Von Andreas Steinhardt 03.08.2025 um 14:50 Uhr | melden
Zur heutigen Gedenkkerze ein Gedicht von Ludwig Thoma.
Der August ist erst drei Tage alt - wie auch schon die letzte Juliwoche sind diese Tage geprägt von Schauerwetter.
Franz wäre durchweg nicht unzufrieden mit
einem sehr wechselhaften, gar nassen August,
litt er - und auch ich - mehr unter Hitze und Binnenlands-Schwüle als viele andere in
unserem Umfeld.
Viele schüttelten früher den Kopf über seinen wenig vorhandenem "Sonnen- und Sommersinn", wie auch ich häufig auf Unverständnis treffe und auch Spott erfahre, wenn ich äußere, dass ich ein Herbst- und Winterkind bin und ich diese Zeit zelebriere und genieße wie andere die Sommersaison...
...nun, es war noch nie einfach einer Minderheit anzugehören, ohne verspottet oder sogar als "bekloppt" betitelt zu werden.
"Anders sein" ist offensichtlich nach wie vor verboten, es ist kein Platz dafür in den Köpfen noch vieler engstirniger, von Normen geprägter Mitmenschen, wenn etwas, jemand von der Norm abweicht.
Für Franz. Für Axel.
August
von Ludwig Thoma
gekürzt
(...für all die, welche Sommerregen verabscheuen...)
So hat man nichts als immer Regen,
Es plätschert laut, es rieselt still,
Es sammelt Dreck auf allen Wegen,
Wie Gott es will.
Man fühlt sich gänzlich auf dem Hunde
Und kommt so weit, wenns immer gießt,
Dass man in einer solchen Stunde
Die Zeitung liest.
Man hört den Regen, liest die Seiche
Und hat so das Gefühl dabei,
Man trete in das Windelweiche,
In lauter Brei.
Ludwig Thoma, *21. Januar 1867 in Oberammergau, +26. August 1921 in Tegernsee.
Thoma war ein deutscher Schriftsteller und Rechtsanwalt, welcher in der jetzigen Zeit sehr umstritten ist.
Ludwig Thoma stellte in seinen Werken gerne
die Scheinmoral der Menschen bloß - ebenso klagte er die Schwäche wie Dummheit der Spießbürger an.
Aufgrund von ihm veröffentlichter Artikel im "Miesbacher Anzeiger" zu Beginn der Zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts warf das Magazin "Spiegel" Thoma 1989 vor, sich im Alter zu einem wütenden Antisemiten entwickelt zu haben. Eine sehr unschöne Entwicklung.





