooler.

Binnen kürzester Zeit war mir sein Kommissar Maigret vertraut, als hätte ich ihn immer schon gekannt. Seine Warmherzigkeit und sein sanfter Humor ließen mich ihn sogleich in mein Herz schließen. Nichts Menschliches ist ihm fremd, seine Toleranz macht nur Halt vor Infamie und Niedertracht. Maigrets väterliche Güte lässt ihn zum Beispiel einem sich zu Unrecht selbst des Mordes bezichtigenden jungen Mann liebevoll übers Haar fahren (“Maigret und der Kopflose”), ein von ihm festgenommener jugendlicher Dieb darf vor dem Verhör zunächst erst einmal etwas essen (“Maigret als möblierter Herr”) und ein völlig verzweifelter Neunzehnjähriger, den Maigret soeben von einem Mord abgehalten hat, wird von ihm sanft ermahnt, sich die Haare zu kämmen, da er ihn anschließend zum Essen einladen möchte (“Maigret und sein Revolver”). Er ist sogar bereit, ihm bisher völlig fremden Menschen finanziell auszuhelfen wie etwa der jungen Tänzerin Nina Moinard in “Maigret und der Schatten am Fenster” und Francois Lagrange in “Maigret und sein Revolver”.
Wenn Kommissar Maigret seine gewohnte Ruhe einmal verliert und aufbraust, so ist es stets dem Ernst der jeweiligen Situation geschuldet, zum Beispiel wenn er es mit einem besonders widerwärtigen Kriminalfall zu tun bekommt wie mit den Verbrechen der “Metzger der Picardie” in “Maigret und sein Toter” oder wenn man ihm ganz offensichtlich die Wahrheit vorenthält. So wird er in “Maigret und die alte Dame” gegen einen der am Verbrechen Beteiligten ebenso massiv handgreiflich wie er beispielsweise in “Maigret und die Gangster” sowie in “Maigret vor dem Schwurgericht” kriminelle Elemente mit physischem Nachdruck und Verbalinjurien zu einer Aussage bewegt.

Georges Simenon staffiert seinen Maigret unter anderem mit einem Mantel mit Samtkragen sowie mit einer Melone aus, doch bereits die literarische Figur hat sich in “Maigrets Memoiren” dagegen höchstpersönlich verwahrt. So ist es nur nur konsequent, dass Rupert Davies als Maigret einen Trilby und einen Trenchcoat oder einen schweren dunklen Mantel trägt, was ihm ausgezeichnet steht. Sein bevorzugtes Kleidungsstück ist zumindest in den frühen Episoden ein Nadelstreifenanzug. Darüber hinaus erlebt der Zuschauer den Kommissar des Öfteren in Hemdsärmeln sowie in einem eleganten Morgenmantel und sogar im Pyjama.

Zu Kommissar Maigrets unverzichtbaren Utensilien gehört selbstverständlich die geliebte Pfeife, wobei er meist die gerade “Straight” raucht und nur in “Maigret als möblierter Herr” die gebogene “Bent”. In “Maigret und der Weihnachtsmann” schenkt ihm seine Frau eine Meerschaumpfeife nebst seinem Lieblingstabak, was ihn vor Freude strahlen lässt.

Ebenso undenkbar ist Maigret ohne seine ausgeprägte Neigung zum Alkohol: Calvados, Pernod, Pastis, Whisky, Weißwein, Chartreuse, Chianti, Champagner und immer wieder sein geliebtes Bier. Außer der Anregung seines Appetites durch einen Aperitif in der Brasserie “Dauphine” - die leider in der Serie nur erwähnt und nicht auch gezeigt wird - und der Linderung seines Durstes dient Maigret der Genuss von Alkohol selbstredend auch dem Knüpfen sozialer Kontakte. Wie leicht man einen Wirt zum Reden bringt, wenn man ihm nur versichert, wie ausgezeichnet sein Wein schmeckt. Wie schnell der Alkohol die Zunge eines Anderen lösen kann. Wie angenehm es sich bei einem Gläschen plaudern lässt.

"The moment Simenon saw me he shouted: "Cest Maigret, cest Maigret. You are the flesh and bones of Maigret! ... That was a wonderful beginning. Then he drove us to his lovely château in the village of Enchandens, where I met his wife. Later he began to coach me in Maigrets idiosyncrasies.” erinnert sich Rupert Davies.

Diese Eigenheiten sind vor allem der häufige Griff zum Gesicht: das Aufstützen des Kinns auf die Faust, das Kratzen am Kopf, das Zupfen am Ohrläppchen, das Durchfahren der Haare mit beiden Händen. Gesprächspartner werden in den Oberarm oder vor die Brust geboxt, zum Trost wird der Arm um den Betreffenden gelegt. Darüber hinaus das häufige Aufstützen auf Möbelstücke: Stühle werden oft rittlings in Beschlag genommen, auf Schreibsekretäre und anderes Mobiliar wird einer der Füße abgestützt.

Rupert Davies als Kommissar Maigret ist sich seiner beeindruckenden Physis wohlbewusst, etwa wenn er häufig mit hinter dem Kopf verschränkten Armen die breiten Schultern reckt. Wenn Maigret zu einer handfesten Auseinandersetzung herausgefordert wird, so scheut er diese nicht, selbst wenn sie wie in “Maigret und die schrecklichen Kinder” in einem Kampf auf Leben und Tod kulminieren.
“Kommissar Maigret” ist ein Gesamtkunstwerk, zu dessen unvergänglichem Zauber viele Faktoren beitragen, doch wäre es undenkbar ohne die faszinierende Gestaltung der Titelrolle durch Rupert Davies.

Viele seiner Filme habe ich mir inzwischen aufgrund meiner Begeisterung über seinen Maigret angesehen, und in nahezu allen seiner Rollen fand ich etwas von dem Kommissar aus Paris wieder. Väterliche Güte, Mitmenschlichkeit, Verständnis und gelassene Selbstsicherheit strahlen sie alle aus, seien es der Rechtsanwalt David Morton in “Der Onkel” (1965), der im fortgeschrittenen Alter noch einmal Vater eines kleinen Jungen geworden ist, die couragierten Geistlichen - übrigens war Pfarrer der eigentliche Berufswunsch von Jules Maigret - Monsignore Ernst Müller in “Draculas Rückkehr” (1968) und John Lowes in “Der Hexenjäger” (1968), der Geheimdienstagent George Smiley in “Der Spion, der aus der Kälte kam” (1966), der mit seiner Vaterliebe zu kriminellen Aktivitäten erpresste Physiker Professor Jules Merlin in “Die 13 Sklavinnen des Dr. Fu Man Chu” (1966), und selbst der gravitätische General Alexander Gordon in dem Monumentalfilm “Waterloo” (1970) erwähnt, dass einige seiner Soldaten ihn anders als lediglich mit seinem militärischen Rang ansprechen dürften. Die adäquate Bezeichnung dürfte ohne jeden Zweifel Vater sein.

Manchen Schauspielern genügt lediglich eine einzige Rolle, um für immer in den Herzen der Menschen präsent zu sein: Rupert Davies ist dies mit seinem Kommissar Maigret unbezweifelbar gelungen.

© Text: Manuela Hertel

Geschenk Am 25.08.2016 von Oliver Schmid angelegt.
Geschenk Am 13.12.2015 von Oliver Schmid angelegt.
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