Von Andreas Steinhardt 09.08.2026 um 00:15 Uhr | melden
Zur heutigen Gedenkkerze ein Augustgedicht von Max Dauthendey.
Die Monate Juli und der bisherige August waren wie eine Fahrt mit der Achterbahn - mal große Hitze, schwüle Nächte, hohe Ozonwerte. Dann wiederum ein paar etwas gemäßigtere Tage wie bis gestern, mit relativ angenehmen Nächten.
Die Pegelstände der Flüsse sind bedrohlich auf einem Allzeit-Tiefststand gesunken, die Wiesen sind gelb, zu Stroh geworden.
Regen? Ich weiß gar nicht mehr, wie es sich anfühlt...
Franz wartete (wie auch ich heute) zu diesem Zeitpunkt des Jahres schon ungeduldig auf einen gelinden Frühherbst, den man ab Maria Himmelfahrt so nennen darf - und auf den September, der noch ein paar Wochen auf sich warten lässt - in der Hoffnung auf einen endgültigen Wetterwechsel...
...es gibt einige "Sommerjecken", zumindest zwei sind mir bekannt, welche in letzter Zeit zu mir sagten: "Es kann mir gar nicht heiß genug sein" -
...die allermeisten, und selbst eigentliche Sommerfans äußerten zuletzt zu mir: "Es reicht! Diesmal freuen wir uns wirklich auf den (baldigen) Herbst..."
Atemloser August
von Max Dauthendey
Sommermonde machen Stroh aus Erde,
Die Kastanienblätter wurden ungeheuer von Gebärde,
Und die kühnen Bäume stehen nicht mehr auf
dem Boden, drehen sich in Lüften her gleich den grünen Drachen.
Blumen nahen sich mit großen Köpfen, und scharlachen,
Blau und grün und gelb ist das Gartenbeet, hell zum Greifen,
Als ob grell mit Pfauenschweifen ein Komet vorüberweht.
Und mein Blut, das atemlos bei den sieben Farbenstreifen stille steht...fragt sich: wenn die Blum, Baum und Felder sich verschieben,
ob zwei Menschen, wenn die Welt vergeht.
Zweie, die sich lieben, nicht von allen Wundern übrig blieben.
Max Dauthendey, *25.07. 1860 in Würzburg, +29.08.1918 in Malang, Java, damals Niederländisch-Indien, heutiges Indonesien.




