Von Andreas Steinhardt 23.10.2025 um 15:10 Uhr | melden
Zur heutigen Gedenkkerze ein Herbstgedicht von Friedrich Hölderlin.
Nach einigen sonnigen Momenten bis zum Mittag kommt das Sturmtief immer näher, bedrohlich anmutend durch wilde Wolken -
der Wind nimmt an Fahrt auf...
Theresia würde sich länger ans Fenster setzen und den weiteren Verlauf des Wetters mit Spannung entgegen sehen...
Der Herbst
von Friedrich Hölderlin
Das Glänzen der Natur ist höheres Erscheinen,
Wo sich der Tag mit vielen Freuden endet,
Es ist das Jahr, das sich mit Pracht vollendet,
Wo Früchte sich mit frohem Glanz vereinen.
Das Erdenrund ist so geschmückt, und selten lärmet
Der Schall durchs offne Feld, die Sonne wärmet
Den Tag des Herbstes mild, die Felder stehen
Als eine Aussicht weit, die Lüfte wehen.
Die Zweig und äste durch mit frohem Rauschen,
Wenn schon mit Leere sich die Felder dann vertauschen,
Der ganze Sinn des hellen Bildes lebet
Als wie ein Bild, das goldne Pracht umschwebet.
Johann Christian Friedrich Hölderlin, *20. März 1770 in Lauffen
am Neckar, Herzogtum Württemberg, +7. Juni 1843 in Tübingen, Königreich Württemberg.
Hölderlin gehört zu den bedeutendsten deutschen Lyrikern seiner Zeit.




