Gedenkkerzen
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Zur heutigen Gedenkkerze ein Augustgedicht von Max Dauthendey.
Die Monate Juli und der bisherige August waren wie eine Fahrt mit der Achterbahn - mal große Hitze, schwüle Nächte, hohe Ozonwerte. Dann wiederum ein paar etwas gemäßigtere Tage wie bis gestern, mit relativ angenehmen Nächten.
Die Pegelstände der Flüsse sind bedrohlich auf einem Allzeit-Tiefststand gesunken, die Wiesen sind gelb, zu Stroh geworden.
Regen? Ich weiß gar nicht mehr, wie es sich anfühlt...
Franz wartete (wie auch ich heute) zu diesem Zeitpunkt des Jahres schon ungeduldig auf einen gelinden Frühherbst, den man ab Maria Himmelfahrt so nennen darf - und auf den September, der noch ein paar Wochen auf sich warten lässt - in der Hoffnung auf einen endgültigen Wetterwechsel...
...es gibt einige "Sommerjecken", zumindest zwei sind mir bekannt, welche in letzter Zeit zu mir sagten: "Es kann mir gar nicht heiß genug sein" -
...die allermeisten, und selbst eigentliche Sommerfans äußerten zuletzt zu mir: "Es reicht! Diesmal freuen wir uns wirklich auf den (baldigen) Herbst..."
Atemloser August
von Max Dauthendey
Sommermonde machen Stroh aus Erde,
Die Kastanienblätter wurden ungeheuer von Gebärde,
Und die kühnen Bäume stehen nicht mehr auf
dem Boden, drehen sich in Lüften her gleich den grünen Drachen.
Blumen nahen sich mit großen Köpfen, und scharlachen,
Blau und grün und gelb ist das Gartenbeet, hell zum Greifen,
Als ob grell mit Pfauenschweifen ein Komet vorüberweht.
Und mein Blut, das atemlos bei den sieben Farbenstreifen stille steht...fragt sich: wenn die Blum, Baum und Felder sich verschieben,
ob zwei Menschen, wenn die Welt vergeht.
Zweie, die sich lieben, nicht von allen Wundern übrig blieben.
Max Dauthendey, *25.07. 1860 in Würzburg, +29.08.1918 in Malang, Java, damals Niederländisch-Indien, heutiges Indonesien.
Zur heutigen Gedenkkerze ein kurzes, englisches Gedicht von Thomas Hardy.
Der August ist da - und meldet sich sogleich mit einer neuen, wenn auch nicht so langen Hitzewelle an. Heute erwarten wir in hiesigen Breitengraden Temperaturen bis zu 35° C.
Franz würde sich bei solch einem Wetter mit einem Gartenstuhl und einem eiskalten Getränk unter den Schatten des alten Kirschbaums verziehen - er war genau wie ich es bin ein Herbst- und Wintertyp...
...und hoffte, dass es rasch September wird...
An August Midnight
von Thomas Hardy
A shaded lamp and a waving blind,
And the beat of a clock from a distant floor:
On this scene enter -winged, horned, and spined -
A longlegs, a moth, and a dumbledore;
Thomas Hardys Gedicht „An August Midnight“ fängt eine nächtliche Szene ein, in der sich Stille und Lebendigkeit begegnen. Im schwachen Lampenlicht treten Insekten wie Mücken und Falter in den Raum und werden zu stillen Gefährten des lyrischen Ichs. Mit feiner Beobachtung und leiser Ehrfurcht zeigt Hardy, wie diese kleinen Wesen Teil eines größeren, unergründlichen Ganzen sind – und wie Mensch und Natur
in einem Moment des Innehaltens miteinander verbunden sind.
Thomas Hardy, * 02. Juni 1840 in Higher Bockhampton bei Dorchester, Dorset, England, +11. Januar 1928 in Dorchester.
Hardy war einer der bedeutendsten Schriftsteller des viktorianischen Englands. Mit Romanen wie Tess von d’Urberville, Am grünen Rand
der Welt, Jude the Obscure und Der Bürgermeister von Casterbridge erlangte Hardy Weltruhm. Nach der Jahrhundertwende trat Hardy hauptsächlich als Lyriker in Erscheinung und beeinflusste zahlreiche Dichter.
„Tess von den d’Urbervilles“ gilt heute als einer der bedeutendsten Romane des 19. Jahrhunderts. Mehrfach verfilmt, unter anderem als Kinofassung von 1979 unter Regie von Roman Polanski, mit Nastassja Kinski als Tess. Besser gefällt mir die 4-stündige BBC-Fassung (DVD auch mit dt. Tonspur) mit Gemma Arteton als Tess (Bondgirl in "Ein Quantum Trost"), Eddie Redmayne als Angel (Oscar 2014 für die männliche Hauptrolle in "Die Entdeckung der Unendlichkeit"), Jo Woodcock (u.a. Serie "Torn", "Dorian Gray", "Land Girls", Rollen in "Death in Paradise", "Poirot") als Liza-Lu.
Zur heutigen Gedenkkerze ein Juligedicht von Felix Dörmann, passend auch zum morgigen Vollmond, welcher schon ca. 16:35 h, je nach Wohnort in Deutschland, am Nachmittagshimmel zu bestaunen ist.
Zumindest eine kleine Hitzewelle hat uns wieder im Griff, morgen werden in hiesigen Breitengraden bis 33° C erwartet, danach geht
es aber wieder peue à peue abwärts.
Für Franz waren diese Temperaturen - genau wie für mich heute - ein Zustand, durch welchen man irgendwie durchkommen musste, bis es wieder kühler wurde. So liebte mein Vater die Nacht mehr als den Tag, ich liebe auch die Ruhe, die Stille der Nachtzeit, den Sternenhimmel, den kühlen Hauch, der vielleicht heute Nacht ausbleibt...
...es ist eine Liebe, wie zum Winter statt zum Sommer. Eine kosmische Vereinigung, eine romantische Poesie, die am Tag für mich gar nicht denkbar wäre.
"Die Nacht ist mein Zuhause", sagte Franz schon in meiner Kindheit
zu mir, wenn er mir den abendlichen Sternenhimmel im Garten erklärte. Genauso habe ich es auch verinnerlicht...
Julinacht
von Felix Dörmann
Die Mondeslichter rinnen
Aus sterndurchsprengtem Raum
Zur regungslosen Erde,
Die müde atmet kaum.
Wie schlummertrunken schweigen
Die Linden rund umher,
Des Rauschens müde, neigen
Herab sie blütenschwer.
Nur manchmal, traumhaft leise,
Rauscht auf der Wipfel Lied,
Wenn schaurig durchs Geäste
Ein kühler Nachthauch zieht.
Mein Herz ist ruh-umfangen,
Ist weltvergessen still,
Kein Sehnen und Verlangen
Die Brust bewegen will.
Nur manchmal, traumhaft leise,
Durchzieht der alte Schmerz,
Wie Nachtwind durchs Geäste,
Das müdgeliebte Herz.
Felix Dörmann, *29. Mai 1870 in Wien als Felix Biedermann, †26. Oktober 1928 ebenda. Dörmann war ein österreichischer Schriftsteller, Librettist und Filmproduzent.
Dörmann war eine schillernde Persönlichkeit im kulturellen Leben Wiens um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Zwischen 1912 und 1914 versuchte er sich in verschiedenen Bereichen auch beim noch jungen österreichischen Film. Er war Mitglied des nichtadeligen Teils der Großgrundbesitzerfamilie Biedermann.
Zur heutigen Gedenkkerze ein Sommergedicht von Christian Morgenstern.
So hätte Franz der Sommer gefallen - nicht zu warm, keine stickige Schwüle und keine tropischen Nächte. So wie heute...ich bin auch kein Sommerkind und Sonnenanbeter - aber ich akzeptiere momentan alles, sofern es nicht noch einmal zu so einer extremen Hitzewelle wie im Juni kommt.
Ein Wettermodell sieht für die erste Augustwoche wieder extreme Temperaturen voraus, die aus Andalusien zu uns kommen könnten (was sie eben erst - vorübergehend? revidierten) - ein anderes Modell des Deutschen Wetterdienstes sagt, dass wir recht moderat davon kommen...
Friede (Juli)
von Christian Morgenstern
Wie weich sich Form und Farbe binden
In Sommermittags glühem Hauch: –
Das Dorf im Schatten alter Linden,
Ein rötlich Dach, ein Wölkchen Rauch;
Der Bergbach, dessen heitre Eile
Sich glitzernd durch die Wiese webt;
Der Straße laubverhüllte Zeile,
Die ahndevoll zur Ferne strebt;
Und all dies gütig eingeschlossen
Von hoher Felder Gold und Duft;
Und alles flimmernd überflossen
Von lerchenlauter Juliluft ...
Ich schau des Herdrauchs fromme Kreise
Zum hohen Blau erblassend ziehn –
Und meine Seele füllen leise
Des Friedens süße Harmonien.
Christian Otto Josef Wolfgang Morgenstern,
*06. Mai 1871 in München, +31. März 1914 in Untermais, Tirol, damaliges Königreich Österreich-Ungarn.
Morgenstern war ein deutscher Dichter, Schriftsteller und Übersetzer. Besondere Bekanntheit erreichte Morgenstern durch
seine "komische Lyrik", die jedoch nur ein
Teil seines Werkes ist.
Zur heutigen Gedenkkerze ein kurzes Juligedicht von Christian Morgenstern.
Lieben Sie den Juli? In vielen Gebieten in Deutschland ist es wieder sehr warm, die große Hitzewelle vom Juni ist noch nicht lange her. "Bitte nicht wieder!", höre ich hier und dort, im Prinzip von jedem. Ich hoffe es auch.
Laut RKI gab es nachweislich über 5000 Hitzetote in Deutschland. Die heute erwarteten Temperaturen bis 30° C wären auch nicht Franz Lieblingswetter gewesen, er hätte sich allenfalls in den Schatten des alten, großen Kirschbaums zurückgezogen.
Daher kommt das heutige Gedicht - auch bewusst gewählt - nicht wirklich Sommer-bejahend daher...
Juli
von Hermann Löns
Weißglühende Sonne und staubige Luft,
Kopfschmerzen und müde Glieder,
Verstaubt und grau sind Blumen und Blatt,
Verstummt sind Lachen und Lieder.“
Interpretation von mein-lernen.at:
In Hermann Löns’ Gedicht „Juli“ zeigt sich die Sommerhitze nicht als Zeit unbeschwerter Freude, sondern als drückende, fast beklemmende Erfahrung. Eine düstere Grundstimmung durchzieht jedes Bild, sodass der Juli weniger als strahlender Hochsommer erscheint, sondern vielmehr als Sinnbild für Überreiztheit, Erschöpfung und die leise Nähe des Todes.
Hermann Löns, *29. August 1866 in Culm, Westpreußen, heute Chełmno, poln. Woiwodschaft Kujawien-Pommern, +26. September 1914 nahe Loivre bei Reims, Frankreich.
Der "Heidedichter" Löns war ein deutscher Journalist, Schriftsteller, Naturforscher und Naturschützer.
Zur heutigen Gedenkkerze ein kleines Sommergedicht von Joseph von Eichendorff.
Das Wetter ist etwas unruhig und wechselhaft in diesen Tagen, es droht eine neue, große Hitzewelle - die letzte vor kurzem war sicherlich für die meisten nahezu unerträglich, bis für sehr wenige Menschen, die ich kenne. Jetzt kämpft das Islandtief (was uns immerhin auch Temperaturen bis zu 30° bescheren würde, aber das unterschreibe ich sofort nach der letzten Bruthitze) mit dem erneuten, extremen Hoch - Länder versuchen sich jetzt besser darauf vorzubereiten...auch Sie?
Ich kenne Menschen, die vor etwa einer Woche in ihrem Kellerraum geschlafen haben...
...die Ernte fällt voraussichtlich in diesem Jahr nicht sehr üppig aus, hierzulande sind die Wiesen gelb und Bäume werfen relativ viele ihrer grünen Blätter ab.
Franz hatte seine ganz eigenen Methoden, seine Gartenernte zu verbessern oder gar zu retten, sollte es auch ein noch so durchwachsener Sommer gewesen sein.
Mein Vater hatte ein Händchen dafür, Erdbeer- pflanzen und Himbeer-, Brombeer- oder Johan- nisbeersträucher zu schützen, sei es durch
Planen in "1-Form", die auf Holzbalken getackert vor starkem Regen schützten, oder selbst gebastelte Windschutzwände.
An Ernteausfälle im hiesigen Garten kann ich mich jedenfalls nicht erinnern...
Für Franz. Für Axel.
Wechsel
von Joseph von Eichendorff
Es fällt nichts vor, mir fällt nichts ein,
Ich glaub’ die Welt steht still,
Die Zeit tritt auf so leis und fein,
Man weiß nicht, was sie will.
Auf einmal rührt sich’s dort und hier –
Was das bedeuten mag?
Es ist, als hört’st du über dir
Einen frischen Flügelschlag.
Rasch steigen dunkle Wetter auf,
Schon blitzt ’s und rauscht die Rund’
Der lust’ge Sturmwind fliegt vorauf –
Da atm’ ich aus Herzensgrund.
Joseph Karl Benedikt Freiherr von Eichendorff, *10. 03.1788 auf Schloss Lubowitz bei Ratibor, Oberschlesien, heutiges Racibórz, poln. Woiwodschaft Schlesien (Śląskie), +26.11.1857
Zur heutigen Gedenkkerze ein schönes, kleines Sommergedicht von Theodor Fontane.
Vielleicht kannte Franz auch diese folgenden Verse, ich erinnere mich an einige Werke von Fontane, unter anderem auch ein Gedichtband
im heimischen Bücherschrank, es ist leider nicht in meinem Besitz.
Mein Vater versuchte auch selbst zu dichten - meist waren diese Verse heiteren Ursprungs...
...da er ein großer Heinz-Erhardt Fan war glichen sie häufig einfachen "Schüttelreimen", manchmal schrieb Franz aber auch Limericks nieder - mit passendem Reimschema AABBA. Dies erklärte er mir einst. Leider existieren diese Handschriften nicht mehr.
Ich selbst wage mich nicht an eigene Verse ran - mein Anspruch an mich selbst ist zu hoch. Ich lese auch private Gedichte in vielen Foren - und, mit Verlaub: Sehr viele finde ich leider Gottes unterirdisch. Kein erkennbares Reimschema, Banalitäten, sinnfrei, kein Raum für (eigene) Interpretationen. Vielleicht sehe ich es zu "Reich-Ranicki-mäßig", dass man heute der ganzen Welt seinen infantilen Reim anbieten kann...
...wenn es den AutorInnen und LeserInnen so gefällt...
...ich veröffentliche daher lieber auf den Gedenkseiten Werke von alten MeisterInnen - Ansichtssache...
Mittag
von Theodor Fontane
Für Franz. Für Axel.
Am Waldessaume träumt die Föhre,
Am Himmel weiße Wölkchen nur,
Es ist so still, dass ich sie höre,
Die tiefe Stille der Natur.
Rings Sonnenschein auf Wies und Wegen,
Die Wipfel stumm, kein Lüftchen wach,
Und doch, es klingt, als ström’ ein Regen
Leis tönend auf das Blätterdach.
Heinrich Theodor Fontane, *30.12. 1819 in Neuruppin, heute Kreisstadt im Lk Ostprignitz-Ruppin, Brandenburg, +20.09.1898 in Berlin.
Fontane war ein dt. Schriftsteller, Journalist und Kritiker, er gilt als bedeutender Vertreter
des Realismus.
Zur heutigen Gedenkkerze ein Gedicht von Max Dauthendey.
Ich erinnere mich gerne daran zurück, wie mein Vater mir früher kurz nach Einbruch der Dunkelheit im Garten "die Glühwürmchen" zeigte - und von denen waren damals nicht wenige zu sehen, welche sich zum abendlichen "Balztanz" versammelten.
Die oft flugunfähigen Weibchen sitzen auf Pflanzen oder im Gras und leuchten, um Männchen anzulocken, während diese fliegen und auf das Licht reagieren, leuchten aber meist schwächer als ihr weibliches Gegenstück...
... jedenfalls ist es eine wunderschöne Erinnerung an diese Junitage, wo dieses abendliche Spektakel seinen Anfang nahm und bis weit in den Sommer hineingeht...
Leuchtkäfer ziehen durch die Juninacht
von Max Dauthendey
Leuchtkäfer ziehen durch die Juninacht
Wie Blicke, die ins Dunkel fliehen,
Ist dort im Abendlaub ein sacht Gefunkel -
Leuchtkäfer ziehen durch die Juninacht.
Ich möchte mich ins Gras hinknien
Still wie ein Schäfer, der die Welt vergisst
Und nur ein Traum bei hellen Blicken ist,
Von denen keiner Dir am Tage lacht;
Die nur in vager Heimlichkeit entstehen
Und über schwüle Abendwiesen gehen,
Von einer heißen Nacht zur Welt gebracht.
Ich hab zu jenen Blicken ein Gesicht erdacht
Von zager Schönheit, dass der Tag nicht wagt
Mehr aufzusehen, und allein die Nacht
Tastend mit sachten Lichtern sucht und fragt.
Maximilian Albert Dauthendey, *25. Juli 1867 in Würzburg,
+29. August 1918 in Malang auf Java, heute zum Staat Indonesien.
Dauthendey war ein deutscher Dichter und Maler.
Zur heutigen Gedenkkerze für ein Junigedicht von Erich Kästner, welches uns vom Junibeginn heiter durch den Sommer führt - und weiter.
Der Mai wurde nach den Eisheiligen ex abrupto sehr warm - jetzt sind wir wieder bei höchstens mäßig warmen, sehr durchwachsen Tagen angekommen. Wie wird der Juni wohl bilanzmäßig ausfallen?
Franz wäre es nur recht gewesen, wenn der Juni - wie jetzt auch - "sehr moderat" um die Ecke kam...ich bin auch froh darum - die heißen Tage sollen sich doch noch bitte ganz hinten anstellen...
Der Juni
von Erich Kästner
Die Zeit geht mit der Zeit: Sie fliegt.
Kaum schrieb man sechs Gedichte,
ist schon ein halbes Jahr herum
und fühlt sich als Geschichte.
Die Kirschen werden reif und rot,
die süßen wie die sauern.
Auf zartes Laub fällt Staub, fällt Staub,
so sehr wir es bedauern.
Aus Gras wird Heu. Aus Obst Kompott.
Aus Herrlichkeit wird Nahrung.
Aus manchem, was das Herz erfuhr,
wird, bestenfalls, Erfahrung.
Es wird und war. Es war und wird.
Aus Kälbern werden Rinder
Und weils zur Jahreszeit gehört,
aus Küssen kleine Kinder.
Die Vögel füttern ihre Brut
und singen nur noch selten.
So ists bestellt in unsrer Welt,
der besten aller Welten.
Spät tritt der Abend in den Park,
mit Sternen auf der Weste.
Glühwürmchen ziehn mit Lampions
zu einem Gartenfeste.
Dort wird getrunken und gelacht.
In vorgerückter Stunde
tanzt dann der Abend mit der Nacht
die kurze Ehrenrunde.
Am letzten Tische streiten sich
ein Heide und ein Frommer,
obs Wunder oder keine gibt.
Und nächstens wird es Sommer.
Emil Erich Kästner, *23. Februar 1899 in Dresden, +29. Juli 1974
in München.
Kästner war ein dt. Schriftsteller, Publizist, Drehbuchautor und Kabarettdichter -
"Das doppelte Lottchen" oder "Emil und die Detektive" werden fast jedem etwas sagen. Er zählt zu den Autoren von Weltgeltung. 1959 bekam Kästner das Große Bundesverdienstkreuz.
Zur heutigen Gedenkkerze ein kurzes Junigedicht von Fridolin Hofer.
Der Mai wurde nach den Eisheiligen ex abrupto sehr warm - jetzt
sind wir wieder bei mäßig warmen, durchwachseneren Tagen angekommen. Morgen erwarten wir ab dem Mittag (wieder)
Schauer und Gewitter - wie wird der Juni bilanzmäßig ausfallen?
Franz wäre über einen "sehr moderaten" Juni froh gewesen, so sehe
ich das auch - der Sommer wird noch früh genug wieder "aufdrehen"...
Juni
von Fridolin Hofer
Juni streift mit warmer Handletzte Blüten von den Bäumen.
Wie enttaucht verwelkten Träumen,schaut aus dunkler Blätterwandjunge Frucht in lichtes Land...
Fridolin Hofer, * 26.10.1861 in Meggen, Kanton Luzern, † 16.3.1940
in Römerswil bei Luzern.
Hofer war einer stark vom Glauben geprägter schweizer Lyriker, Lehrer und Organist.
"Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf Euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein"
Apostelgeschichte, 1.8
Zur heutigen Gedenkkerze am hochsommerlichen Pfingstsonntag ein Gedicht von Eduard Baltzer.
Ich erinnere mich an viele Pfingstfeste meiner Kindheit und frühen Jugend - zunächst ging es morgens zum Festgottesdienst in die hiesige Elisabethkirche, unweit von meinem Elternhaus entfernt - auch musste ich schon mal an einem Pfingstsonntag Messe dienen, was mir immer sehr viel Freude bereitete. Franz war ja kirchlicher Rendant, und es konnte ihn nur erfreuen, dass der jüngste Sprössling so gerne zur Kirche ging und äusserte, dass er später doch am liebsten Pfarrer werden möchte...
Einen Feiertagsausflug gab es meiner Erinnerung nach nicht, Mittags kamen allermeist meine Großeltern mütterlicherseits, Wilhelm und Theresia, wie Franz Mutter Anna zum Festessen und zum Kaffeetrinken zu Besuch. Spielte das Pfingstwetter mit, verbrachten
wir noch schöne Stunden im Garten, bis zum Abendessen.
Pfingsten
von Eduard Baltzer
Komm’, Geist der Pfingsten! Mit Maieswonnen
Erquick’ unser dürstendes Menschenherz!
Vollende, vollende, wie Du es begonnen,
Das Heil der Seele, besiege den Schmerz!
O mache uns edel und froh und frei,
Und schaff’ uns wieder des Herzens Mai.
Komm’, Geist der Pfingsten! Mit Feuerzungen
Verkünde die Wahrheit, behaupte das Feld!
Mit einem Munde wird doch noch gesungen
Halleluja Dir einst von aller Welt:
So zücket im Mai wohl der Wetterstrahl,
Doch dann wird es Frühling all überall.
Eduard Wilhelm Baltzer, * 24. Oktober 1814 in Hohenlein (heute zum Landkreis Nordsachsen), + 24.Juni 1887 in Durlach (seit 1938 zu Karlsruhe)
Baltzer war ev. Theologe, und nebenbei verfasste er auch Gedichte.
Er vertrat einen "ethischen Vegetarismus", gründete den ersten Vegetarier-Verein in Deutschland (!), war Pionier der Lebensreform-Bewegung und der erste Präsident des Bundes Freireligiöser Gemeinden Deutschlands. 1852 prägte er den Begriff der „Jugendweihe“.
Zur heutigen Gedenkkerze an Christi Himmelfahrt einige Bauernregeln, passend zu den "Eisheiligen", sowie ein Gedicht von Carl Zuckmayer.
In Norddeutschland gelten traditionell nur die ersten drei Heiligen (Mamertus, Pankratius, Servatius) als Eisheilige, während etwa ab der Südhälfte Deutschlands auch Bonifatius und Sophia, auch genannt "die kalte Sophie" mitgezählt werden.
Im letzten Jahr waren "die Eisheiligen“ sehr gnädig, es herrschte sommerliches Wetter bei Temperaturen bis zu 24° C in unserer Region.
Ausgerechnet zu Mamertus schlug das milde und trockene Wetter um - es regnete stark, vorgestern, an Pankratius, war es durchwachsen bei Höchsttemperaturen um 11° C. Gestern zu Servatius zogen Gewitter mit Starkregen durch. Auch die nächsten Tage soll es auch ähnlich kühl und durchwachsen weitergehen.
Franz wäre es ganz genehm gewesen, machte der "Maisommer" doch eine Pause. Empfinde ich auch so. Und die Natur kann nach anhaltend trockenem Wetter durchatmen....
Hier ein paar ausgewählte Bauernregeln zu den Eisheiligen von einer Vielzahl derer:
Zu Mamertus:
"Der heilige Mamerz hat von Eis ein Herz."
Heute zu Pankratius:
"Wenn’s an Pankratius friert, so wird im Garten viel ruiniert."
13. Mai - Servatius:
"Servaz muss vorüber sein, willst vor Nachtfrost sicher sein."
14. Mai - Bonifatius:
"Vor Servaz kein Sommer, nach Servaz kein Frost."
15. Mai - Sophia:
"Kalte Sophie wird sie genannt, denn oft kommt sie mit Kälte daher gerannt."
"Pflanze nie vor der Kalten Sophie."
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Die Drei Eisheiligen
von Carl Zuckmayer
"Die drei Eisheiligen sind übers Land gezogen
Und haben ihre Winterzähne ausgespuckt,
Die sind als Hagel auf die Saat geflogen,
Jetzt schwimmt der Acker voll mit Frost gesogen,
Mit grauem Schnee die Furchen voll geschluckt.
Es prasseln schlimme Wetter
Aus ihren Augenbraun,
Der Wein hat gelbe Blätter,
Der Weizen liegt zerhaun.
Der Erste, voll Gewittern, sägt
Der jungen Bäume Wuchs zuschand.
Des Zweiten harte Frostnacht schlägt
Die junge Frucht mit Eisesbrand.
Der Dritte kriecht im Nebelschleim
Dicht übern Boden durch den Gau,
Zernagt der Halme Wurzelkeim
Und beißt der Spargeln Köpfe blau.
Viel Mäuse, Raupen, Käfer sind
In ihrer Füße Spur verreckt,
Und liegen kalt im Totenwind,
Die Beine steif empor gestreckt.
Die drei Eisheiligen sind übers Land gezogen,
Und haben Schwindsucht in der Felder Brust gespuckt.
Jetzt hat sie Gott in seine Riesenwogen
Voll Frost und Wärme gurgelnd eingesogen,
Und tief in seine Gräber heimgeschluckt."
Carl Zuckmayer, *27. Dezember 1896 in Nackenheim, heute Landkreis Mainz-Bingen, Rheinhessen, + 18. Januar 1977 in Visp, Kanton Wallis, CH.
Zuckmayer war ein deutscher Schriftsteller, der wegen rassistischer Verfolgung als Jude emigrierte und die US-amerikanische und die Schweizer Staatsbürgerschaft erwarb. 1925 begann seine Karriere
mit der Aufführung der von ihm stammenden Komödie "Der fröhliche Weinberg" welche sich 1931 sein größter Erfolg, das Drama "Der Hauptmann von Köpenick", anschloss.
Zur heutigen Gedenkkerze ein Maigedicht von Ludwig Uhland.
Die Regentage sind vorbei, die Natur konnte sich etwas erholen von den viel zu trockenen Wochen.
Franz hätte bei dem heutigen Sonne-Wolken-Mix und erwarteten Temperaturen bis 16° C sicherlich einen ausgedehnten Spaziergang gemacht - war mein Vater doch nicht wirklich ein Freund von hochsommerlichem Wetter...wie auch ich...
Maientau
von Ludwig Uhland
Auf den Wald und auf die Wiese,
mit dem ersten Morgengrau,
träuft ein Quell vom Paradiese,
leiser, frischer Maientau.
Was den Mai zum Heiligtume
jeder süßen Wonne schafft,
Schmelz der Blätter, Glanz der Blume,
Würz und Duft, ist seine Kraft.
Sink denn auch auf mich hernieder,
Balsam du für jeden Schmerz,
netz auch mir die Augenlider,
tränke mir mein dürstend Herz!
Gib mir Jugend, Sangeswonne,
himmlischer Gebilde Schau,
stärke mir den Blick zur Sonne,
leiser, frischer Maientau!
Johann Ludwig „Louis“ Uhland, * 26. April 1787 in Tübingen, damaliges Königreich Württemberg, +13. November 1862 ebenda. Uhland war ein deutscher Dichter, Literaturwissenschaftler, Jurist und Politiker.
Zur heutigen Gedenkkerze am Abend des Maifeiertags ein schönes, kleines Gedicht von Clara Müller-Jahnke.
Ein warmer 1. Mai geht zuneige - mit Temperaturen hierzulande bis zu 24° C bei strahlend blauem Himmel. Ähnlich wie im letzten Jahr - da war es sogar in hiesigen Breitengraden rekordmäßige 27° C warm.
Öfter fuhren wir früher - an ähnlich schönen Maifeiertagen - zum Rhein bei Bonn - auch zum Drachenfels - durchaus spannend für ein Kind - selbstredend inklusive eines Spielplatzbesuchs.
Aber auch an diesen Tag, welchen wir "nur" im heimischen Garten verbrachten - die Großeltern kamen zu Besuch wie der bereits erwachsene Bruder, es gab leckere Buttercreme- oder Mokkatorte...
Für Franz. Für Axel.
Maien-Fest
von Clara Müller-Jahnke
Wieder taucht ein Maientag
aus des Winters Tiefen,
lockt ein heller Amselschlag
alle, die noch schliefen.
Wieder steht das goldene Licht
hoch im Heiligtume –
aus der Dornenhecke bricht
eine Rosenblume.
Maientag und Maienfest!
Unsre Klagen schweigen.
Unsre stolze Sehnsucht lässt
ihre Banner steigen;
ihre Tauben fliegen aus,
ihre Knospen springen –
Kirschen blühn um jedes Haus,
und die Glocken klingen.
Clara Müller-Jahnke, *05. Feb. 1860 in Lenzen, damaliges Hinterpommern, heute zur poln. Woiwodschaft Westpommern gehörend, +04. November 1905 in Wilhelmshagen, heute zu
Berlin gehörend.
Clara Müller-Jahnke, geb. Müller, war eine deutsche Dichterin, Journalistin und Frauenrechtlerin.
Zur heutigen Gedenkkerze ein Aprilgedicht von Emanuel Geibel.
Der April macht was er will - es traf auch dieses Jahr manchmal zu - es gab einige kühle und windige Tage, aber viele sehr sonnige wie die letzten Tage - davon ein paar knapp über 20° C - allerdings wenig Regen in unseren Breitengraden, was wiederum nicht so gut für die Natur ist.
Franz, ein etwas lichtscheues Wesen wie auch ich - hätte nichts gegen einige Regentage mehr im April gehabt...die Hecken verlieren in der Tat Blätter, die Wiesen sind etwas gelb geworden und es gibt kaum "Unkraut"... Bienen und Hummeln sind nur vereinzelt zu sehen...finden wir das anhaltend sonnige und trockene Wetter wirklich gut?
Im April
von Emanuel Geibel
Du feuchter Frühlingsabend,
Wie hab’ ich dich so gern!
Der Himmel wolkenverhangen,
Nur hie und da ein Stern.
Wie leiser Liebesodem
Hauchet so lau die Luft,
Es steigt aus allen Talen
Ein warmer Veilchenduft.
Ich möcht’ ein Lied ersinnen,
Das diesem Abend gleich,
Und kann den Klang nicht finden,
So dunkel, mild und weich.
Franz Emanuel August Geibel, *17. Oktober 1815 in Lübeck, +6. April 1884 ebenda.
Geibel war ein deutscher Lyriker. Ab 1843 war er der erfolgreichste Dichter seiner Zeit, dessen Liederwerk Komponisten wie Robert Schumann, Hugo Wolf, Felix Mendelssohn Bartholdy und Johannes Brahms inspirierte.
Zur heutigen Gedenkkerze ein Gedicht von Fred Endrikat über den Humor.
Ich erinnere mich gerne an die heitere Seite meines Vaters - er konnte sich köstlich über Heinz Erhardt amüsieren, Sketche mit Dieter Hallervorden oder Harald Juhnke brachten ihn ebenfalls zum lachen - oder auch die Filme mit Louis des Funės. Gerne trug mein Vater kleine Reime von Heinz Erhardt vor, welche er perfekt auswendig konnte...
Passend dazu folgende Verse:
Der Humor
von Fred Endrikat
Humor ist sozusagen unser Senf des Lebens.
Er macht ein Stücklein trocken Brot zum Leibgericht.
Wer ihn nicht selbst besitzt, der hamstert ihn vergebens,
so hat man ihn entweder - oder hat ihn nicht.
Humor ist schwierig oder gar nicht zu ergründen.
Er ist stets taktvoll, niemals vorlaut und nicht spitz.
Humor ist zu erleben und nicht zu erfinden,
im Gegensatz zu seinem kleinen Bruder Witz.
Humor ist unser Freund in allen Lebenslagen,
weil er dem Herz entspringt und nicht dem Intellekt.
Man kann zum Beispiel mit Humor die Wahrheit sagen,
so dass sie uns bekommt und halb so bitter schmeckt.
Humor blüht auch an kühlen Dauerregentagen
und stimmt uns fröhlich, wenn es noch so schaurig ist.
Ja, mit Humor lässt sich sogar ein Humorist ertragen,
und wenn er wirklich noch so traurig ist.
Fred Endrikat, dt. Schriftsteller, *07. Juni 1890
in Nakel an der Netze, Pommern (heute Nakło
nad Notecią , poln. Woiwodschaft Kujawien-Pommern),
+12. August 1942 in München.
Endrikat, welcher im Ruhrgebiet aufwuchs, war ein seinerzeit
sehr populärer Dichter, Schriftsteller und Kabarettist.
Zur heutigen Gedenkkerze ein kurzes Aprilgedicht von Theodor Storm.
Der April macht was er will - es trifft wieder einmal zu, nach einem sehr sonnigen Tag bei 22° C folgte gestern in hiesigen Breitengraden ein Gewitter und der Temperatursturz auf 11° C bei einem Sonne-Wolken-Mix. Heute war es bis zu 19° C warm - allerdings mit zeitweiligen, wenigen Tropfen.
Franz wäre es relativ egal, ob es im April viel regnet oder nicht - eher das Gegenteil, ein bisschen bewölkt und ein Schauer - das war ihm
gar nicht unrecht... suchte er doch wie ich auch mehr das schattige Plätzchen als die Bank im Sonnenschein...
April
von Theodor Storm
Das ist die Drossel, die da schlägt,
Der Frühling, der mein Herz bewegt;
Ich fühle, die sich hold bezeigen,
Die Geister aus der Erde steigen.
Das Leben fließet wie ein Traum –
Mir ist wie Blume, Blatt und Baum.
Hans Theodor Woldsen Storm, *14. September 1817 in Husum, Herzogtum Schleswig, +04. Juli 1888 in Hanerau-Hademarschen (heute Kreis Rendsburg-Eckernförde, Schleswig-Holstein)
Storm war ein deutscher Schriftsteller und Lyriker, welcher vor
allem durch seine Novellen bekannt wurde - er gehört er zu den bedeutendsten Vertretern des Poetischen Realismus.
Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, selbst wenn er stirbt. Und wer lebt und an mich glaubt, wird niemals sterben
Johannes 11, 25
Zur heutigen Gedenkkerze am Ostersonntag später ein Gedicht von Angelus Silesius.
Ich erinnere mich besonders gerne an frühere Ostern, die Feste meiner Kindheit. Wie schön das Haus österlich geschmückt war!
...die Suche nach vielen bunten Ostereiern im Garten, die mein Vater clever, manchmal zu clever versteckte...natürlich gab es auch ein paar schöne Geschenke, einen Stoffhasen, ein Spielzeugauto und viele, viele Leckereien auf dem Osterteller.
Am Nachmittag kamen dann die Großeltern zum großen Festessen. Und...das Kind freute sich wieder über einige Osterpräsente...
Den Besuchern von Franz Gedenkseite wünsche ich ein friedvolles Osterfest!
Osterjubel
von Angelus Silesius
Jetzt ist der Himmel aufgetan,
jetzt hat er wahres Licht!
Jetzt schauet Gott uns wieder an
mit gnädigem Gesicht.
Jetzt scheinet die Sonne
der ewigen Wonne!
Jetzt lachen die Felder,
jetzt jauchzen die Wälder,
jetzt ist man voller Fröhlichkeit.
Jetzt ist die Welt voll Herrlichkeit
und voller Ruhm und Preis.
Jetzt ist die wahre, goldne Zeit
wie einst im Paradeis.
Drum lasset uns singen
mit Jauchzen und Klingen,
frohlocken und freuen;
Gott in der Höh sei Lob und Ehr.
Jesus, du Heiland aller Welt,
dir dank ich Tag und Nacht,
daß du dich hast zu uns gesellt
und diesen Jubel bracht.
Du hast uns befreiet,
die Erde erneuet,
den Himmel gesenket,
dich selbst uns geschenket,
dir, Jesus, sei Ehre und Preis.
Angelus Silesius (eigentlich Johannes Scheffler), geb. am 25. Dezember 1624 in Breslau, Schlesien, gest. am 9. Juli 1677 ebenda.
Scheffler war ein schlesischer Lyriker, Theologe und Arzt. Die tiefreligiösen, mystischen Epigramme zählen zu den bedeutendsten lyrischen Werken der Barockliteratur.
Zur heutigen Gedenkkerze am Karfreitag ein Gedicht von Julius Sturm.
Ich wünsche Ihnen einen besinnlichen Feiertag.
Für Franz. Für Axel.
Am Karfreitage
von Annette von Droste-Hülshoff
Weinet, weinet, meine Augen,
Rinnt nur lieber gar zu Tränen,
Ach, der Tag will euch nicht taugen,
Und die Sonne will euch höhnen!
Seine Augen sind geschlossen,
Seiner Augen süßes Scheinen.
Weinet, weinet unverdrossen,
Könnt doch nie genugsam weinen!
Als die Sonne das vernommen,
Hat sie eine Trauerhülle
Um ihr klares Aug genommen,
Ihre Tränen fallen stille.
Und ich will noch Freude saugen
Aus der Welt, der hellen, schönen?
Weinet, weinet meine Augen,
Rinnt nur lieber gar zu Tränen!
Gedicht gekürzt
Annette von Droste-Hülshoff, *12. Januar 1797, nach anderen Quellen 10. Januar 1797 auf Burg Hülshoff in Havixbeck bei Münster, +24. Mai 1848 auf Burg Meersburg in Meersburg.
Droste-Hülshoff war eine dt. Schriftstellerin und Komponistin. Sie gehört zu den bedeutendsten deutschsprachigen Dichtern des 19. Jahrhunderts.
26.03.1926 - 26.03.2026:
Heute jährt sich der 100. Geburtstag von Franz.
Mein Vater wurde nur 59 Jahre alt. 11 Tage vor seinem 60. Wiegenfest verstarb Franz plötzlich und unerwartet an einem zweiten Infarkt.
Vor 100 Jahren - was war das für eine Zeit? Können wir uns diese vorstellen? Man hat Bilder und Berichte der Zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts sicherlich im Kopf.
Was waren die besonderen Ereignisse?
Gustav Stresemann bekommt den Friedensnobelpreis verliehen - Deutschland wird in den Völkerbund aufgenommen - die Deutsche Lufthansa AG wird gegründet - der Berliner Funkturm wird anlässlich der 3. Funkausstellung eröffnet - der Hubschrauber wird zum Patent angemeldet - Freundschaftsvertrag mit der UdSSR - Gertrude Ederle durchschwimmt als erste Frau den Ärmelkanal (...)
Wer wurde ebenfalls 1926 geboren?
Prinzessin Elisabeth, spätere Königin Elisabeth II., Dietmar Schönherr, James Krüss, Siegfried Lenz, Jerry Lewis, Chuck Berry, Mel Brooks, Leslie Nielsen, Klaus Kinski, Walter Sedlmayr, Maria Schell, Hans-Jochen Vogel, Fidel Castro, René Goscinny (...)
Wer starb 1926?
Claude Monet, Kaiser Yoshihito, Rainer Maria Rilke und an Franz Geburtstag: der ehemalige Reichskanzler Constantin Fehrenbach (...)
Ich erinnere mich gerne zurück an seine Geburtstage, die ich als Kind und Jugendlicher miterlebte. Meine Mutter buk die leckersten Kuchen und kreierte die feinsten Torten, abends wurde meist eine Käseplatte, Spargelröllchen, Lachs und Stangenbrote serviert, dazu wurden mehrere recht gute Flaschen Wein gereicht...
An einigen Geburtstagen konnten wir schon wetterbedingt am Nachmittag im Garten sitzen, auch auf einen Ostersonntag, 1978,
fiel einer seiner Ehrentage.
Seine letzten Geburtstage feierte Franz nur im ganz kleinen Kreise, seinen 60. wollte er hingegen groß feiern, sprach zuvor viele Einladungen aus. Diesen Tag erlebte er nicht mehr...
Heute vor 40 Jahren wurde Franz zu Grabe getragen. Unter sehr großer Beteiligung auch der Gemeinde fand am Vormittag des 22. März 1986 in der Kirche St. Elisabeth Gladbeck-Ellinghorst, es war ein Samstag, das Requiem für meinen Vater statt.
Franz verstarb eine Woche zuvor plötzlich und unerwartet mit 59 Jahren an seinem 2. Infarkt. 4 Tage nach der Trauerfeier hätten
wir seinen 60. Geburtstag gefeiert. Die Einladungen standen, die Vorbereitungen liefen...
Die große Anzahl an Trauergästen gaben Franz ein ehrenvolles
Geleit zu seiner letzten Ruhestätte auf dem städtischen Friedhof
zu Gladbeck-Altrentfort.
Sein Grab ist mittlerweile eingeebnet, ein kleines Stück Rasen blieb, welches nicht von neuen Gräbern belegt wurde. So können wir auch heute noch eine Kerze dort aufstellen.
(...) Ich bin die Auferstehung und das Leben.
Wer an mich glaubt, wird leben,
auch wenn er stirbt.
Und wer lebt und an mich glaubt,
wird niemals sterben.(...)
Heute vor 40 Jahren - am 15. März 1986 - starb Franz im Alter von 59 Jahren plötzlich und unerwartet an seinem zweiten Herzinfarkt. In 11 Tagen jährt sich sein 100. Geburtstag.
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Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht dessen, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht.
2Kor 5,7
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Nacht
von Hermann Hesse
Ich habe meine Kerze ausgelöscht;
Zum offenen Fenster strömt die Nacht herein,
Umarmt mich sanft und läßt mich ihren Freund
Und ihren Bruder sein.
Wir beide sind am selben Heimweh krank;
Wir senden ahnungsvolle Träume aus
Und reden flüsternd von der alten Zeit
In unsres Vaters Haus.
Zur heutigen Gedenkkerze ein Gedicht von Gustav Falke.
"Holder Frühling hauch mich an" - so beginnt der erste Vers - hat er Sie heute in Ihrer Region auch angehaucht? An diesem sehr milden und sonnigen Märztag bei Temperaturen nahe 20° C schienen mir alle Menschen, welche mir bisher an diesem Sonntag begegneten, ziemlich fröhlich und gelassen...
Franz wäre in meiner Kindheit an solch einem Tag mit mir sicherlich zum Abenteuerspielplatz gefahren oder wie hätten im heimischen Garten zusammen Fußball gespielt - davon konnte ich nie genug bekommen. Mein Vater zimmerte mir einst ein großes Fußballtor -
was den Neid meiner Spielkameraden schon hervorrief - diese aber auch vermehrt anlockte...war mir ganz lieb!
Bitte
von Gustav Falke
Holder Frühling hauch mich an,
Dass ich neu erstehe,
Was ein Herz ertragen kann,
Ich ertrugs an Wehe.
Einst so blühend, diese Brust,
Soll sie ganz erkalten?
Ach, ich bin mir kaum bewusst,
Lass den Tag so walten.
Wem ein schönes Glück verging,
Drauf er treulich baute,
Wer sich an ein Hoffen hing,
Das wie Märzschnee taute,
Lieblos scheint ihm wohl die Welt
Und so kalt zum Sterben;
All was er in Händen hält,
Sind nur tote Scherben.
Holder Frühling hauch mich an
In den neuen Tagen;
Was ein Herz ertragen kann,
Ach, ich habs ertragen.
Tausend Knospen schwellen dir,
Duft weht auf und Lieder.
Eine Blüte schenk auch mir,
Eine einzige wieder!
Gustav Falke, * 11. Januar 1853 in Lübeck,
+8. Februar 1916 in Hamburg-Groß Borstel
(seit 1913 zu HH)
Falke war seinerzeit ein bekannter deutscher Schriftsteller.
Zur heutigen Gedenkkerze ein Gedicht von Rilke, passend zum (meteorologischem) Frühlingsbeginn am 1. März.
War der März zu Beginn recht trocken und nicht besonders kalt, begann Franz unseren Garten für den Frühling auf Vordermann zu bringen, beschnitt Ästchen, grub den Boden um und entfernte das letzte liegengebliebene Laub.
Die nächsten Tage sollen (auch) in unseren Breitengraden sehr vorfrühlingshaft werden - mit viel Sonnenschein...
Vorfrühling
von Rainer Maria Rilke
Härte schwand. Auf einmal legt sich
Schonung an der Wiesen aufgedecktes
Grau.
Kleine Wasser ändern die Betonung.
Zärtlichkeiten, ungenau,
greifen nach der Erde aus dem Raum.
Wege gehen weit uns Land und Zeigens.
Unvermutet siehst du seines Steigens
Ausdruck in dem leeren Baum.
Rainer Maria Rilke, *04. Dezember 1875 in Prag,
+29. Dezember 1926 in Valmont bei Montreux, Schweiz.
Zur heutigen Gedenkkerze ein Februargedicht von Cäsar Fleischlen.
Nun, es schneit heute nicht in hiesigen Breitengraden wie in den folgenden Versen der Februar mit seiner (besond. i. diesem Jahr) Wechselhaftigkeit beschrieben wird, es herrschen Plusgrade vor,
der Himmel ist etwas bedeckt.
Bis Mitte der letzten Woche lag allerdings noch Schnee, welcher
am Wochenende endgültig getaut ist.
Franz war ein "Herbst- und Wintertyp", wie auch ich. Daher hätte
er überhaupt nichts dagegen gehabt, wenn es denn auch noch mindestens bis in den März schneien würde...
Februarschnee
von Cäsar Fleischlen
Februarschnee
tut nicht mehr weh,
denn der März ist in der Näh!
aber im März
hüte das Herz,
dass es zu früh nicht knospen will!
warte, warte und sei still!
Und wär der sonnigste Sonnenschein,
und wär es noch so grün auf Erden,
warte, warte und sei still:
es muss erst April gewesen sein,
bevor es Mai kann werden!
Cäsar Fleischlen, *12.05.1864 in Stuttgart,
+16.10.1920 in Gundelsheim bei Heilbronn.
Fleischlen war ein dt. Lyriker und Mundartdichter.
Zur heutigen Gedenkkerze am Aschermittwoch ein passendes Gedicht von Luise Hensel mit stark christlichem Bezug.
Die närrische Zeit ist nun endgültig vorbei - Franz nahm diese schon ganz gerne mit - als Fan von Heinz Erhardt liegt das schon irgendwo nahe...
... aber ich glaube mein Vater war auch nicht ganz unglücklich, dass das närrische Treiben mit dem Aschermittwoch jäh ein Ende nahm - ewig nur Fasching - wo bleibt dann noch die Freude auf
eine solche Zeit...?
Für Franz. Für Axel.
Aschermittwoch
von Luise Maria Hensel
»Staub bist du und kehrst zum Staube,
Denk, o Mensch, an deinen Tod!«
Wohl, dies weiß ich, doch mein Glaube
Sieht ein ewges Morgenroth.
Sieht ein Land, wo Friedenspalmen
Um des Siegers Scheitel wehn,
Wo umrauscht von ihren Psalmen
Wir der Engel Chöre sehn.
Wo Maria, die Getreue,
Ihr geliebtes Kind uns zeigt,
Wo die Sehnsucht und die Reue
Nun ihr selig Ziel erreicht.
Wo der Vater mit dem Sohne
Und dem heilgen Geist zugleich
Thront auf einem ewgen Throne,
Unaussprechlich herrlich, reich.
Wo wir Den, der je gewesen,
Schauen, wie Er ewig war.
O, dort wird mein Herz genesen!
O, dort wird mein Auge klar!
Luise Maria Hensel, *30. März 1798 in Linum, Mark Brandenburg, heute zur Gemeinde Fehrbellin, Landkreis Ostprignitz-Ruppin in Brandenburg,
+18. Dezember 1876 in Paderborn.
Hensel war eine deutsche christliche Dichterin und Wegbereiterin neuer Sozialarbeit. Sie war Schwester des Malers Wilhelm Hensel und zudem Schwägerin der Komponistin Fanny Hensel, geb. Mendelssohn - der Schwester des Komponisten Felix Mendelssohn.
Zur Gedenkkerze am Nelkensamstag ein passendes Gedicht
zum Fasching, zum Karneval von Hoffmann von Fallersleben.
Lieben Sie den Fasching? Oder ist Ihnen das ganze "Rambo
Zambo" (Friedrich Merz lässt schön grüßen...) zuwider...
Franz war schon durchaus "jeck", wie auch ich. Zumindest "Mainz bleibt Mainz (...)" oder die Rosenmontags-Umzüge im TV anzusehen, war auch für ihn ein "Pflichtprogramm" - es wurde sicherlich auch das eine oder andere Bier mehr getrunken...
Falls Sie nur wenig oder vielleicht sogar gar nichts mit der närrischen Zeit anfangen können - gönnen Sie bitte den Menschen diese Tradition - wir "Narren" freuen uns sehr auf diese "tollen Tage", ein Lichtblick in nicht ganz einfachen Zeiten...
Ab Aschermittwoch können wir ja dann den Rest des Jahres wieder gemeinschaftlich an der Welt- und Wirtschaftspolitik verzweifeln...
Für Franz. Für Axel.
Zur Fastnachtszeit
von Hoffmann von Fallersleben
Und beut der Winter auch manche Leiden,
So will er doch nicht traurig scheiden:
Er bringt uns erst noch die Fastnachtszeit
Mit aller ihrer Lustigkeit.
Da gibt es Kurzweil mancherlei,
Musik und Tanz und Mummerei,
Pfannkuchen, Brezel, Kuchen und Weck,
Und Eier und Würste, Schinken und Speck.
Wir Kinder singen von Haus zu Haus
Und bitten uns eine Gabe aus,
Und machens hinterdrein wie die Alten
Und wollen heuer auch Fastnacht halten.
August Heinrich Hoffmann von Fallersleben war ein dt. Hochschullehrer, Dichter und Übersetzer wie Herausgeber
von alten Schriften.
*02. April 1798 in Fallersleben, Kurfürstentum Braunschweig-
Lüneburg, seit 1972 zu Wolfsburg, +19. Januar 1874 im Kloster
Corvey, heute zur Stadt Höxter, OWL.
Zur heutigen Gedenkkerze ein Februargedicht von Cäsar Fleischlen.
Nun, es schneit heute nicht in hiesigen Breitengraden wie in den folgenden Versen der Februar mit seiner (besonders in diesem Jahr) Wechselhaftigkeit beschrieben wird, es herrschen Plusgrade vor, der Himmel ist etwas bedeckt.
Franz war ein "Herbst- und Wintertyp", wie auch ich. Daher hätte er überhaupt nichts dagegen gehabt, wenn es denn auch noch bis in
den März schneien würde...
Februarschnee
von Cäsar Fleischlen
Februarschnee
tut nicht mehr weh,
denn der März ist in der Näh!
aber im März
hüte das Herz,
dass es zu früh nicht knospen will!
warte, warte und sei still!
Und wär der sonnigste Sonnenschein,
und wär es noch so grün auf Erden,
warte, warte und sei still:
es muss erst April gewesen sein,
bevor es Mai kann werden!
Cäsar Fleischlen, *12.05.1864 in Stuttgart, +16.10.1920 in Gundelsheim bei Heilbronn.
Fleischlen war ein dt. Lyriker und Mundartdichter.
Zur heutigen Gedenkkerze am 1. Februar ein Gedicht von Erich Kästner.
Nun, es schneit heute in hiesigen Breitengraden nicht, wie in den folgenden Versen beschrieben wird - wir haben dagegen einen durchweg sonnigen Februarsonntag mit aktuellen Temperaturen bei 8°C. In einigen Gebieten Deutschlands sieht das Wetter momentan aber ganz anders aus, Schneemassen und klirrende Kälte.
Franz hätte sicherlich heute nach dem Gottesdienst einen schönen Spaziergang durch Wald und Feld unternommen, sich an dem zeitweise blauen Himmel und der klaren Luft erfreut...
Februar
von Erich Kästner
Nordwind bläst. Und Südwind weht.
Und es schneit. Und taut. Und schneit.
Und indes die Zeit vergeht
bleibt ja doch nur eins: die Zeit.
Pünktlich holt sie aus der Truhe
falschen Bart und goldnen Kram.
Pünktlich sperrt sie in die Truhe
Sorgenkleid und falsche Scham.
In Brokat und seidnen Resten,
eine Maske vorm Gesicht,
kommt sie dann zu unsren Festen.
Wir erkennen sie nur nicht.
Bei Trompeten und Gitarren
drehn wir uns im Labyrinth
und sind aufgeputzte Narren
um zu scheinen, was wir sind.
Unsre Orden sind Attrappe.
Bunter Schnee ist aus Papier.
Unsre Nasen sind aus Pappe.
Und aus welchem Stoff sind wir?
Bleich, als sähe er Gespenster,
mustert uns Prinz Karneval.
Aschermittwoch starrt durchs Fenster.
Und die Zeit verläßt den Saal.
Pünktlich legt sie in die Truhe
das Vorüber und Vorbei.
Pünktlich holt sie aus der Truhe
Sorgenkleid und Einerlei.
Nordwind bläst. Und Südwind weht.
Und es schneit. Und taut. Und schneit.
Und indes die Zeit vergeht,
bleibt uns doch nur eins: die Zeit.
Erich Kästner, *23. Februar 1899 in Dresden, +29. Juli 1974 in München.
Kästner war ein deutscher Schriftsteller, Publizist, Drehbuchautor
und Kabarettdichter. Er zählt zu den Autoren von Weltgeltung.
Diese Gedenkkerze ist nicht nur für Franz, sondern auch für meine Cousine Gaby, Franz Nichte, welche wir vor 6 Tagen zu Grabe getragen haben.
"Quod sumus, hoc eritis. Fuimos quandoque, quod estis."
Georg Trakl verbindet in dem folgenden Gedicht die Suche nach Gott und nach sich selbst. Er schreibt der Ewigkeit mehr Freude zu als dem Leben, welches er mit Schmerzen und Leid verbindet. (abipur.de)
Ein Winterabend
von Georg Trakl
Wenn der Schnee ans Fenster fällt,
Lang die Abendglocke läutet,
Vielen ist der Tisch bereitet
Und das Haus ist wohlbestellt.
Mancher auf der Wanderschaft
Kommt ans Tor auf dunklen Pfaden.
Golden blüht der Baum der Gnaden
Aus der Erde kühlem Saft.
Wanderer tritt still herein;
Schmerz versteinert die Schwelle.
Da erglänzt in reiner Helle
Auf dem Tische Brot und Wein.
Georg Trakl, *3. Februar 1887 in Salzburg, +3. November 1914 in Krakau, damaliges Galizien, KR Österreich-Ungarn, heute zur poln. Woiwodschaft Kleinpolen.
Trakl war ein österreichischer Dichter des Expressionismus mit
starken Einflüssen des Symbolismus.
Diese Kerze ist nicht nur für Franz, sie ist außerdem für meine Cousine Gaby, Franz Nichte, welche wir heute zu Grabe getragen haben. Zur Gedenkkerze vom 06. Januar berichtete ich von ihrem Tod.
Die Trauerfeier wurde vom katholischen Pfarrer des Ortes sehr schön gestaltet, er fand tröstende Worte und konnte ohne abzulesen etwa 10 Minuten aus ihrem Leben erzählen.
Während der Zeremonie am Grab stand auf einmal die Sonne direkt über diesem, die zuvor nur zögerlich durch die Wolken lukte. Welch Symbolik - darüber sprach beim anschließenden Beisammensein fast jeder.
Unsere Toten sind nicht abwesend
sondern nur unsichtbar.
Sie schauen mit ihren Augen voller Licht
in unsere Augen voller Trauer.
Aurelius Augustinus
Diese Kerze ist nicht nur für Franz, sie ist außerdem für meine Cousine Gaby, Franz Nichte, welche heute nach 7-monatigem Kampf gegen den Krebs verstorben ist.
Gaby hinterlässt ihren Ehemann und ihre 94-jährige Mutter Thea, meine Tante.
In perpetuam memoriam.
Ihr, die ihr mich so geliebt habt,
seht nicht auf das Leben, das ich beendet habe,
sondern auf das, welches ich beginne.
Aurelius Augustinus
Zur Gedenkkerze am Neujahrsabend ein Gedicht von Richard von Schaukal.
Gesundheit - gesund zu bleiben oder es auch zu werden, eine Portion Glück - dann, wenn Sie vielleicht gar nicht damit rechnen - und ein wenig Zuversicht in diesen nicht einfachen Zeiten - das wünsche ich den Besuchern von Franz Gedenkseite für das Jahr 2026!
Für Franz. Für Axel.
Neues Jahr
von Richard von Schaukal
Wieder ein Ring am Baum,
der seine Wurzeln in Traum
taucht und Tiefe der Nacht.
Wieder ein Zeichen der Zeit,
die durch die Ewigkeit
tastende Menschen erdacht.
Wieder um Weh und Wahn
kreisend gemessene Bahn,
bis wir am Ziel erwacht.
Richard von Schaukal, * 27. Mai 1874 in Brünn, Mähren, + 10. Okt.
1942 in Wien. Schaukal war ein österreichischer Dichter, Jurist und Staatsbeamter.
Zur heutigen Gedenkkerze am Silvesterabend ein Gedicht von Friedrich Wilhelm Wagner, das schon etwas nachdenklich stimmt.
Was erwarten Sie vom nächsten Jahr? Sind Sie voller Zuversicht, dass vieles besser wird? Oder gehören Sie zu den grundsätzlich pessimistischen Menschen?
Franz war vor einem Jahreswechsel durchaus optimistisch - können wir das auch in der "heutigen Zeit?"
Ich war eigentlich stets "Berufsoptimist" - wenn andere mein(t)en, es wird alles noch entsetzlicher, hielt mein Vater es- und später auch ich wie der Kölner "Et hätt noch immer jot jejange"...ich gebe aber zu, dass dieser Satz mir nicht mehr so leicht über die Lippen geht wie früher.
Ich wünsche den Leserinnen und Lesern von Franz Gedenkseite jedenfalls einen guten Start ins neue Jahr, ein friedvolles und gesundes Jahr 2026!
Bleiben wir zuversichtlich ... ? Halten wir es wie
der Kölner...
Diese Gedenkkerze widme ich Franz und Axel.
Silvester
vin Friedrich Wilhelm Wagner
Man sitzt besinnlich still bei seinen Sachen
Und wartet. Auf was wartet man?
Man weiß es nicht. Man klopft mit schwachen
Und bangen Schlägen bei der Zukunft an.
Was wird uns öffnen? Weinen oder Lachen?
Ein Glück? Ein Wunder? Oder eine Tat?
Man sitzt ...
Und klopft und lauscht und bangt, vor dem was naht.
Friedrich Wilhelm Wagner, *16. August 1892 in Hennweiler, Hunsrück, LK Bad Kreuznach, +22. Juni 1931 in Schönberg, Schwarzwald, heute zu Seelbach, Ortenaukreis.
Wagner war ein deutscher Schriftsteller und Expressionist, welcher weitestgehend in Vergessenheit geraten ist und quasi erst in
den 80er Jahren wiederentdeckt wurde.
Zur heutigen Gedenkkerze am Heiligen Abend ein längerer Text, welchen es sich aber durchaus lohnt, ihn einmal zu lesen.
Ich wünsche Ihnen und ihren Angehörigen eine besinnliche Christnacht und friedvolle Weihnachten! Sollten Sie an diesen Tagen einen lieben Menschen besonders vermissen, vielleicht sogar durch einen Sterbefall in diesem Jahr, wünsche ich Ihnen gerade an diesen Tagen viel Kraft! Ist ein lieber Mensch in ihrem Umfeld erkrankt, oder gar Sie selbst, wünsche ich Ihnen oder der entsprechenden Person gute Genesung, Zuversicht und Hoffnung!
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Die 8-jährige Virginia OHanlon schrieb einst der schon eingestellten Zeitung "New York Sun" die Frage "Is there a santa?" - gibt es einen Weihnachtsmann?
Francis P. Church von der New York Sun schrieb dazu auf der Titelseite einen Leitartikel, welcher über viele Jahrzehnte immer wieder zu Weihnachten auf der Titelseite gedruckt wurde:
Emmy-Gewinn 1974.
Virginia: "Lieber Redakteur: Ich bin 8 Jahre alt.
Einige meiner kleinen Freunde sagen, dass es keinen Weihnachtsmann gibt.
Papa sagt: Wenn du es in der Sun siehst, ist es so!
Bitte sagen Sie mir die Wahrheit: Gibt es einen Weihnachtsmann?"
Virginia O’Hanlon.
115 West Ninety-fifth Street.
Francis P. Church: "Virginia, deine kleinen Freunde haben unrecht.
Sie sind beeinflusst von der Skepsis eines skeptischen Zeitalters. Sie glauben an nichts,
das sie nicht sehen. Sie glauben, dass nichts
sein kann, was ihr kleiner Verstand nicht fassen kann. Der Verstand, Virginia, sei er nun von Erwachsenen oder Kindern, ist immer klein. In diesem unserem großen Universum ist der Mensch vom Intellekt her ein bloßes Insekt, eine Ameise, verglichen mit der grenzenlosen Welt über ihm, gemessen an der Intelligenz, die zum Begreifen der Gesamtheit von Wahrheit und Wissen fähig ist.
Ja, Virginia, es gibt einen Weihnachtsmann.
Er existiert so zweifellos wie Liebe und Großzügigkeit und Zuneigung bestehen, und
du weißt, dass sie reichlich vorhanden sind
und deinem Leben seine höchste Schönheit
und Freude geben. O weh! Wie öde wäre die Welt, wenn es keinen Weihnachtsmann gäbe. Sie wäre so öde, als wenn es dort keine Virginias gäbe.
Es gäbe dann keinen kindlichen Glauben, keine Poesie, keine Romantik, die diese Existenz erträglich machen. Wir hätten keine Freude außer durch die Sinne und den Anblick. Das ewige Licht, mit dem die Kindheit die Welt erfüllt, wäre ausgelöscht.
Nicht an den Weihnachtsmann glauben! Du könntest ebenso gut nicht an Elfen glauben! Du könntest deinen Papa veranlassen, Menschen anzustellen, die am Weihnachtsabend auf alle Kamine aufpassen, um den Weihnachtsmann
zu fangen; aber selbst wenn sie den Weihnachtsmann nicht herunterkommen sähen, was würde das beweisen? Niemand sieht den Weihnachtsmann, aber das ist kein Zeichen dafür, dass es den Weihnachtsmann nicht gibt. Die wirklichsten Dinge in der Welt sind jene, die weder Kinder noch Erwachsene sehen können. Sahst du jemals Elfen auf dem Rasen tanzen? Selbstverständlich nicht, aber das ist kein Beweis dafür, dass sie nicht dort sind. Niemand kann die ungesehenen und unsichtbaren Wunder der Welt begreifen oder sie sich vorstellen.
Du kannst die Babyrassel auseinanderreißen und nachsehen, was darin die Geräusche erzeugt; aber die unsichtbare Welt ist von einem Schleier bedeckt, den nicht der stärkste Mann, noch nicht einmal die gemeinsame Stärke aller stärksten Männer aller Zeiten, auseinanderreißen könnte. Nur Glaube, Phantasie, Poesie, Liebe, Romantik können diesen Vorhang beiseiteschieben und die übernatürliche Schönheit und den Glanz dahinter betrachten und beschreiben. Ist das alles wahr? Ach, Virginia, in der ganzen Welt ist nichts sonst wahrer und beständiger.
Kein Weihnachtsmann! Gott sei Dank lebt er, und er lebt auf ewig. Noch in tausend Jahren, Virginia, nein, noch in zehnmal zehntausend Jahren wird er fortfahren, das Herz der Kindheit zu erfreuen..."
Gesegnete Weihnachten!
Zur heutigen Gedenkkerze am Vorabend des 4. Advents ein Gedicht von Heinrich Fontane.
Nur noch 4 Tage bis zur Christnacht -
Franz hätte sicherlich schon vor einigen Tagen einen Weihnachtsbaum - mit meiner Mutter und mir zusammen - ausgesucht, natürlich wollte ich als Kind, das dieser sofort aufgebaut und geschmückt wird...
...aber betteln half nicht wirklich...meistens wurde der Christbaum nicht vor dem 22. Dezember ins Haus gebracht...
Das folgende Gedicht von Fontane erschien auch in ähnlicher, aber kürzerer Version unter dem Namen "Wir sehen schon den Stern", hier erscheint dieser Satz in der letzen Verszeile der
3. Strophe.
Sehen Sie schon den Stern? Halten wir doch einmal Ausschau...
in uns selbst...
Verse zum Advent
von Heinrich Fontane
Noch ist Herbst nicht ganz entflohn,
Aber als Knecht Ruprecht schon
Kommt der Winter hergeschritten,
Und alsbald aus Schnees Mitten
Klingt des Schlittenglöckleins Ton.
Und was jüngst noch, fern und nah,
Bunt auf uns herniedersah,
Weiß sind Türme, Dächer, Zweige,
Und das Jahr geht auf die Neige,
Und das schönste Fest ist da.
Tag du der Geburt des Herrn,
Heute bist du uns noch fern,
Aber Tannen, Engel, Fahnen
Lassen uns den Tag schon ahnen,
Und wir sehen schon den Stern.
Heinrich Theodor Fontane, *30. Dezember 1819 in Neuruppin, Brandenburg, +20. September 1898 in Berlin.
Fontane war ein deutscher Schriftsteller, Journalist und Kritiker.
Er gilt als bedeutender Vertreter des Realismus.
Zur heutigen Gedenkkerze am 3. Advent (Gaudete) ein Gedicht von Franz Grillparzer.
Noch sind es 10 Tage bis zur Christnacht -
Franz freute sich immer sehr auf diese lichtreiche Advents- und Weihnachtszeit, trug mir als Kind viele passende Geschichten vor,
die meine Vorfreude auf das Fest kaum im Zaum halten konnte...
Das folgende Gedicht von Fontane kommt so
gar nicht adventlich herüber, dennoch wägt der Dichter bei seinem melancholischen, fast düsteren Blick auf den Dezember ab - und es offenbart sich ihm der Sinn dieser Zeit mit wehmütigem, eher aber retrospektiven Blick auf den Mai als dass eine prospektive Hoffnung auf das Frühjahr in ihm keimt...
Ich wünsche Ihnen dennoch einen besinnlichen 3. Advent, mit einer perspektiverischen Sicht auf die kommenden Tage bis zum Fest...
Dezemberlied
von Franz Grillparzer
Harter Winter, streng und rauch,
Winter, sei willkommen!
Nimmst du viel, so gibst du auch,
Das heißt nichts genommen!
Zwar am Äußern übst du Raub,
Zier scheint dir geringe,
Eis dein Schmuck und fallend Laub
Deine Schmetterlinge,
Rabe deine Nachtigall,
Schnee dein Blütenstäuben,
Deine Blumen, traurig all’
Auf gefror’nen Scheiben.
Doch der Raub der Formenwelt
Kleidet das Gemüte,
Wenn die äußere zerfällt,
Treibt das Inn’re Blüte.
Die Gedanken, die der Mai
Locket in die Weite,
Flattern heimwärts kältescheu
Zu der Feuerseite.
Sammlung, jene Götterbraut,
Mutter alles Großen,
Steigt herab auf deinen Laut,
Segenübergossen.
Und der Busen fühlt ihr Weh’n,
Hebt sich ihr entgegen,
Lässt in Keim und Knospen seh’n,
Was sonst wüst gelegen.
Wer denn heißt dich Würger nur?
Du flichst Lebenskränze,
Und die Winter der Natur
Sind der Geister Lenze!
Franz Grillparzer, genannt "österreichischer Nationaldichter" war Schriftsteller und Dramatiker, *15. Januar 1791 in Wien, +31. Januar 1872 ebenda.
Diese Gedenkkerze möchte ich nicht nur Franz, sondern auch seinem erstgeborenen Sohn, meinem ältesten Bruder Axel widmen.
Am heutigen 12. Dezember vor vier Jahren verstarb Axel plötzlich
und unerwartet einen Tag nach seinem 70. Geburtstag. Aus familiären Gründen habe ich noch keine Gedenkseite für ihn anlegen können.
Leider bestand aufgrund eines Familienstreits kein Kontakt mehr zu Axel und seiner Familie. Jeder mag es anders sehen, ich sehe mich aber nicht "berechtigt" eine Seite für meinen Bruder zu erstellen.
Daher möchte ich auf den Gedenkseiten meines Vaters und auch meiner Mutter Gerda einige Worte aus Axels Leben schreiben:
Der erstgeborene Sohn meiner Eltern erblicke am 11. Dezember 1951 in Gladbeck die Welt. Erst fast 19 Jahre später wurde ich geboren, mein Vater war zu diesem Zeitpunkt schon 44 Jahre alt, meine Mutter 39.
Axel besuchte das hiesige Gymnasium, nach dem Abitur studierte mein Bruder überwiegend in Marburg Germanistik und Sport. So konnte ich als Kind bei häufigen Besuchen dort die unglaublich schöne, mittelalterlich geprägte Stadt Marburg an der Lahn kennen- und lieben lernen. Für mich war es bis dahin "meine Traumstadt" der Kindheit, und meinen Bruder wie seine Freundin und spätere Gattin zu besuchen ein unglaubliches Highlight.
Mein Bruder Axel war für mich immer das große Vorbild, ich wollte auch Lehrer werden und sonst nichts anderes - wir verstanden uns
1:1, es gab in meiner Kindheit und Jugend niemals Streit zwischen uns, und Axel erfüllte mir im Prinzip fast jeden Wunsch. Ausflugsfahrten, Abenteuerspielplätze, Schwimmbadbesuch, ins Fußballstadion...er kümmerte sich rührend um sein kleines "Brüderchen", wie Axel mich auch immer nannte.
Nach dem Rückzug von Marburg ins Ruhrgebiet nahm Axel zwei Referendarstellen in Gladbeck und Oberhausen an. Bis zur Rente arbeitete mein Bruder als Studienrat für Deutsch und Sport wie Vertrauenslehrer am Essener Don Bosco Gymnasium. Zwischenzeitlich war er auch Sprintertrainer bei der SGO Oberhausen, ich kam oftmals mit zum Training ins Stadion und konnte auch sehr bekannte Leichtathleten (Olympia) kennenlernen.
Natürlich nahm mich Axel mit zu deutschen Leichtathletik-Meisterschaften in verschiedene Stadien der Republik.
Axel war gläubiger Katholik, ein Vorbild im Glauben, den er nicht mit Strenge, sondern mit Fröhlichkeit lebte. Mein Bruder lächelte ständig, hatte einen großen Humor, konnte Tränen lachen wenn wir uns beispielshalber zusammen einen Louis des Fúnes-Film ansahen. Ein unglaublich positiver Mensch - meine Eltern verstanden sich ebenfalls prächtig mit ihrem Sohn, wer ihn nicht leiden mochte - war nicht zu verstehen.
Axel wurde zweimal Vater, 1983 und 1986, seine Söhne waren für mich das Allergrößte - wie kleine Brüder, die ich mir immer wünschte. Schon mit 13 Jahren wurde ich Onkel - ich war unglaublich stolz auf meinen ersten kleinen Neffen.
Nachdem wir uns viele Jahre nicht gesehen hatten entschloss ich mich, meinem Bruder Axel zum 70. Geburtstag eine Karte zu schicken. Mit der Aussicht, sehr bald Bilder von meiner Familie und mir zu schicken, in der Hoffnung auf ein Wiedersehen. Das ich Axel in aller Kürze zu Grabe tragen würde, war unvorstellbar.
Einen Tag nach seinem 70. Geburtstag verstarb Axel plötzlich und unerwartet. Mein Bruder war, wie ich durch andere familiäre Kontakte schon zuvor erfuhr, herzkrank. Einen weiteren Tag später erfuhr ich von meiner Cousine, welche informiert wurde, das Axel nicht mehr lebt. Er fühlte sich nicht gut und lag leblos auf seiner Couch.
Ich war geschockt, jetzt gerade, wo endlich einer von uns nach viel zu langer Zeit versuchte das Eis zu brechen, verstarb mein Bruder. Ich merkte, das es einerlei war, ob man sich einige Jahre nicht mehr gesehen hat, oder ob es noch gestern gewesen war. Meine Trauer war groß, ich war fassungslos. Die vielen guten Erinnerungen an Axel wurden sehr präsent.
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Die Trauerfeier war eine filmreife Farce und Beleidigung für meinen Bruder. 8! Trauergäste, kein Pfarrer, keine Trauerbegleitung oder RednerIn, die Witwe erschien nicht, die Urne wurde in ein Fach in eine Stele geschoben, Zeremonie beendet...kein Trauerkaffee...
Die Trauerfeier wurde genauso wenig kommuniziert wie die Todesnachricht, beides erfuhr man über Umwege. Das ehemalige Lehrerkollegium meines Bruders wurde nicht informiert, erst Monate später erfuhren sie die Todesnachricht. Als mir klar wurde dass mein Bruder kein christliches Begräbnis bekommen würde, und nur durch meine Intention beim hiesigen Pfarrer, welcher zufällig von einer anderen Trauerfeier kam, segnete er Axels Urne und betete gemeinsam mit Gerdas Schwester Thea und mir ein Vater Unser.
Ich hatte aber trotz des ausbleibendem Kaffetrinkens noch Gelegenheit mich nach vielen Jahren mit meinen beiden Neffen vor der Trauerhalle zu unterhalten. Wir sprachen uns aus, redeten über ihren Vater, meinen Bruder. Ich persönlich fragte nicht, warum man Axel wie einen "Verbrecher" bestattete, und auch nicht warum seine eigene Ehefrau nicht erschien. Der einhellige Tenor der Trauergäste war, dass dies "die armseeligste Begräbnisfeier sei, die man jemals erlebt hat", dies wurde auch laut von meiner Cousine ausgesprochen.
Meine Tante und meine Cousine hatten ebenfalls seit vielen Jahren keinen Kontakt zu Axel und seiner Familie, der Familienstreit zog weite Kreise.
Zu einem meiner Neffen habe ich noch WhatsApp-Kontakt, der andere brach den Kontakt zu mir wieder ab. Den Satz von ihm "Ich halte eigentlich wenig Kontakt zur Familie und Bekannten, ich finde Menschen schwierig", sagt schon eine Menge aus...ich reichte jedem die Hand, auch meinem anderen Bruder, zudem vor der Trauerfeier auch etwa 15 Jahre kein Kontakt bestand - meine Versuche, ihn wiederzutreffen, verliefen durch fadenscheinige Argumente seinerseits im Sande. Er hatte auch zuletzt, wie ich erfuhr, keinen persönlichen Kontakt mehr zu unserem Bruder Axel und Gattin.
Ich reichte ihm an Axels Begräbnisfeier ebenfalls die Hand, wir tauschten WhatsApp-Nummern aus. Ich bekam keine Antworten
mehr.
Ich hörte von einer Verwandten das mein mittlerer Bruder sagte:
"Das kommt alles viel zu spät" - ein schlimmer Satz nach meinem Empfinden. Ich war der, der ihm immer wieder die Hand reichte...
Für mich ist es nie zu spät, neu anzufangen. Ich kann mich umdrehen, und alles ist vergessen, was vorfiel. Diesen Charakterzug habe ich im Prinzip auch nicht von ihm erwartet. Manche Menschen können nur schwarz-weiß sehen, andere bunt und facettenreich.
Zu seiner Witwe, meiner Schwägerin, besteht nach wie vor kein Kontakt. Ich hörte, das sie auch nicht zur Trauerfeier ihrer sehr alten Mutter erschien...
Vielleicht haben Sie jetzt ein bisschen Verständnis dafür, warum ich für meinen Bruder Axel aus familiären Gründen keine Gedenkseite anlegen "kann" und möchte.
Es bleibt die Erinnerung an einen der für mich persönlich wichtigsten Menschen, der mich in meiner Kindheit und Jugend geprägt hat, stets Vorbild war und ohne den ich mich vielleicht nicht zu dem Menschen entwickelt hätte, der ich bin.
Auf dem staubigen Erdhaufen des Familienstreits blühen mittlerweile ein paar wenige Rosen. Der Berg wird allerdings niemals abgetragen werden können.
Wir sehen uns wieder, Axel, am Ende der Nacht, im Reich des Lichtes und des Friedens!
Zur heutigen Gedenkkerze eine Geschichte aus meiner Kindheit, passend zum heutigen Nikolausabend.
Ich erinnere mich gerne zurück an den Nikolausabend in meiner Kindheit. Oder doch lieber nicht...?
Er war fast so aufregend wie der Heilige Abend, schließlich gab
es ja neben den Naschereinen ein oder zwei kleine Geschenke, beispielshalber ein Spielzeugauto, eine Playmobilfigur, ein Quartett...meine Mutter rief gen Dämmerung (gespielt) aufgeregt:
"Der Nikolaus! Ich glaube ich habe draußen den Nikolaus gesehen!" Nun, das einzig erschreckende daran war, dass die Nikolaus,
die mein Vater trug, sehr spukig aussah. Eine Plastikmaske mit dicken, roten, hervorstehenden Wangen, Knollennase, die Augen meines Vaters verloren sich gruselig verrutschend hinter dieser...heute würde man diese Nikolausmaske vielleicht am ehesten zu Halloween tragen...
mein Vater trat nah an das Wohnzimmerfenster heran und blickte hinein.
Aufgeregtheit, Freude und auch Grusel - bis zum 5. Lebensjahr hielt
ich diese Gestalt mit der furchteinflößenden Maske wirklich für den Nikolaus...die Geschenke entschädigten dann doch für den kleinen Schrecken...
Ja, heute "spiele" ich den Nikolaus für meine Lieben, vor einigen
Jahren noch wirklich verkleidet, da die Tochter meiner Partnerin
noch im Kindesalter war. Auch am heutigen Abend stelle ich beiden aber immer noch einige Geschenkchen und Leckereien vor die Tür. Irgendwann rufe ich aufgeregt: "Ich sehe draußen den Nikolaus!"
Und wir alle haben Freude an dieser schönen Tradition - auch jetzt noch. Und: Der Nikolaus hat bisher auch immer noch meinen Schuh gefüllt...
Zur heutigen Gedenkkerze am 1. Dezember ein Gedicht von Heinrich Hoffmann "Struwwelpeter", passend auch zum Dezemberbeginn.
Freuen Sie sich auf diesen Monat, nach diesem zumindest in meiner Region ab Mitte des Monats recht nassen und ungemütlichen November?
Mein Vater mochte natürlich die Adventszeit, ich erinnere mich an meine Kindheit, als wir zusammen beim Anzünden der ersten Kerze gemeinsam mit meiner Mutter den Kinderreim "Advent, Advent (...) sprachen und "Wir sagen Euch an den lieben Advent" von Ferschl/
Rohr sangen...wundervolle Erinnerungen!
Die folgenden Verse beschreiben den Dezember als "letzten von
zwölf Brüdern", und stellen uns Jahres-retrospektiv eine Art Gewissensspiegel vor Augen...
Dezember
von Heinrich Hoffmann
Er ist der letzte von zwölf Brüdern,
Des Jahres Pforte schließt er zu.
Was du gewonnen hast an Gütern
Und was verloren, zähle du!
Doch wäge strenger und besonnen,
Und schließ genaue Rechnung ab,
Was du an Weisheit hast gewonnen,
Und was an Torheit sich ergab.
Heinrich Hoffmann, *13. Juni 1809 in Frankfurt/Main, +20. September 1894 ebenda. Hoffmann war ein dt. Psychiater, Lyriker und auch Kinderbuchautor, von ihm stammt auch das berühmte Werk "Struwwelpeter"
Zum morgigen Totensonntag oder Ewigkeitsonntag ein paar Gedanken, Zitate von großen Meistern.
Auch mit katholischem Hintergrund (Christkönigsfest, 100-jähriges Jubiläum) war für Franz dieser Tag eindeutig dem Totengedenken mit Friedhofsgang gewidmet, nicht nur zu Allerheiligen und Allerseelen.
So halten wir es auch heute.
Für Franz. Für seinen Sohn Axel und Bruder Rudolf.
Für seine Eltern Anna und Franz sen.
Und meine Seele spannte weit ihre Flügel aus,
flog durch die stillen Lande als flöge sie nach Haus…
Joseph von Eichendorff
Und am Abend meiner Reise
hebt der Ewige seine Hände.
Und er winkt und lächelt leise.
Und die Reise ist zu Ende.
Hermann Claudius
Ihr, die ihr mich so geliebt habt,
seht nicht auf das Leben, das ich beendet habe,
sondern auf das, welches ich beginne.
Aurelius Augustinus (Augustinus von Hippo, Hl. Augustinus,
Bischof von Rom, 354-430)
Zur heutigen Gedenkkerze ein kleines Gedicht von Max Dauthendey.
Der November hatte uns bisher regelrecht verwöhnt - bis gestern herrschten noch Temperaturen bis zu 18° C vor - heute nieselt es
den ganzen Tag leicht bei deutlichem Temperatursturz.
...Franz beklagte sich nie über das Wetter, am Fenster aber auch bei Spaziergängen verfolgte er das wilde Wolkenspiel, Regen schien ihm nichts anhaben zu können. Ich vernahm nie ein Fluch über das Novemberwetter, kein Murren meines Vaters. Ich sehe es ähnlich,
es gibt kein "schlechtes Wetter" - ein Hamburger Meteorologe sagte einmal: "Es gibt für mich nichts langweiligeres als einen über Wochen blauen Himmel" - ertragen Sie das Wetter (auch) in Geduld, ändern können wir es ja eh nicht...
Für Franz. Für Axel.
November
von Max Dauthendey
Bin heut im erstarrten Garten gewesen,
Wo ich in deinem Auge einst Lieder gelesen;
Wo die Biene den Tropfen Seligkeit sog,
Und wie ein Stückchen Himmel der Schmetterling flog.
Wo der Mond aufstieg wie der Liebe Lob,
Wie ein Herz, das sich von der Erde hob,
Und wo jetzt die Wurzeln der Blumen verwesen,
Hab ich in toten Blättern noch Lieder gelesen.
Max Dauthendey, dt. Dichter und Maler, * 25. Juli 1867 in Würzburg, +20. August 1918 in Malang auf Java, Niederländisch-Indien, seit 1949 Indonesien.
Zur heutigen Gedenkkerze ein bekanntes Herbstgedicht von Friedrich Hebbel.
Im Gegensatz zum Oktober, welcher einer der nassesten seit vielen Jahren war, verwöhnt uns dieser November nun mit traumhaftem Herbstwetter - die vergangene Woche war in unseren Breitengraden sonnendurchflutet mit strahlend blauem Himmel, bei Tagestemperaturen teilweise bis 18° C.
Franz hätte bei solch einem Wetter sicherlich ausgedehnte Spaziergänge durch Feld und Wald unternommen -vielleicht aber
auch in seinem Garten Strauch- und Hecken-Rückschnitte gemacht und das (letzte) Laub der Obstbäume zusammengefegt, welches ja in diesem Herbst besonders früh begann zu fallen...
Dies ist ein Herbsttag ...
von Friedrich Hebbel
Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen sah!
Die Luft ist still, als atmete man kaum,
Und dennoch fallen raschelnd, fern und nah,
Die schönsten Früchte ab von jedem Baum.
O stört sie nicht, die Feier der Natur!
Dies ist die Lese, die sie selber hält,
Denn heute löst sich von den Zweigen nur,
Was von dem milden Strahl der Sonne fällt.
Christian Friedrich Hebbel, früheres Pseudonym Dr. J. F. Franz,
*18. März 1813 in Wesselburen/Dithmarschen, heutiges Schleswig-Holstein, +13. Dezember 1863 in Wien.
Hebbel war deutscher Dramatiker, Lyriker und Erzähler "Maria Magdalena", sehenswert das Hebbel-Museum in Wesselburen
mit 550 Exponaten.
Allerheiligen - eigentlich ist der (katholische) Gedenktag für die Toten erst am morgigen Allerseelentag, so wird in den Kirchen auch erst morgen den verstorbenen des letzten Jahres namentlich gedacht. Heute finden aber auf vielen Friedhöfen und auch in Kirchen nachmittägliche Totenandachten statt, mit anschließender Gräbersegnung.
Das Grab von Franz ist bereits eingeebnet, allerdings ist aus seiner Grabstätte ein Rasenstück entstanden, die Konturen seiner Ruhestätte sind aber noch deutlich zu erkennen, so daß man dort auch noch eine Kerze aufstellen kann.
Ein Foto seines ursprünglichen Grabes finden sie hier im Bilderalbum.
Diese Gedenkkerze ist heute auch besonders Franz ältestem Sohn, meinem Bruder Axel gewidmet. Aus besonderen familiären Gründen habe ich bisher keine Gedenkseite für ihn anlegen können.
Das Sichtbare vergeht,
doch das Unsichtbare bleibt ewig.
Korinther 4, 18
Zur heutigen Gedenkkerze ein Herbstgedicht von Rainer Maria Rilke.
Dis Sonne schien bis eben noch durch schon bedrohlich anmutende Wolken - das Sturmtief ist in Anmarsch, der Wind nimmt an Fahrt auf.
Franz hätte vielleicht noch einen kleinen Spaziergang unternommen, das wilde Wolkenspiel und die umherwirbelnden Blätter beobachtet.
Für Franz. Für Axel.
Blätter
von Rainer Maria Rilke
Die Blätter fallen,
fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.
Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.
Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.
Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.
Rainer Maria Rilke, *04.12.1875 in Prag, +29.12.1926 in Glion, Kanton Waadt, Schweiz, seit 1953 "Glion sur Montreux."
Zur heutigen Gedenkkerze ein Gedicht von Rainer Maria Rilke, vorher eine kleine Geschichte aus meiner Kindheit:
Vor wenigen Tagen sah ich zum ersten Mal in diesem Herbst am frühen Morgen mein Lieblingssternbild Orion am Himmel. Ich warte immer sehnsüchtig darauf, es ist in der nördlichen Hemisphäre den ganzen Winter sichtbar, etwa bis Ostern, bald auch die komplette Nacht.
Unser schönstes Wintersternbild - wenn ich es erblicke, muss ich immer an meinen Vater denken, wie er mich als Kind nach Einbruch
der Dämmerung auf dem Arm in unseren Garten trug und mir häufig Orion zeigte, mir die einzelnen Sterne erklärte. Bellatrix und Betelgeuse, Rigel, Meissa - und Mintaka im Gürtel des Orion.
Sicherlich hat dies meine Liebe zur Sternenkunde begründet - vielen Dank dafür, Vater! Unvergessen schöne Momente der Kindheit.
Nachthimmel und Sternenfall
von Rainer Maria Rilke
Der Himmel, groß, voll herrlicher Verhaltung,
ein Vorrat Raum, ein Übermaß von Welt.
Und wir, zu ferne für die Angestaltung,
zu nahe für die Abkehr hingestellt.
Da fällt ein Stern! Und unser Wunsch an ihn,
bestürzten Aufblicks, dringend angeschlossen:
Was ist begonnen, und was ist verflossen?
Was ist verschuldet? Und was ist verziehen?
Rainer Maria Rilke, eigentlich René Karl Wilhelm Johannes
Maria Rilke, *1875 in Prag, +1926 im Sanatorium Valmont bei Montreux.
Rilke war ein österr. Lyriker deutscher und französischer Sprache.
Zur heutigen Gedenkkerze am Tag der Deutschen Einheit ein Oktobergedicht von Erich Kästner.
Der heutige Feiertag ist ziemlich durchwachsen, wilde Wolken, am Morgen etwas Regen, gerade ist es trocken. Die ersten beiden Oktobertage waren ausgesprochen schön mit viel Sonne bei milden Temperaturen.
Franz mochte, ja liebte gar den Herbst, wie auch ich. Mein Vater hätte heute einen ausgedehnten Spaziergang unternommen, sich das Wolkenspiel angesehen, durch die schon nicht wenig umherfliegenden Blätter gestapft.
"Riechst du das Laub, den Duft des Herbstes?"
...an diese Worte meines Vaters erinnere ich mich gern zurück, dabei atmete er tief durch...
Für Franz. Für Axel.
Der Oktober
von Erich Kästner
Fröstelnd geht die Zeit spazieren.
Was vorüber schien, beginnt.
Chrysanthemen blühn und frieren.
Fröstelnd geht die Zeit spazieren.
Und du folgst ihr wie ein Kind.
Geh nur weiter, bleib nicht stehen.
Kehr nicht um, als seis zuviel.
Bis ans Ende musst du gehen,
hadre nicht in den Alleen.
Ist der Weg denn schuld am Ziel?
Geh nicht wie mit fremden Füßen
und als hättst du dich verirrt.
Willst du nicht die Rosen grüßen?
Lass den Herbst nicht dafür büßen,
dass es Winter werden wird.
Auf den Wegen, in den Wiesen
leuchten, wie auf grünen Fliesen,
Bäume bunt und blumenschön.
Sinds Buketts für sanfte Riesen?
Geh nur weiter, bleib nicht stehn.
Blätter tanzen sterbensheiter
ihre letzten Menuetts.
Folge folgsam dem Begleiter.
Bleib nicht stehen. Geh nur weiter,
denn das Jahr ist dein Gesetz.
Nebel zaubern in der Lichtung
eine Welt des Ungefährs.
Raum wird Traum. Und Rausch wird Dichtung.
Folg der Zeit. Sie weiß die Richtung.
„Stirb und werde!“ nannte ers.
Emil Erich Kästner, *23. Februar 1899 in Dresden, +29. Juli 1974 in München.
Kästner war ein dt. Schriftsteller, Publizist, Drehbuchautor und Kabarettdichter - "Das doppelte Lottchen" oder "Emil und die Detektive" werden fast jedem etwas sagen. Er zählt zu den Autoren von Weltgeltung. 1959 bekam Kästner das Große Bundesverdienstkreuz.
Zur heutigen Gedenkkerze ein bekanntes Herbstgedicht von Friedrich Hebbel.
Das Wochenende wird nach ein paar fast trüben, recht kühlen und leicht durchwachsenem Wetter
durchaus freundlich - viel Sonne bei Temperaturen um 18-19° C sind angekündigt.
Der Oktober steht schon vor der Tür - Franz würde heute sicherlich einen ausgedehnten Spaziergang durch Feld und Wald unternehmen - vielleicht aber auch in seinem Garten die ersten Strauch- und Hecken-Rückschnitte machen und das Laub der Obstbäume zusammenfegen, welches in diesem Jahr besonders früh fällt - wir sind ja der Natur in diesem Jahr um ein paar Wochen voraus -
- jedenfalls lädt das Wetter heute in hiesigen Breitengraden zu einigen frühherbstlichen Aktivitäten ein...
Dies ist ein Herbsttag...
von Friedrich Hebbel
Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen sah!
Die Luft ist still, als atmete man kaum,
Und dennoch fallen raschelnd, fern und nah,
Die schönsten Früchte ab von jedem Baum.
O stört sie nicht, die Feier der Natur!
Dies ist die Lese, die sie selber hält,
Denn heute löst sich von den Zweigen nur,
Was von dem milden Strahl der Sonne fällt.
Christian Friedrich Hebbel, früheres Pseudonym Dr. J. F. Franz, *18. März 1813 in Wesselburen/
Dithmarschen, heutiges Schleswig-Holstein,
+13. Dezember 1863 in Wien.
Hebbel war deutscher Dramatiker, Lyriker und Erzähler "Maria Magdalena", sehenswert das Hebbel-Museum in Wesselburen mit 550 Exponaten.
Zur heutigen Gedenkkerze zum morgigen astronomischen Herbstanfang (20:19 Uhr)
zwei Zitate über den Herbst.
Ein Wetterwechsel ist schon im Gange, nach einem sehr sommerlichen Freitag folgte ein nochmals ziemlich warmer, aber schwüler Samstag bei schon wechselnder Bewölkung.
Dieser Sonntag begann mit Regen und auch deutlichem Temperatursturz...
Auf der ganzen Welt findet morgen die Tag- und Nachtgleiche statt - mit dem Unterschied dass
es auf der Südhalbkugel Frühlingsanfang ist...
Mein Vater äußerte schon einmal: "Für mich ist
der Herbstbeginn mein Frühlingsanfang" - ich
sehe es genauso, meine beiden Lieblings- Jahreszeiten folgen nun...eine ewige Liebe - einmal (Herbst-) und Winterkind - fortwährend immer dies!
Die folgenden Zitate bejahen eindeutig den
Herbst und beleuchten ihn von seiner schönen, anmutigen Seite:
"Die Farben des Herbstes...ein mächtiger Blumengarten, der im Bann des Zauberers
Frost erblüht."
John Greenleaf Whittier, amerik. Dichter.
"Solange der Herbst andauert, werde ich nicht genug Hände, Leinwand und Farben haben, um
die schönen Dinge zu malen, die ich sehe."
Vincent van Gogh
Zur heutigen Gedenkkerze ein frühherbstliches
Gedicht von Christian Morgenstern.
Nun, die folgenden Verse passen schon durchaus zum heutigen Wetter und dies der letzten Tage.
Nachdem es am letzten Wochenende noch einmal sommerlich warm wurde herrscht nun durchwachsenes Wetter vor, die Sonne zeigt sich ab und zu durch wilde Wolken, es ist recht windig bei Temperaturen deutlich unter 20°C. Schauer zogen am Morgen durch, in der Nacht sollen weitere folgen.
Franz würde am heutigen Samstagnachmittag sicherlich einen größeren Spaziergang durch Wald und Feld unternehmen, im Gegensatz zu meiner Mutter würde mein Vater sicherlich keine Wehmut des fast schon vergangen Sommers verspüren - seine Gedanken und Vorfreude wären bei einem schönen Herbst, der sich heute auf eine doch noch sehr sanfte Weise vorstellt...
Diese Gedenkkerze ist für Franz und für seinen ältesten Sohn, meinem Bruder Axel.
Sieh, des Herbstes Geisteshelle ...
(auch unter dem Titel „Früh-Herbst“)
von Christian Morgenstern
Sieh, des Herbstes Geisteshelle
klärt und adelt die Gelände;
Erdenbreiten, Himmelswände
kost dieselbe lautre Welle.
O du glückversunken Säumen,
eh die Sommerfarben sterben!
O du letztes Liebeswerben
aus den unbegriffnen Räumen!
»Dass mir so die Seele leuchte,
wann ich einst des Winters werde!«
Und in meines Auges Feuchte
spiegelt sich der Schmelz der Erde.
Christian Otto Josef Wolfgang Morgenstern,
*06. Mai 1871 in München, +31. März 1914 in Untermais, Tirol, damaliges Königreich Österreich-Ungarn.
Morgenstern war ein deutscher Dichter, Schriftsteller und Übersetzer. Größere
Bekanntheit erlangte Morgenstern durch
seine "komische Lyrik", die aber nur ein
Teil seines Gesamtwerkes ist.
Zur heutigen Gedenkkerze an einem sonnigen
und warmen Septembersonntag ein Gedicht
von Theodor Fontane.
"O trübe diese Tage nicht, sie sind der letzte Sonnenschein (...)" - so beginnen Fontanes
Verse - aber so dramatisch muss es ja nicht werden - man darf davon ausgehen, dass es sicher noch den einen oder anderen sonnigen
und vielleicht auch warmen oder zumindest recht milden September- oder Oktobertag geben wird.
Ob es allerdings heuer noch solch einen prächtigen Sonntag gibt? In hiesigen Breitengraden finden heute viele Feste statt, Stadtfeste, Pfarrfeste und Weinfeste, Apfel- und Wiesenfeste wie hier nebenan - das erste Septemberwochenende verwöhnt uns noch einmal mit viel Sonnenschein und Temperaturen über 25° C.
Nun, Franz war ja ein "Herbst- und Wintermensch" wie ich es bin, allerdings konnte mein Vater auch einen solchen Septembertag durchaus genießen -
zur fortgeschritten Jahreszeit wissend, dass diese Tage nun begrenzt sind. Die größte Hitze und schwüle Nächte sind vorüber, morgen schon wird das Wetter wieder durchwachsener...
...genießen Sie diesen Tag, falls es Ihnen gesundheitlich möglich ist. Wir wissen nicht, wie die nächsten Wochenenden aussehen werden...
O trübe diese Tage nicht
von Theodor Fontane
O trübe diese Tage nicht
Sie sind der letzte Sonnenschein;
Wie lange, und es lischt das Licht,
Und unser Winter bricht herein.
Dies ist die Zeit, wo jeder Tag
Viel Tage gilt in seinem Wert,
Weil mans nicht mehr erhoffen mag,
Dass so die Stunde wiederkehrt.
Die Flut des Lebens ist dahin,
Es ebbt in seinem Stolz und Reiz,
Und sieh, es schleicht in unsern Sinn
Ein banger, nie gekannter Geiz;
Ein süsser Geiz, der Stunden zählt
Und jede prüft auf ihren Glanz -
O sorge, dass uns keine fehlt,
Und gönn uns jede Stunde ganz."
Heinrich Theodor Fontane, *30.12. 1819 in Neuruppin, heute Kreisstadt im Landkreis Ostprignitz-Ruppin, Brandenburg, +20.09.1898
in Berlin.
Fontane war ein dt. Schriftsteller, Journalist
und Kritiker, er gilt als bedeutender Vertreter
des Realismus.
Zur heutigen Gedenkkerze am 1. September ein Gedicht von Hermann Hesse.
Meteorologisch gerechnet ist heute schon Herbstanfang. Sind Sie deswegen voller Wehmut - oder sogar, wie ich, durchaus froh, dass der September seinen Einzug erhält?
Mein Vater, nun wirklich kein Sommerfreund und ähnlich mir ein Nachtschattengewächs sagte öfter mal den Satz: "Man muss durch den Sommer durch" - da ich diese Aussage öfter schon rezitiert habe, erntete ich schon Hohn und Spott - wie Franz einst.
Wie mein Vater und ich Sonnenanbeter nicht verstehen konnten und können - so verstanden Franz und heute auch mich Sommerjecken ebenfalls nicht. "Du bist doch verrückt" - gar Anfeindungen musste ich schon ertragen,
wenn ich mich als Herbst- und Winterkind
outete.
Gut, dass ich mittlerweile gar nicht so wenig ähnlich empfindende Menschen kennen lernte...
Es handelt sich hierbei nur um die Vorliebe für
eine Jahreszeit - und den Herbst und Winter
mehr zu lieben als den Sommer ist sicher keine Geisteskrankheit...
Für Franz. Für Axel.
Mittag im September
von Hermann Hesse
Es hält der blaue Tag
Für eine Stunde auf der Höhe Rast.
Sein Licht hält jedes Ding umfaßt,
Wie mans in Träumen sehen mag:
Daß schattenlos die Welt,
In Blau und Gold gewiegt,
In lauter Duft und reifem Frieden liegt.
- Wenn auf dies Bild ein Schatten fällt! -
Kaum hast du es gedacht,
So ist die goldene Stunde
Aus ihrem leichten Traum erwacht,
Und bleicher wird, indes sie stiller lacht,
Und kühler wird die Sonne in der Runde.
Hermann Hesse, (Pseudonym Emil Sinclair), *2. Juli 1877 in Calw, Württemberg, +9. August 1962 in Montagnola, Schweiz.
Hesse war ein deutsch-schweizerischer Schriftsteller, Dichter und Maler.
Zur heutigen Gedenkkerze ein Augustgedicht von Max Dauthendey.
Der Monat August war wie eine Fahrt mit der Achterbahn - mal große Hitze, schwüle Nächte, hohe Ozonwerte. Dann wiederum einige regnerische Tage mit schon angenehm kühlen Nächten. In den letzten Tagen konnte das Wetter sich offenbar nicht richtig entscheiden - weder "warm noch kalt", immer wieder kleine Schauer - der September steht bereits vor der Tür...
Franz wartete zu diesem Zeitpunkt schon ungeduldig auf einen baldigen Herbst - ganz im Gegensatz zu meiner Mutter - dem absoluten Sommerkind...
Atemloser August
von Max Dauthendey
Sommermonde machen Stroh aus Erde,
Die Kastanienblätter wurden ungeheuer von Gebärde,
Und die kühnen Bäume stehen nicht mehr auf
dem Boden, drehen sich in Lüften her gleich den grünen Drachen.
Blumen nahen sich mit großen Köpfen, und scharlachen,
Blau und grün und gelb ist das Gartenbeet, hell zum Greifen,
Als ob grell mit Pfauenschweifen ein Komet vorüberweht.
Und mein Blut, das atemlos bei den sieben Farbenstreifen stille steht...fragt sich: wenn die Blum, Baum und Felder sich verschieben, ob zwei Menschen, wenn die Welt vergeht.
Zweie, die sich lieben, nicht von allen Wundern übrig blieben.
Max Dauthendey, *25.07. 1860 in Würzburg,
+29.08.1918 in Malang, Java, damals Niederländisch-Indien, heutiges Indonesien.
Zur heutigen Gedenkkerze ein Sommergedicht
von Wilhelm Jensen.
Nun ist der August schon weit fortgeschritten - nach ein paar sehr heißen Tagen mit großer Schwüle und schlechter Luftqualität mit zu
hohen Ozonwerten haben wir nun eine Atempause - leicht bewölkt bei 19° C.
Franz wäre froh und dankbar gewesen über
diese Abkühlung, wie auch ich. Vor Wärme kaum schlafen zu können, ist nicht schön. Aber den meisten die ich sprach, erging es ebenfalls so in den vergangenen Tagen...
Ähnlich wie in den folgenden Versen erlebten wir die Mittagsstunde noch vor kurzem:
Und wieder ist’s des Sommers Geisterstunde...
von Wilhelm Jensen
Und wieder ist’s des Sommers Geisterstunde,
Da stumm das Haus im heißen Mittag schweigt, Geschloss’ne Läden füll’n die Saalesrunde
Mit goldnem Dämmern; nur, von Laub umzweigt,
Trägt fernher durch des Nebenraumes Dunkel
Ein Fenster blitzend sonnengrünes Licht: Kein Schall, kein Regen in dem Glanzgefunkel,
Das wie von ausgestorbnem Leben spricht.
Und schön und schaurig fühlt mein eignes Leben
Sich angerührt von leisem Geisterstab:
Ein Kommen ist’s, ein Schwinden und ein Schweben
In jenen stillen Strahlen auf und ab.
Ein Nichts, und alles, was ich je besessen,
In mir, und doch zugleich unendlich fern,
Ein Allgedenken und ein Allvergessen
Ein Lebenstraum auf einem andern Stern.
Wilhelm Jensen, *15. Februar 1837 in Heiligenhafen, heute Kreis Ostholstein, +24. November 1911 in München.
Sein Grab befindet sich auf der Fraueninsel, Chiemsee, BY.
Jensen war ein deutscher Lyriker und Schriftsteller.
Zur Gedenkkerze ein schönes, heiteres Sommergedicht von Joachim Ringelnatz.
Mein Vater war schon humorvoll, ich erinnere
mich gerne daran zurück, dass er mir öfter das kleine Gedicht "Die Ameisen" von Ringelnatz vortrug.
Einige Verse von ihm sind schon von sehr deftigem Humor, welche man nur schwer für Gedenkseiten verwenden kann.
Ich glaube dieses, auch passend zum August, läd zumindest zum Schmunzeln ein...
Für Franz. Für Axel.
Schwebende Zukunft
von Joachim Ringelnatz
Habt ihr einen Kummer in der Brust
Anfang August,
Seht euch einmal bewußt an,
Was wir als Kinder übersahn.
Da schickt der Löwenzahn
Seinen Samen fort in die Luft.
Der ist so leicht wie Duft
Und sinnreich rund umgeben
Von Faserstrahlen, zart wie Spinneweben.
Und er reist hoch über euer Dach,
Von Winden, schon vom Hauch gepustet.
Wenn einer von euch hustet,
Wirkt das auf ihn wie Krach,
Und er entweicht.
Luftglücklich leicht.
Wird sich sanft wo in Erde betten.
Und im Nächstjahr stehnen dort,
die fetten, goldigen Rosetten,
Kuhblumen, die wir als Kind übersehn.
Zartheit und Freimut lenken
Wieder später deren Samen Fahrt.
Flöge doch unser aller Zukunftsdenken
So frei aus und so zart.
Joachim Ringelnatz (eigentl. Hans-Gustav Bötticher), *06. August 1883 in Wurzen, heute Große Kreisstadt im Lk. Leipzig), +17. Nov. 1934
in Berlin.
Ringelnatz war ein deutscher Dichter und Lyriker, Schriftsteller, Erzähler, Kabarettist und auch Maler.
Zur heutigen Gedenkkerze ein Gedicht von Ludwig Thoma.
Der August ist erst drei Tage alt - wie auch schon die letzte Juliwoche sind diese Tage geprägt von Schauerwetter.
Franz wäre durchweg nicht unzufrieden mit
einem sehr wechselhaften, gar nassen August,
litt er - und auch ich - mehr unter Hitze und Binnenlands-Schwüle als viele andere in
unserem Umfeld.
Viele schüttelten früher den Kopf über seinen wenig vorhandenem "Sonnen- und Sommersinn", wie auch ich häufig auf Unverständnis treffe und auch Spott erfahre, wenn ich äußere, dass ich ein Herbst- und Winterkind bin und ich diese Zeit zelebriere und genieße wie andere die Sommersaison...
...nun, es war noch nie einfach einer Minderheit anzugehören, ohne verspottet oder sogar als "bekloppt" betitelt zu werden.
"Anders sein" ist offensichtlich nach wie vor verboten, es ist kein Platz dafür in den Köpfen noch vieler engstirniger, von Normen geprägter Mitmenschen, wenn etwas, jemand von der Norm abweicht.
Für Franz. Für Axel.
August
von Ludwig Thoma
gekürzt
(...für all die, welche Sommerregen verabscheuen...)
So hat man nichts als immer Regen,
Es plätschert laut, es rieselt still,
Es sammelt Dreck auf allen Wegen,
Wie Gott es will.
Man fühlt sich gänzlich auf dem Hunde
Und kommt so weit, wenns immer gießt,
Dass man in einer solchen Stunde
Die Zeitung liest.
Man hört den Regen, liest die Seiche
Und hat so das Gefühl dabei,
Man trete in das Windelweiche,
In lauter Brei.
Ludwig Thoma, *21. Januar 1867 in Oberammergau, +26. August 1921 in Tegernsee.
Thoma war ein deutscher Schriftsteller und Rechtsanwalt, welcher in der jetzigen Zeit sehr umstritten ist.
Ludwig Thoma stellte in seinen Werken gerne
die Scheinmoral der Menschen bloß - ebenso klagte er die Schwäche wie Dummheit der Spießbürger an.
Aufgrund von ihm veröffentlichter Artikel im "Miesbacher Anzeiger" zu Beginn der Zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts warf das Magazin "Spiegel" Thoma 1989 vor, sich im Alter zu einem wütenden Antisemiten entwickelt zu haben. Eine sehr unschöne Entwicklung.
Zur heutigen Gedenkkerze ein schönes, kleines Sommergedicht von Theodor Fontane.
Vielleicht kannte Franz auch diese folgenden Verse, ich erinnere mich an einige Werke von Fontane, unter anderem auch ein Gedichtband
im heimischen Bücherschrank, es ist leider nicht
in meinem Besitz.
Mittag
von Theodor Fontane
Für Franz. Für Axel.
Am Waldessaume träumt die Föhre,
Am Himmel weiße Wölkchen nur,
Es ist so still, dass ich sie höre,
Die tiefe Stille der Natur.
Rings Sonnenschein auf Wies und Wegen,
Die Wipfel stumm, kein Lüftchen wach,
Und doch, es klingt, als ström’ ein Regen
Leis tönend auf das Blätterdach.
Heinrich Theodor Fontane, *30.12. 1819 in Neuruppin, heute Kreisstadt im Lk Ostprignitz-Ruppin, Brandenburg, +20.09.1898 in Berlin.
Fontane war ein dt. Schriftsteller, Journalist
und Kritiker, er gilt als bedeutender Vertreter
des Realismus.
Zur heutigen Gedenkkerze ein Gedicht von Friedrich Nietzsche.
Franz war einerseits ein ernster Mensch, hatte aber auch eine große Portion Humor und konnte über vieles lachen.
Besonders amüsierte er sich über Filme und Sketche von Heinz Erhardt, Dieter Hallervorden auch über die Filme von Louis des Funės. Franz hatte Tage, an denen er sehr in sich gekehrt und verschlossen wirkte, an anderen Tagen "juxte" mein Vater den halben Tag lang und wurde schir albern - in positivem Sinne!
Mein verstorbener Bruder Axel hatte wie unsere Mutter Gerda ein sehr ansteckendes Lachen, wie Franz eine große Portion Humor - Axel musste immer sofort Tränen lachen - egal wie kurz das Amüsement war...
...ich habe auch all dies in guter Mischung - Gott sei Dank!
Für Franz. Für Axel.
Lachen
von Friedrich Nietzsche
Eine ernste Kunst ist Lachen
Soll ich’s morgen besser machen,
Sagt mir: macht’ ich’s heute gut?
Kam der Funke stets vom Herzen?
Wenig taugt der Kopf zum Scherzen,
Glüht im Herzen nicht die Glut.
Friedrich Nietzsche, *15.10.1844 in Röcken
(heute zu Lützen, Sachsen-Anhalt), +25.08.1900
in Weimar.
Nietzsche war ein dt. klassischer Philologe und Philosoph.
Zur Gedenkkerze ein paar Zeilen vom evangelischen Mystiker Gerhard Tersteegen.
Franz war ein frommer Mensch, kirchlich stark engagiert, er las viele christliche Bücher und verglich alte Schriften, machte sich dazu allerlei Notizen.
Da er auch daheim die kirchliche Rendantur führte, ging der Pfarrer bei uns fast täglich ein und aus. In Sachen Glauben war mein Vater schon ein Vorbild - sicher nicht nur für mich.
Für Franz. Für Axel.
Laßt uns doch (...) untersuchen, ihr Seelen, was lieben wir?
Was hat bei uns das Übergewicht?
Woran denken wir des Morgens am ersten?
Und woran den Tag hindurch am meisten?
Denn dabei kann man schon so was prüfen, wo unser Schatz ist.
Gerhard Tersteegen, niederdt. Gerrit ter Steegen,
* 25.Nov. 1697 in Moers, Niederrhein, +03. April 1769 in Mülheim an der Ruhr.
Tersteegen gilt als ev. Mystiker, Schriftsteller und Kirchenlieddichter, Laienprediger. In Mülheim an der Ruhr findet man im mittelalterlichen Stadtkern das Tersteegenhaus wie seinen Grabstein vor der ev. Stadtkirche.
Zur heutigen Gedenkkerze ein kleines Sommergedicht von Joseph von Eichendorff.
Das Wetter ist sehr unruhig und wechselhaft
in diesem Juli, als ob es sich nicht recht entscheiden mag...kurze Hitzewellen, Temperatursturz, Gewitter und Starkregen - welcher auch eben die große Hitze von 38° C,
die wir bis vorhin erlebten, erst einmal beendete...
...die Ernte fällt voraussichtlich in diesem Jahr nicht sehr üppig aus.
Franz hatte seine ganz eigenen Methoden, seine Gartenernte zu verbessern oder gar zu retten, sollte es auch ein noch so durchwachsener Sommer gewesen sein.
Mein Vater hatte ein Händchen dafür, Erdbeer- pflänzen und Himbeer-, Brombeer- oder Johan- nisbeersträucher zu schützen, sei es durch Pla-
nen in "1-Form", die auf Holzbalken getackert
vor starkem Regen schützten oder selbst gebastelte Windschutzwände.
An Ernteausfälle im hiesigen Garten kann ich mich jedenfalls nicht erinnern...
Für Franz. Für Axel.
Wechsel
von Joseph von Eichendorff
Es fällt nichts vor, mir fällt nichts ein,
Ich glaub’ die Welt steht still,
Die Zeit tritt auf so leis und fein,
Man weiß nicht, was sie will.
Auf einmal rührt sich’s dort und hier –
Was das bedeuten mag?
Es ist, als hört’st du über dir
Einen frischen Flügelschlag.
Rasch steigen dunkle Wetter auf,
Schon blitzt ’s und rauscht die Rund’
Der lust’ge Sturmwind fliegt vorauf –
Da atm’ ich aus Herzensgrund.
Joseph Karl Benedikt Freiherr von Eichendorff,
*10. 03.1788 auf Schloss Lubowitz bei Ratibor, Oberschlesien, heutiges Racibórz, poln. Woiwodschaft Schlesien (Śląskie), +26.11.1857
in Neisse, Oberschlesien, heutiges Nysa, poln. Woiwodschaft Oppeln (Opole).
Von Eichendorff war ein bedeutender Lyriker und Schriftsteller der deutschen Romantik. Er zählt zu den meistvertonten deutschsprachigen Lyrikern.
Zur Gedenkkerze ein Gedicht von Andreas Gryphius aus dem 17. Jahrhundert.
Heute ist es nach einem Hitzetag ungewöhnlich stürmisch - das Nordafrikahoch trifft auf das Islandtief. Franz hätte es genossen, wäre trotz Warnung und Mahnung spazieren gegangen, um das wilde Wolkenspiel ganz genau zu verfolgen...wie auch ich...
Für Franz. Für Axel.
Betrachtung der Zeit
von Andreas Gryphius
Mein sind die Jahre nicht, die mir die Zeit genommen,
Mein sind die Jahre nicht, die etwa möchten kommen.
Der Augenblick ist mein, und nehm’ ich den in acht,
So ist der mein, der Jahr und Ewigkeit gemacht.
Andreas Gryphius, bedeutendster Lyriker des Barock, *02.10. 1626 in Glogau, +16.07. 1664 ebenda.
Zur heutigen Gedenkkerze ein Gedicht von Max Dauthendey.
Nach einer kurzen Hitzewelle regnete und gewitterte es in der Nacht, heute früh gab es die letzten Tropfen.
Franz vertrug Hitze gar nicht gut, wie auch ich.
So wäre mein Vater froh gewesen über den heutigen Temperatursturz, hätte vielleicht an diesem Sonntag einen ausgedehnten Spaziergang unternommen und tief durchgeatmet...
Die folgenden Verse von Dauthendey erinnern vielleicht eher an triste Novembertage, aber mir
ist danach, dieses Gedicht trotzdem einmal - sicher ungewöhnlich - im Juni - zu präsentieren.
Regen
von Max Dauthendey
Da draußen regnet es weit und breit.
Es regnet graugraue Verlassenheit.
Es plaudern tausend flüsternde Zungen.
Es regnet tausend Erinnerungen.
Der Regen Geschichten ums Fenster rauscht.
Die Seele gern dem Regen lauscht.
Der Regen hält dich im Haus gefangen.
Die Seele ist hinter ihm hergegangen.
Die Insichgekehrte ist still erwacht,
Im Regen sie weiteste Wege macht.
Du sitzt mit stummem Gesicht am Fenster,
Empfängst den Besuch der Regengespenster.
Maximilian Albert Dauthendey, *25. Juli 1867 in Würzburg, +29. August 1918 in Malang auf Java, Indonesien.
Zur heutigen Gedenkkerze ein Gedicht von Erich Kästner, welches im Juni beginnt und uns heiter durch die Jahreszeiten führt.
Franz wäre es durchaus genehm gewesen, wenn der Junibeginn noch recht durchwachsen war, und noch keine erste große Hitzewelle vorherrschte.
Am gestrigen letzten Maiabend suchten uns schwere Gewitter heim, die auch bis weit in die erste Juninacht anhielten.
Für Franz. Für Axel.
Der Juni
von Erich Kästner
Die Zeit geht mit der Zeit: Sie fliegt.
Kaum schrieb man sechs Gedichte,
ist schon ein halbes Jahr herum
und fühlt sich als Geschichte.
Die Kirschen werden reif und rot,
die süßen wie die sauern.
Auf zartes Laub fällt Staub, fällt Staub,
so sehr wir es bedauern.
Aus Gras wird Heu. Aus Obst Kompott.
Aus Herrlichkeit wird Nahrung.
Aus manchem, was das Herz erfuhr,
wird, bestenfalls, Erfahrung.
Es wird und war. Es war und wird.
Aus Kälbern werden Rinder
Und weils zur Jahreszeit gehört,
aus Küssen kleine Kinder.
Die Vögel füttern ihre Brut
und singen nur noch selten.
So ists bestellt in unsrer Welt,
der besten aller Welten.
Spät tritt der Abend in den Park,
mit Sternen auf der Weste.
Glühwürmchen ziehn mit Lampions
zu einem Gartenfeste.
Dort wird getrunken und gelacht.
In vorgerückter Stunde
tanzt dann der Abend mit der Nacht
die kurze Ehrenrunde.
Am letzten Tische streiten sich
ein Heide und ein Frommer,
obs Wunder oder keine gibt.
Und nächstens wird es Sommer.
Emil Erich Kästner, *23. Februar 1899 in Dresden, +29. Juli 1974 in München.
Kästner war ein dt. Schriftsteller, Publizist, Drehbuchautor und Kabarettdichter -
"Das doppelte Lottchen" oder "Emil und die Detektive" werden fast jedem etwas sagen.
Er zählt zu den Autoren von Weltgeltung. 1959 bekam Kästner das Große Bundesverdienstkreuz.
Zur heutigen Gedenkkerze ein Gedicht von Friedrich Nietzsche.
Franz war einerseits ein ernster Mensch, hatte aber auch eine große Portion Humor und konnte über vieles lachen.
Besonders amüsierte er sich über Filme und Sketche von Heinz Erhardt, Dieter Hallervorden - auch über die Filme mit Louis des Funės.
Franz hatte Tage, an denen er sehr in sich gekehrt und verschlossen war, an anderen Tagen "juxte" mein Vater den halben Tag lang und wurde schir albern - in positivem Sinne!
Für Franz. Für Axel.
Lachen
von Friedrich Nietzsche
Eine ernste Kunst ist Lachen
Soll ich’s morgen besser machen,
Sagt mir: macht’ ich’s heute gut?
Kam der Funke stets vom Herzen?
Wenig taugt der Kopf zum Scherzen,
Glüht im Herzen nicht die Glut.
Friedrich Nietzsche, *15.10.1844 in Röcken
(heute zu Lützen, Sachsen-Anhalt),
+25.08.1900 in Weimar.
Nietzsche war ein dt. klassischer Philologe und Philosoph.
Zur heutigen Gedenkkerze ein Gedicht von Hermann Löns.
"Kurz ist der Mai" - nun gut, über zwei Wochen lang können "wir" ihn noch "genießen" - lieben Sie diesen Monat mehr als den Juni, den Juli? Nun, es geht in der Tat ein Zauber von diesem Monat aus, welcher die meisten in seinen Bann zieht.
Franz hätte sicherlich auf eine gewisse Art und Weise diesen Monat auch "geschätzt", allerdings war mein Vater, wie auch ich - ein Freund der kühleren Jahreszeit...
Der Dichter lässt keine Option zum Mai - alles andere ist ihm offenbar ein Greuel, wenn er nur - schon jetzt - an kommende Schneetage denkt...
Genießen Sie den heutigen Tag - kurz ist der Mai...
Für Franz. Für Axel.
Kurz ist der Mai
von Hermann Löns
Herzblatt am Lindenbaum, Du grüner Maientraum,
Es sang die Nachtigall Ihren süßen Schall;
Sang Liebe, sang Leide, sang Freud und sang Leid, Lang ist das Leben, aber kurz die Maienzeit.
Schöne Zeit ist längst vorbei Welk ist der grüne Mai, Nachtigall singt nicht mehr, der Lindenbaum steht leer;
Aus Liebe ward Leide, aus Liebe ward Leid, lang ist das Leben, aber kurz die Maienzeit.
Will in den Garten gehn, wo die letzten Rosen stehn, aber o weh, o weh, Da liegt der Schnee; Schnee der tut wehe, Schnee der bringt Leid,
Lang ist das Leben, aber kurz die Maienzeit.
Hermann Löns, *29. August 1866 in Culm, Westpreußen, heute Chełmno, poln. Woiwodschaft Kujawien-Pommern, +26. September 1914 bei Reims, Frankreich.
Löns war ein deutscher Schriftsteller, Journalist, Naturforscher und "Heidedichter", dessen Verse ihn schon zu Lebzeiten zum Mythos machten.
Zur heutigen Gedenkkerze für Franz in der Trauerwoche für Papst Franziskus ein etwas "gediegeneres" Gedicht von Rilke.
Gratia coniunctus in aeternum, Franciscus PP.!
Und seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.
Mt 28,20
Du Dunkelheit
von Rainer Maria Rilke
Du Dunkelheit, aus der ich stamme
ich liebe dich mehr als die Flamme,
welche die Welt begrenzt,
indem sie glänzt
für irgend einen Kreis,
aus dem heraus kein Wesen von ihr weiß.
Aber die Dunkelheit hält alles an sich:
Gestalten und Flammen, Tiere und mich,
wie sies errafft,
Menschen und Mächte –
Und es kann sein: eine große Kraft
rührt sich in meiner Nachbarschaft.
Ich glaube an Nächte.
Rainer Maria Rilkes Gedicht Du Dunkelheit entstand am 22. September 1899 in Berlin-Schmargendorf.
Es wurde in einer Phase veröffentlicht, in der Rilke die existenzielle Bedeutung von Dunkelheit und Unbekanntem erforschte.
Das Gedicht thematisiert die Dunkelheit als kraftvolles Symbol für das Verborgene, das der Mensch nur durch tiefes Vertrauen und Hingabe wirklich erfahren kann.
Interpretation der Seite mein-lernen.at:
Rilke betrachtet die Dunkelheit als Ursprung allen Lebens und erkennt in ihr eine Quelle der Kraft und Erkenntnis. Sie steht für die Möglichkeit, verborgene Aspekte des Lebens zu entdecken. Das Licht tritt dabei zurück, während die Dunkelheit zu einer Quelle von Trost und Inspiration wird.
Rainer Maria Rilke, *04.12.1875 in Prag, +29.12.1926 in Glion, Kanton Waadt,
Schweiz, seit 1953 Glion sur Montreux.
Zur heutigen Gedenkkerze in der Osternacht ein Gedicht von Julius Sturm.
Ich erinnere mich besonders gerne an frühere Ostern, die Feste meiner Kindheit. Das Haus war wunderschön österlich geschmückt, blühende Zweige mit bunten Dekoreiern festlich verziert, kleine und große Porzellanhasen standen hier
und dort, und:
Die Suche nach vielen bunten Ostereiern im Garten! Natürlich gab es auch ein paar schöne Geschenke, einen Stoffhasen, ein Spielzeugauto und viele, viele Leckereien auf dem Osterteller.
Am Nachmittage kamen dann die Großeltern
zum großen Festessen. Und: Das Kind freute
sich wieder über einige Osterpräsente...
Ich wünsche den Besuchern von Franz Gedenkseite ein friedvolles Osterfest!
Sie aber erschraken und neigten ihr Angesicht zur Erde. Da sprachen die zu ihnen: Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden.
Lk 24,5
Für Franz. Für Axel.
Ostern
von Julius Sturm
O Herr, wie hast du wieder
Die Deinen reich bedacht!
Du schenkst uns frohe Lieder
Und duft’ge Blütenpracht.
Und unsern Schmerz zu mildern,
Wenn wir an Gräbern stehn,
Weissagst du uns in Bildern
Ein selig Auferstehn.
Horch! rings in allen Landen
Tönt Gruß und Felsgeläut:
Christ ist vom Tod erstanden
Und Ostern ist es heut.
Julius Carl Reinhold Sturm, Pseudonym
Julius Stern, *21. Juli 1816 in Köstritz,
Thüringen, heutiges Bad Köstritz, Landkreis
Greiz, Vogtland, +02. Mai 1896 in Leipzig.
Sturm war ein dt. Dichter der Spätromantik,
zudem von 1856 bis 1885 Pfarrer von Köstritz.
Zur heutigen Gedenkkerze am Karfreitag ein Gedicht von Julius Sturm.
Ich wünsche Ihnen einen besinnlichen Feiertag.
Für Franz. Für Axel.
Karfreitag
von Julius Sturm
O Liebe ohnegleichen,
Die ohne Worte spricht
Aus diesem todesgleichen,
Hochheil’gen Angesicht!
Um mich hast du geworben
In heißer Leidensglut,
Für mich bist du gestorben
Und opfertest dein Blut.
Dein Bild ist mir gegeben
Zum Trost in banger Zeit,
Dein Tod verleiht mir Leben,
Dein Blut Gerechtigkeit.
O seliges Genügen
Erlöst von Schuld und Fluch,
Les‘ ich auf heil’gen Zügen
Der Gnade Segenspruch.
Julius Carl Reinhold Sturm, Pseudonym Julius Stern, *21. Juli 1816 in Köstritz, Thüringen, heutiges Bad Köstritz, Landkreis Greiz, Vogtland, +02. Mai 1896 in Leipzig.
Sturm war ein dt. Dichter der Spätromantik, zudem von 1856 bis 1885 Pfarrer von Köstritz.
Zur heutigen Gedenkkerze am Palmsonntag ein Gedicht von Hermann Löns.
Nach einem sehr warmen und sonnigen Samstag zeigt sich der Palmsonntag heute viel kühler, bewölkt und mit einigen kleinen Schauern.
Die Natur schreit nach Regen, seit vielen Wochen hatten wir bis heute fast keinen Niederschlag -
die meisten Menschen die ich kenne sagen momentan "bloß keinen Regen, soll es doch so bleiben" - sind wir wirklich so egoistisch? Sehr viele offenbar doch...
Franz war kein Sonnenanbeter, im Gegenteil,
er war sogar recht froh, wenn die richtig warmen
und heißen Tage noch in weiter Ferne blieben.
Mein Vater war ein großer "Wetter-Beobachter", und kannte sich hervorragend mit den unterschiedlichen Wolkentypen aus. Nichts war für meinen Vater langweiliger als ein stets blauer Himmel - was gibt es da auch viel zu entdecken im Gegensatz zu einem wilden Wolkenspiel? ...sagte einst ein bekannter Meteorologe...
Ich sehe es ähnlich...auch wenn es die wahren Sonnenkinder niemals verstehen werden...
Für Franz. Für Axel.
Frühling
von Hermann Löns
Hoch oben von dem Eichenast
Eine bunte Meise läutet
Ein frohes Lied, ein helles Lied,
Ich weiß auch, was es bedeutet.
Es schmilzt der Schnee,
Es kommt das Gras,
Die Blumen werden blühen;
Es wird die ganze weite Welt
In Frühlingsfarben glühen.
Die Meise läutet den Frühling ein,
Ich hab es schon lange vernommen;
Er ist zu mir bei Eis und Schnee
Mit Singen und Klingen gekommen.
Hermann Löns, *29. August 1866 in Culm, Westpreußen, heute Chełmno, poln. Woiwodschaft Kujawien-Pommern, +26. September 1914 nahe Loivre bei Reims, Frankreich.
Der "Heidedichter" Löns war ein deutscher Journalist, Schriftsteller, Naturforscher und Naturschützer.
Zur heutigen Gedenkkerze ein Gedicht von Fred Endrikat über den Humor.
Ich erinnere mich gerne an Franz heitere Seite - mein Vater konnte sich köstlich über Heinz Erhardt amüsieren, Sketche mit Dieter Hallervorden oder Harald Juhnke brachten ihn ebenfalls zum lachen - oder auch die Filme mit Louis des Funės. Gerne trug mein Vater Reime von Heinz Erhardt vor, welche er perfekt auswendig konnte...
Passend dazu folgende Verse:
Der Humor
von Fred Endrikat
Humor ist sozusagen unser Senf des Lebens.
Er macht ein Stücklein trocken Brot zum Leibgericht.
Wer ihn nicht selbst besitzt, der hamstert ihn vergebens,
so hat man ihn entweder - oder hat ihn nicht.
Humor ist schwierig oder gar nicht zu ergründen.
Er ist stets taktvoll, niemals vorlaut und nicht spitz.
Humor ist zu erleben und nicht zu erfinden,
im Gegensatz zu seinem kleinen Bruder Witz.
Humor ist unser Freund in allen Lebenslagen,
weil er dem Herz entspringt und nicht dem Intellekt.
Man kann zum Beispiel mit Humor die Wahrheit sagen,
so dass sie uns bekommt und halb so bitter schmeckt.
Humor blüht auch an kühlen Dauerregentagen
und stimmt uns fröhlich, wenn es noch so schaurig ist.
Ja, mit Humor lässt sich sogar ein Humorist ertragen,
und wenn er wirklich noch so traurig ist.
Fred Endrikat, dt. Schriftsteller, *07. Juni 1890
in Nakel an der Netze, Pommern (heute Nakło
nad Notecią , poln. Woiwodschaft Kujawien-Pommern), 12. August 1942 in München.
Endrikat, welcher im Ruhrgebiet aufwuchs, war ein seinerzeit sehr populärer Dichter, Schriftsteller und Kabarettist.


