Von Andreas Steinhardt 22.11.2021 um 19:19 Uhr | melden
Zur Gedenkkerze und passend zur Jahreszeit ein Gedicht von Bruno WIlle (mehr zu ihm am Ende des Gedichtes)
Novemberabend
Novemberabend kühlt und feuchtet.
Die Ferne stirbt in Dämmerduft.
Mit mattem Blinzeln nur durchleuchtet
Ein Stern die nebeltrübe Luft.
Gedämpfte Glockenlaute beben
Weich summend über Stoppelfeld.
Aus Wiesenniederungen heben
Sich dunkle Massen in die Welt.
Ein alter Pflüger mit dem Pferde
Zieht müde heim; die Pfeife glimmt.
Vom Schäferhund umtummelt, schwimmt
Mit Blöken dorfwärts eine Herde.
Mit qualmigdunkler Röte säumt
Der Himmel sich. Grossleuchtend taucht
Der Mond empor. Die Landschaft träumt
Von Ruhesehnsucht überhaucht.
(Bruno Wille, *1860 in Magdeburg, +1928 in Äschach bei Lindau. Der deutsche Schriftsteller war seit 1892 Herausgeber der Zeitschrift "Der Freidenker". 1890 gründete er die Freie Volksbühne Berlin und 1901 war er Mitgründer der Freien Hochschule. Er war zudem Theologe, Prediger, Journalist, Philosoph, Mathematiker und Naturwissenschaftler.)





