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Von Kristina 23.11.2025 um 12:06 Uhr | melden
Mit dem Geburtstag unseres Schwagers
endete nun auch das Geburtstagsjahr 2025
für unsere Familie wieder.
Eines wird sich wohl niemals ändern:
Immer wieder ist der November vollgepackt mit
schönen Geburtstagen lieber Menschen.
Und alle sind nun wieder ein Jahr älter geworden.
Gleichwohl wird es sicher immer so bleiben,
dass mir der November stets schwer auf der Seele liegt.
Und immer wieder bin ich froh, wenn er vorüber ist.
Schon jetzt freue ich mich auf den Dezember.
Der zwar genau so kalt, dunkel und unfreundlich
sein wird, wie es der November oft ist.
Aber irgendwie kleben am November meine
besonders düsteren Kindheits-Erinnerungen.
Ohne dass ich je eine einzelne konkret
benennen kann, kleben sie an mir fest.
Für andere unsichtbar, für mich aber sehr
erschwerend. Bis zum Ende meines Lebens.
Wenn ich mein Innerstes so zu betrachten versuche,
dann sehe ich mich wie ein Mosaik.
Zusammengefügt, zusammengeklebt. von
außen betrachtet: Heil.
Schon in der frühesten Kindheit sind mir
jedoch einige wertvolle Mosaiksteine
ausgeschlagen worden
und für immer verloren gegangen.
Ich fühlte mich stets – für andere nicht sichtbar –
wie eine etwas durchlöcherte Skulptur.
Überall fehlte etwas und es gelang mir nicht,
die Löcher wirklich und dauerhaft zu schließen.
Die unterschiedlichen Winde des Lebens
bliesen oftmals einfach so durch mich hindurch.
Und machten mir Angst.
Irgendwann schaffte ich es aber,
diese fehlenden Teile mit anderen – teils wunderbaren –
Erlebnissen meines Dasein zu aufzufüllen.
Aber wer je ein Mosaik geschaffen hat, der weiß,
wie schwer es ist, statt der dafür vorgesehen Teile
andere Teile in die Lücken pressen zu wollen.
Mein unbedingter Wille aber, der mir schon
durch die Kindheit half,
dieser Wille, eines Tages glücklich sein zu wollen,
so sein zu dürfen, wie ich eigentlich bin und sein möchte,
half mir so lange, bis ich in meinem Leben angekommen war.
Und dieser Wille hilft mir immer noch.
Denn wenn ich zurückschaue, überkommt mich
manchmal eine heftige Traurigkeit.
Eine Traurigkeit, aber auch ein unvermuteter Zorn.
Jedoch kann nichts die Vergangenheit ändern.
Insbesondere dann nicht,
wenn man sie nicht verursacht hat.
Mir geht es seit vielen Jahren gut, mein Lieber.
Die ersten 2 Jahre nach deinem Tod
waren schwer für mich.
Du warst stets mein einziger Vertrauter,
der Mensch, der mir bis heute fehlt.
Du wusstest alles von mir.
Fast alles.
Es gab Themen, Dinge, Erlebnisse, über die ich
nicht sprechen konnte. Nicht sprechen wollte.
Was du akzepiert hattest.
Aber die Gespräche haben mich befreit.
Heute lebe ich frei und glücklich.
Bis auf den November halt.
Der ficht mich immer noch stark an.
Doch er ist jetzt schon fast vorbei und ich
bekomme deutlich besser Luft.
Die Träume, die mich manchmal und so
unvermutet heimsuchen,
werden leichter, werden besser…
Jeder hat sein Schicksal – und keines ist
einfach nur leicht.
Alles wird gut.
Das Leben ist schön.
Ich denke an Dich.
Du bist tatsächlich immer bei mir.
Das hört sich vielleicht etwas merkwürdig an,
ich hätte es auch nie gedacht - aber es ist einfach so.
Sitze ich am frühen Morgen in der Küche und
trinke aus meinem Becher Kaffee,
dann schaue ich auf die inzwischen kahlen hohen
Bäume und denke mir, deine Seele hat sich
dort vielleicht ein Weilchen niedergelassen
und zwinkert mir zu.
Dann schmunzle ich unwillkürlich auch.
Das hilft. Immer
In Liebe
Deine Kristina


