Von Andreas Steinhardt 14.09.2025 um 13:26 Uhr | melden
Zur heutigen Gedenkkerze ein frühherbstliches
Gedicht von Christian Morgenstern.
Nun, die folgenden Verse passen schon durchaus zum Wetter der letzten Tage.
Nachdem es am letzten Wochenende noch einmal sommerlich warm wurde, herrscht nun seit Tagen durchwachsenes Wetter vor, gestern war es zeitweise recht stürmisch mit zwei mäßigen Gewittern am Abend - heute zeigt sich die Sonne ab und zu durch wilde Wolken, es ist trocken und recht windig bei Temperaturen deutlich unter 20°C.
Theresia würde am heutigen Sonntag nach dem Kirchgang sicherlich einen größeren Spaziergang durch Wald und Feld unternehmen, im Gegensatz zu meiner Mutter würde mein Oma sicherlich keine Wehmut des fast schon vergangen Sommers verspüren - sie kam mit jedem Wetter zurecht, vielleicht wäre ihre Vorfreude bei einem schönen Herbst, der sich heute auf eine doch noch sehr sanfte Weise vorstellt...
Sieh, des Herbstes Geisteshelle ...
(auch unter dem Titel „Früh-Herbst“)
von Christian Morgenstern
Sieh, des Herbstes Geisteshelle
klärt und adelt die Gelände;
Erdenbreiten, Himmelswände
kost dieselbe lautre Welle.
O du glückversunken Säumen,
eh die Sommerfarben sterben!
O du letztes Liebeswerben
aus den unbegriffnen Räumen!
»Dass mir so die Seele leuchte,
wann ich einst des Winters werde!«
Und in meines Auges Feuchte
spiegelt sich der Schmelz der Erde.
Christian Otto Josef Wolfgang Morgenstern,
*06. Mai 1871 in München, +31. März 1914 in Untermais, Tirol, damaliges Königreich Österreich-Ungarn.
Morgenstern war ein deutscher Dichter, Schriftsteller und Übersetzer. Größere
Bekanntheit erlangte Morgenstern durch
seine "komische Lyrik", die aber nur ein
Teil seines Gesamtwerkes ist.
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