Von Andreas Steinhardt 16.07.2025 um 22:29 Uhr | melden
Zur heutigen Gedenkkerze ein Gedicht von Gustav Falke.
Ein Gewitter mit Starkregen zog heute durch, diese Julitage sind etwas durchwachsener. Mir ists ganz recht, Theresia wäre es ziemlich einerlei gewesen...
...ob Minusgrade, ob sengende Sonne oder starker Regen - meine Großmutter war auf jedes Wetter bestens vorbereitet, die gebürtige Ostpreußin war als Kind und Jugendliche sehr kalte Winter und auch Sommer mit anhaltender Hitze schlichtweg gewohnt und passte sich völlig an, ohne jemals über das Wetter zu schimpfen...
Das Mohnfeld
von Gustav Falke
Es war einmal, ich weiß nicht wann
Und weiß nicht wo. Vielleicht ein Traum.
Ich trat aus einem schwarzen TannAn einen stillen Wiesensaum.
Und auf der stillen Wiese stand rings Mohn bei Mohn und unbewegt, und war bis an den fernsten Rand der rote Teppich hingelegt.
Und auf dem roten Teppich lag, von tausend Blumen angeblickt, ein schöner, müder Sommertag, im ersten Schlummer eingenickt.
Ein Hase kam im Sprung. Erschreck hat er sich tief ins Kraut geduckt, bis an die Löffel zugedeckt, nur einer hat heraus geguckt.
Kein Hauch. Kein Laut. Ein Vogelflug bewegte kaum die Abendluft. Ich sah kaum, wie der Flügel schlug, ein schwarzer Strich im Dämmerduft.
Es war einmal, ich weiß nicht wo. Ein Traum vielleicht. Lang ist es her. Ich seh’ nur noch, und immer so, das stille, rote Blumenmeer.
Gustav Falke, *11. Januar 1853 in Lübeck,+8. Februar 1916 in Hamburg-Groß Borstel (seit 1913 zu HH)
Falke war ein dt. Schriftsteller, Dichter und Buchhändler.





