Theresia Remiorz

Theresia
Remiorz

16.06.1907
Neu-Wuttrienen
-
16.04.1997
Gladbeck

stimmungsbild

Gedenkkerzen

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Theresias Bauernregeln Von Andreas Steinhardt am 22.04.2026 um 23:32 | melden

Zur heutigen Gedenkkerze ein Gedicht von Clara Müller-Jahnke. Die Natur ist auch in diesem Jahr ihrer Zeit weit voraus, vieles steht bereits in voller Blüte, oder ist sogar über diesen Zustand hinaus...

Der März war viel zu trocken, und so geht es auch munter weiter in diesem April...

Theresia würde bei solch schönem, strahlendem Frühlingswetter blinzelnd in die Sonne schauen - und dem Ganzen noch nicht so richtig trauen... "Na...warten wir erst einmal ab...der April hat gerade erst begonnen...und im Mai kommen erst noch die Eisheiligen..." ...so sprach meine Oma einst, und zitierte dazu auch ganz gerne Bauernregeln...

"Trockener April stellt die Mühlen still"

"Ist der April zu schön, kann im Mai der Schnee noch wehn"

"Regen im April, jeder Bauer will"

Kerze dunkelgrün klein
Zum heutigen Todestag Von Andreas Steinhardt am 16.04.2026 um 10:36 | melden

Heute vor 29 Jahren starb Theresia im Alter von 89 Jahren. Ihre Demenz war weit fortgeschritten und sie musste somit ihre letzten anderthalb Lebensjahre in einem Seniorenheim verbringen. Meine
Oma erkannte mich zuletzt leider nicht mehr.

Ich werde heute wieder viel an meine Großmutter zurückdenken - weniger an diese schwere Zeit oder an den Tag der Trauer, mehr an die schöne Zeit, welche ich mit ihr verbringen durfte - an ihr lautes Lachen, ihre Lebhaftigkeit, die tollen Geschichten aus ihrer Heimat, wie schön sie mit mir spielen konnte - einfach die beste Omi der Welt!

Gratia coniunctus in aeternum!


Wenn Du bei Nacht den Himmel anschaust,
wird es sein,
als lachten alle Sterne,
weil ich auf einem von ihnen wohne,
weil ich von einem von ihnen lache.

Antoine de Saint-Exupéry

Kerze grau-blau Grabkerze
April von Rodenberg Von Andreas Steinhardt am 11.04.2026 um 19:59 | melden

Zur heutigen Gedenkkerze ein Aprilgedicht von Julius Rodenberg.

Der April macht was er will - es trifft wieder einmal zu, nach einem sehr sonnigen Tag bei 22° C folgte gestern in hiesigen Breitengraden ein Gewitter und der Temperatursturz auf 11° C bei einem Sonne-Wolken-Mix. Heute war es bis zu 19° C warm werden - allerdings mit wenigen Tropfen versehen.

Theresia, die "Wetter-unabhängige", wäre es relativ egal, ob der April nun milde daherkommt oder er uns mit stürmischem, kühlen Wetter begleitet - meine Oma war einfach ein robustes Original, Schneefall, Regen oder Hitze - sie konnte mit allem gut leben...

April

von Julius Rodenberg


Bald ein raues kaltes Rauschen,
Dass der dunkle Forst erkracht;
Bald ein Flüstern, Kosen, Lauschen,
Wie die stillste Frühlingsnacht.

Bald der Himmel, bald die Sonne,
Bald die Wolken, bald der Schnee –
Wie der Liebe erste Wonne,
Wie der Liebe erstes Weh.

Bald das Jauchzen, bald die Trauer
In der aufgeregten Brust –
Und noch halb in Winterschauer,
Und schon halb in Frühlingslust.

Bald ein ungestümes Ringen,
Bald ein Frieden sonntagsstill –
O, was wirst du mir noch bringen
Schöner, stürmischer April!


Julius Rodenberg, eigentlich Julius Levy, *26. Juni 1831 in Rodenberg, heute LK Schaumburg, Niedersachsen, +11. Juli 1914 in Berlin.

Rodenberg war ein deutscher Journalist und Schriftsteller.

Kerze dunkelblau rund
Gedicht zum Ostersonntag Von Andreas Steinhardt am 05.04.2026 um 15:52 | melden

Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht dessen, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht.

2Kor 5,7

Zur heutigen Gedenkkerze am Ostersonntag später noch ein Gedicht von Elisabeth Kolbe.

Wie gerne erinnere ich mich an die vielen schönen Osterfeste mit Oma Theresia und Opa Willi! Ich konnte es kaum erwarten, bis sie zum Osteressen erschienen - und natürlich gab es für den kleinen Enkel ein oder auch mehrere Geschenke - Naschereien, ein kleines Stofftier, ein Spielzeugauto...

Den Lesern von Theresias Gedenkseite wünsche ich ein friedvolles Osterfest!


Ostergruß

von Elisabeth Kolbe


s ist Osterzeit! Wenn Dus nicht wissen solltest,
So kündeten Dirs Fink und Amsel an,
Und wenn Du diese nicht vernehmen wolltest,
So hätte es der Veilchenduft gethan,
Der süß berauschend – als ein Frühlingsbote
Aus einer lieblicheren Welt entschwebt –
Mit holden Wohlgerüchen die noch tote
Natur zum Auferstehungsfest belebt.

s ist Osterzeit! Wie Dich im Lenzgetriebe
Die Blumen grüßen und der Vöglein Schlag,
So grüßt Dich aus der Ferne heut in Liebe
Ein treues Herz zum frohen Ostertag;
Es wünscht dir ein beglückendes Versenken
In die an Wundern reiche Frühlingszeit
Und ein noch mehr gesegnetes Gedenken
Der uns geoffenbarten Herrlichkeit.

s ist Osterzeit! Nun wirf sie ab, die Sorgen,
Dem neuen Morgen hoffend zugewandt,
Und fühle Dich in dessen Hand geborgen,
Der die Erlösung für sein Volk erfand!
Gewiß, wie er ein tausendfaches Leben
In Wald und Flur jetzt wundermächtig schafft,
Wird er auch Deinem Herzen wieder geben
Der Osterhoffnung neue Lebenskraft.


Elisabeth Kolbe, geb. 08.03.1864 in Boecke, heute Ortsteil der Gemeinde Wenzlow, LK Potsdam-Mittelmark, Brandenburg, +27.08.1936 vermutlich in Berlin. Kolbe war Lehrerin und Schriftstellerin.

Kerze türkis dunkel dünn
Verse zum Karfreitag Von Andreas Steinhardt am 03.04.2026 um 12:35 | melden

Zur heutigen Gedenkkerze am Karfreitag ein Gedicht von Julius Sturm.

Ich wünsche Ihnen einen besinnlichen Feiertag.


Für Theresia und ihre Geschwister.


Karfreitag

von Julius Sturm


O Liebe ohnegleichen,
Die ohne Worte spricht
Aus diesem todesgleichen,
Hochheil’gen Angesicht!

Um mich hast du geworben
In heißer Leidensglut,
Für mich bist du gestorben
Und opfertest dein Blut.

Dein Bild ist mir gegeben
Zum Trost in banger Zeit,
Dein Tod verleiht mir Leben,
Dein Blut Gerechtigkeit.

O seliges Genügen
Erlöst von Schuld und Fluch,
Les‘ ich auf heil’gen Zügen
Der Gnade Segenspruch.


Julius Carl Reinhold Sturm, Pseudonym Julius Stern, *21. Juli 1816 in Köstritz, Thüringen, heutiges Bad Köstritz, Landkreis Greiz, Vogtland, +02. Mai 1896 in Leipzig.

Sturm war ein dt. Dichter der Spätromantik, zudem von 1856 bis 1885 Pfarrer von Köstritz.

Kerze lila geschwungen
Frühling von Heinrich Seidel Von Andreas Steinhardt am 22.03.2026 um 14:15 | melden

Zur heutigen Gedenkkerze ein Gedicht von Heinrich Seidel.

Das Wetter rund um den Frühlingsbeginn ist nach wie vor
mild, recht sonnig und trocken.

Theresia hätte an solch einem schönen Sonntag sicherlich
zusammen mit meinem Großvater einen schönen Nachmittags-Spaziergang zu uns in den benachbarten Ortsteil gemacht. Meine
Oma brachte meistens viel selbstgebackenen Kuchen mit, welcher unschlagbar war.


Frühling

von Heinrich Seidel


Was rauschet, was rieselt, was rinnet so schnell?
Was blitzt in der Sonne? Was schimmert so hell?
Und als ich so fragte, da murmelt der Bach:
»Der Frühling, der Frühling, der Frühling ist wach!«

Was knospet, was keimet, was duftet so lind?
Was grünet so fröhlich? Was flüstert im Wind?
Und als ich so fragte, da rauscht es im Hain:
»Der Frühling, der Frühling, der Frühling zieht ein!«

Was klingelt, was klaget, was flötet so klar?
Was jauchzet, was jubelt so wunderbar?
Und als ich so fragte, die Nachtigall schlug:
»Der Frühling, der Frühling!« — da wusst ich genug!


Heinrich Friedrich Wilhelm Karl Philipp Georg Eduard Seidel,
*25. Juni 1842 in Perlin, Mecklenburg-Schwerin, heute Landkreis Nordwestmecklenburg, + 07. November 1906 in Groß-Lichterfelde, einst eigenständige Gemeinde im Regierungsbezirk Potsdam, seit 1912 Berlin-Lichterfelde.

Seidel war ein deutscher Schriftsteller und Ingenieur.

Kerze hellgrün lang
Todestag von Theresias Schwiegersohn Von Andreas Steinhardt am 15.03.2026 um 17:42 | melden

Wenn Du bei Nacht den Himmel anschaust
wird es sein,
als lachten alle Sterne,
weil ich auf einem von ihnen wohne,
weil ich von einem von ihnen lache.

Antoine de Saint-Exupéry


Für Theresia. Für Franz.


Heute jährt sich der Todestag von Theresias Schwiegersohn,
meinem Vater Franz Steinhardt. (eigene Gedenkseite)

Franz starb plötzlich und unerwartet 11 Tage vor seinem 60. Geburtstag - heute vor 40 Jahren. Mein Vater nahm Theresia
an wie seine eigene Mutter, zu der er ein nicht mehr so gutes
Verhältnis hatte, und sie ihn genauso wie einen Sohn.

Den Schwiegervater Wilhelm, meinen Großvater, nahm er auch
an wie einen neuen Vater, sein eigener verstarb ebenfalls sehr
früh, im Alter von 56 Jahren.

Franz besuchte seine Schwiegereltern auch häufig alleine, fand
dort etwas, was er nie oder lange nicht mehr fand...

Kerze rot rund
Märzsommer Von Andreas Steinhardt am 07.03.2026 um 12:53 | melden

Zur heutigen Gedenkkerze ein Gedicht von Clara Müller-Jahnke. Der März bringt uns seit Tagen Temperaturen bis zu 20° C, die zarte Blüte setzt ein, Niederschlag ist erstmal überhaupt nicht in Sicht.

Theresia würde bei solch schönem, strahlendem Wetter blinzelnd in
die Sonne schauen - und dem ganzen noch nicht so richtig trauen... "Na...warten wir erst einmal ab...der April kommt erst noch...und im Mai die Eisheiligen..." - so sprach meine Oma einst, und zitiere auch ganz gerne dazu Bauernregeln...


Frühling


von Clara Müller-Jahnke


Zu meinen Füßen im welken Laub
und mir zu Häupten singt der Wind
in den knospenden Buchenkronen.
blühen die Anemonen,

Ist das ein strahlender Sonnenschein -
ist das ein wonniges Wetter!
Es rauschen unter meinem Fuß
die abgestorbenen Blätter . . .

Das ist der lachende Frühlingswind,
der kommt aus dem sonnigen Süden
und grüßt von der blauen Adria
die Wellen, die wintermüden.

Das ist der lachende Frühlingswind,
der wandert weiter am Strande
und küßt noch heute ein einsam Grab
im nordischen Nebellande.

Auch in den düstern Tannenwald
zieht singend König Frühling ein:
die jungen Knospen lockt er bald,
die glühn wie Blut im Sonnenschein.

Durch die wogende Brust des Waldes geht
ein Atemholen tief und stark -
ein Baum nur trauernd seitwärts steht,
den traf der Frost bis tief ins Mark.

Clara Müller-Jahnke, geborene Müller,
* 5. Februar 1860 in Lenzen, Kreis Belgard, Pommern, heute poln. Woiwodschaft Westpommern, +4. November 1905 in Wilhelmshagen (seit 1920 zu Berlin).

Müller-Jahnke war eine deutsche Dichterin, Journalistin und Frauenrechtlerin. Sie galt als führende sozialistische Dichterin
ihrer Zeit und machte mit ihren Arbeitergedichten auf die Lage
der Arbeiter und der Frauen aufmerksam.

Kerze creme klein
Für Theresia Remiorz von Andreas Steinhardt Von Andreas Steinhardt am 01.03.2026 um 17:41 | melden

Zur heutigen Gedenkkerze am 01. März ein Gedicht von Johann Wolfgang von Goethe.

Nach den ersten warmen Tagen bis 18° C., und das noch im Februar, machte das Wetter nun heute wieder eine kleine Kehrtwende.
Allerdings soll es in hiesigen Breitengraden spätestens Mitte der Woche wieder vorfrühlingshaft mild werden, es ist kein Regen mehr
in Sicht.

Theresia hätte sich sicherlich auch über solche Tage gefreut - aber
ob es nun März war, Juli oder Dezember - im Prinzip war es meiner Großmutter ziemlich einerlei...

Eine "Jahreszeiten-unabhängige" Frau, die sich mit glutheißem Sommer und kältestem Winter bestens arrangieren konnte. Eine
harte, wetter-erprobte Ostpreußin, welche jedem Klima trotzte...


März

von Johann Wolfgang von Goethe


Es ist ein Schnee gefallen,
Denn es ist noch nicht Zeit,
Dass von den Blümlein allen,
Dass von den Blümlein allen
Wir werden hoch erfreut.

Der Sonnenblick betrüget
Mit mildem, falschem Schein,
Die Schwalbe selber lüget,
Die Schwalbe selber lüget,
Warum? Sie kommt allein.

Sollt ich mich einzeln freuen,
Wenn auch der Frühling nah?
Doch kommen wir zu zweien,
Doch kommen wir zu zweien,
Gleich ist der Sommer da.

Johann Wolfgang Goethe, ab 1782 von Goethe,
* 28. August 1749 in Frankfurt am Main,
+22. März 1832 in Weimar, Großherzogtum
Sachsen-Weimar-Eisenach.

Goethe war ein deutscher Dichter, Politiker und Naturforscher. Er gilt als einer der bedeutendsten Schöpfer deutschsprachiger Dichtung.

Kerze hellgrün lang
Gedicht Früher Frühling Von Andreas Steinhardt am 24.02.2026 um 13:57 | melden

Zur heutigen Gedenkerze ein Gedicht von Fred Endrikat. Der Dichter teilt uns mit: "Zwischen Februar und März liegt die große Zeitenwende"

Spüren Sie, dass es mit dem Winter langsam zuende geht? Nun, es ist schon etwas länger hell, die Osterglocken sprießen bereits, hier wird es in den nächsten Tagen relativ mild mit viel Sonnenschein - man sollte aber nie den Februar vor dem Märzen loben...

Theresia kam prima mit jeder Jahreszeit zurecht - aber ich glaube schon, dass meine Großmutter sich durchaus auf den Frühling freute - andererseits war es ihr einerlei - ich würde sie retrospektiv als "Jahreszeiten-unabhängig" bezeichnen...


Früher Frühling

von Fred Endrikat


Zwischen Februar und März
liegt die große Zeitenwende,
und, man spürt es allerwärts,
mit dem Winter geht’s zu Ende.
Schon beim ersten Sonnenschimmer
steigt der Lenz ins Wartezimmer.
Keiner weiß, wie es geschah,
und auf einmal ist der da.

Manche Knospe wird verschneit
zwar im frühen Lenz auf Erden.
Alles dauert seine Zeit,
nur Geduld, es wird schon werden.
Folgt auch noch ein rauer Schauer,
lacht der Himmel um so blauer.
Leichter schlägt das Menschenherz
zwischen Februar und März.

Fred Endrikat, *7. Juni 1890 in Nakel an der Netze, Pommern
(heute Nakło nad Notecią poln.Woiwodschaft Kujawien-Pommern),
+12. August 1942 in München.

Endrikat, welcher im Ruhrgebiet aufwuchs, war ein seinerzeit sehr populärer Dichter, Schriftsteller und Kabarettist.

Kerze gelb viereckig
Gedicht Aschermittwoch von Luise Hensel Von Andreas Steinhardt am 18.02.2026 um 19:47 | melden

Zur heutigen Gedenkkerze am Aschermittwoch ein passendes Gedicht von Luise Hensel mit stark christlichem Bezug.

Die närrische Zeit ist nun endgültig vorbei - die Masken sind gefallen, die Fastenzeit hat begonnen. Sind Sie froh, das der ganze Spuk des Faschings nun ein Ende hat? Oder trauern Sie den "tollen Tagen" hinterher?

Theresia feierte gerne den Karneval, allerdings glaube ich, dass
eine Großmutter auch nicht ganz unglücklich war, dass das närrische Treiben mit dem Aschermittwoch jäh ein Ende nahm - ewig nur Fasching - wo bleibt dann noch die Freude auf eine solche Zeit...?


Aschermittwoch

von Luise Maria Hensel


»Staub bist du und kehrst zum Staube,
Denk, o Mensch, an deinen Tod!«
Wohl, dies weiß ich, doch mein Glaube
Sieht ein ewges Morgenroth.

Sieht ein Land, wo Friedenspalmen
Um des Siegers Scheitel wehn,
Wo umrauscht von ihren Psalmen
Wir der Engel Chöre sehn.

Wo Maria, die Getreue,
Ihr geliebtes Kind uns zeigt,
Wo die Sehnsucht und die Reue
Nun ihr selig Ziel erreicht.

Wo der Vater mit dem Sohne
Und dem heilgen Geist zugleich
Thront auf einem ewgen Throne,
Unaussprechlich herrlich, reich.

Wo wir Den, der je gewesen,
Schauen, wie Er ewig war.
O, dort wird mein Herz genesen!
O, dort wird mein Auge klar!

Luise Maria Hensel, *30. März 1798 in Linum, Mark Brandenburg, heute zur Gemeinde Fehrbellin, Landkreis Ostprignitz-Ruppin in Brandenburg,
+18. Dezember 1876 in Paderborn.

Hensel war eine deutsche christliche Dichterin und Wegbereiterin neuer Sozialarbeit.

Sie war Schwester des Malers Wilhelm Hensel und zudem Schwägerin der Komponistin Fanny Hensel, geb. Mendelssohn - der Schwester des Komponisten Felix Mendelssohn.

Kerze rosa klein
Karneval von Wilhelm Busch Von Andreas Steinhardt am 14.02.2026 um 17:07 | melden

Zur heutigen Gedenkkerze am Nelkensamstag ein kleines Gedicht von Theodor Storm, passend zum Karneval, zum Fasching.

Sind Sie jeck? Lieben Sie die "tollen Tage?" Oder ist es Ihnen ein Greuel? Darf man bei der derzeitigen politischen und wirtschaftlichen Situation überhaupt fröhlich sein? Feiern? Lassen wir nun auch unsere Geburtstage, Weihnachten, Ostern ausfallen oder gönnen wir uns ein paar Tage, ein paar Stunden Freude, Erholung vom trüben Alltag...

Meine Oma Theresia mochte durchaus den Karneval, ich erinnere mich gerne an einige gemeinsame, hiesige Rosenmontagszüge mit ihr und meinem Großvater - oder auch an gemeinsame Stunden mit der ganzen Familie vor dem TV - zum Beispiel bei "Mainz bleibt Mainz (...)" mit einigen Eierlikörchen, welche Theresia sehr mochte...


Februar (Karneval)

von Theodor Storm

O wär’ im Februar doch auch,
Wie’s andrer Orten ist der Brauch,
Bei uns die Narrheit zünftig!
Denn wer, so lang das Jahr sich mißt,
Nicht einmal herzlich närrisch ist,
Wie wäre der zu andrer Frist
Wohl jemals ganz vernünftig.


Hans Theodor Woldsen Storm, * 14. September 1817 in Husum, damaliges Herzogtum Schleswig, + 4. Juli 1888 in Hanerau-Hademarschen, heute Kreis Rendsburg-Eckenförde, Schleswig-Holstein.

Kerze hellgrün lang
Gedicht Februarschnee Von Andreas Steinhardt am 08.02.2026 um 11:52 | melden

Zur heutigen Gedenkkerze ein Februargedicht - "und darüber hinaus" - von Cäsar Fleischlen.

Nun, Schnee liegt momentan nicht mehr in unserer Region, allerdings könnte es in diesem Winter durchaus noch Schneefall geben, ich freue mich als Winterkind über jede Flocke...

In den folgenden Versen erwähnt Cäsar Fleischlen prospektiv auch die kommenden Monate, bis hinaus zum Mai.

Theresia war es fast einerlei, ob es erst Februar war oder schon Mai, sie murrte nicht über Wind, Sturm, Schneematsch oder Dauerregen, und stöhnte nicht über die sengende Sonne mit großer Sommerhitze - bei Eiseskälte oder dollem Regen erledigte meine Großmutter alles, was zu erledigen war - und bei Gluthitze, ich erinnere mich an solche Sommer - konnte Theresia Stunden in ihrem großen Gemüsegarten verbringen und gebückt Unkraut jäten, zupfen, gießen und ernten.
Schir unermüdlich!


Februarschnee

von Cäsar Fleischlen


Februarschnee
tut nicht mehr weh,
denn der März ist in der Näh!
aber im März
hüte das Herz,
dass es zu früh nicht knospen will!
warte, warte und sei still!
Und wär der sonnigste Sonnenschein,
und wär es noch so grün auf Erden,
warte, warte und sei still:
es muss erst April gewesen sein,
bevor es Mai kann werden!


Cäsar Fleischlen, *12.05.1864 in Stuttgart, +16.10.1920 in Gundelsheim bei Heilbronn.

Fleischlen war ein dt. Lyriker und Mundartdichter.

Kerze creme viereckig
Februargedicht Von Andreas Steinhardt am 01.02.2026 um 13:05 | melden

Zur heutigen Gedenkkerze am 1. Februar ein Gedicht von Ernst Lissauer.

Theresia kam mit jedem Wetter gut zurecht, , aber über solch einen durchweg sonnigen und nicht so kalten Februarsonntag wie heute hätte sich meine Großmutter zumindest auch gefreut.

In einigen Gebieten Deutschlands sieht das Wetter momentan ganz anders aus, Schneemassen und klirrende Kälte.



Februar

von Ernst Lissauer


O seliger Anfang Februar!
Es steigt das Jahr.
Die Sonne kehrt zurück, und länger bleibt das Licht.
Ich fühle mich von stiller Kraft durchfeuert,
Die rinnend weit mir das Geblüt durchflicht,
Ich treibe wachsend Ring und Schicht,
Ich werd’ erneuert.

Ernst Lissauer, *10. Dezember 1882 in Berlin, +ebenfalls (!) 10. Dezember 1937 in Wien. Lissauer war ein deutscher Dramatiker,
Lyriker und Publizist.

Kerze grau-blau lang
Januargedicht im Trauermonat Von Andreas Steinhardt am 22.01.2026 um 21:57 | melden

Diese Gedenkkerze ist nicht nur für Theresia, sondern auch für meine verstorbene Cousine Gaby, Theresias Enkelin, welche wir vor sechs Tagen zu Grabe getragen haben.

"Mors certa, hora incerta"

Kurzinterpretation des folgenden Gedichtes von Emil Besser (mein-lernen.at) - dort finden Sie auch eine längere Interpretation:

"Der Januar erscheint in der Lyrik häufig als Monat der Starre und des Schweigens, zugleich aber auch als Zeit verborgener Erwartung.
Emil Bessers Gedicht „Januar“ nutzt diese Spannung zwischen Kälte und Hoffnung. Es zeigt den Winter nicht als Ende, sondern als stillen Übergang."


Januar

von Emil Besser

Das weite todesmüde Schweigen;
Die kalte Klarheit in der Luft;
Die Bäume mit den kahlen Zweigen;
Auf frischem Schnee ein blauer Duft;

– Und drunter all das junge Leben,
Um dessen still verborgnes Sein
Schon ahnungsvolle Träume schweben
Von einer Welt im Sonnenschein.


Karl Rudolf Emil Besser, Pseudonyme Emil von der Höhenwarte und Karl Rudolph, *1863 in Trier, +1908? - Daten nicht komplett zu finden.
Besser war ein dt. Schriftsteller, Dichter, Beamter und Steuersekretär.

Kerze rosa klein
Die heutige Trauerfeier Von Andreas Steinhardt am 16.01.2026 um 20:40 | melden

Diese Kerze ist nicht nur für Theresia, sie ist außerdem für meine Cousine Gaby, Theresias Enkelin, welche wir heute zu Grabe getragen haben. Zur Gedenkkerze vom 06. Januar berichtete ich von ihrem Tod.

Die Trauerfeier wurde vom katholischen Pfarrer des Ortes sehr schön gestaltet, er fand tröstende Worte und konnte ohne abzulesen etwa 10 Minuten aus ihrem Leben erzählen.

Während der Zeremonie am Grab stand auf einmal die Sonne direkt über diesem, die zuvor nur zögerlich durch die Wolken lukte. Welch Symbolik - darüber sprach beim anschließenden Beisammensein fast jeder.

"Der Tod ist die uns zugewandte Seite jenes Ganzen, dessen andere Seite Auferstehung heißt.“

Romano Guardini

Kerze rot rund
Todestag von Theresias Tochter Von Andreas Steinhardt am 11.01.2026 um 11:17 | melden

Heute vor 31 Jahren verstarb Theresias älteste Tochter Gerda im
Alter von 63 Jahren an einer schweren Herzkrankheit.

Trotz des etwa neunmonatigen Krankheits- verlaufs, hatten wir bis zuletzt Hoffnung, auch meine Mutter selbst - ihr Tod kam daher am Abend des 11. Januar 1994 im hiesigen Hospital doch für alle plötzlich und recht unerwartet.

Der Schock saß bei uns Angehörigen tief und nachhaltig. Theresias jüngere Tochter Dorothea (heute 94 Jahre alt) und auch ich als Sohn sind im Prinzip nie wirklich über den Verlust von Gerda hinweg gekommen.

Theresia hatte etwa ein halbes Jahr vor Gerdas Tod ihren Mann verloren, sie hatte den Beginn einer Demenz, bekam den Tod ihrer Tochter aber noch bewusst mit. Meine Großmutter war zwar erschüttert, aber sie konnte nicht (mehr) weinen. Sie litt, aber
hielt sich tapfer.

Es dauerte gar nicht mehr so lange, dass Theresia nicht mehr
wusste wer wir waren und vergaß dass sie, vielleicht ein Jahr
zuvor, ihre Tochter Gerda verlor.

Etwas über drei Jahre überlebte Theresia ihre Tochter Gerda. (Gedenkseite Gerda Sophia Steinhardt) Meine Großmutter starb
mit 89 Jahren an ihrer schweren Demenz.


"Wer im Gedächtnis seiner Lieben lebt, der ist nicht tot, der ist nur fern; tot ist nur, wer vergessen wird."

Immanuel Kant

Kerze türkis dunkel dünn
Theresias Enkelin ist heute verstorben Von Andreas Steinhardt am 06.01.2026 um 20:25 | melden

Diese Kerze ist nicht nur für Theresia, sie ist außerdem für meine Cousine Gaby, Theresias Enkelin, welche heute nach 7-monatigem Kampf gegen den Krebs verstorben ist.

Gaby hinterlässt ihren Ehemann und ihre 94-jährige Mutter Thea - meine Tante, Theresias zweitgeborene Tochter.

Wir sind alle sehr traurig.


Und meine Seele spannte weit ihre Flügel aus,
flog durch die stillen Lande als flöge sie nach Haus.

Joseph von Eichendorff

Kerze grau-blau Grabkerze
Neujahrsgedicht Von Andreas Steinhardt am 01.01.2026 um 20:06 | melden

Zur heutigen Gedenkkerze am Neujahrsabend ein Gedicht von Richard von Schaukal.

Ich wünsche den Lesern von Theresias Gedenkseite Gesundheit und Zuversicht für das noch junge Jahr 2026.

Es ist sicherlich nicht immer einfach, in dieser Zeit zuversichtlich zu bleiben. Lassen wir uns nicht entmutigen.


Das neue Jahr


Das alte Jahr hat über Nacht
in aller Stille sich fortgemacht.

Das neue ist noch ein kleines Kind:
es weiß noch gar nicht, wer wir sind.

Und ist doch unser Herr von heut,
hat Macht über soviel tausend Leut’.

So wollen wir denn, ohne umzuschaun,
ihm all unsre Sachen anvertraun.

Es stammt aus einem großen Haus:
es kennt sich ganz gewiss bald aus.

Richard von Schaukal, * 27. Mai 1874 in Brünn, Mähren,
+ 10. Okt. 1942 in Wien.

Schaukal war ein österreichischer Dichter, Jurist und Staatsbeamter.

Kerze creme lang
Theresias Ritual zum Jahreswechsel und Silvestergedicht Von Andreas Steinhardt am 31.12.2025 um 15:13 | melden

Zur heutigen Gedenkkerze am letzten Tag des Jahres ein Gedicht von Richard von Schaukal.

Gerne erinnere mich zurück an die Silvesterabende meiner Kindheit, das Haus war nahezu voll, Oma Theresia und Opa Willi, der älteste Bruder mit Partnerin, welche über Weihnachten und Neujahr aus Marburg kamen, häufig auch Anverwandte -
es wurde Kartoffelsalat und Eiersalat kredenzt, Weißbrot, Weißwurst Stangenbrote und Lachs gereicht. Knabbergebäck, Bier wie Sekt war ausreichend vorhanden.

Theresia, eine sehr redselige, mitunter auch heitere Frau, zog sich öfter in der letzten Stunde vor Mitternacht zurück. "Wo ist eigentlich Oma?!" fragte ich als 8-jähriger etwa eine Viertelstunde vor Mitternacht in die Runde. Es war der äußerst schneereiche Jahreswechsel 78/79, der in die Geschichte einging, Norddeutschland ist so zum Beispiel in den Schneemassen förmlich erstickt und Ortschaften mussten teilweise von der Bundeswehr befreit werden. -

- ich fand meine Oma in der ersten Etage unseres Hauses, allein am Fenster stehend, auf den tief verschneiten Wald gegenüber blickend. "Ich komme sofort wieder", so meine Oma, "Ich denke nur ein wenig über das alte Jahr nach, und was wohl 1979 so alles kommen wird." - im übrigen wurde es ein sehr gutes Jahr für unsere Familie.

Ich tat es irgendwann Theresia gleich, und ziehe mich, falls möglich, auch in der letzten Stunde des Jahres für kurze Zeit allein zurück und sinne über das alte Jahr nach, schaue prospektiv auf das kommende Jahr.

Der Silvesterabend - Gedanken kreisen retrospektiv und prospektiv - bleiben wir zuversichtlich ... ?

Ich wünsche den Leserinnen und Lesern von Theresias Gedenkseite jedenfalls einen guten Start ins neue Jahr, ein friedvolles und gesundes Jahr 2026!


Das neue Jahr

von Richard von Schaukal


Das alte Jahr hat über Nacht
in aller Stille sich fortgemacht.

Das neue ist noch ein kleines Kind:
es weiß noch gar nicht, wer wir sind.

Und ist doch unser Herr von heut,
hat Macht über soviel tausend Leut’.

So wollen wir denn, ohne umzuschaun,
ihm all unsre Sachen anvertraun.

Es stammt aus einem großen Haus:
es kennt sich ganz gewiss bald aus.


Richard von Schaukal, * 27. Mai 1874 in Brünn, Mähren, + 10. Okt.
1942 in Wien.

Von Schaukal war ein österreichischer Dichter, Jurist und Staatsbeamter.

Kerze türkis hell klein
Weihnachtsgedicht von Ringelnatz Von Andreas Steinhardt am 25.12.2025 um 14:09 | melden

Zur heutigen Gedenkkerze am 1. Weihnachtstag ein Gedicht von Joachim Ringelnatz.

Wie wäre ein Weihnachten ohne die lieben Großeltern gewesen? Damals sicherlich unvorstellbar.

Wie sehr sich Oma Theresia über ihre Geschenke freute, das Strahlen, ihr Leuchten in den Augen - wie sicherlich auch bei mir...wie inbrünstig mein Opa am Willi "Oh Du Fröhliche" schmetterte...

...gut, diese wundervollen Momente in der ewigen Erinnerung immer wieder aufs Neue abrufen zu können!

Ich wünsche Ihnen und ihren Angehörigen eine friedvolle Weihnacht! Sollten Sie an diesen Tagen einen lieben Menschen besonders vermissen, vielleicht sogar durch einen Sterbefall in diesem Jahr, wünsche ich Ihnen viel Kraft! Ist ein lieber Mensch in ihrem Umfeld erkrankt, oder gar Sie selbst, wünsche ich Ihnen oder der entsprechenden Person Hoffnung, Zuversicht und eine rasche Genesung!


Liebeläutend zieht durch Kerzenhelle

von Joachim Ringelnatz


Liebeläutend zieht durch Kerzenhelle,
mild, wie Wälderduft, die Weihnachtszeit.
Und ein schlichtes Glück streut auf die Schwelle
schöne Blumen der Vergangenheit.

Hand schmiegt sich an Hand im engen Kreise,
und das alte Lied von Gott und Christ
bebt durch Seelen und verkündet leise,
dass die kleinste Welt die größte ist.

Joachim Ringelnatz, * 7. August 1883 in Wurzen als Hans Gustav Bötticher, † 17. November 1934 in Berlin. Bötticher war ein deutscher Schriftsteller, Kabarettist und Maler, der vor allem für humoristische Gedichte um die Kunstfigur "Kuttel Daddeldu" bekannt ist.

Kerze rot lang
Der Stern von Wilhelm Busch Von Andreas Steinhardt am 20.12.2025 um 18:36 | melden

Zur heutigen Gedenkkerze am Vorabend des 4. Advents ein Gedicht von Wilhelm Busch.

Meine Großmutter Theresia konnte die Adventszeit richtig genießen, sie schmückte ihr Haus mit zeittypischer Dekoration, beispielsweise mit einer Adventspyramide wie einem siebenarmigen Kerzenleuchter im Fenster...

... gerne erinnere ich mich an die Adventssonntage meiner Kindheit und frühen Jugend. Entweder kamen Oma Theresia und Opa Willi am Nachmittag aus dem benachbarten Stadtteil zu uns gelaufen, und wurden später wieder von meinem Vater nach Hause gebracht - oder wir besuchten sie, wenn das Wetter einen Spaziergang nicht zuließ.
Auf jeden Fall gab es immer Omas leckere, selbstgebackene Plätzchen und auch ihre hervorragenden Doppeldecker mit Streuseln und Vanillecreme. Im Licht der Adventskerzen machten wir es uns gemütlich, mein Großvater trug dabei schöne Adventsgedichte und Weihnachtsgeschichten vor...



Der Stern

von Wilhelm Busch


Hätt einer auch fast mehr Verstand
als die drei Weisen aus dem Morgenland
und ließe sich dünken, er wär wohl nie,
dem Sternlein nachgereist wie sie;
dennoch, wenn nun das Weihnachtsfest
seine Lichtlein wonniglich scheinen läßt,
fällt auch auf sein verständig Gesicht,
er mag es merken oder nicht,
ein freundlicher Strahl:
Des Wundersternes von dazumal.


Heinrich Christian Wilhelm Busch, *14. April 1832 in Wiedensahl, Schaumburger Land, Niedersachsen, +9. Januar 1908 in Mechtshausen, seit 1974 zur Stadt Seesen, Niedersachsen.

Busch war einer der einflussreichsten humoristischen Dichter und auch Zeichner Deutschlands.

Kerze rosa rund
Gedicht zum dritten Advent Von Andreas Steinhardt am 13.12.2025 um 20:27 | melden

Zur heutigen Gedenkkerze am Vorabend des 3. Advents, 11 Tage vor dem Heiligen Abend, ein Gedicht von Ringelnatz, welches sich mit dem "Schenken" beschäftigt.

Liegen bei Ihnen zur Christnacht so viele Geschenke unter dem Baum, dass ein heilloses Durcheinander entsteht, wessen Paket nun wirklich wem gehört? Oder gehören Sie gar zu den Geschenke-Verweigerern, wobei ich allerdings nur eine Familie kenne, die dies so handhabt?

Bei uns wird es zumindest ein wenig dieses "Durcheinander" geben, ich bin zwar ziemlich strukturiert, die Beschriftung der Geschenke, gleiche Geschenkeecke für die jeweilige Person, für jeden anderes Papier - aber ehrlich gesagt gehört ein kleineres Durcheinander für uns auch zum Fest...genau wie die Katzen sich mit Vorliebe über den entstandenen Papiermüll her machen...nun, sie sollen ja auch ein wenig Vergnügen haben...

Theresia schenkte gerne und viel, war äußerst großzügig, verpackte ihre Paketchen mit viel Liebe, mit Schleifen und Sternchen, und freute sich selbst über Geschenke fast wie ein Kind...


Schenken

von Joachim Ringelnatz

Schenke groß oder klein,
Aber immer gediegen.
Wenn die Bedachten
Die Gaben wiegen,
Sei dein Gewissen rein.

Schenke herzlich und frei.
Schenke dabei
Was in dir wohnt
An Meinung, Geschmack und Humor,
So daß die eigene Freude zuvor
Dich reichlich belohnt.

Schenke mit Geist ohne List.
Sei eingedenk,
Daß dein Geschenk
Du selber bist.

Joachim Ringelnatz, *07. August 1883 in Wurzen, Sachsen, heute Große Kreisstadt im Nordosten des Landkreises Leipzig, +17. November 1934 in Berlin.

Ringelnatz (eigentlich Hans Gustav Bötticher)
war ein deutscher Schriftsteller, Kabarettist und Maler, der vor allem für humoristische Gedichte um die Kunstfigur "Kuttel Daddeldu" bekannt wurde.

Kerze creme viereckig
Lied im Advent von Matthias Claudius Von Andreas Steinhardt am 07.12.2025 um 14:54 | melden

Zur heutigen Gedenkkerze ein Gedicht von Matthias Claudius,
passend zum heutigen 2. Advent.

Jeden Adventssonntag verbrachten wir mit den Großeltern, mal
kam Theresia und Opa Wilhelm zu uns in den benachbarten Ortsteil gelaufen, mal besuchten wir die beiden. Oma Theresia brachte natürlich ihr hervorragendes, selbstgebackenes Spritzgebäck sowie ihre äußerst leckeren Doppeldecker mit Streuseln und Vanillecreme mit. Bis heute unerreicht - "Omas altes Spezialrezept" existiert leider nicht mehr...

Opa Willi trug im Scheine der Adventskerzen schöne Gedichte, passend zur Advents- und Weihnachtszeit vor - eine wunderschöne Erinnerung an eine längst vergangene Zeit - doch
mir noch präsent, als ob es erst gestern war...


Lied im Advent

von Matthias Claudius


Immer ein Lichtlein mehr
im Kranz, den wir gewunden,
dass er leuchte uns sehr
durch die dunklen Stunden.

Zwei und drei und dann vier!
Rund um den Kranz welch ein Schimmer,
und so leuchten auch wir,
und so leuchtet das Zimmer.

Und so leuchtet die Welt
langsam der Weihnacht entgegen.
Und der in Händen sie hält,
weiß um den Segen !

Matthias Claudius, *15. August 1740 in Reinfeld, Holstein, heute
Kreis Stormarn, Schleswig - Holstein, +21. Januar 1815 in Hamburg.
Claudius, Pseudonym "Asmus", war ein dt. Dichter, Lyriker und Journalist.

Kerze rot lang
Es ist Advent Von Andreas Steinhardt am 30.11.2025 um 14:23 | melden

Zur heutigen Gedenkkerze am 1. Advent ein passendes Gedicht von Friedrich Wilhelm Kritzinger.

Haben Sie schon die erste Kerze auf ihrem Kranz oder Adventsgesteck angezündet? Oder pflegen Sie gar nicht diese Tradition?

Meine Großmutter Theresia konnte die Adventstage richtig genießen, sie schmückte ihr Haus mit zeittypischer Dekoration, beispielsweise mit einer Adventspyramide wie einem siebenarmigen Kerzenleuchter im Fenster...


Es ist Advent

von Friedrich Wilhelm Kritzinger


Die Blumen sind verblüht im Tal, die Vöglein heimgezogen;
Der Himmel schwebt so grau und fahl, es brausen kalte Wogen.
Und doch nicht Leid im Herzen brennt: Es ist Advent!

Es zieht ein Hoffen durch die Welt, ein starkes, frohes Hoffen;
Das schließet auf der Armen Zelt und macht Paläste offen;
Das kleinste Kind die Ursach kennt: Es ist Advent!

Advent, Advent, du Lerchensang von Weihnachts Frühlingstunde!
Advent, Advent, du Glockenklang vom neuen Gnadenbunde!
Du Morgenstrahl von Gott gesendt! Es ist Advent!


Friedrich Wilhelm Kritzinger, *24. Januar 1816
in Lehnin, Provinz Brandenburg, damaliges KR Preußen,
+12. Juli 1890 in Naumburg (Saale), Provinz Sachsen, KR Preußen.

Kritzinger war evangelischer Theologe und Pädagoge. Er ging als
Autor des Weihnachts- liedes "Süßer die Glocken nie klingen" in die Literaturgeschichte ein.

Kerze lila klein
Ewigkeitssonntag Von Andreas Steinhardt am 22.11.2025 um 17:41 | melden

Zur morgigen Totensonntag oder Ewigkeitssonntag ein paar Gedanken und Sprüche von großen Meistern.

Mit dem Totensonntag (Ewigkeitssonntag, kath. Christkönigsfest)
geht die Reihe der vielen Gedenktage des Novembers zuende.

Allerheiligen/Allerseelen mit Gräbergängen, der Volkstrauertag am letzten Sonntag wie dm morgigen Totensonntag mit erneutem "ökumenischen" Gang zusammen mit der Familie zu den Ruhestätten unserer Lieben.

Das erste Adventswochenende steht uns in Kürze bevor, vielleicht
ein doch trostreicher Gedanke an eine heimelichere Zeit als es der Trauermonat bot.


Für Theresia und ihre zwölf Geschwister.


"Du bist nicht mehr da, wo Du warst, aber Du bist überall, wo wir sind.“ (Victor Hugo)

„Was man tief in seinem Herzen besitzt, kann man nicht durch den Tod verlieren.“ (Johann Wolfgang von Goethe)

„Wer im Gedächtnis seiner Lieben lebt, der ist nicht tot, der ist nur fern; tot ist nur, wer vergessen wird.“ (Immanuel Kant)

"Der Tod ist die uns zugewandte Seite jenes Ganzen, dessen andere Seite Auferstehung heißt.“ (Romano Guardini)°

"Niemand ist fort, den man liebt. Liebe ist ewige Gegenwart."
(Stefan Zweig)°°


°Romano Guardini, kath. Priester und Religionsphilosoph, *17. Feb. 1895 in Verona, +01.Okt.1968 in München.

°°Stefan Zweig, österr.-britischer Schriftsteller und Übersetzer, *28. Nov. 1881 in Wien, +23. Nov. 1942 in Petrópolis, Brasilien.

Kerze creme rund
Novembergedicht Von Andreas Steinhardt am 15.11.2025 um 16:30 | melden

Zur heutigen Gedenkkerze ein Gedicht von Clara Müller-Jahnke, passend zum heutigen Novemberwetter.

Der November hatte uns bisher regelrecht verwöhnt - bis gestern herrschten noch Temperaturen bis zu 18° C vor - heute nieselt es
den ganzen Tag leicht bei deutlichem Temperatursturz.

Theresia würde beim Blick aus dem Fenster allenfalls etwas die Nase rümpfen, aber nicht über das Wetter schimpfen - und trotzdem alles erledigen, was nun mal zu erledigen ist und darüber hinaus...einer hart erprobten Ostpreußin konnte doch das Wetter nichts anhaben...


Im Novembersturm

von Clara Müller-Jahnke


Der Sturmwind rast und der Regen schlägt
ans Fenster in schweren Tropfen –
Ich fühl in der tollen Novembernacht
mein Herz wohl hörbar klopfen.

Es schlägt in brennender Ungeduld
sehnsüchtig und beklommen ...
Ach, wenn die Stunde doch Flügel hätt
und wäre der Winter gekommen!

Und deckte die Ströme das blinkende Eis
und der Schnee die schweigende Runde –
und wären wir endlich allein, allein
in der heimlichen Mitternachtsstunde!

O Liebster, Liebster, – der Sturmwind rast
und der Regen rauscht endlos nieder –
mir aber fluten durch Haupt und Herz
traumselige Liebeslieder.

Clara Müller-Jahnke, geb. Müller war eine dt.
Dichterin, Journalistin und Frauenrechtlerin.
*05. Feb. 1860 ins Lenzen, Pommern, heutiges
Łęczno, poln. Woiwodschaft Westpommern,
+04. November 1905 in Wilhelmshagen, seit
1920 und Berlin.

Kerze grau-blau lang
Herbstgedicht von Friedrich Hebbel Von Andreas Steinhardt am 09.11.2025 um 14:43 | melden

Zur heutigen Gedenkkerze ein bekanntes Herbstgedicht von Friedrich Hebbel.

Im Gegensatz zum Oktober, welcher einer der nassesten und stürmischten seit vielen Jahren war, verwöhnt uns dieser November nun mit traumhaftem Herbstwetter - die vergangene Woche verwöhnte uns mit strahlend blauem Himmel, bei Tagestemperaturen teilweise bis 18° C.

Meine Oma wäre mit mir als Kind bei solch einem Bilderbuchwetter sicherlich zu einem Spielplatz gegangen oder hätte mit mir in ihrem oder unserem Garten und Hof etwas gespielt - zum Beispiel Boccia oder Wikingerschach...


Dies ist ein Herbsttag ...

von Friedrich Hebbel


Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen sah!
Die Luft ist still, als atmete man kaum,
Und dennoch fallen raschelnd, fern und nah,
Die schönsten Früchte ab von jedem Baum.

O stört sie nicht, die Feier der Natur!
Dies ist die Lese, die sie selber hält,
Denn heute löst sich von den Zweigen nur,
Was von dem milden Strahl der Sonne fällt.

Christian Friedrich Hebbel, früheres Pseudonym Dr. J. F. Franz, *18. März 1813 in Wesselburen/Dithmarschen, heutiges Schleswig-Holstein,
+13. Dezember 1863 in Wien.

Hebbel war deutscher Dramatiker, Lyriker und Erzähler "Maria Magdalena", sehenswert das Hebbel-Museum in Wesselburen mit 550 Exponaten.

Kerze dunkelgrün geschwungen
Allerheiligen und Allerseelen Von Andreas Steinhardt am 01.11.2025 um 09:34 | melden

Zur Gedenkkerze am heutigen Hochfest Allerheiligen und zum morgigen Gedenktag Allerseelen ein Gedicht von Franz Reinhold Fuchs.

Unsere heutigen Gräbergänge auf mehreren Friedhöfen werden voraussichtlich im Niesel beginnen, später soll es aber aufklaren.

Theresias Grab ist anonym auf dem hiesigen Friedhof, ein wie ich
finde trotzdem schönes Grab auf einer Wiese, direkt unter einem Baum. Ein Bild dazu finden sie hier im Album.

Heute möchte ich besonders Theresias und meinen Vorfahren ihrer Linie gedenken. Ihren Eltern Samuel und Katharina, ihren Großeltern Friedrich, Barbara, Marianna und Andreas, wie ihren Urgroßeltern Thomas, Gertrud, Adam, Eva wie Jacob und Gottliebe.

Das ewige Licht leuchte ihnen.

Die folgenden Verse sind vielleicht nicht gerade erbauend, aber vielleicht passend zu der beginnenden Reihe an Gedenktagen im November, am Ende ein Lichtschimmer zwischen Trauer und Sehnsucht, zwischen Abschied und erhoffter Wiederkehr.


Allerseelen

von Franz Heinrich Fuchs


Welch traumhaft stilles Schreiten
Den fahlen Hain entlang!
Rings müder Blätter Gleiten,
Und über Stoppelbreiten
Verlorner Glockenklang.

Was je dein Herz besessen
An Hoffnung, Glück und Leid,
Was unter Gruftzypressen
Geschlummert, halbvergessen,
Gibt klagend dir Geleit.

Gestalten, längst entschwunden,
Brechen des Grabes Bann:
Neu bluten alte Wunden,
Und tote Wonnestunden
Lächeln dich schmerzlich an.

Herz, heiß die Sehnsucht schweigen,
Die um Vergangnes wirbt! –
Die ew’gen Sterne steigen,
Die Heimat dir zu zeigen,
Wo jede Klage stirbt!

Franz Reinhold Fuchs, dt. Pädagoge und Dichter,
* 08. Juni 1858 in Leipzig, +12. Mai 1938 in Dresden.

Kerze lila klein
Der Herbst von Hölderlin Von Andreas Steinhardt am 23.10.2025 um 15:10 | melden

Zur heutigen Gedenkkerze ein Herbstgedicht von Friedrich Hölderlin.

Nach einigen sonnigen Momenten bis zum Mittag kommt das Sturmtief immer näher, bedrohlich anmutend durch wilde Wolken -
der Wind nimmt an Fahrt auf...

Theresia würde sich länger ans Fenster setzen und den weiteren Verlauf des Wetters mit Spannung entgegen sehen...


Der Herbst

von Friedrich Hölderlin


Das Glänzen der Natur ist höheres Erscheinen,
Wo sich der Tag mit vielen Freuden endet,
Es ist das Jahr, das sich mit Pracht vollendet,
Wo Früchte sich mit frohem Glanz vereinen.

Das Erdenrund ist so geschmückt, und selten lärmet
Der Schall durchs offne Feld, die Sonne wärmet
Den Tag des Herbstes mild, die Felder stehen
Als eine Aussicht weit, die Lüfte wehen.

Die Zweig und äste durch mit frohem Rauschen,
Wenn schon mit Leere sich die Felder dann vertauschen,
Der ganze Sinn des hellen Bildes lebet
Als wie ein Bild, das goldne Pracht umschwebet.

Johann Christian Friedrich Hölderlin, *20. März 1770 in Lauffen
am Neckar, Herzogtum Württemberg, +7. Juni 1843 in Tübingen, Königreich Württemberg.

Hölderlin gehört zu den bedeutendsten deutschen Lyrikern seiner Zeit.

Kerze gelb viereckig
Der Apfelbaum Von Andreas Steinhardt am 16.10.2025 um 13:28 | melden

Zur heutigen Gedenkkerze ein Gedicht von Robert Reinick.

Die Blätter fallen, viel früher als im letzten Jahr, wir sind der Natur -
wie im Frühjahr - um Wochen voraus.

Es ist ein recht trüber Oktober - kein Vergleich zum letzten Jahr. Theresia würde die letzten Äpfel aufsammeln und mit den bereits
im Keller gelagerten zu einem schmackhaften Apfelmus einkochen - ich erinnere mich an den großen Kessel, welcher auf ihrem Herd stand und gewaltig dampfte - wie an zahlreiche Einmachgläser, welche ihr Kellerregal füllten - ebenfalls kochte meine Oma Birnen, Himbeeren und Pflaumen ein und kreierte aufgesetzte Obstler...


Der Apfelbaum

von Robert Reinick


Der Apfelbaum, das ist ein Mann!
Kein andrer gibt so gern wie der.
Im Winter, wenn man schüttelt dran.
Da gibt er Schnee die Fülle her.

Im Frühling wirft er Blüten nieder,
Im Sommer herbergt er die Finken;
Jetzt streckt er seine Zweige nieder,
Die voller Frucht zur Erde sinken.

Drum kommt! und schüttelt was ihr könnt,
Ich weiß gewiss, dass er’s euch gönnt.


Robert Reinick, *22. Februar 1805 in Danzig,
+7. Februar 1852 in Dresden.

Reinick war ein deutscher Maler und Dichter.

Kerze rot lang
Herbst von Fontane Von Andreas Steinhardt am 11.10.2025 um 21:24 | melden

Zur heutigen Gedenkkerze ein schönes Herbstgedicht von Theodor Fontane.

Das Wochenende ist trübe aber trocken, bei recht milden Temperaturen.

Theresia, der "wetterunabhängigen", war es relativ egal, ob es nun sehr warm oder sehr kalt, stürmisch oder trüb war. Sie verlor nie ein Wort der Kritik am Wetter, an den Jahreszeiten.

War es draußen auch noch so widrig - meine "harte Großmutter" lief trotzdem die gut zwei Kilometer von ihrem Haus im benachbarten Ortsteil zu unserem - es gab keine Busverbindung - und auch wenn
sie pudelnass wurde - es war ihr schlichtweg egal...


Herbst

von Theodor Fontane


O du wunderschöner Herbst,
Wie du die Blätter golden färbst,
Deiner reinen Luft so klar und still,
Noch einmal ich mich freuen will.

Ich geh den Wald, den Weiher entlang;
Es schweigt das Leben, es schweigt Gesang,
Ich hemme den Schritt, ich hemme den Lauf
Erinnerungen ziehen herauf.

Erinnerungen sehen mich an,
Haben es wohl auch sonst getan.
Nur eins hält nicht mehr damit Schritt.
Lachende Zukunft geht nicht mehr mit.

Vergangenheit hält mich in ihrem Bann,
Vergangenheit hat mirs angetan;
Den Blick in den Herbst, den hab ich frei,
Den Blick in den Herbst. Aber der Mai?


Heinrich Theodor Fontane, *30.12. 1819 in Neuruppin, heute Kreisstadt im Landkreis Ostprignitz-Ruppin, Brandenburg, +20.09.1898
in Berlin.

Fontane war ein dt. Schriftsteller, Journalist und Kritiker, er gilt als bedeutender Vertreter des Realismus.

Kerze dunkelgrün klein
Herbstgedicht von Fallersleben Von Andreas Steinhardt am 03.10.2025 um 13:05 | melden

Zur heutigen Gedenkkerze ein schönes, gar heiteres Gedicht von Hoffmann von Fallersleben - passend zum Oktober, welcher sich in den letzten Tagen von seiner schönen Seite zeigte - mit viel Sonnenschein bei milden Temperaturen.

Der Feiertag ist ziemlich durchwachsen, es ist bewölkt, am Morgen fielen einige Tropfen.

Momentan ist es trocken und es lädt doch noch
zu einem nachmittäglichen Spaziergang oder zumindest kleinen Radtour durch das nahe Naturschutzgebiet ein.

Theresia würde auch bei sehr stürmischem und regnerischem Herbstwetter nicht klagen, als gebürtige Ostpreußin war sie sehr warme Sommertage und äußerst kalte Wintertage gewohnt, sie nahm das Wetter wie es war - ein stürmischer Herbsttag konnte ihr gar nichts anhaben...


Hab Dank, du lieber Wind


von Hoffmann von Fallersleben


Ich bin in den Garten gegangen
und mag nicht mehr hinaus.
Die goldigen Äpfel prangen
mit ihren roten Wangen
und laden ein zum Schmaus.

We ist es anzufangen?
Se hängen mir zu hoch und zu fern.
Ich sehe sie hangen und prangen
und kann sie nicht erlangen
und hätte doch einen gern!

Da kommt der Wind aus dem Westen
und schüttelt den Baum geschwind
und weht herab von den Ästen
den allerschönsten und besten -
hab Dank, du lieber Wind!

August Heinrich Hugo Hoffmann von Fallersleben, *02. April 1894 in Fallersleben, Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg, seit 1972 Ortsteil von Wolfsburg, +19. Januar 1894 im Kloster Corvey, heute zur Stadt Höxter, Ostwestfalen.

Kerze rosa lang
Herbstgedicht Von Andreas Steinhardt am 21.09.2025 um 15:01 | melden

Zur heutigen Gedenkkerze ein Gedicht, passend zum morgigen Herbstanfang, von Ferdinand
von Saar.

Am Montag um 20:19 h MESZ haben wir den astronomischen Herbstanfang, die
zweimal jährliche Tag- und Nachtgleiche,
das Herbstäquinoktikum.

Der Freitag und auch der Samstag zeigten sich von noch einmal von der hochsommerlicher Seite, beim Auftakt des Münchener Oktoberfestes herrschten 31°C (!)

Heute zeigt sich der letzte Sommer-Sonntag durchwachsen, es regnete am Morgen, das Thermometer ist bis auf 16° C gefallen...

Theresia war es ziemlich egal, ob es nun ein heißer Sommer ist, ein stürmischer Herbst oder sehr kalter Winter. Sie schaute aus dem Fenster, rümpfte kurz die Nase, und selbst bei ungemütlichstem Wetter sagte sie "Oh, Kopftuch nehmen..." - einen Schirm mochte sie nicht. Sie wurde lieber pudelnass...über das Wetter schimpfen? Niemals...

Für Theresia. Für ihre Geschwister.


Herbst

von Ferdinand von Saar


Der du die Wälder färbst,
Sonniger, milder Herbst,
Schöner als Rosenblüh’n
Dünkt mir dein sanftes Glüh’n.

Nimmermehr Sturm und Drang,
Nimmermehr Sehnsuchtsklang;
Leise nur atmest du
Tiefer Erfüllung Ruh’.

Aber vernehmbar auch
Klaget ein scheuer Hauch,
Der durch die Blätter weht:
Dass es zu Ende geht.


Ferdinand Ludwig Adam von Saar, *30. Sept. 1833 in Wien, +24. Juli 1906 in Wien-Döbling,
19. Bezirk.

Von Saar war ein österr. Schriftsteller, Lyriker und Dramatiker.

Kerze rot viereckig
Frühherbstliches Gedicht von Christian Morgenstern Von Andreas Steinhardt am 14.09.2025 um 13:26 | melden

Zur heutigen Gedenkkerze ein frühherbstliches
Gedicht von Christian Morgenstern.

Nun, die folgenden Verse passen schon durchaus zum Wetter der letzten Tage.

Nachdem es am letzten Wochenende noch einmal sommerlich warm wurde, herrscht nun seit Tagen durchwachsenes Wetter vor, gestern war es zeitweise recht stürmisch mit zwei mäßigen Gewittern am Abend - heute zeigt sich die Sonne ab und zu durch wilde Wolken, es ist trocken und recht windig bei Temperaturen deutlich unter 20°C.

Theresia würde am heutigen Sonntag nach dem Kirchgang sicherlich einen größeren Spaziergang durch Wald und Feld unternehmen, im Gegensatz zu meiner Mutter würde mein Oma sicherlich keine Wehmut des fast schon vergangen Sommers verspüren - sie kam mit jedem Wetter zurecht, vielleicht wäre ihre Vorfreude bei einem schönen Herbst, der sich heute auf eine doch noch sehr sanfte Weise vorstellt...


Sieh, des Herbstes Geisteshelle ...
(auch unter dem Titel „Früh-Herbst“)

von Christian Morgenstern

Sieh, des Herbstes Geisteshelle
klärt und adelt die Gelände;
Erdenbreiten, Himmelswände
kost dieselbe lautre Welle.

O du glückversunken Säumen,
eh die Sommerfarben sterben!
O du letztes Liebeswerben
aus den unbegriffnen Räumen!

»Dass mir so die Seele leuchte,
wann ich einst des Winters werde!«
Und in meines Auges Feuchte
spiegelt sich der Schmelz der Erde.

Christian Otto Josef Wolfgang Morgenstern,
*06. Mai 1871 in München, +31. März 1914 in Untermais, Tirol, damaliges Königreich Österreich-Ungarn.

Morgenstern war ein deutscher Dichter, Schriftsteller und Übersetzer. Größere
Bekanntheit erlangte Morgenstern durch
seine "komische Lyrik", die aber nur ein
Teil seines Gesamtwerkes ist.
.

Kerze orange klein
Spätsommer von Hesse Von Andreas Steinhardt am 07.09.2025 um 16:37 | melden

Zur heutigen Gedenkkerze an einem warmen und sonnendurchfluteten Sonntag ein Gedicht von Hermann Hesse.

Ein gar prächtiger Altweibersommertag herrscht heute vor - viele kleinere und größere Feste finden gerade in unserer Umgebung statt.

Theresia säße wohl heute zusammen mit meinem Großvater Wilhelm unter dem schattigen Apfelbaum im heimischen Garten - und würden gemeinsam den vielleicht? sogar letzten so sommerlich-warmen Sonntag in diesem Jahr in Ruhe ausklingen lassen...

...die heutige Mondfinsternis am frühen Abend rundet dann auch noch spektakulär einen durchaus besonderen Sonntag ab ...


Spätsommer

von Hermann Hesse

Noch schenkt der späte Sommer Tag um Tag
Voll süßer Wärme. Über Blumendolden
Schwebt da und dort mit mildem Flügelschlag
ein Schmetterling und funkelt sammetgolden.

Die Abende und Morgen atmen feucht
Von dünnen Nebeln, deren Naß noch lau.
Vom Maulbeerbaum mit plötzlichem Geleucht
Weht gelb und groß ein Blatt ins sanfte Blau.

Eidechse rastet auf besonntem Stein,
Im Blätterschatten Trauben sich verstecken.
Bezaubert scheint die Welt, gebannt zu sein
In Schlaf, in Traum, und warnt dich, sie zu wecken.

So wiegt sich manchmal viele Takte lang
Musik, zu goldener Ewigkeit erstarrt,
Bis sie erwachend sich dem Bann entrang
Zurück zu Werdemut und Gegenwart.

Wir Alten stehen erntend am Spalier
Und wärmen uns die sommerbraunen Hände.
Noch lacht der Tag, noch ist er nicht zu Ende,
Noch hält und schmeichelt uns das Heut und Hier.

Hermann Karl Hesse, Pseudonym Emil Sinclair,
*02. Juli 1877 in Calw, ehem. Königreich Württemberg, +09. August 1962 in Montagnola, Schweiz.

Hesse war ein deutsch-schweizerischer Schriftsteller, Dichter und Maler.

Kerze gelb rund
Septembergedicht von Heinrich Seidel Von Andreas Steinhardt am 01.09.2025 um 12:20 | melden

Zur Gedenkkerze ein schönes Gedicht, passend zum heutigen Septemberanfang.

Genießen Sie diese noch knapp über 20°C warmen Tage des begonnenen Frühherbstes, auch wenn das Wetter momentan durch einige Wolkenfelder und kleinen Schauern leicht durchwachsen ist?

Der Herbst steht vor der Tür - zumindest meteorologisch ist heute Herbstanfang.

Meine Oma Thea war relativ "Jahreszeiten- unabhängig", ich glaube es war ihr einerlei,
ob es nun Sommer oder Winter, Frühling oder Herbst war.

Theresia war von sehr robuster Natur, kam mit jedwedem Wetter zurecht. Sicherlich geprägt
von ihrer ostpreußischen Heimat - sehr warme Sommertage - sehr kalte Winter...


Im September

von Heinrich Seidel


Wir wollen in den Nussbusch gehn
Und dort einmal zum Rechten sehn.
Das Eichhorn und der Häher
Sind arge Nüssespäher,
Der Buntspecht und die Haselmaus,
Die lieben auch den Nusskernschmaus!
Sie nagen und sie zwicken,
Sie hacken und sie picken,
Und wer nicht kommt zur rechten Zeit,
Geht, wie ihr wisst, der Mahlzeit queit.

Wir wollen in den Garten gehen
Und dort einmal zum Rechten sehn.
Zur Nachtzeit war es windig!
Nun seht nur her! Was find ich
Im sand’gen Steig, im grünen Gras,
Bald hier, bald dort? Was ist denn das?
Äpfel mit roten Stirnen
Und goldgestreifte Birnen!
Und dort beim Eierpflaumenbaum …
O seht nur hin! Man glaubt es kaum!

Wir wollen an den Zaun hin gehn
Und dort einmal zum Rechten sehn.
Was steht denn gleich dahinter?
O seht, zwei arme Kinder!
Sie ladet hinter ihrem Haus
Kein Garten ein zu frohem Schmaus.
Da sollte man doch denken:
Heut’ gibt’s was zu verschenken!
Und merkt ihr erst, wie wohl das tut,
Da schmeckt es euch noch mal so gut.

Heinrich Seidel, *25. Juni 1842 in Perlin,
heute im Landkreis Nordwestmecklenburg,
+07. November 1906 in Groß-Lichterfelde,
seit 1912 zu Berlin.

Seidel war ein dt. Ingenieur, Schriftsteller und Dichter.

Kerze rot lang
Heutiger Geburtstag von Theresias Tochter Von Andreas Steinhardt am 20.08.2025 um 13:17 | melden

Zur Gedenkkerze für meine Großmutter möchte ich erwähnen, dass heute Theresias Tochter Thea, Schwester meiner verstorbenen Mutter, ihren 94. Geburtstag feiert. Zuletzt besuchte ich meine Tante, welche auswärts wohnt, im Juli.

Wir sind stolz und glücklich, dass Thea immer noch so rüstig und aktiv ist. Sie geht jeden Tag selbstständig einkaufen, ist sehr gut zu Fuß und erfreut sich stabiler Gesundheit.

Meine Tante ist lebensfroh und mitteilsam, über den Tod macht sie sich keine Gedanken. "Warum sollte ich das tun"? entgegnete sie mir einmal. Sie freut sich über jeden Tag, der ihr geschenkt wird - was für ein Vorbild!

Theresia wurde wie ihr Mann 89 Jahre alt, Theresias Schwester Franziska 93.

Damit ist ihre Tochter Thea die älteste im Familienstammbaum seit Mitte des 19. Jahrhunderts. Vielleicht sogar jetzt die Rekordhalterin aller Zeiten - das kann ich
nicht mehr nachvollziehen.

Im Album können Sie Thea in jungen Jahren sehen, auf Bild 10 links, neben Theresia und meiner Mutter Gerda.

Foto 11 zeigt meine Tante wiederum links neben ihrer Schwester.

Auf Bild 12 sitzt Thea auf den Stufen des Elternhauses rechts neben Gerda.

Foto 13 zeigt sie rechts im Bild neben Gerda als Kommunionkind.

Kerze creme klein
Sonnenregen Von Andreas Steinhardt am 09.08.2025 um 19:52 | melden

Zur heutigen Gedenkkerze ein Sommergedicht
von Maurice von Stern.

Das Augustwetter war bisher sehr durchwachsen, am Freitag war es den ganzen Tag bewölkt - heute war es sonnig bei bis zu 27° C.

Mir soll durchwachsenes Augustwetter recht
sein, ich vertrage Hitze und zuviel Sonne nicht gut. "Sternzeichen Eisbär, Aszendent Pinguin", sage ich öfter mit Augenzwinkern...

Theresia wäre das Augustwetter relativ Einerlei. Meine Großmutter machte "ihr Ding",

ganz gleichgültig ob Hitze vorherrschte, es
regnete oder klirrend kalt war. Kein Wetter
konnte ihre Pläne durchkreuzen...


Sonnenregen

von Maurice Reinhold von Stern


O wie der stäubende, sprühende Regen
Küsset die wonnig erschauernde Flur!
In sonnigem Segen
Lacht die Natur.

Hold wie ein Kind unter Tränen, so lächelt
Regengebadet das schimmernde Feld;
Taufrisch umfächelt
Leuchtet die Welt.

O wie es perlt in den goldenen Ähren,
Glitzert und funkelt im blumigen Klee!
Nun rinnet, ihr Zähren,
Verklärt mein Weh!

So wie die Erde in Regen und Sonne,
Bin ich verdüstert und wieder erhellt:
In Weh und Wonne
Eins mit der Welt.


Maurice Reinhold von Stern, *03. April 1860 in Reval, z. d. Zeit russ. Kaiserreich, heutiges Tallinn, Hauptstadt Estlands, +28. Oktober 1938 in Höflein, Gemeinde Ottensheim, Oberösterreich.

Von Stern war Schriftsteller, Journalist, Philosoph, Verlagsleiter, Redakteur und trat fordernd für das Frauenstudienrecht ein, was ihm seinerzeit viel Ärger einbrachte.

Kerze hellgrün lang
Gedicht von Joseph von Eichendorff Von Andreas Steinhardt am 03.08.2025 um 16:12 | melden

Zur heutigen Gedenkkerze ein kleines Sommergedicht von Joseph von Eichendorff.

Theresia hatte ein rastloses Wesen, ähnlich meinem, und dieses konnte wechselhaft sein
wie das Wetter - und schnell umschwenken -
aber NIE in Aggressivität! Eher von "etwas trübe" schnell hin zur Heiterkeit um erneut von "rasch aufziehenden Wolken" verändert zu werden -
bis zum wiederholtem Sonnenstrahl, der die Wolken wieder lichtet - und ihr ein Lächeln
auf das Gesicht zauberte - und jeglicher Trübsal damit ferne flog ...


Wechsel

von Joseph von Eichendorff


Es fällt nichts vor, mir fällt nichts ein,
Ich glaub’ die Welt steht still,
Die Zeit tritt auf so leis und fein,
Man weiß nicht, was sie will.

Auf einmal rührt sich’s dort und hier –
Was das bedeuten mag?
Es ist, als hört’st du über dir
Einen frischen Flügelschlag.

Rasch steigen dunkle Wetter auf,
Schon blitzt ’s und rauscht die Rund’
Der lust’ge Sturmwind fliegt vorauf –
Da atm’ ich aus Herzensgrund.

Joseph Karl Benedikt Freiherr von Eichendorff,
*10. März 1788 auf Schloss Lubowitz bei Ratibor, Oberschlesien, heutiges Racibórz, polnische Woiwodschaft Schlesien (Śląskie), +26. November 1857 in Neisse, Oberschlesien, heutiges Nysa, poln. Woiwodschaft Oppeln (Opole).

Von Eichendorff war ein bedeutender Lyriker und Schriftsteller der deutschen Romantik. Er zählt zu den meistvertonten deutschsprachigen Lyrikern.

Kerze türkis hell rund
Gedicht Im Dorfe Von Andreas Steinhardt am 24.07.2025 um 21:00 | melden

Zur heutigen Gedenkkerze ein Gedicht von Wilhelm Weigand.

Meine Großmutter war der hitzeresistenteste Mensch, der mir vielleicht je begegnet ist. Aber auch tiefster Winter mit Minusgraden, Eis und Schnee konnten ihr nichts anhaben -
- "wetterunabhängig" - so würde ich Theresia heute umschreiben - "sie nahms wie es kam" -
...und das ohne auch nur einmal über das Wetter
zu murren...


Im Dorfe

von Wilhelm Weigand


Wie mir dieser Juliwochen
einsam schöne Zeit verrann! Schauend in den Schatten kühlen durft’ ich meine Seele fühlen, die des Glücks Gesichte sann.

Golden sah ich rings sich bräunen weich im Wind das Ährenfeld.

Blutrot glomm an allen Wegen wilder Mohn im Windesregen, lerchenselig ward die Welt.

Lerchenselig meine Seele, die auf Gottes Wegen gingund im Dufte jeder Blüte – eine Fülle, eine Güte! – stillsten Gruß der Welt empfing.


Wilhelm Weigand, gebürtig Wilhelm Schnarrenberger (Namensänderung 1888),
*13. März 1862 in Gissigheim, Baden, heute
zu Königheim, Main-Tauber-Kreis, BW,,
+ 20. Dez. 1949 in München.

Weigand war ein deutscher Dichter und Schriftsteller.

Kerze rot lang
Das Mohnfeld Von Andreas Steinhardt am 16.07.2025 um 22:29 | melden

Zur heutigen Gedenkkerze ein Gedicht von Gustav Falke.

Ein Gewitter mit Starkregen zog heute durch, diese Julitage sind etwas durchwachsener. Mir ists ganz recht, Theresia wäre es ziemlich einerlei gewesen...

...ob Minusgrade, ob sengende Sonne oder starker Regen - meine Großmutter war auf jedes Wetter bestens vorbereitet, die gebürtige Ostpreußin war als Kind und Jugendliche sehr kalte Winter und auch Sommer mit anhaltender Hitze schlichtweg gewohnt und passte sich völlig an, ohne jemals über das Wetter zu schimpfen...


Das Mohnfeld

von Gustav Falke


Es war einmal, ich weiß nicht wann
Und weiß nicht wo. Vielleicht ein Traum.
Ich trat aus einem schwarzen TannAn einen stillen Wiesensaum.

Und auf der stillen Wiese stand rings Mohn bei Mohn und unbewegt, und war bis an den fernsten Rand der rote Teppich hingelegt.

Und auf dem roten Teppich lag, von tausend Blumen angeblickt, ein schöner, müder Sommertag, im ersten Schlummer eingenickt.

Ein Hase kam im Sprung. Erschreck hat er sich tief ins Kraut geduckt, bis an die Löffel zugedeckt, nur einer hat heraus geguckt.

Kein Hauch. Kein Laut. Ein Vogelflug bewegte kaum die Abendluft. Ich sah kaum, wie der Flügel schlug, ein schwarzer Strich im Dämmerduft.

Es war einmal, ich weiß nicht wo. Ein Traum vielleicht. Lang ist es her. Ich seh’ nur noch, und immer so, das stille, rote Blumenmeer.


Gustav Falke, *11. Januar 1853 in Lübeck,+8. Februar 1916 in Hamburg-Groß Borstel (seit 1913 zu HH)

Falke war ein dt. Schriftsteller, Dichter und Buchhändler.

Kerze gelb klein
Ahnenforschung zum Lippek-Zweig Von Andreas Steinhardt am 08.07.2025 um 13:58 | melden

Zur Gedenkkerze für Theresia erinnere ich nochmals an ihre Geschwister, meine Großtanten, die ich teilweise noch kennen lernen konnte - verbunden mit einer Recherche, Ahnenforschung des Lippek-Zweiges.

Als kleines Kind soll ich laut meiner Tante Thea (93), Tochter von Theresia, auf großen Feiern einigen Geschwistern meiner Oma einmalig begegnet sein - wie einem Großonkel aus Bremen (Franz) - dazu fehlt mir leider jegliche Erinnerung.

Ich betreibe gerade Verwandtschaftsforschung - und recherchiere dementsprechend, welche Anverwandten des Lippek-Zweiges irgendwo in Deutschland leben.

Theresia Remiorz war eine geborene Lippek,
aus Wuttrienen (Neu-Wuttrienen) in Ostpreußen.
Meine Großmutter war das 13. (!) und damit letztgeborene Kind ihrer Eltern Samuel Lippek
und Katharina Lippek, geb. Grabowski, verstorben in Bonn.
Ich lernte ihre Schwester Franziska ("Ziska") kennen, die in Gladbeck wohnte, unweit meiner Großmutter Theresia. Es entstand ein herzliches Verhältnis zu ihrer Tochter Lucia, die auch meine Patentante wurde. Für mich war damals meine Großcousine immer nur "Tante Luzzi". Leider
sind ihre Kinder Siegfried und Petra recht früh verstorben, Petra vor 6 Jahren schon im Alter
von 56 Jahren. Wir waren damals wie eine große Familie.

Eine weitere Schwester von Theresia hieß Susanne Müller (geb. Lippek), sie wohnte erst in Berlin, dann in Hanau bei Frankfurt, zuletzt in Lollar-Odenhausen, Hessen, kurz vor Marburg.

Als Kind begegnete ich ihr mehrfach, besuchten sie dort. Den Tagesausflug zu ihr nutzen wir in den 70ern öfter um im Anschluss meinen Bruder Axel (+2021) in Marburg zu besuchen, welcher dort bis 1979 studierte.

Tante "Susa" hatte nur eine Stieftochter, Anne, die ev. Schwester war, ich erinnere mich an eine Frau in Nonnentracht. Es gibt von Susanne Müller, geb. Lippek somit keine direkten Nachfahren, ich brauche diesen Zweig nicht mehr zu recherchieren.

An Rosa Schulz (logischerweise auch geb. Lippek) aus Bonn-Dransdorf, lernte ich meines Wissens nur einmal kennen, bei einem Besuch in Bonn als 6- oder 7-jähriger Bub, wahrscheinlich waren es aber auch mehrfache Begegnungen. An ihre Tochter, meine Großcousine Gerda erinnere ich mich noch recht gut. Ich erfuhr von meiner Tante Thea, dass ihr Sohn vor zwei Jahren viel zu früh verstorbenen ist.

Anna Teschner, geb. Lippek, lebte in Pulheim bei Köln. Ich habe nur die Erinnerung daran, als 6-jähriger an ihrer Trauerfeier teilgenommen zu haben. Ihre Kinder, meine Großcousinen- und Cousins hießen Josef "Jupp" Lippek aus Aachen, Agnes, Bruno und Veronika. Ich habe keine Erinnerung an eine Begegnung, die aber in meiner Kindheit stattgefunden haben soll.

Interessant finde ich folgendes: Erst im letzten Jahr erfuhr ich von meiner Tante, Theresias Tochter, dass meine Großmutter einen Bruder namens Bernhard hatte, aus Bremen (Ehefrau Luzie), eine andere Quelle sagte mir "Franz". Seine Kinder, meine Großscousins heißen Walter und Heinz. (andere Quelle Karl-Heinz) - dort besteht evtl. die Möglichkeit einer schriftlichen Kontaktaufnahme.

Ich finde des durchaus aufregend, vielleicht ein neues Puzzlestück meiner Familienhistorie zusammen zu bekommen, etwas aus dem Leben meines Großonkels, meiner Großcousins zu erfahren. Ich bin sehr interessiert an alten Familienbildern.

Sollte es tatsächlich der große Zufall sein, das SIE, DU diesen Text zur Gedenkkerze liest und zum Familienzweig der Lippeks aus Bremen, erwähnte Familie Schulz, Nachfahren von Rosa aus Bonn oder Teschners aus Pulheim wie Aachen, Nachfahren von Anna Teschner gehören oder etwas darüber schreiben können - wäre ich
Ihnen sehr verbunden, wenn Sie mich über eine Gedenkkerze kontaktieren. Es reicht schon , wenn Sie ihren Vornamen und ihren Wohnort nennen, und zu wessen Familienzweig sie genau gehören. Vielleicht haben Sie ja weitere Puzzlestücke zur Vervollständigung der Lippek-Ahnentafel.

Ich finde sicherlich auch ohne hinterlassene Adresse, Mailadresse, eine Möglichkeit zur Kontaktaufnahme. Siehe genau dazu auch den Nachruf hier, Text ziemlich weit unten, vor der dortigen Ahnentafel.

Diese Gedenkkerze widme ich damit nicht nur Theresia, sondern allen hier genannten verstorbenen Verwandten.


Ahnentafel:

Theresia Remiorz geb. Lippek

*16.06.1907 in Wuttrienen/Ostpreußen
╬16.04.1997 in Gladbeck/Westfalen

Vater von Theresia:

Samuel Lippek

* 30.07.1842 in Grammen / OPR
╬ ? Sterbedaten liegen mir momentan nicht vor

_____

Eltern von Samuel:

Friedrich Lippek

*19.02.1814 in Grammen OPR - getauft 20.02.1814
╬ ?

Barbara Lippek geb. Urbanski
*02.08.1819 in Lays (Schreibweise auch "Laihs")

__________

Eltern von Friedrich:

Jacob Lippek
Gottliebe Lippek geb. Karkoskowo*
_________
Eltern von Barbara:

Adam Urbanski
Eva Urbanski geb. Krakoska*

*) keine Verwechselung, allerdings hat sich in einer Geburtsurkunde, die mir vorliegt, ein Fehler des damaligen Standesbeamten eingeschlichen, der die Namen vertauschte bzw. in einer weiteren Auflistung Gottliebe und Eva einen gemeinsamen Geburtsnamen gab. Hier korrigiert.

_______________________________________________

Mütterliche Seite:

Mutter von Theresia:

Katharina Lippek geb. Grabowski

*12.01.1865 in Friedrichsstädt/ Ostpr., Taufe 15.01.1865, Taufregister Wuttrienen 06,
╬ 1940 in Bonn

__________

Eltern von Katharina:

Marianna Grabowski geb. Koch

* 06.09.1865 in Friedrichstädt OPR
╬ ?

Andreas Grabowski

Keine weiteren Daten zum Grabowski-Zweig
________

Eltern von Marianna:

Thomas Koch, Bauer aus Wuttrienen
Gertrud Koch geb. Sterzny

Kerze rosa geschwungen
Geburtstag von Theresias erster Tochter Von Andreas Steinhardt am 03.07.2025 um 11:21 | melden

Heute vor 95 Jahren wurde Theresias erste Tochter Gerda, meine Mutter, geboren. (siehe bei Interesse ihre eigene Gedenkseite Gerda Sophia Steinhardt)

Meine Großmutter überlebte ihre Tochter etwas über drei Jahre - Gerda verstarb mit 63 Jahren an einer schweren Herzkrankheit. Theresia nahm dies trotz ihrer begonnenen Demenz noch voll wahr, aber es dauerte nicht sehr lange, bis meine Oma sich nicht mehr daran erinnerte, öfter nach meiner Mutter fragte, wo sie denn sei - und nicht wesentlich später mich und andere nicht mehr erkannte.

Was hatte Theresia mit ihrer Tochter gemein? Bei erster Betrachtung sicherlich nicht so viel - beide waren aber sehr herzlich, lebhaft, direkt - Gerda war schillernd, Theresia eher unauffällig.

Ihre älteste Tochter Gerda ging mit der Zeit -
Theresia konnte sich im Prinzip nie an eine modernere Zeit gewöhnen.

Zu erwähnen sei, dass Theresias zweite Tochter, meine Tante Thea 93 Jahre alt ist (im August 94. Geburtstag) und sich noch robuster Gesundheit erfreut, gut zu Fuß ist, alleine einkauft.

So denke ich heute zurück an viele schöne Geburtstagsfeiern und lasse sie vor meinen
Augen Revue passieren...mit Oma Theresia,
Opa Willi, Gerda und Thea, meinem Vater,
meinem auch schon verstorbenen ältesten
Bruder.

Kerze creme klein
Nirgendwo ist Wuttrienen Von Andreas Steinhardt am 23.06.2025 um 21:33 | melden

Zur heutigen Gedenkkerze ein Gedicht von Emil Rittershaus über die Heimat.

Theresia ist gebürtige Ostpreußin, in liebevoller Erinnerung sind mir ihre vielen wunderschönen Erzählungen über Masuren. Sie haben mich so geprägt, dass ich ihre Herkunft, die Heimat meiner Ahnen, auch als meine "Heimat der Seele" betrachte.

Die Stadt in der ich aufwuchs bedeutet mir zum Beispiel sehr wenig, irgendwann war sie mir zu klein geworden, die Menschen zu engstirnig, und ich zog hinaus, in verschiedene große Städte. Ich brauche immer Abwechselung, bin ein unruhiger Geist - ähnlich wie Theresia. Ihr merkte man dieses durchaus an - mir als Enkel weniger.

Es kommt einem vor, als ob ich in mir selbst ruhen würde - es trügt der Schein. Theresia merkte man ihre innere Unruhe durch große Lebhaftigkeit an, teilweise auch durch zeitweilige Hektik ohne erkennbaren Grund.

Meine Heimat ist überall dort, wo ich mich wohl fühle oder meine erwählte Familie wohnt.

Ich könnte überall hinziehen - Berlin, Hamburg, München, Leipzig oder Frankfurt - immer an einem Ort zu bleiben finde ich ankettend. Meine Heimat ist hier, wo meine Wahlfamilie ist - und auch dort, in der Ferne...so muss ich oft in meine Lieblings-Großstädte reisen um mein Fernweh, meine Sucht nach "anderswo" zu stillen.

Theresia musste auch ständig woanders sein, sie liebte es auch, bis zu einem gewissen Alter - andere Städte zu besuchen. Immer auf der Suche nach der Heimat?

Meine Großmutter sprach so viel über ihre Vergangenheit - IHR Masuren - "Nirgendwo ist Wuttrienen" sagte sie oft, vielleicht in Anlehnung an den Roman von Christine Brückner von 1977: "Nirgendwo ist Poenichen..."

Manchmal bewundere ich die, welche immer an ihrem kleinen Geburtsort blieben, nie weg fahren, sich immer auf wenigen Quadratkilometern bewegen. Ihr Leben lang. Noch nicht einmal verreisen wollen. Ich kenne einige. Nur ich verstehe sie nicht... ähnlich wie Theresia.

Ich brauche den Gedanken zu wissen, das ich in Kürze in Berlin und Potsdam bin, in München und in Hamburg. Ich liebe aber meine Rastlosigkeit,
sie ist ein großer Teil von mir. Sie ist keine Qual, sondern Bestimmung und Passion.

Geplant ist nun endlich, voraussichtlich aber erst im kommenden Jahr, eine Reise nach Allenstein (Olztyn) mit Besuch des Geburtsortes meiner Großmutter, Wuttrienen (Butryny) wie Wohnort Neu-Wuttrienen (Chaberkowo) im Kreis Allenstein. Ich bin prospektiv sehr gespannt auf meine Gefühle dort, da ich die Heimat meiner Ahnen mütterlicherseits wie schon oben erwähnt auch als "Heimat meiner Seele" betrachte. Je weiter östlich ich reise, desto wohler fühle ich mich. Allein schon in Berlin fühle ich mich quasi daheim.

Auf der ewigen Suche nach DER "Heimat"? - gibt
es sie für mich? Dort, wo die Ahnen lebten? Möchte ich dort vielleicht "gar nicht mehr weg" - oder ist es ein vollkommener Trugschluss?

Nirgendwo ist "Wuttrienen" - ich denke so oft an Theresias Satz zurück...


Die Heimat

von Emil Rittershaus


Was ist die Heimat? Ists die Scholle?
Drauf deines Vaters Haus gebaut?
Ists jener Ort, wo du die Sonne,
Das Licht der Welt zuerst geschaut?

O nein, o nein, das ist sie nimmer!
Nicht ists die Heimat, heißgeliebt.
Du wirst nur da die Heimat finden,
Wos gleichgestimmte Herzen gibt!

Die Heimat ist, wo man dich gerne
Erscheinen, ungern wandern sieht.
Sie ists, ob auch in weiter Ferne
Die Mutter sang dein Wiegenlied.


Emil Rittershaus, *03. April 1834 in Barmen
(heute zu Wuppertal), +08. März 1897 ebenda.

Rittershaus war ein dt. Lyriker und Rezitator, sehr bekannt sein "Westfalenlied"

Kerze hellgrün lang
Zum heutigen Geburtstag Von Andreas Steinhardt am 16.06.2025 um 00:04 | melden

Heute vor 118 Jahren wurde Theresia als dreizehntes (!) und letztes Kind ihrer Eltern im ostpreußischen Wuttrienen (heutiges Butrynin) geboren, dem letzten Zipfel des Ermlands.

Wie gerne schaue ich zurück auf die Geburtstage meiner Oma Theresia, das Haus und der Garten waren voller Menschen. Theresia buk die besten Kuchen und kreierte die tollsten Torten, ihr schmackhafter Kartoffelsalat mit dicken Knackern waren ebenfalls ein Schmaus.

Wir konnten bis zur Wende auch immer sehr lange in den Geburtstag hinein feiern, da ja zu der Zeit der 17. Juni ein Feiertag war, Tag der Deutschen Einheit.

Ich werde heute viel an Theresias Geburtstage zurückdenken - und uns heute den leckeren Kartoffelsalat nach Theresias Rezept zubereiten...

Kerze orange klein
Gedenkkerze zu Pfingsten Von Andreas Steinhardt am 07.06.2025 um 21:40 | melden

"Und als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle beieinander an einem Ort. Und es erschien ihnen Zungen, zerteilt, wie von Feuer, und setzten sich auf jeden von ihnen."

Apostelgeschichte 2,1-4

Zur Gedenkkerze für Theresia zum morgigen Pfingstfest kein Gedicht.

Meine Gedanken sind bei einer Verwandten, die unheilbar erkrankt ist. Diese Nachricht ereilte mich heute.

In der nächsten Zeit werde ich somit auf den Gedenkseiten meiner Großeltern und Eltern nur einen kurzen Begleittext verwenden, ein Bibelzitat, ggf. ein angepasstes Gedicht.

Kerze türkis dunkel dünn
Gedicht von Erich Kästner Von Andreas Steinhardt am 01.06.2025 um 14:06 | melden

Zur heutigen Gedenkkerze für Theresia ein Gedicht von Erich Kästner, welches uns vom Junibeginn heiter durch den Sommer führt - und weiter.

Am gestrigen letzten Maiabend suchten uns schwere Gewitter heim, die auch bis weit in die erste Juninacht anhielten.


Der Juni

von Erich Kästner


Die Zeit geht mit der Zeit: Sie fliegt.
Kaum schrieb man sechs Gedichte,
ist schon ein halbes Jahr herum
und fühlt sich als Geschichte.

Die Kirschen werden reif und rot,
die süßen wie die sauern.
Auf zartes Laub fällt Staub, fällt Staub,
so sehr wir es bedauern.

Aus Gras wird Heu. Aus Obst Kompott.
Aus Herrlichkeit wird Nahrung.
Aus manchem, was das Herz erfuhr,
wird, bestenfalls, Erfahrung.

Es wird und war. Es war und wird.
Aus Kälbern werden Rinder
Und weils zur Jahreszeit gehört,
aus Küssen kleine Kinder.

Die Vögel füttern ihre Brut
und singen nur noch selten.
So ists bestellt in unsrer Welt,
der besten aller Welten.

Spät tritt der Abend in den Park,
mit Sternen auf der Weste.
Glühwürmchen ziehn mit Lampions
zu einem Gartenfeste.

Dort wird getrunken und gelacht.
In vorgerückter Stunde
tanzt dann der Abend mit der Nacht
die kurze Ehrenrunde.

Am letzten Tische streiten sich
ein Heide und ein Frommer,
obs Wunder oder keine gibt.
Und nächstens wird es Sommer.


Emil Erich Kästner, *23. Februar 1899 in Dresden, +29. Juli 1974 in München.

Kästner war ein dt. Schriftsteller, Publizist, Drehbuchautor und Kabarettdichter -

"Das doppelte Lottchen" oder "Emil und die Detektive" werden fast jedem etwas sagen.
Er zählt zu den Autoren von Weltgeltung. 1959 bekam Kästner das Große Bundesverdienstkreuz.

Kerze hellgrün lang
Schönes Gedicht über das Älterwerden Von Andreas Steinhardt am 23.05.2025 um 22:51 | melden

Zur heutigen Gedenkkerze ein heiteres Gedicht über das Älterwerden von Fritz Kukuk.

Von Seiten meiner Partnerin bestand ein Verwandtschaftsverhältnis zum verstorbenen Dichter, ihre Mutter war eine geborene Kukuk, aus dem selben Ort stammend.

Diese schönen Verse hätten Theresia sicherlich sehr gefallen - und hätte meine Großmutter zum Schmunzeln angeregt...



Das ist Seltsam mit dem Alter!

von Fritz Kukuk


Wenn man zehn ist und noch Kind,
weiß man glasklar, dass das Alter um die zwanzig rum beginnt.

Ist man aber selber zwanzig,
denkt man nicht mehr ganz so steif,
glaubt jedoch, genau mit vierzig ist man für den Sperrmüll reif.

Vierziger; schon etwas weiser
und vom Lebenskampf geprägt,
haben den Beginn des Alters auf Punkt sechzig festgelegt.

Sechziger, mit Hang zum Grübeln,
sagen dumpf wie ein Fagott,
achtzig ist die Altersgrenze und von da an sei man Schrott.

Doch die Achtziger, die Klugen,
denken überhaupt nicht dran,
leben, lieben, lachen weiter, Alter fängt mit hundert an.


Fritz Kukuk, *09.06.1905 in Himmighausen (heute zur Stadt Nieheim, Ostwestfalen gehörend), +24.12.1987 ebenda.

Seit 1934 schrieb Fritz Kukuk hauptsächlich Gedichte und erlangte mit seinen Werken überregionale Bekanntheit. Er bekam 1980 das Bundesverdienstkreuz für die Heimatdichtung wie die Erforschung von literarischen Werken verliehen, Darüber hinaus fand sein Werk aber auch internationale Anerkennung: So wurde Fritz Kukuk u. a. die Ehre zuteil, auch im Jahre 1980 vom Nestor der schwedischen Germanistik für den Literatur-Nobelpreis vorgeschlagen zu werden. Ehrenamtlich war Fritz Kukuk als Consul de Mexico für Westfalen tätig.

Kerze gelb viereckig
Die Eisheiligen Von Andreas Steinhardt am 12.05.2025 um 09:05 | melden

Zur heutigen Gedenkkerze ein Gedicht von Carl Zuckmayer.

Die „Eisheiligen“ sind in diesem Jahr sehr
gnädig, es herrscht sommerliches Wetter bei Temperaturen bis zu 24° C in unserer Region.

„Warten wir erst einmal die Eisheiligen ab‘‘, sagte meine Oma Theresia und auch meine Mutter gerne, wenn jemand aufgrund des beispielshalber milden Aprils schon den kommenden Mai mit Vorschusslorbeeren bedachte...

In den kommenden Versen von Carl Zuckmayer spricht der Autor von den „Drei Eisheiligen“, in Wirklichkeit sind es gleich der Fünf an der Zahl, meist wird nur von Pankratius (heute), Servatius und Bonifatius gesprochen, Mamertus (11. Mai) und die „kalte Sophie“ (15. Mai) werden häufiger ausgelassen...

Das folgende Gedicht trifft also wettermäßig im diesem Jahr keineswegs zu – doch sind die Verse von Zuckmayer meiner Meinung nach interessant zu lesen, man muss schon ein wenig schmunzeln - werden wir solche Eisheiligen noch einmal erleben???


Die Drei Eisheiligen

von Carl Zuckmayer


"Die drei Eisheiligen sind übers Land gezogen
Und haben ihre Winterzähne ausgespuckt,
Die sind als Hagel auf die Saat geflogen,
Jetzt schwimmt der Acker voll mit Frost gesogen,
Mit grauem Schnee die Furchen voll geschluckt.

Es prasseln schlimme Wetter
Aus ihren Augenbraun,
Der Wein hat gelbe Blätter,
Der Weizen liegt zerhaun.

Der Erste, voll Gewittern, sägt
Der jungen Bäume Wuchs zuschand.
Des Zweiten harte Frostnacht schlägt
Die junge Frucht mit Eisesbrand.

Der Dritte kriecht im Nebelschleim
Dicht übern Boden durch den Gau,
Zernagt der Halme Wurzelkeim
Und beißt der Spargeln Köpfe blau.

Viel Mäuse, Raupen, Käfer sind
In ihrer Füße Spur verreckt,
Und liegen kalt im Totenwind,
Die Beine steif empor gestreckt.

Ein Kind hat sie am Himmel fliegen sehn,
Vergaß vor Schreck den Wettersegen,
Jetzt kann es nicht mehr aufrecht gehn,
Und sieht sie nachts im Fenster stehn,
Und magert stumm dem Tod entgegen.

Die drei Eisheiligen sind übers Land gezogen,
Und haben Schwindsucht in der Felder Brust gespuckt.

Jetzt hat sie Gott in seine Riesenwogen
Voll Frost und Wärme gurgelnd eingesogen,
Und tief in seine Gräber heimgeschluckt."


Carl Zuckmayer, *27. Dezember 1896 in Nackenheim, heute Landkreis Mainz-Bingen, Rheinhessen, + 18. Januar 1977 in
Visp, Kanton Wallis, CH.

Zuckmayer war ein deutscher Schriftsteller, der wegen rassischer Verfolgung als Jude emigrierte und die US-amerikanische und die Schweizer Staatsbürgerschaft erwarb. 1925 begann seine Karriere mit der Aufführung der von ihm stammenden Komödie "Der fröhliche Weinberg" welche sich 1931 sein größter Erfolg, das Drama "Der Hauptmann von Köpenick", anschloss.

Kerze dunkelgrün klein
Osternacht Von Andreas Steinhardt am 20.04.2025 um 00:24 | melden

Zur heutigen Gedenkkerze in der Osternacht ein Gedicht von Hoffmann von Fallersleben.

Wie gerne erinnere ich mich an die vielen schönen Osterfeste mit Oma Theresia und Opa Willi! Ich konnte es kaum erwarten, bis sie zum Osteressen erschienen - und natürlich gab es für den kleinen Enkel ein oder auch mehrere Geschenke - Naschereien, ein kleines Stofftier, ein Spielzeugauto...

Den Lesern von Theresias Gedenkseite wünsche ich ein friedvolles Osterfest!

Für Theresia und ihre 12 Geschwister.

Sie aber erschraken und neigten ihr Angesicht zur Erde. Da sprachen die zu ihnen: Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden.

Lk 24,5


Ostern

von Hoffmann von Fallersleben


Was soll denn das bedeuten,
Schneeglöckchen hübsch und fein?
Wir wollen nichts, wir läuten
ja nur den Frühling ein.

Bald wird es Sonntag werden, und
vor Gottes Altar steigt aus dem
Schoss der Erden der Blumen bunte Schar.

Die grünen Augen brechen dann auch
in Busch und Hag, und alle Blüten sprechen:
Willkommen, Ostertag!


August Heinrich Hugo Hoffmann von Fallersleben, *02. April 1894 in Fallersleben, Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg, seit 1972 Ortsteil
von Wolfsburg, +19. Januar 1894 im Kloster Corvey, heute zur Stadt Höxter, Ostwestfalen.

Kerze weiss lang
Zum heutigen Todestag Von Andreas Steinhardt am 16.04.2025 um 08:52 | melden

Heute vor 28 Jahren starb Theresia im Alter von 89 Jahren. Ihre Demenz war weit fortgeschritten und sie musste somit ihre letzten anderthalb Lebensjahre in einem Seniorenheim verbringen. Meine Oma erkannte mich zuletzt leider nicht mehr.

Ich werde heute wieder viel an meine Großmutter zurückdenken - weniger an diese schwere Zeit oder an den Tag der Trauer, mehr an die schöne Zeit, welche ich mit ihr verbringen durfte - an ihr lautes Lachen, ihre Lebhaftigkeit, die tollen Geschichten aus ihrer Heimat, wie schön sie mit mir spielen konnte - einfach die beste Omi der Welt!

Gratia coniunctus in aeternum!


Wenn Du bei Nacht den Himmel anschaust,
wird es sein,
als lachten alle Sterne,
weil ich auf einem von ihnen wohne,
weil ich von einem von ihnen lache.

Antoine de Saint-Exupéry

Kerze türkis dunkel dünn
Gedicht von Droste-Hülshoff am Palmsonntag Von Andreas Steinhardt am 13.04.2025 um 12:11 | melden

Zur heutigen Gedenkkerze am Palmsonntag ein Frühlingstag von Annette von Droste-Hülshoff.

Der gestrige Samstag war der wärmste Tag im bisherigen Jahr - das Thermometer knackte am Nachmittag knapp die 25° C.

Theresia hätte an solch einem Tag die Gartenstühle aus dem Stall hervorgeholt und mit ihrem Mann unter dem alten Kirschbaum die Stunden vergehen lassen...

Die Natur bittet um Regen - seit vielen Wochen herrscht eine regelrechte Frühjahrs-Dürre. Am heutigen Palmsonntag gab es tatsächlich schon ein paar kleinere Schauer - die nächsten Tage werden in diesen Breitengraden tatsächlich etwas durchwachsener.

Viel Regen wird es nicht geben -
ab Gründonnerstag wird es wieder durchweg trocken sein. Was den Menschen "freut", ist für die Natur ein Desaster. Gestern stand ich im Kies des Rheins - 10 m plus x weit vom sonstigen Ufer - wo sonst Wasser fließt...



Der Frühling ist die schönste Zeit


von Annette von Droste-Hülshoff


Der Frühling ist die schönste Zeit!
Was kann wohl schöner sein?
Da grünt und blüht es weit und breit
Im goldnen Sonnenschein.
Am Berghang schmilzt der letzte Schnee,
Das Bächlein rauscht zu Tal,
Es grünt die Saat, es blinkt der See
Im Frühlingssonnenstrahl.
Die Lerchen singen überall,
Die Amsel schlägt im Wald!
Nun kommt die liebe Nachtigall
Und auch der Kuckuck bald.
Nun jauchzet alles weit und breit,
Da stimmen froh wir ein:
Der Frühling ist die schönste Zeit!
Was kann wohl schöner sein?


Annette von Droste-Hülshoff, * 12. Januar 1797, nach anderen Quellen 10. Januar 1797 auf Burg Hülshoff in Havixbeck bei Münster, + 24. Mai 1848 auf der Burg Meersburg in Meersburg.

Droste-Hülshoff war eine dt. Schriftstellerin und Komponistin. Sie gehört zu den bedeutendsten deutschsprachigen Dichtern

Kerze rot klein
Bauernregeln und Aprilgedicht Von Andreas Steinhardt am 02.04.2025 um 14:14 | melden

Zur heutigen Gedenkkerze ein Gedicht von Clara Müller-Jahnke. Der April hat begonnen, die Natur ist ihrer Zeit voraus, die Apfelbäume beim Bauern gegenüber stehen bereits in voller Blüte.

Der März war viel zu trocken, und so geht es auch munter weiter in diesem April.

Theresia würde bei solch schönem, strahlendem Frühlingswetter blinzelnd in die Sonne schauen - und dem Ganzen noch nicht so richtig trauen... "Na...warten wir erst einmal ab...der April hat gerade erst begonnen...und im Mai kommen erst noch die Eisheiligen..." ...so sprach meine Oma einst, und zitierte dazu auch ganz gerne Bauernregeln...

"Trockener April stellt die Mühlen still"

"Ist der April zu schön, kann im Mai der Schnee noch wehn"

"Regen im April, jeder Bauer will"



Frühling

von Clara Müller-Jahnke


Zu meinen Füßen im welken Laub
und mir zu Häupten singt der Wind
in den knospenden Buchenkronen.
blühen die Anemonen,

Ist das ein strahlender Sonnenschein -
ist das ein wonniges Wetter!
Es rauschen unter meinem Fuß
die abgestorbenen Blätter . . .

Das ist der lachende Frühlingswind,
der kommt aus dem sonnigen Süden
und grüßt von der blauen Adria
die Wellen, die wintermüden.

Das ist der lachende Frühlingswind,
der wandert weiter am Strande
und küßt noch heute ein einsam Grab
im nordischen Nebellande.

Auch in den düstern Tannenwald
zieht singend König Frühling ein:
die jungen Knospen lockt er bald,
die glühn wie Blut im Sonnenschein.

Durch die wogende Brust des Waldes geht
ein Atemholen tief und stark -
ein Baum nur trauernd seitwärts steht,
den traf der Frost bis tief ins Mark.

Clara Müller-Jahnke, geborene Müller,
* 5. Februar 1860 in Lenzen, Kreis Belgard, Pommern, heute poln. Woiwodschaft Westpommern, +4. November 1905 in Wilhelmshagen (seit 1920 zu Berlin).

Müller-Jahnke war eine deutsche Dichterin, Journalistin und Frauenrechtlerin. Sie galt als führende sozialistische Dichterin ihrer Zeit und machte mit ihren Arbeitergedichten auf die Lage der Arbeiter und der Frauen aufmerksam

Kerze gelb lang
Märzgedicht von Goethe Von Andreas Steinhardt hu am 22.03.2025 um 09:31 | melden

Zur heutigen Gedenkkerze ein Märzgedicht von Johann Wolfgang von Goethe.

Nach einem ersten, sehr warmen Frühlingstag am gestrigen Freitag macht das Wetter nun schon heute langsam wieder eine Kehrtwende.

Theresia hätte sich sicherlich auch über solch einen Märztag gefreut - aber ob es nun März war, Juli oder Dezember - im Prinzip war es meiner Großmutter ziemlich einerlei...

Eine "Jahreszeiten-unabhängige" Frau, die sich
mit glutheißem Sommer und kältestem Winter bestens arrangieren konnte. Eine harte, wetter-erprobte Ostpreußin, welche jedem Klima trotzte..


März


von Johann Wolfgang von Goethe


Es ist ein Schnee gefallen,
Denn es ist noch nicht Zeit,
Dass von den Blümlein allen,
Dass von den Blümlein allen
Wir werden hoch erfreut.

Der Sonnenblick betrüget
Mit mildem, falschem Schein,
Die Schwalbe selber lüget,
Die Schwalbe selber lüget,
Warum? Sie kommt allein.

Sollt ich mich einzeln freuen,
Wenn auch der Frühling nah?
Doch kommen wir zu zweien,
Doch kommen wir zu zweien,
Gleich ist der Sommer da.

Johann Wolfgang Goethe, ab 1782 von Goethe,
* 28. August 1749 in Frankfurt am Main,
+22. März 1832 in Weimar, Großherzogtum
Sachsen-Weimar-Eisenach.

Goethe war ein deutscher Dichter, Politiker und Naturforscher. Er gilt als einer der bedeutendsten Schöpfer deutschsprachiger Dichtung.

Kerze hellgrün klein
Todestag von Theresias Schwiegersohn Von Andreas Steinhardt am 15.03.2025 um 18:02 | melden

Wenn Du bei Nacht den Himmel anschaust
wird es sein,
als lachten alle Sterne,
weil ich auf einem von ihnen wohne,
weil ich von einem von ihnen lache.

Antoine de Saint-Exupéry


Für Theresia. Für Franz.


Heute jährt sich der Todestag von Theresias Schwiegersohn, meinem Vater Franz Steinhardt (eigene Gedenkseite)

Franz starb plötzlich und unerwartet 11 Tage
vor seinem 60. Geburtstag. Mein Vater nahm Theresia an wie seine eigene Mutter, zu der er
ein nicht mehr so gutes Verhältnis hatte, und sie ihn genauso wie einen Sohn.

Den Schwiegervater Wilhelm, meinen Großvater, nahm er auch an wie einen neuen Vater, sein eigener verstarb ebenfalls sehr früh, im Alter
von 56 Jahren.

Franz besuchte seine Schwiegereltern auch häufig alleine, fand dort etwas, was er nie oder lange nicht mehr fand.

Kerze rot lang
Gedicht zu Aschermittwoch Von Andreas Steinhardt am 05.03.2025 um 16:15 | melden

Zur heutigen Gedenkkerze am Aschermittwoch
ein längeres Gedicht von Clara Müller-Jahnke.

Fasching ist vorüber, der Aschermittwoch beendet ex abrupto die närrische Zeit. Trauern Sie den "tollen Tagen" hinterher? Oder sind Sie gar froh, dass das närrische Treiben nun jäh ein Ende fand?

Theresia mochte durchaus den Karneval, den Fasching, wie auch ich - zur letzten Gedenkkerze berichtete ich über die Erlebnisse mit meiner Großmutter an den närrischen Tagen.


Aschermittwoch

von Clara Müller-Jahnke


Nun fällt der tollen Narrenwelt
das bunte Kleid in Lumpen, -
und klirrend auf den Estrich schellt
der Freude voller Humpen.
Lautkrachend springt ins Schloss das Tor,
kein Lichtschein mehr am Fenster -
ein grauer Morgen kriecht empor,
der Morgen der Gespenster.

Da ist im tiefen Straßenstaub
ein stolzes Weib gestanden -
von ihrem Odem rauscht das Laub,
des Meeres Wogen branden.
Sie reckt sich in die Frühlingspracht
mit herrischer Gebärde:
mein ist, was blüht und weint und lacht -
mein ist die ganze Erde!

Was bimmelt ihr vom Kirchenturm
und predigt Reu und Buße?
Ihr seid das Sandkorn vor dem Sturm,
der Staub mir unterm Fuße.
Was schiert mich eurer Sünde Scham
und eurer Hölle Flammen?
Ich blas den ganzen Maskenkram
mit einem Hauch zusammen.

Mir gilt die Dirne unterm Tor,
das Hündlein in der Gossen
mehr als der schönste Damenflor
in euren Staatskarossen.
Und Blumen und Konfettischlacht?
Wie jäh verstummt die Harfe,
versprüht der Witz, verblaßt die Pracht,
löst meine Hand die Larve.

Mir gilt des Bettlers hohle Hand
und gramzerfressne Miene
mehr als der Fürstenhöfe Tand
und blutige Hermeline. -
Und tobt im Ost der Schwertertanz,
und saust das Blei, das rasche -
auf aller Kronen Faschingsglanz
streu ich die Handvoll Asche!

Ob Kirchen- oder Festungssturm,
sie wanken beid auf Erden
und werden einst vom Wirbelsturm
zu Staub zerblasen werden.
Und reißt der letzten Narretei
der bunte Rock in Fetzen,
dann soll die Menschheit, nackt und frei,
sich an die Tafel setzen.


Clara Müller-Jahnke, geborene Müller,
*5. Februar 1860 in Lenzen, Kreis Belgard, Pommern, heute poln. Woiwodschaft Westpommern, +4. November 1905 in Wilhelmshagen (seit 1920 zu Berlin).

Müller-Jahnke war eine deutsche Dichterin, Journalistin und Frauenrechtlerin. Sie galt als führende sozialistische Dichterin ihrer Zeit und machte mit ihren Arbeitergedichten auf die Lage der Arbeiter und der Frauen aufmerksam.

Kerze lila geschwungen
Narrenzeit von Theodor Storm Von Andreas Steinhardt am 03.03.2025 um 11:30 | melden

Zur heutigen Gedenkkerze ein kleines Gedicht
von Theodor Storm, passend zum Karneval,
zum Fasching.

Sind Sie jeck? Lieben Sie die "tollen Tage?"
Oder ist es Ihnen ein Greuel? Darf man bei
der derzeitigen politischen und wirtschaftlichen Situation überhaupt fröhlich sein? Feiern?
Lassen wir nun auch unsere Geburtstage, Weihnachten, Ostern ausfallen oder gönnen
wir uns ein paar Tage, ein paar Stunden Freude und Erholung vom trüben Alltag?

Der Aschermittwoch kommt bald, dann können
wir alle ja das ganze restliche Jahr wieder gemeinsam Trübsal blasen...

Meine Oma Theresia mochte durchaus den Karneval, ich erinnere mich gerne an einige gemeinsame, hiesige Rosenmontagszüge mit
ihr und meinem Großvater - oder auch an gemeinsame Stunden mit der ganzen Familie
vor dem TV - so zum Beispiel bei "Mainz bleibt Mainz (...)" mit einigen Eierlikörchen, welche Theresia sehr gern mochte...


Narrenzeit

von Theodor Storm


O wär’ im Februar doch auch,
Wie’s andrer Orten ist der Brauch,
Bei uns die Narrheit zünftig!
Denn wer, so lang das Jahr sich mißt,
Nicht einmal herzlich närrisch ist,
Wie wäre der zu andrer Frist
Wohl jemals ganz vernünftig.

Hans Theodor Woldsen Storm, * 14. September 1817 in Husum, damaliges Herzogtum Schleswig, + 4. Juli 1888 in Hanerau-Hademarschen, heute Kreis Rendsburg-Eckenförde, Schleswig-Holstein.

Kerze gelb lang
Gedicht März von Theodor Storm Von Andreas Steinhardt am 01.03.2025 um 13:08 | melden

Zur heutigen Gedenkkerze am meteorologischen Frühlingsanfang ein kleines Gedicht
von Theodor Storm.

Ein wenig "friert das Schneeglöckchen" doch
noch, um Bezug auf das Gedicht zu nehmen -
die kommenden (jecken) Tage sollen uns allerdings mildere Temperaturen und viel Sonnenschein bringen.

Theresia holte spätestens im Februar "den Frühling ins Haus", stellte die ersten im Handel erhältlichen Frühlingsblumen ins heimische Fenster. "Bald ist schon wieder Ostern! Mensch, wie die Zeit vergeht! Der Christbaum ist doch gerade erst aus dem Haus", äußerte meine Großmutter einst...


März

von Theodor Storm


Und aus der Erde schauet nur
Alleine noch Schneeglöckchen;
So kalt, so kalt ist noch die Flur,
Es friert im weißen Röckchen.


Hans Theodor Woldsen Storm, *14. September 1817 in Husum, Herzogtum Schleswig, +04. Juli 1888 in Hanerau-Hademarschen (heute Kreis Rendsburg-Eckernförde, Schleswig-Holstein)
Storm war ein deutscher Schriftsteller und Lyriker, welcher vor allem durch seine Novellen bekannt wurde - er gehört er zu den bedeutendsten Vertretern des Poetischen Realismus.

Kerze dunkelgrün klein
Früher Frühling Von Andreas Steinhardt am 25.02.2025 um 15:01 | melden

Zur heutigen Gedenkerze ein Gedicht von Fred Endrikat.

Der Dichter teilt uns mit: "Zwischen Februar und März liegt die große Zeitenwende"

Spüren Sie, das es mir dem Winter langsam zuende geht? Nun, es ist schon etwas länger hell, die Osterglocken sprießen, hier ist es seit einigen Tagen relativ mild - man sollte aber nie den Februar vor dem Märzen loben...

Theresia kam ja prima mit jeder Jahreszeit zurecht - aber ich glaube schon, das meine Großmutter sich durchaus auf den Frühling
freute - andererseits war es ihr einerlei - ich
würde sie retrospektiv als "Jahreszeiten-unabhängig" bezeichnen...


Früher Frühling

von Fred Endrikat


Zwischen Februar und März
liegt die große Zeitenwende,
und, man spürt es allerwärts,
mit dem Winter geht’s zu Ende.
Schon beim ersten Sonnenschimmer
steigt der Lenz ins Wartezimmer.
Keiner weiß, wie es geschah,
und auf einmal ist der da.

Manche Knospe wird verschneit
zwar im frühen Lenz auf Erden.
Alles dauert seine Zeit,
nur Geduld, es wird schon werden.
Folgt auch noch ein rauer Schauer,
lacht der Himmel um so blauer.
Leichter schlägt das Menschenherz
zwischen Februar und März.

Fred Endrikat, *7. Juni 1890 in Nakel an der
Netze, Pommern (heute Nakło nad Notecią poln.Woiwodschaft Kujawien-Pommern)
+12. August 1942 in München.

Endrikat, welcher im Ruhrgebiet aufwuchs, war ein seinerzeit sehr populärer Dichter, Schriftsteller und Kabarettist.

Kerze gelb rund
Gedanken zum Wahlsonntag Von Andreas Steinhardt am 23.02.2025 um 14:43 | melden

Zur heutigen Gedenkkerze am Wahlsonntag
ein Ausspruch von Hippolyte Adolphe Taine.

Ich erinnere mich, dass Theresia wie mein Großvater bekennende Sozialdemokraten
waren, meine Oma sagte einst...

"Ich bin katholisch, gehe zur Kirche, aber ich wähle nicht wie die allermeisten dort die Union. Die sind alle nicht so christlich, wie sie tun" ...

...ein Satz, eine Meinung Theresias, welche durchaus zum Nachdenken anregt, vielleicht
auch zum Schmunzeln.

Wählen Sie jede beliebige Partei, nur lassen Sie Ihren Finger nicht nach rechts rutschen, tun wir dies, haben wir nichts begriffen. Meine Meinung. Und es wäre auch die meiner Großeltern .


"Das allgemeine Wahlsystem in einem gleichgültigen Land läuft immer darauf hinaus,
die Macht in die Hände deklassierter Schwätzer
zu legen"


von


Hippolyte Adolphe Taine,
*21. April 1828 in Vouziers, Département des Ardennes, Frankreich, +05. März 1893 in Paris.

Taine war ein französischer Philosoph, Historiker und Kritiker.

Kerze rot lang
Februarschnee Von Andreas Steinhardt am 12.02.2025 um 23:20 | melden

Zur heutigen Gedenkkerze ein Gedicht von Cäsar Fleischlen.

Nun, Schnee liegt momentan nicht mehr in
unserer Region, allerdings soll es morgen ein wenig Schneefall geben, ich freue mich als Winterkind über jede Flocke...

In den folgenden Versen "Februarschnee" erwähnt Cäsar Fleischlen prospektiv auch die kommenden Monate, bis hinaus zum Mai.

Theresia war es fast einerlei, ob es erst Februar war oder schon Mai, sie murrte nicht über Wind, Sturm, Schneematsch oder Dauerregen, und stöhnte nicht über die sengende Sonne mit großer Sommerhitze.

Bei Eiseskälte oder dollem Regen erledigte meine Großmutter alles, was zu erledigen war - und bei Gluthitze, ich erinnere mich an solche Sommer - konnte Theresia Stunden in ihrem großen Gemüsegarten verbringen und gebückt Unkraut jäten, pflanzen, zupfen und gießen - schir unermüdlich!


Februarschnee

von Cäsar Fleischlen


Februarschnee
tut nicht mehr weh,
denn der März ist in der Näh!
aber im März
hüte das Herz,
dass es zu früh nicht knospen will!
warte, warte und sei still!
Und wär der sonnigste Sonnenschein,
und wär es noch so grün auf Erden,
warte, warte und sei still:
es muss erst April gewesen sein,
bevor es Mai kann werden!

Cäsar Fleischlen, *12.05.1864 in Stuttgart, +16.10.1920 in Gundelsheim bei Heilbronn.
Fleischlen war ein dt. Lyriker

Kerze rosa geschwungen
Februargedicht Von Andreas Steinhardt am 02.02.2025 um 13:34 | melden

Zur Gedenkkerze am kath. Fest Maria Lichtmess ein Gedicht, welches die Hoffnung auf den baldigen Frühling ausdrückt.

Wir haben heute einen sonnendurchfluteten, aber kalten Morgen bei -4° C

Theresia hätte sich über solch einen klaren, sonnigen, wenn auch kalten Februarsonntag sehr gefreut!

Meine Großmutter war "Jahreszeiten- unabhängig", kam mit jedwedem Wetter
zurecht - und hätte mit Sicherheit heute
einen ausgedehnten Spaziergang gemacht,
die Minusgrade störten sie nicht, mich
ebenfalls nicht...


Februar

von Ernst Lissauer


O seliger Anfang Februar!
Es steigt das Jahr.

Die Sonne kehrt zurück, und länger
bleibt das Licht.

Ich fühle mich von stiller Kraft durchfeuert,
Die rinnend weit mir das Geblüt durchflicht,

Ich treibe wachsend Ring und Schicht,
Ich werd’ erneuert.


Ernst Lissauer, *10. Dezember 1882 in Berlin, +ebenfalls 10. Dezember 1937 in Wien. Lissauer war ein deutscher Dramatiker, Lyriker und Publizist.

Kerze gelb klein
Die Hoffnung Von Andreas Steinhardt am 26.01.2025 um 13:43 | melden

Zur heutigen Gedenkkerze ein Gedicht von Friedrich von Schiller über die Hoffnung.

Was hoffen Sie, was hoffen wir in diesem Jahr? Hoffnung auf Frieden in Europa, Nahost und anderen Gebieten und Ländern auf der Welt, Hoffnung auf Besserung der wirtschaftlichen Lage in Deutschland, die Hoffnung auf Verbesserung der privaten Situation, Hoffnung auf rasche Genesung eines Menschen, der/die uns nahe steht - oder auch für uns selbst?

Ich bin gar nicht so sicher, ob Theresia ein sehr hoffnungsvoll-optimistischer Mensch war, ich glaube eher dass meine Großmutter der Typ "mit dem schlimmsten rechnen aber darauf zu hoffen, zu vertrauen, dass sich alles zum Guten wendet" war. Im Gegensatz zu ihrem Mann, meinem Opa Willi, der stets ein Berufsoptimist war, bis zu seinem letzten Atemzug.

Die Hoffnung ist ein hohes Gut, wenn wir sie verlieren, ist es tiefe, schwarze Nacht. Über den düstersten Wolken herrscht der allerschönste Sonnenschein - die Wolken werden sich wieder lichten - noch heute, oder morgen - hoffentlich aber in ein paar Tagen...


Hoffnung

von Friedrich von Schiller


Es reden und träumen die Menschen viel
Von bessern künftigen Tagen,
Nach einem glücklichen goldenen Ziel
Sieht man sie rennen und jagen.
Die Welt wird alt und wird wieder jung,
Doch der Mensch hofft immer Verbesserung.

Die Hoffnung führt ihn ins Leben ein,
Sie umflattert den fröhlichen Knaben,
Den Jüngling locket ihr Zauberschein,
Sie wird mit dem Greis nicht begraben,
Denn beschließt er im Grabe den müden Lauf,
Noch am Grabe pflanzt er – die Hoffnung auf.

Es ist kein leerer schmeichelnder Wahn,
Erzeugt im Gehirne des Toren,
Im Herzen kündet es laut sich an:
Zu was Besserm sind wir geboren!
Und was die innere Stimme spricht,
Das täuscht die hoffende Seele nicht.

Johann Christoph Friedrich Schiller, ab 1802 von Schiller, *10. November 1759 in Marbach am Neckar, +9. Mai 1805 in Weimar.

Schiller war ein deutscher Dichter, Philosoph, Historiker und Arzt. Er gilt als einer der bedeutendsten deutschsprachigen Dramatiker, Lyriker und Essayisten.

Kerze hellgrün lang
Todestag von Theresias Tochter Von Andreas Steinhardt am 11.01.2025 um 00:07 | melden

Heute vor 31 Jahren verstarb Theresias älteste Tochter Gerda im Alter von 63 Jahren an einer schweren Herzkrankheit.

Trotz des etwa neunmonatigen (sich im Laufe
des Jahres verschlechternden) Krankheitsverlaufs, hatten wir bis zuletzt Hoffnung, auch meine Mutter selbst - ihr Tod kam daher am Abend
des 11. Januar 1994 im hiesigen Hospital doch
für alle plötzlich und recht unerwartet.

Der Schock saß bei uns Angehörigen tief und nachhaltig. Theresias jüngere Tochter Dorothea (heute 93 Jahre alt) und auch ich als Sohn sind
im Prinzip nie wirklich über den Verlust von Gerda hinweg gekommen.

Theresia hatte etwa ein halbes Jahr vor Gerdas Tod ihren Mann verloren, sie hatte den Beginn einer Demenz, bekam den Tod ihrer Tochter aber noch (einigermaßen) bewusst mit.

Meine Großmutter war zwar erschüttert, aber sie konnte nicht (mehr) weinen. Sie litt, aber hielt sich tapfer.

Es dauerte gar nicht mehr so lange, dass Theresia nicht mehr wusste, wer wir waren und vergaß dass sie, vielleicht ein Jahr zuvor, ihre Tochter Gerda verlor.

Etwas über drei Jahre überlebte Theresia ihre Tochter Gerda. (Gedenkseite Gerda Sophia Steinhardt)

Theresia starb mit 89 Jahren an schwerer Demenz.


Das schönste Denkmal, das ein Mensch bekommen kann, steht in den Herzen seiner Mitmenschen.

Albert Schweitzer

Kerze rot rund
Januargedicht Von Andreas Steinhardt am 07.01.2025 um 10:45 | melden

Zur Gedenkkerze ein Gedicht von Robert Reinick, dessen Todestag sich heute jährt.

Der Januar zeigt sich momentan von seiner ungemütlichen Seite, nach einem milden Tag folgten gestern Nachmittag bis in den Abend hinein Orkanböhen mit zeitweisem Starkregen
und deutlicher Abkühlung.

Theresia konnte all dies nichts anhaben, sie trotze förmlich jedem Sturm. Dicker Mantel, Kopftuch - das reichte, dann wird man halt etwas nass...ich habe sie niemals über das Wetter schimpfen hören...


Januar

von Robert Reinick


Wohin man schaut, nur Schnee und Eis,
Der Himmel grau, die Erde weiß;
Hei, wie der Wind so lustig pfeift,
Hei, wie er in die Backen kneift!
Doch meint er’s mit den Leuten gut,
Erfrischt und stärkt, macht frohen Mut.
Ihr Stubenhocker, schämet euch.
Kommt nur heraus, tut es uns gleich.
Bei Wind und Schnee auf glatter Bahn,
Da hebt erst recht der Jubel an!

Robert Reinick, *22.Feb. 1805 in Danzig,
+07. Feb. 1852 in Dresden.

Reinick war ein dt. Maler und Dichter.

Kerze blau klein
Silvester früher Von Andreas Steinhardt am 31.12.2024 um 12:37 | melden

Zur heutigen Gedenkkerze am letzten Tag des Jahres ein Gedicht von Richard von Schaukal.

Gerne erinnere mich zurück an die Silvesterabende meiner Kindheit, das Haus war nahezu voll, Oma Theresia und Opa Willi, der älteste Bruder mit Partnerin, welche über Weihnachten und Neujahr aus Marburg kamen, häufig auch Anverwandte -
es wurde Kartoffelsalat und Eiersalat kredenzt, Weißbrot, Weißwurst Stangenbrote und Lachs gereicht. Knabbergebäck, Bier wie Sekt war ausreichend vorhanden.

Theresia, eine sehr redselige, mitunter auch heitere Frau, zog sich öfter in der letzten Stunde vor Mitternacht zurück. "Wo ist eigentlich Oma?!" fragte ich als 8-jähriger etwa eine Viertelstunde vor Mitternacht in die Runde. Es war der äußerst schneereiche Jahreswechsel 78/79, der in die Geschichte einging, Norddeutschland ist so zum Beispiel in den Schneemassen förmlich erstickt und Ortschaften mussten teilweise von der Bundeswehr befreit werden. - ich fand meine Oma in der ersten Etage unseres Hauses, allein am Fenster stehend, auf den tief verschneiten Wald gegenüber blickend. "Ich komme sofort wieder", so meine Oma, "Ich denke nur ein wenig über das alte Jahr nach, und was wohl 1979 so alles kommen wird." - im übrigen wurde es ein sehr gutes Jahr für unsere Familie.

Ich tat es irgendwann Theresia gleich, und ziehe mich, falls möglich, auch in der letzten Stunde des Jahres für kurze Zeit allein zurück und sinne über das alte Jahr nach, schaue prospektiv auf das kommende, was ist geplant, worauf kann man
sich vielleicht schon freuen.

Ich gehöre eigentlich zu den "Berufsoptimisten", die es halten wir der Kölner:

"Er hätt noch immer jot jejange" - ich muss aber zugeben, das mir dieser Satz in der jetzigen Zeit nicht mehr so leicht wie noch vor einigen Jahren von den Lippen geht...

Der Silvesterabend - Gedanken kreisen retrospektiv und prospektiv - bleiben wir zuversichtlich .....?

Ich wünsche den Leserinnen und Lesern von Theresias Gedenkseite jedenfalls einen guten Start ins neue Jahr, ein friedvolles und gesundes Jahr 2025!


Das neue Jahr

von Richard von Schaukal


Das alte Jahr hat über Nacht
in aller Stille sich fortgemacht.

Das neue ist noch ein kleines Kind:
es weiß noch gar nicht, wer wir sind.

Und ist doch unser Herr von heut,
hat Macht über soviel tausend Leut’.

So wollen wir denn, ohne umzuschaun,
ihm all unsre Sachen anvertraun.

Es stammt aus einem großen Haus:
es kennt sich ganz gewiss bald aus.


Richard von Schaukal, * 27. Mai 1874 in Brünn, Mähren, + 10. Okt. 1942 in Wien.

Von Schaukal war ein österreichischer Dichter, Jurist und Staatsbeamter.

Kerze hellgrün lang
Heiligabend im Gedenken Von Andreas Steinhardt am 24.12.2024 um 09:36 | melden

Zur heutigen Gedenkkerze am Heiligen Abend ein Weihnachtsgedicht von Joachim Ringelnatz. Diese widme ich nicht nur Theresia, sondern auch den Opfern des furchtbaren Anschlags von Magdeburg.

Ich werde am heutigen Abend, während ich mit meinen Lieben das Christfest begehe, sicherlich auch viel an die Weihnachten der Kindheit mit meinen Eltern und Großeltern denken, wie inbrünstig mein Opa Willi "Oh Du Fröhliche" schmettete, wie sehr sich Oma Theresia über ihre Geschenke freute, das Strahlen, ihr Leuchten in den Augen - wie sicherlich auch bei mir, als Kind.
Diese Erinnerungen werden immer wieder besonders präsent, während des Singens am Christbaum, bei der Bescherung...

...gut, diese wundervollen Momente in der ewigen Erinnerung immer wieder aufs Neue abrufen zu können!

Ich wünsche den Lesern und Leserinnen von Theresias Gedenkseite eine besinnliche Christnacht und Weihnachtstage.

Ich vermeide bewusst das Wort "Frohe."

In Gedanken werde ich, werden wir auch bei den Opfern von Magdeburg und ihren Familien sein.
Wie werden aus Respekt alles ein wenig "ruhiger und gedämpfter" gestalten. Ich kenne viele, die genau so empfinden, aber auch diese, die es bewusst ignorieren, es nicht (mehr) an sich ran lassen und feiern, als ob es keinen Morgen mehr gibt.

Nun, es sei jedem selbst überlassen. Ich erwähne es heute, am 24.12. ganz bewusst - wir befinden uns schließlich auch auf den Gedenkseiten und nicht bei TikTok.

Sollten Sie (auch) an diesen Tagen einen lieben Menschen besonders vermissen, vielleicht sogar durch einen Sterbefall in diesem Jahr, wünsche ich Ihnen viel Kraft!

Ist ein lieber Mensch in ihrem Umfeld erkrankt, oder gar Sie selbst, wünsche ich Ihnen oder der entsprechenden Person Zuversicht und Hoffnung!

Dieses Gedicht soll auch ein wenig Hoffnung verbreiten, mit einem kleinen Lächeln, trotz
Tränen der Trauer auf den Wangen.


Weihnachten

von Joachim Ringelnatz


Liebeläutend zieht durch Kerzenhelle,
mild, wie Wälderduft, die Weihnachtszeit.
Und ein schlichtes Glück streut auf die Schwelle
schöne Blumen der Vergangenheit.

Hand schmiegt sich an Hand im engen Kreise,
und das alte Lied von Gott und Christ
bebt durch Seelen und verkündet leise,
dass die kleinste Welt die größte ist.


Joachim Ringelnatz, *7. August 1883 in Wurzen als Hans Gustav Bötticher, +17. November 1934
in Berlin.

Bötticher war ein deutscher Schriftsteller, Kabarettist und Maler, der vor allem für humoristische Gedichte um die Kunstfigur
"Kuttel Daddeldu" bekannt ist.

Kerze rosa geschwungen
Magdeburg Von Andreas Steinhardt am 21.12.2024 um 20:50 | melden

Zur Gedenkkerze heute kein Adventsgedicht - meine Lieben und ich sind in Gedanken bei den Opfern von Magdeburg und ihren Familien.


Es gibt ein Leid, das fremden Trost nicht duldet
und einen Schmerz, den sanft nur heilt die Zeit.

Die Zeit heilt nicht alle Wunden,
sie lehrt uns nur mit dem Unbegreiflichen zu leben.

(beides aus dem Forum november.de, Verfasser nicht genannt)

Kerze türkis dunkel dünn
Lied im Advent von Matthias Claudius Von Andreas Steinhardt am 08.12.2024 um 13:54 | melden

Zur heutigen Gedenkkerze ein Gedicht von Matthias Claudius, passend zum heutigen
2. Advent.

Jeden Adventssonntag verbrachten wir mit den Großeltern, mal kam Theresia und Opa Wilhelm
zu uns in den benachbarten Ortsteil gelaufen,
mal besuchten wir die beiden.

Oma Theresia kredenzte natürlich ihr hervor- ragendes, selbstgebackenes Spritzgebäck
und auch leckere Mürbeteigplätzchen...ihre
mit Vanillecreme gefüllten Doppeldecker sind
bis heute unübertroffen - kein Bäcker kommt
an diese hervorragende Kombination heran -
das Rezept habe ich leider Gottes nicht...

Opa Willi trug im Scheine der Adventskerzen schöne Gedichte, passend zur Advents- und Weihnachtszeit vor - eine wunderschöne Erinnerung an eine längst vergangene Zeit -
doch mir noch präsent, als ob es erst gestern war...


Lied im Advent

von Matthias Claudius


Immer ein Lichtlein mehr
im Kranz, den wir gewunden,
dass er leuchte uns sehr
durch die dunklen Stunden.

Zwei und drei und dann vier!
Rund um den Kranz welch ein Schimmer,
und so leuchten auch wir,
und so leuchtet das Zimmer.

Und so leuchtet die Welt
langsam der Weihnacht entgegen.
Und der in Händen sie hält,
weiß um den Segen !

Matthias Claudius, *15. August 1740 in Reinfeld, Holstein, heute Kreis Stormarn, Schleswig - Holstein, +21. Januar 1815 in Hamburg.

Claudius, Pseudonym "Asmus", war ein dt. Dichter, Lyriker und Journalist.

Kerze rot klein