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Von Kristina 18.05.2021 um 03:21 Uhr | melden
........ heute vor einem Jahr und vier Monaten.....
Es ist etwas Kurioses passiert, mein Schatz.
Denn neulich war ich tatsächlich mal eine
ganze Weile wirklich böse auf Dich.
Um das zu erklären, muss ich ein wenig ausholen:
Als Du, viel früher als ich, in Rente gehen musstest,
hatten wir sehr viel Mühe damit, Deinen Rentenverlauf
vollständig darstellen zu können.
Wir mussten mehrere Male zur Rentenversicherung,
Wir haben diverse Behörden und ehemalige Arbeitgeber
angeschrieben und waren wirklich sehr froh, als
wir dann endlich alles für den Rentenantrag zusammen hatten.
Aufgrund dieser Erfahrungen gab ich mir einen
Stoss und wollte rechtzeitig auch meinen Versicherungs-
verlauf auf Vollständigkeit prüfen.
Und tatsächlich - auch bei mir fehlte Einiges.
Aber das war nicht schlimm.
Hatte ich doch immer schon alles, was dafür
wichtig war, in meine gelbe Mappe gelegt.
Ein Schritt zum Schrank also...
Ein Griff zur gelben Mappe....
Und dann ein Schock.
Die gelbe Mappe war leer.
Wie konnte das sein?
Ich suchte und suchte....
Ich grübelte und grübelte....
Ich fragte Dich...
Ob Du die Unterlagen woanders hingelegt
oder abgeheftet hattest.
Hattest Du nicht.
Sagtest Du.
Somit fing für mich tatsächlich der gleiche Stress
an, wie für Dich, damals.
Hatte also mehrere Male Kontakt zur Rentenversicherung,
zur Krankenversicherung, Nachfragen hier,
Nachfragen dort. Ich bat um Einblick in meine
Personalakte....
Und irgendwann hatte ich alles zusammen.
Bis auf ein halbes Jahr. Das blieb offen,
weil es mir nicht gelang, Nachweise dafür
zu bekommen.
Wir konnten es damals beide nicht begreifen,
wo der Inhalt meiner gelben Mappe abgeblieben
war.
Irgendwann vergassen wir das.
Ungefähr ein Jahr nach Deinem Tod begann
ich nun, mich von etlichen Dingen zu trennen,
die Dir gehört haben. Ich will - wie man so schön sagt -
unseren Kindern einen geordneten Haushalt
hinterlassen, wenn ich einst nicht mehr bin.
Und dabei stiess ich auf die schöne Ledertasche,
die Du immer mit ins Büro genommen hast.
Und die Du unbedingt in unser neues Zuhause
mitnehmen wolltest.
Obwohl Du die sicher nicht mehr brauchen würdest.
Meinte ich. Und so war das dann auch.
Bevor ich die schöne Tasche weggeben wollte,
schaute ich vorsichtshalber noch mal hinein.
Und fand dort alle Unterlagen aus meiner gelben Mappe.
Ich war fassungslos. Echt. Sprachlos und irgendwie
auch geschockt. Ich hatte sofort die damalige
Situation vor Augen. Diese "Schinderei". Diese
leidige Sucherei.
Bestimmt hattest Du Dir etwas Gutes dabei gedacht.
Ganz bestimmt. Da bin ich mir sicher.
Vielleicht wolltest Du mich zur
Rentenversicherungsanstalt begleiten und Deine
schöne Ledertasche mit allen erforderlichen
Unterlagen mitnehmen.
Und hast das dann total vergessen.
Ich selbst habe nun aber einige Tage gebraucht,
bis ich die Sache mit Humor nehmen und unseren
Kindern davon erzählen konnte.
Die haben sich gleich ausschütten können
vor lachen. Und ich konnte inzwischen herzlich
mitlachen.
Heute fahre ich nun zu unserer lieben Freundin
zum Geburtstag. Mal sehen, vielleicht erzähle
ich ihr die Geschichte. Und wir werden beide
liebevoll an Dich denken.
Du bist immer bei mir.
Ich bin immer noch zu zweit.
Niemals bin ich ohne Dich.
Pass bitte auf Dich auf, mein Schatz.
Und lach Dir bitte keinen anderen Engel an.
Deine Liebste


