Von Andreas Steinhardt 13.11.2019 um 14:11 Uhr | melden
Mein Vater liebte (auch) den Herbst, zelebrierte förmlich Spaziergänge bei Wind und wilden Wolken. Ich erinner mich als Kind, als wir uns zusammen den Weg durch das dichte Laub in unserem kleinen Wald gegenüber unserem Wohnhaus bahnten und ich mich weich in die Blätterhügel fallen lies. Ja, schöner Herbst, Du meine Liebe, Du widerspiegelst meine Stimmung, denn mein Wesen ist die (positive) Melancholie. Ich bin ein Gedanke des Herbstes, ein Kind des Winters.
Spaziergang am Herbstabend
von Christian Friedrich Hebbel
*18.03.1813
+13.12.1863
Wenn ich abends einsam gehe
Und die Blätter fallen sehe,
Finsternisse niederwallen,
Ferne, fromme Glocken hallen:
Ach, wie viele sanfte Bilder,
Immer inniger und milder,
Schatten längst vergangner Zeiten,
Seh ich dann vorübergleiten.
Was ich in den fernsten Stunden,
Oft nur halb bewusst, empfunden,
Dämmert auf in Seel und Sinnen,
Mich noch einmal zu umspinnen.>
Und im inneren Zerfließen
Mein ichs wieder zu genießen,
Was mich vormals glücklich machte,
Oder mir Vergessen brachte.
Doch, dann frag ich mich mit Beben:
Ist so ganz verarmt dein Leben?
Was du jetzt ersehnst mit Schmerzen,
Sprich, was war es einst dem Herzen?
Völlig dunkel ists geworden,
Schärfer bläst der Wind aus Norden,
Und dies Blatt, dies kalt benetzte,
Ist vielleicht vom Baum das letzte.





