Tom Renkal

Tom
Renkal

02.08.2007
Bonn
-
10.02.2015
Troisdorf-Altenrath

stimmungsbild15

Gedenkseite für Tom Renkal

Bis das der Tod uns scheidet

Es dauert ca. 1,7 Sekunden bis das Gehirn erfasst hat was das Auge sieht.
Weitere 5 Sekunden muss man warten bis der Körper instinktiv auf die Situation reagiert.
Ich erinnere mich an den Anblick meines Sohnes in seinem Bett an diesem Morgen, an den Geruch von Kaffee aus der Küche und an das Gewicht der frisch gebügelten Anziehsachen die über meinem linken Arm hingen.
Ich lächele - das Auge sieht!
Er atmet nicht - das Gehirn erfasst die Situation!
Ich berühre sein blasses Gesicht - der Körper reagiert!
Mein Kind ist tot!

Tom war ein wundervoller, 7-jähriger Junge. Er verzauberte mit seinem Charme und einer unbändigen Lebensfreude. Er war wild wie ein Löwe und doch oft so zart. Er war Alles! Er war mein Sohn!

Tom begann erst spät zu sprechen und über einen Dreiwortsatz kam er nie hinaus. Aber in diese drei Worte konnte er alles hineinpacken was ihn in seiner kleinen Welt bewegte. Sein Lieblingswort war Nein. Einfach weil er es gern sagte. Und weil er es sich gern sagen hörte. NEIN! Er liebte es die Reaktionen der Menschen um sich herum zu beobachten wenn er auf alles einfach mit einem knappen Nein antwortete. Das brachte sein Gesicht zum Leuchten. Denn Tom war sich einer Sache völlig bewusst. Man sah es ihm nicht an. Man sah von außen nichts von dem Kampf in seinem Kopf. Von demKampf mit Worten und Verstand, den Kampf gegen das tägliche Gewitter und gegen das Vergessen.

Tom war sehr krank. Er hatte Epilepsie. Sein Gehirn war absolut unberechenbar. Im einen Moment quietschte er noch vor Glück weil er im Wasser planschen durfte und in der nächsten Sekunde verzog sich sein wunderschönes Gesicht zu einer kalten, verfremdeten Grimasse und sein Körper knallte zitternd zu Boden. An diesen Anblick konnte ich mich in all den Jahren nicht gewöhnen. Er nahm so viele Medikamente die ihm das Leben lebenswerter machen sollten und bei jedem Neuen das wir probierten mussten wir abwägen ob die Nebenwirkungen nicht den Nutzen übertreffen. Oftmals war es so. An einem Abend in einer frühen Phase eines neuen Medikamentes saß mein Sohn neben mir auf der Couch und starrte vor sich hin.... er sprach nicht, er lachte nicht, er tat einfach GARNICHTS außer starren. Auf Ansprache reagierte er nur in Zeitlupe. Sein Kopf drehte sich so langsam das ich ihn in die Hände nehmen und mit einem Ruck zu mir drehen wollte damit ich ihn ansehen kann. Er konnte keinen Blickkontakt aufnehmen, nur starren. Sein Gehirn war wie eingefroren. Ich vermutete einen epileptischen Status und wir fuhren in die Kinderklinik, doch es war eine Reaktion auf das neue Medikament. Das war das einzige Mal in 7 Jahren das das EEG meines Sohnes kein Anfallspotenzial zeigte. Die Ärzte rieten dazu das Medikament wegen des hohen therapeutischen Nutzens beizubehalten. Ich nahm meinen Sohn mit nach Hause und setzte das Medikament noch am selben Abend ab. Ab diesem Tag galt für mich - wenn er nicht mehr lachen kann, ist das Medikament nichts für uns. So blieb es bis zum Schluss.

Tom liebte Zitronen. Am liebsten biss er einfach mitten rein, egal ob mit Schale oder ohne. Und er lachte dabei! Wie die Sonne! In meinem Garten steht heute ein Zitronenbaum. Das einzige was er noch lieber mochte war Bratwurst mit Senf. Den Senf dabei gerne zum Frühstück schon aus dem Glas zu löffeln war für ihn der Himmel. Gummibärchen mochte er dagegen überhaupt nicht.

Auch Menschen die Tom nicht mochte wurden schnell mit einem kurzen Du weg aus seinem Leben katapultiert. Doch zu den meisten Menschen war er freundlich und offen und wessen Namen er erst nannte der war sich seiner Liebe sicher. Denn konnte Tom sich eines merken dann die Namen derjenigen die er liebte. Er liebte Umarmungen und seine kleinen Hände strahlten soviel Liebe aus das eine einzige Berührung von ihm meine Welt wieder zum Leuchten bringen konnte.

In den Jahren seines kurzen Lebens musste dieses Kind so viel ertragen. Er verlor dabei nie sein Lachen. Es gab Tage da gewann er kaum das Bewusstsein weil die Anfälle ihn im Zaum hielten. Doch wenn er zwischendurch erwachte so lächelte er. Er musste oft leiden und besaß dennoch diese empathische Art und das Vermögen mir Trost zu spenden wie kein Zweiter. Wenn seine Mama weinte war er da. Sofort. Er setzte sich auf meinen Schoß und schlang seine kleinen Arme um meinen Hals und hielt mich fest bis keine Tränen mehr kamen. Mein sonst so rastloses Kind konnte mit einem Mal ganz still sitzen und seine ganze Liebe auf einen Punkt konzentrieren. So saßen wir unzählige Stunden und knüpften das Band das uns für immer verbindet mit jedem Mal fester.

Tom war pur. Er hatte keine Ahnung von Vorurteilen und Klassendenken. Er pfiff auf Regeln und liebte bedingungslos jeden der ein gutes Herz hatte. Ganz besonders liebte er seinen kleinen Bruder. Seinen Benny!

Und da liegt er nun mit geschlossenen Augen, mein wunderschöner Tom, die Liebe meines Lebens - das Auge sieht!
Sein Kampf ist vorbei - das Gehirn erfasst die Situation!
Um mich herum wird es schwarz - der Körper reagiert!

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