Sybille Bedford

Sybille
Bedford

16.03.1911
Berlin-Charlottenburg
-
17.02.2006
London

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Gedenkseite für Sybille Bedford

Sybille Bedford, geborene Sybille Aleid Elsa von Schoenebeck, wurde am 16. März 1911 in Berlin-Charlottenburg geboren und starb am 17. Februar 2006 mit 94 Jahren in London, war eine deutsch-britische Journalistin und Schriftstellerin.

Sybille Bedford wuchs in Deutschland, England, Italien und Frankreich auf. Ihr Vater war der Oberstleutnant a. D. und Kunstsammler Maximilian von Schoenebeck (1853–1925). Bei ihm auf Schloss Feldkirch ( heutiger Ortsteil v. Hartheim am Rhein ) lebte Sybille nach der Trennung der Eltern 1918 in ziemlicher Armut inmitten der Kunstsammlung ihres Vaters. Ihr Onkel August von Schoenebeck war 1907 in der Allenstein-Affäre ermordet worden, Bedford verarbeitete sein Schicksal in ihrem Roman „A legacy“ (1956).

1921 zog sie auf Verlangen ihrer Mutter Elisabeth Bernhardt (1883–1937), einer Tochter reicher jüdischer Hamburger Kaufleute, an die Côte d’Azur nach Sanary-sur-Mer, einem damals kleinen Fischerorte. Die Mutter heiratete in zweiter Ehe einen wesentlich jüngeren italienischen Architekturstudenten, Norberto Marchesani. 1925 starb ihr Vater und seine Kunstsammlung wurde 1927 in Freiburg versteigert.

Die Familie wurde in Sanary häufig von der Tochter aus der 1. Ehe des Vaters besucht: Maximiliane von Dincklage hielt sich mit ihrem Mann Hans Günther von Dincklage zwischen 1928 und 1939 dort auf, um für den NS-Sicherheitsdienst des Reichsführers SS Informationen auszuspionieren – zum einen von französischen Marineoffizieren über Toulon sowie den Hafen Bizerta im französischen Protektorat Tunesien und zum anderen die dort versammelte Exilantengemeinde über möglichen intellektuellen Widerstand auszuhorchen. Bedfords Mutter Elisabeth (Lisa) und ihr Ehemann Marchesani sollen daran nicht unbeteiligt gewesen sein. Dieses Kapitel verschweigt Bedford in ihren Erinnerungen.

In Sanary schloss Bedford zahlreiche Freundschaften. Lebenslang bestehen blieben die Verbindungen mit der Malerin Eva Herrmann sowie mit Aldous Huxley und seiner zweiten Frau Maria, eine Erfahrung, die sie vierzig Jahre später mit einer gefeierten zweibändigen Biographie Huxleys krönte und in " Ein Liebling der Götter " literarisch verarbeitete. Sie war auch mit Klaus und Erika Mann befreundet. „Von 1933 an war Sybille von Schoenebeck persönlich durch Deutschland bedroht: ihrer jüdischen Vorfahren und ihrer praktizierten lesbischen Sexualität wegen – insgeheim hielt ich mich selbst wegen meiner Herkunft für nicht vertretbar. So tauchte sie in den Jahren der Katastrophe so tief wie möglich in die angelsächsische Kultur und Sprache ein. Sie wurde englisch, weil sie ein deutsches Schicksal hatte.“

1935 hatte Aldous Huxley ihre Scheinehe mit einem homosexuellen Engländer, Walter („Terry“) Bedford, arrangiert, durch die Bedford die britische Staatsbürgerschaft erlangte und somit in Frankreich nicht interniert wurde. Sie verließ Frankreich noch vor der deutschen Invasion 1940 in Richtung Kalifornien, ebenfalls mit Unterstützung der Huxleys, und verbrachte dort die Zeit bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges. Anschließend reiste sie durch Mexiko, eine Zeit, die sie in A Visit to Don Ottavio beschrieben hat.

Sie lebte bis zu ihrem Tode in London. Zuletzt erschien unter dem Titel Quicksands ihre Autobiographie. Ihre Romane und Reiseerzählungen spiegeln die reichhaltige und abwechslungsreiche Lebensgeschichte ihrer Autorin weitgehend wider, wobei sie biographische Angaben zu ihrer Familie vielfach verschleierte, z. B. in ihrem autobiographischen Roman Jigsaw (deutsch Rückkehr nach Sanary, 2009). Hierin bescheinigt sie ihrer Mutter statt einer deutsch-jüdischen eine englische Herkunft. „Eine Recherche im Staatsarchiv zu Hamburg, wo die Mutter am 24. Oktober 1883 geboren wurde, ergibt, dass sie die Tochter des Kaufmanns Max Bernhardt und seiner Ehefrau Anna, geborener Levy, war. Beide waren ebenfalls in Hamburg geboren...Die Eheleute gehörten der israelitischen Gemeinde in Hamburg an... Sie selbst äußerte sich zu ihrer Abkunft kaum; gelegentlich behauptete sie sogar, sie wisse nicht, wie viel jüdisches Blut in ihren Adern fließe.“

Nur in Quicksands (2005) kann sie das dramatische Ende ihrer Mutter einigermaßen authentisch wiedergeben: „Am Bahnhof von Toulon wird die Kranke auf einer Bahre durch ein Fenster in den Expresszug nach Norden verfrachtet. Die Tochter steht auf dem Bahnsteig – das letzte Bild im Buch." Die Mutter, früher eine starke und selbstbewusst erscheinende, erfolgsverwöhnte Frau, war nach der Trennung von Marchesani vollends der Morphium-Sucht verfallen. Als Suchtkranke erhielt sie in Frankreich keine Gewährung und wurde nach Nazi-Deutschland abgeschoben, wo sie am 4. Februar 1937, dreiundfünfzig Jahre alt, in Berlin starb. „Ich hoffe nicht, befürchte aber: allein“, schreibt die Tochter. Eine nicht belastbare Quelle spricht von Selbstmord.

Darüber hinaus arbeitete Sybille Bedford auch als Gerichtsreporterin für Zeitschriften wie Esquire und Life.

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