Von Andreas Steinhardt 27.11.2024 um 13:33 Uhr | melden
Zur heutigen Gedenkkerze ein Gedicht von Clara Müller-Jahnke, passend zum Novemberwetter.
Theresia würde beim Blick aus dem Fenster allenfalls etwas die Nase rümpfen, aber nicht
über das Wetter schimpfen - und trotzdem alles erledigen, was nun mal zu erledigen ist und darüber hinaus..einer hart erprobten Ostpreußin konnte das Wetter doch nichts anhaben...
Im Novembersturm
von Clara Müller-Jahnke
Der Sturmwind rast und der Regen schlägt
ans Fenster in schweren Tropfen –
Ich fühl in der tollen Novembernacht
mein Herz wohl hörbar klopfen.
Es schlägt in brennender Ungeduld
sehnsüchtig und beklommen ...
Ach, wenn die Stunde doch Flügel hätt
und wäre der Winter gekommen!
Und deckte die Ströme das blinkende Eis
und der Schnee die schweigende Runde –
und wären wir endlich allein, allein
in der heimlichen Mitternachtsstunde!
O Liebster, Liebster, – der Sturmwind rast
und der Regen rauscht endlos nieder –
mir aber fluten durch Haupt und Herz
traumselige Liebeslieder.
Clara Müller-Jahnke, geb. Müller war eine dt.
Dichterin, Journalistin und Frauenrechtlerin.
*05. Feb. 1860 ins Lenzen, Pommern, heutiges
Łęczno, poln. Woiwodschaft Westpommern,
+04. November 1905 in Wilhelmshagen, seit
1920 und Berlin.





