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Wie die anderen trauern

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Egal, welcher Religion Menschen angehören: Stirbt eine geliebte Person, so trauern sie. Alleine oder in der Öffentlichkeit, stumm oder laut - Trauer hat viele Ausdrucksformen. Die Religionen haben die Facetten der Trauer aufgegriffen und jahrhundertealte Traditionen entwickelt. Gedenkseiten.de gibt einen kleinen Einblick in jüdische und islamische Bestattungs- und Trauerrituale.


Im jüdischen Glauben gehört die rituelle Waschung der Verstorbenen zur unmittelbaren Vorbereitung der Beerdigung. Anschließend wird ihnen weiße Totenkleidung angezogen. Auf der Trauerfeier hält der Rabbiner die Trauerrede, es folgt ein Gebet für das Seelenheil der oder des Verstorbenen.

Trauer ist wie ein tiefer Riss

Trauer bricht in unser Alltagsleben ein, sie bedeutet Unterbrechung und Verwundung. Die jüdische Tradition macht Trauer sichtbar: Nahe Verwandte reißen ihre Kleidung zum Zeichen der Trauer ein.


Nachdem der Leichnam in einem einfachen Holzsarg beigesetzt wurde, werfen die Trauernden drei Hände Erde auf den Sarg. Danach wird das Kaddisch, das sogenannte Totengebet, gesprochen. Auf die Beerdigung folgt das traditionelle Schiwa-Sitzen für sieben Tage. Das ist eine Zeit des Rückzugs für die Trauernden: Während dieser Zeit darf keine Arbeit verrichtet werden, Gemeindemitglieder übernehmen die Versorgung der Trauernden. Die nächste Trauerperiode – Scheloschim – dauert dreißig Tage, nur für die Eltern schließt sich Awelut, eine dritte Trauerphase an. Sie endet nach Ablauf von zwölf jüdischen Kalendermonaten.

Nur ohne Schuld

Islamische Verstorbene werden nach der rituellen Waschung im Leichentuch bestattet. Imam und Trauernde sprechen das rituelle Totengebet, die (Al-)Fatiha. Bevor die Beisetzung erfolgt, fragt der Imam die Trauergemeinde, ob der oder die Tote bei den Anwesenden noch Schulden hat: Damit sind finanzielle wie nicht-materielle Verpflichtungen gemeint, die ausgeglichen werden müssen. Denn nach moslemischem Glauben können die Verstorbenen nur schuldenfrei vor Allah treten.


Der Imam führt den Trauerzug zur Beisetzung an. Die Trauernden sprechen die Totengebete, die aus Glaubensbekenntnis, der ersten Sure des Korans und Bittgebeten bestehen und mit dem Friedensgruß enden. Nachdem die Hinterbliebenen Erde in das Grab geworfen haben, werden die Verstorbenen in einem nach Kaaba, dem zentralen Heiligtum des Islams, ausgerichteten Grab beigesetzt.


Je nach islamischer Rechtsschule wird das Trauern unterschiedlich gestaltet – überwiegend wird den Gläubigen Zurückhaltung geboten. Nach der Beisetzung beginnt eine dreitägige Trauerzeit, in der Beileidsbesuche stattfinden und Gebete gesprochen werden. In der nächsten Trauerphase, die vierzig Tage nach dem Tod andauert, tragen die Angehörigen weiterhin Trauerkleidung und vermeiden sonstige Feierlichkeiten. Offiziell zu Ende ist die Trauerzeit nach einem Jahr. Wie nach dem Ende der vierzigtägigen Trauerzeit wird auch die letzte offizielle Trauerphase durch ein Essen in der Familie, einen Grabbesuch und dem Verteilen von Spenden abgeschlossen.

Artikel geschrieben von Eva-Maria Glagau

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