Gedenkkerzen | Seite 2
Kerze anzündenHier sehen Sie alle 283 Gedenkkerzen, welche für Franz Steinhardt angezündet wurden. Entzünden auch Sie eine Gedenkkerze.
Heute jährt sich der 99. Geburtstag von Franz.
Mein Vater wurde nur 59 Jahre alt. 11 Tage vor seinem 60. Wiegenfest verstarb Franz plötzlich und unerwartet an einem zweiten Infarkt.
Ich erinnere mich gerne zurück an seine Geburtstage, die ich als Kind und Jugendlicher miterlebte. Meine Mutter buk die leckersten Kuchen und kreierte die feinsten Torten, abends wurde meist eine Käseplatte, Spargelröllchen, Lachs und Stangenbrote serviert, dazu wurden mehrere recht gute Flaschen Wein gereicht...
An einigen Geburtstagen konnten wir schon wetterbedingt am Nachmittag im Garten sitzen, auch auf einen Ostersonntag, 1978, fiel einer seiner Ehrentage.
Seine letzten Geburtstage feierte Franz nur im ganz kleinen Kreise, seinen 60. wollte er hingegen groß feiern, sprach zuvor viele Einladungen aus. Diesen Tag erlebte er nicht mehr...
Heute vor 39 Jahren wurde Franz zu Grabe getragen. Unter sehr großer Beteiligung fand
am Vormittag des 22. März 1986 in der Kirche
St. Elisabeth Gladbeck-Ellinghorst, es war ein Samstag, das Requiem für meinen Vater statt.
Franz verstarb eine Woche zuvor plötzlich und unerwartet mit 59 Jahren an seinem 2. Infarkt.
4 Tagen nach der Trauerfeier hätten wir seinen
60. Geburtstag gefeiert. Die Einladungen standen, die Vorbereitungen liefen...
Die große Anzahl an Trauergästen gaben Franz ein ehrenvolles Geleit zu seiner letzten Ruhestätte auf dem städtischen Friedhof zu Gladbeck-Altrentfort.
Sein Grab ist mittlerweile eingeebnet, ein kleines Stück Rasen blieb, welches nicht von neuen Gräbern belegt wurde. So können wir auch heute noch eine Kerze dort aufstellen.
(...) Ich bin die Auferstehung und das Leben.
Wer an mich glaubt, wird leben,
auch wenn er stirbt.
Und wer lebt und an mich glaubt,
wird niemals sterben.(...)
Johannes, 11, 25-26
Heute vor 39 Jahren - am 15. März 1986 -
starb Franz im Alter von 59 Jahren plötzlich
und unerwartet an seinem zweiten Herzinfarkt.
In 11 Tagen jährt sich sein 99. Geburtstag.
Nacht
von Hermann Hesse
Ich habe meine Kerze ausgelöscht;
Zum offenen Fenster strömt die Nacht herein,
Umarmt mich sanft und läßt mich ihren Freund
Und ihren Bruder sein.
Wir beide sind am selben Heimweh krank;
Wir senden ahnungsvolle Träume aus
Und reden flüsternd von der alten Zeit
In unsres Vaters Haus.
Hermann Karl Hesse, Pseudonym Emil Sinclair,
*2. Juli 1877 in Calw, ehem. Königreich Württemberg, +9. August 1962 in Montagnola, Schweiz.
Hesse war ein deutsch-schweizerischer Schriftsteller, Dichter und Maler.
Zur heutigen Gedenkkerze am Aschermittwoch
ein passendes Gedicht von Luise Hensel mit stark christlichem Bezug.
Die närrische Zeit ist nun endgültig vorbei - Franz nahm diese schon ganz gerne mit - als Fan von Heinz Erhardt liegt das schon irgendwo nahe...
... aber ich glaube mein Vater war auch nicht ganz unglücklich, dass das närrische Treiben mit dem Aschermittwoch jäh ein Ende nahm - ewig nur Fasching - wo bleibt dann noch die Freude auf
eine solche Zeit...?
Für Franz. Für Axel.
Aschermittwoch
von Luise Maria Hensel
»Staub bist du und kehrst zum Staube,
Denk, o Mensch, an deinen Tod!«
Wohl, dies weiß ich, doch mein Glaube
Sieht ein ewges Morgenroth.
Sieht ein Land, wo Friedenspalmen
Um des Siegers Scheitel wehn,
Wo umrauscht von ihren Psalmen
Wir der Engel Chöre sehn.
Wo Maria, die Getreue,
Ihr geliebtes Kind uns zeigt,
Wo die Sehnsucht und die Reue
Nun ihr selig Ziel erreicht.
Wo der Vater mit dem Sohne
Und dem heilgen Geist zugleich
Thront auf einem ewgen Throne,
Unaussprechlich herrlich, reich.
Wo wir Den, der je gewesen,
Schauen, wie Er ewig war.
O, dort wird mein Herz genesen!
O, dort wird mein Auge klar!
Luise Maria Hensel, *30. März 1798 in Linum, Mark Brandenburg, heute zur Gemeinde Fehrbellin, Landkreis Ostprignitz-Ruppin in Brandenburg,
+18. Dezember 1876 in Paderborn.
Hensel war eine deutsche christliche Dichterin
und Wegbereiterin neuer Sozialarbeit.
Sie war Schwester des Malers Wilhelm Hensel
und zudem Schwägerin der Komponistin Fanny Hensel, geb. Mendelssohn - der Schwester des Komponisten Felix Mendelssohn.
Zur Gedenkkerze am Rosenmontag ein passendes Gedicht von Hoffmann von Fallersleben.
Lieben Sie den Fasching? Oder ist Ihnen das ganze "Rambo Zambo" (aktueller Friedrich Merz-Ausspruch...) zuwider...
Franz war schon durchaus "jeck", wie auch ich.
Zumindest "Mainz bleibt Mainz (...) oder die Rosenmontags-Umzüge im TV anzusehen, war auch für ihn ein "Pflichtprogramm" - es wurde sicherlich auch das eine oder andere Bier mehr getrunken...
Falls Sie nur wenig oder vielleicht sogar gar
nichts mit der närrischen Zeit anfangen können - gönnen Sie bitte den Menschen diese Tradition -
wir "Narren" freuen uns sehr auf diese "tollen Tage", ein Lichtblick in nicht ganz einfachen Zeiten...
Ab Aschermittwoch können wir ja dann den Rest des Jahres wieder gemeinschaftlich an der Weltpolitik verzweifeln...
Für Franz. Für Axel.
Zur Fastnachtszeit
von Hoffmann von Fallersleben
Und beut der Winter auch manche Leiden,
So will er doch nicht traurig scheiden:
Er bringt uns erst noch die Fastnachtszeit
Mit aller ihrer Lustigkeit.
Da gibt es Kurzweil mancherlei,
Musik und Tanz und Mummerei,
Pfannkuchen, Brezel, Kuchen und Weck,
Und Eier und Würste, Schinken und Speck.
Wir Kinder singen von Haus zu Haus
Und bitten uns eine Gabe aus,
Und machens hinterdrein wie die Alten
Und wollen heuer auch Fastnacht halten.
August Heinrich Hoffmann von Fallersleben war ein dt. Hochschullehrer, Dichter und Übersetzer wie Herausgeber von alten Schriften.
*02. April 1798 in Fallersleben, Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg, seit 1972 zu Wolfsburg.
+19. Januar 1874 im Kloster Corvey, heute zur Stadt Höxter, OWL.
Zur heutigen Gedenkkerze ein Gedicht
von Rilke, passend zum heutigen (meteorologischen) Frühlingsbeginn.
War der März zu Beginn recht trocken und
nicht besonders kalt, begann Franz unseren Garten für den Frühling auf Vordermann zu bringen, beschnitt Ästchen, grub den Boden
um und entfernte das letzte liegengebliebene Laub.
Die nächsten "jecken" Tage sollen (auch) in unseren Breitengraden sehr vorfrühlingshaft werden - mit viel Sonnenschein, passend zum Fasching.
Vorfrühling
von Rainer Maria Rilke
Härte schwand. Auf einmal legt sich
Schonung an der Wiesen aufgedecktes
Grau.
Kleine Wasser ändern die Betonung.
Zärtlichkeiten, ungenau,
greifen nach der Erde aus dem Raum.
Wege gehen weit uns Land und Zeigens.
Unvermutet siehst du seines Steigens
Ausdruck in dem leeren Baum.
Rainer Maria Rilke, *04. Dezember 1875 in Prag,
+29. Dezember 1926 in Valmont bei Montreux, Schweiz.
Zur heutigen Gedenkkerze am Wahlsonntag
ein passendes Gedicht von Ludwig Thoma.
"Rot oder schwarz" - was klingt wie eine Entscheidung beim Roulette, war die Gretchenfrage meiner Eltern vor Wahlen.
Mein Vater beschaffte stets die Briefwahl- unterlagen, es gab jedes Mal größere Diskussionen wo man denn nun sein Kreuzchen
zu setzen hat. Heute kann man es ja sagen -
mein Vater hätte niemals seine Stimme einer anderen Partei gegeben als der CDU, meine
Mutter war überzeugte SPD-Wählerin.
Franz wollte meine Mutter immer davon überzeugen, dass dies der falsche Weg ist - die Diskussionen im meiner Kindheit sind mir noch sehr präsent - letztendlich ließ sich meine Mutter nicht von ihrem Standpunkt abbringen.
Als ich wahlberechtigt wurde, lebte mein Vater schon nicht mehr. Das Resultat dieser einst von mir als Heranwachsender erlebten, müßigen Darlegungen ist, dass ich seit meiner ersten Wahl nie einer dieser beiden Parteien gewählt habe...
Wählen Sie jede beliebige Partei, nur lassen Sie Ihren Finger nicht nach rechts rutschen, tun wir dies, haben wir nichts begriffen. Meine Meinung. Und es wäre auch die meiner Eltern.
Nach den Wahlen
von Ludwig Thoma
Es schreit nicht mehr in fetten Schriften
Das Für und Wider von der Wand.
So laßt uns alle Frieden stiften!
Ein jeder reiche seine Hand!
Zur Menschheit wird auf diesem Wege
Die heißentflammte Wählerschar;
Und wieder Nachbar und Kollege
Ist, wer noch gestern Schurke war.
Ludwig Thoma, *21. Januar 1867 in Oberammergau, +26. August 1921 in
Tegernsee.
Thoma war ein dt. Schriftsteller, Lyriker, Dramatiker und Rechtsanwalt. Durch
seine satirische Betrachtung politischer
Ereignisse wurde er einst populär. Allerdings
wird Thoma heute aufgrund seiner unter
anderem antisemitischen Zeilen seiner letzten
Lebensjahre zunehmend kritisch betrachtet.
Die heutige Gedenkkerze möchte ich nicht nur Franz widmen, sondern auch seinem Cousin Leo,
welcher heute vor einem Jahr im Alter von 89 Jahren von uns ging.
Ich habe Leo, meinen Großcousin, welcher für mich immer nur "Onkel Leo" war, in liebevoller Erinnerung. Ein Mann mit hintergründigem, intelligentem Humor, welchen ich schätzte,
regte er mich doch sehr zum Schmunzeln und Nachdenken an - allerdings kam nicht jeder Verwandte unbedingt mit dieser Art von Humor zurecht.
Leo und sein Sohn Christian begeisterten mich
für den Fußball und nahmen mich zu einem Proficlub mit ins Stadion, sie waren Dauerkarten-Inhaber, durch diesen Besuch wurde ich endgültig für diesen Verein begeistert - vorher schwankte ich in meiner Kindheit noch zwischen zwei Clubs in meiner Sympathie...
Leider bestand zuletzt zwei Jahre lang kein Kontakt zu "Onkel Leo" und seiner Familie, den letzten gab es zum Tod meines Bruders Axel, allerdings auch aus gesundheitlichen Gründen
von Leo nur per Brief, ich teilte ihm und seiner
Frau den Tod von Axel mit - es gab kurze Zeit
einen Briefwechsel.
Aufgrund Leos schwerer Erkrankung kam es nicht mehr zu einem Besuch, ich verstand den Brief seiner Frau so, dass es nicht unbedingt "Sinn macht", es vielleicht nicht erwünscht ist - meine Interpretation zwischen den Zeilen.
Vom Tode Leos erfuhr ich leider erst nachträglich,
die Trauerfeier fand im engsten Familienkreis in Berlin statt.
Leos Mutter, meine Großtante Hedwig, habe ich auch in liebevoller Erinnerung - ihre Herzlichkeit und Fröhlichkeit bleiben mir unvergessen!
Im übrigen verstand sich Franz auch prächtig
mit seinem Cousin, ich erinnere mich an viele Geschichten meines Vaters über schöne, gemeinsame Erlebnisse in jungen Jahren...
Für Franz. Für Leo. Für Hedwig.
In perpetuam memoriam
Und am Abend meiner Reise
hebt der Ewige seine Hände.
Und er winkt und lächelt leise.
Und die Reise ist zu Ende.
Hermann Claudius
Zur heutigen Gedenkkerze an Maria Lichtmess
ein Februargedicht von Erich Kästner.
Nun, es schneit heute nicht, wie in den folgenden Versen beschrieben wird, wir haben dagegen einen sonnendurchfluteten, aber kalten Sonntag mit morgendlichen Temperaturen bei -4° C.
Franz hätte sich heute dick verpackt und nach
der Festmesse und Lichterprozession einen schönen Spaziergang durch Wald und Feld unternommen, sich an dem herrlich blauen Himmel und der klaren Luft erfreut...
Februar
von Erich Kästner
Nordwind bläst. Und Südwind weht.
Und es schneit. Und taut. Und schneit.
Und indes die Zeit vergeht
bleibt ja doch nur eins: die Zeit.
Pünktlich holt sie aus der Truhe
falschen Bart und goldnen Kram.
Pünktlich sperrt sie in die Truhe
Sorgenkleid und falsche Scham.
In Brokat und seidnen Resten,
eine Maske vorm Gesicht,
kommt sie dann zu unsren Festen.
Wir erkennen sie nur nicht.
Bei Trompeten und Gitarren
drehn wir uns im Labyrinth
und sind aufgeputzte Narren
um zu scheinen, was wir sind.
Unsre Orden sind Attrappe.
Bunter Schnee ist aus Papier.
Unsre Nasen sind aus Pappe.
Und aus welchem Stoff sind wir?
Bleich, als sähe er Gespenster,
mustert uns Prinz Karneval.
Aschermittwoch starrt durchs Fenster.
Und die Zeit verläßt den Saal.
Pünktlich legt sie in die Truhe
das Vorüber und Vorbei.
Pünktlich holt sie aus der Truhe
Sorgenkleid und Einerlei.
Nordwind bläst. Und Südwind weht.
Und es schneit. Und taut. Und schneit.
Und indes die Zeit vergeht,
bleibt uns doch nur eins: die Zeit.
Erich Kästner, *23. Februar 1899 in Dresden,
+29. Juli 1974 in München.
Kästner war ein deutscher Schriftsteller, Publizist, Drehbuchautor und Kabarettdichter. Er zählt zu den Autoren von Weltgeltung.
Zur heutigen Gedenkkerze ein Gedicht von Emil Besser.
Der Januar zeigt sich seit vielen Tagen von seiner kalten Seite, Rauhreif bedeckt das Land, die die Bäume wie in weißer Blütenpracht erscheinen lassen, wie ich es selten gesehen habe.
Franz liebte wie auch ich den Anblick der stillen, erstarrten Winterlandschaft - dazu die milchig durchscheinende Wintersonne, welche die glitzernd silbrige Landschaft in ein diffuses
Licht einer Märchenwelt verwandelt.
Mein Vater unternahm gerne mit ihr als Kind ausgedehnte Spaziergänge durch das Feld, im besten Falle natürlich mit einem Schlitten zu dieser Jahreszeit dabei...
Januar
von Emil Besser
Das weite todesmüde Schweigen;
Die kalte Klarheit in der Luft;
Die Bäume mit den kahlen Zweigen;
Auf frischem Schnee ein blauer Duft;
– Und drunter all das junge Leben,
Um dessen still verborgnes Sein
Schon ahnungsvolle Träume schweben
Von einer Welt im Sonnenschein.
Karl Rudolf Emil Besser, Pseudonyme Emil von
der Höhenwarte und Karl Rudolph, *1863 in Trier, +1908? - Daten nicht komplett zu finden.
Besser war ein dt. Schriftsteller, Dichter, Beamter und Steuersekretär.
Zur Gedenkkerze am Dreikönigstag ein Wintergedicht von Georg Trakl.
In einigen christlichen Ländern Europas wie Italien findet heute erst die "weihnachtliche Bescherung" statt, mehrere christlich-orthodox geprägte Staaten feiern heute (erst) Christi Geburt.
Um diesen Zeitpunkt herum bin auch ich geboren, meine Erinnerung an die Geburtstage meiner Kindheit sind natürlich noch sehr präsent.
Meine Eltern gaben sich immer äußerste Mühe ein wunderschönes Fest für mich auszurichten. Viele Kinder fragten mich einst, ob ich nicht lieber später, gar im Sommer Geburtstag haben möchte - ich verneinte, da ich es immer als sehr schön empfand noch unter dem Christbaum meine Geschenke zu bekommen - ein Mischung aus Weihnachten und Geburtstag - und ich fand es immer "praktisch", sich vielleicht etwas zu wünschen, was man am Christfest vermisste
bzw. um etwas zu ergänzen oder zu erweitern...
Ein Winterabend
von Georg Trakl
Wenn der Schnee ans Fenster fällt,
Lang die Abendglocke läutet,
Vielen ist der Tisch bereitet
Und das Haus ist wohlbestellt.
Mancher auf der Wanderschaft
Kommt ans Tor auf dunklen Pfaden.
Golden blüht der Baum der Gnaden
Aus der Erde kühlem Saft.
Wanderer tritt still herein;
Schmerz versteinert die Schwelle.
Da erglänzt in reiner Helle
Auf dem Tische Brot und Wein.
Georg Trakl, *3. Februar 1887 in Salzburg, +3. November 1914 in Krakau, damaliges Galizien, KR Österreich-Ungarn, heute zur poln. Woiwodschaft Kleinpolen.
Trakl war ein österreichischer Dichter des Expressionismus mit starken Einflüssen des Symbolismus.
Zur heutigen Gedenkkerze am Silvesterabend ein Gedicht von Friedrich Wilhelm Wagner, das schon etwas nachdenklich stimmt.
Was erwarten Sie vom nächsten Jahr? Sind
Sie voller Zuversicht, das vieles besser wird?
Oder gehören Sie zu den grundsätzlich pessimistischen Menschen?
Franz war vor einem Jahreswechsel durchaus optimistisch - können wir das auch in der "heutigen Zeit?"
Ich war eigentlich stets "Berufsoptimist", wenn andere meinen, es wird alles noch entsetzlicher, halte ich es in der Regel wie der Kölner "Et hätt noch immer jot jejange"...ich gebe aber zu, das dieser Satz mir in diesen Tagen nicht mehr so leicht über die Lippen geht wie früher.
Ich wünsche den Leserinnen und Lesern von Franz Gedenkseite jedenfalls einen guten Start
ins neue Jahr, ein friedvolles und gesundes Jahr 2025!
Bleiben wir zuversichtlich... ? Halten wir es wie
der Kölner...
Diese Gedenkkerze widme ich Franz und Axel.
Silvester
vin Friedrich Wilhelm Wagner
Man sitzt besinnlich still bei seinen Sachen
Und wartet. Auf was wartet man?
Man weiß es nicht. Man klopft mit schwachen
Und bangen Schlägen bei der Zukunft an.
Was wird uns öffnen? Weinen oder Lachen?
Ein Glück? Ein Wunder? Oder eine Tat?
Man sitzt ...
Und klopft und lauscht und bangt, vor dem was naht.
Friedrich Wilhelm Wagner, *16. August 1892 in Hennweiler, Hunsrück, LK Bad Kreuznach, +22. Juni 1931 in Schönberg, Schwarzwald, heute zu Seelbach, Ortenaukreis.
Wagner war ein deutscher Schriftsteller und Expressionist, welcher weitestgehend in Vergessenheit geraten ist und quasi erst in
den 80er Jahren wiederentdeckt wurde.
Diese Gedenkkerze am Heiligabend widme ich nicht nur Franz, sondern auch den Opfern des furchtbaren Anschlags von Magdeburg.
"Ich bin als das Licht in die Welt gekommen,
damit jeder, der an mich glaubt, nicht länger
in der Dunkelheit leben muss (...)"
Johannes, 12.46
Ich wünsche den Leserinnen und Lesern von Franz Gedenkseite trotzdessen eine besinnliche Christnacht und Weihnachtstage.
Das Wort "Frohe" vermeide ich in diesen Tagen bewusst. Haben Sie noch ein frohes Fest? Corona-Weihnacht im Lockdown, Ukraine-Krieg, Nahost, Wirtschaftskrise, Anschlag?
Ich kenne viele, die genau so empfinden, aber auch diese, die es bewusst ignorieren, es nicht (mehr) an sich ran lassen und feiern, als ob es keinen Morgen mehr gibt.
Nun, es sei jedem selbst überlassen. Ich erwähne es heute, am 24.12. ganz bewusst - wir befinden uns schließlich auch auf den Gedenkseiten und nicht bei TikTok.
In Gedanken werde ich, werden wir in diesen Tagen auch bei den Opfern von Magdeburg und ihren Familien sein. Auch an Weihnachten werden in der Ukraine und in Nahost vermutlich Soldaten und Zivilisten ihr Leben lassen.
Wir werden aus Respekt alles ein wenig zurückhaltender gestalten.
Sollten Sie (auch) an diesen Tagen einen lieben Menschen besonders vermissen, vielleicht sogar durch einen Sterbefall in diesem Jahr, wünsche
ich Ihnen viel Kraft!
Ist ein lieber Mensch in ihrem Umfeld erkrankt, oder gar Sie selbst, wünsche ich Ihnen oder der entsprechenden Person Zuversicht und Hoffnung!
Zur Gedenkkerze heute kein Adventsgedicht - meine Lieben und ich sind in Gedanken bei den Opfern von Magdeburg und ihren Familien.
Es gibt ein Leid, das fremden Trost nicht duldet
und einen Schmerz, den sanft nur heilt die Zeit.
Die Zeit heilt nicht alle Wunden,
sie lehrt uns nur mit dem Unbegreiflichen zu leben.
(beides aus dem Forum november.de, Verfasser nicht genannt)
Zur heutigen Gedenkkerze am Vorabend des
3. Advent ein Gedicht von Rainer Maria Rilke.
Um direkt Bezug zum Gedicht zu nehmen: Haben Sie in ihrer Region in diesem Spätherbst schon "wunderweiße Nächte" gehabt? Ein paar Tage im November hatten wir in meiner Region in der Tat Schneefall, auch zumindest für einen Tag liegen gebliebenen Schnee.
Eine weiße Weihnacht nach vielen Jahren wäre allerdings einmal wieder schön...es ist lange
her...
Meine Großmutter Theresia liebte die weiße Pracht (wie auch ich), wenn es doch einmal hierzulande soweit kommt...
Ich wünsche Ihnen einen gemütlichen 3. Advent.
Es gibt so wunderweiße Nächte
von Rainer Maria Rilke
Es gibt so wunderweiße Nächte,
Drin alle Dinge Silber sind.
Da schimmert mancher Stern so lind,
Als ob er fromme Hirten brächte
Zu einem neuen Jesuskind.
Weit wie mit dichtem Diamantenstaube
Bestreut, erscheinen Flur und Flut,
Und in die Herzen, traumgemut,
Steigt ein kapellenloser Glaube,
Der leise seine Wunder tut.
Rainer Maria Rilke, * 04. Dezember 1875 in Prag, +29. Dezember 1926 in Valmont bei Montreux, Schweiz
Zur heutigen Gedenkkerze am Vorabend des
3. Advents ein Gedicht von Heinrich Fontane.
Nur noch 10 Tage bis zur Christnacht - Franz
hätte sicherlich in diesen Tagen einen Weihnachts- baum mit uns zusammen ausgesucht, natürlich wollte ich als Kind, das dieser natürlich sofort aufgebaut und geschmückt wird...
...aber betteln half nicht wirklich...meistens wurde der Christbaum am 21. oder 22. Dezember ins Haus gebracht...
Das folgende Gedicht von Fontane erschien
auch in ähnlicher, aber kürzerer Version unter
dem Namen " Wir sehen schon den Stern", hier erscheint dieser Satz in der letzen Verszeile der
3. Strophe.
Sehen Sie schon den Stern? Halten wir doch einmal Ausschau...in uns selbst...?
Verse zum Advent
von Heinrich Fontane
Noch ist Herbst nicht ganz entflohn,
Aber als Knecht Ruprecht schon
Kommt der Winter hergeschritten,
Und alsbald aus Schnees Mitten
Klingt des Schlittenglöckleins Ton.
Und was jüngst noch, fern und nah,
Bunt auf uns herniedersah,
Weiß sind Türme, Dächer, Zweige,
Und das Jahr geht auf die Neige,
Und das schönste Fest ist da.
Tag du der Geburt des Herrn,
Heute bist du uns noch fern,
Aber Tannen, Engel, Fahnen
Lassen uns den Tag schon ahnen,
Und wir sehen schon den Stern.
Heinrich Theodor Fontane, *30. Dezember 1819
in Neuruppin, Brandenburg, +20. September 1898 in Berlin.
Fontane war ein deutscher Schriftsteller, Journalist und Kritiker. Er gilt als bedeutender Vertreter des Realismus.
Diese Gedenkkerze möchte ich nicht nur Franz, sondern auch seinem erstgeborenen Sohn, meinem ältesten Bruder Axel widmen.
Am heutigen 12. Dezember vor drei Jahren verstarb Axel plötzlich und unerwartet einen
Tag nach seinem 70. Geburtstag. Aus familiären Gründen habe ich noch keine Gedenkseite für ihn anlegen können. Es gab zu meiner alten Familie über zwei Jahrzehnte keinen Kontakt. Nach dem Tod meines Bruders entstand eine sporadische Wiederaufnahme der Beziehung zu seinen Söhnen, einer hat kurze Zeit später den Kontakt zu der "alten Verwandtschaft" wieder abgebrochen, mit meinem älteren Neffen besteht gelegentlicher Schreibkontakt.
Axel war in meiner Kindheit und Jugend ein großes Vorbild, es gab zu der Zeit niemals Streit zwischen uns, der Altersunterschied zwischen uns Brüdern war sehr groß. Er erfüllte mir quasi jeden Wunsch, war nicht nur der große Bruder, auch Freund und zweiter Vater.
Ein Familienzwist nach dem Tod unserer Mutter beendete jegliche "diplomatische Beziehungen" zwischen seiner jungen Familie und einem Teil
der "alten Verwandtschaft", ich war nicht der einzige, der in diesen Sog hineingezogen wurde.
Was blieb, war ein immenser Scherbenhaufen,
der niemals gekittet wurde. Über 25 Jahre.
Ich sah Axel niemals wieder.
Am Tag seiner Trauerfeier, welche filmreif, bizarr, ja skandalös war (ich habe nichts anderes erwartet...) erschien auch seine Witwe nicht,
bis heute bleibt dieses Rätsel nebulös. Ich habe sie auch nie wieder gesehen.
Was bleibt, ist die schöne Erinnerung an einen der wichtigsten Menschen meines damaligen Lebens, der mich ein Vierteljahrhundert begleitete, und sehr geprägt hat.
Für Franz. Für Axel.
In perpetuam memoriam
Und am Abend meiner Reise
hebt der Ewige seine Hände.
Und er winkt und lächelt leise.
Und die Reise ist zu Ende.
Hermann Claudius
Zur heutigen Gedenkkerze ein Gedicht von Franz Grillparzer.
Am morgigen Sonntag feiern wir den 2. Advent, noch etwas über zwei Wochen bis zum Heiligen Abend.
Franz freute sich immer sehr auf diese lichtreiche Advents- und Weihnachtszeit, trug mir als Kind viele passende Geschichten vor, die meine Vorfreude auf das Fest kaum im Zaum halten konnte...
Das folgende Gedicht von Fontane kommt so
gar nicht adventlich herüber, dennoch wägt der Dichter bei seinem melancholischen, fast düsteren Blick auf den Dezember ab und es offenbart sich ihm der Sinn dieser Zeit mit wehmütigem, eher aber retrospektiven Blick auf den Mai als dass eine prospektive Hoffnung auf das Frühjahr in
ihm keimt...
Ich wünsche Ihnen dennoch einen besinnlichen
2. Advent, mit einer perspektiverischeren Sicht auf die kommenden Tage bis zum Fest...
Dezemberlied
von Franz Grillparzer
Harter Winter, streng und rauch,
Winter, sei willkommen!
Nimmst du viel, so gibst du auch,
Das heißt nichts genommen!
Zwar am Äußern übst du Raub,
Zier scheint dir geringe,
Eis dein Schmuck und fallend Laub
Deine Schmetterlinge,
Rabe deine Nachtigall,
Schnee dein Blütenstäuben,
Deine Blumen, traurig all’
Auf gefror’nen Scheiben.
Doch der Raub der Formenwelt
Kleidet das Gemüte,
Wenn die äußere zerfällt,
Treibt das Inn’re Blüte.
Die Gedanken, die der Mai
Locket in die Weite,
Flattern heimwärts kältescheu
Zu der Feuerseite.
Sammlung, jene Götterbraut,
Mutter alles Großen,
Steigt herab auf deinen Laut,
Segenübergossen.
Und der Busen fühlt ihr Weh’n,
Hebt sich ihr entgegen,
Lässt in Keim und Knospen seh’n,
Was sonst wüst gelegen.
Wer denn heißt dich Würger nur?
Du flichst Lebenskränze,
Und die Winter der Natur
Sind der Geister Lenze!
Franz Grillparzer, genannt "österreichischer Nationaldichter" war Schriftsteller und Dramatiker, *15. Januar 1791 in Wien, +31. Januar 1872 ebenda.
Zur heutigen Gedenkkerze am 1. Advent ein Gedicht von Heinrich Hoffmann "Struwwelpeter", passend auch zum Dezemberbeginn.
Freuen Sie sich auf diesen Monat, nach diesem zumindest in meiner Region zuletzt nassen und ungemütlichen November?
Mein Vater mochte natürlich die Adventszeit,
ich erinnere mich an meine Kindheit, als wir zusammen beim Anzünden der ersten Kerze gemeinsam mit meiner Mutter den Kinderreim "Advent, Advent (...) sprachen und "Wir sagen
Euch an den lieben Advent" von Ferschl/Rohr sangen...wundervolle Erinnerungen!
Die folgenden Verse beschreiben den Dezember als "letzten von zwölf Brüdern", und stellen uns Jahres-retrospektiv eine Art Gewissensspiegel
vor Augen...
Dezember
von Heinrich Hoffmann
Er ist der letzte von zwölf Brüdern,
Des Jahres Pforte schließt er zu.
Was du gewonnen hast an Gütern
Und was verloren, zähle du!
Doch wäge strenger und besonnen,
Und schließ genaue Rechnung ab,
Was du an Weisheit hast gewonnen,
Und was an Torheit sich ergab.
Heinrich Hoffmann, *13. Juni 1809 in Frankfurt/ Main, +20. September 1894 ebenda.
Hoffmann war ein dt. Psychiater, Lyriker und
auch Kinderbuchautor, von ihm stammt auch
das berühmte Werk "Struwwelpeter"
Zur heutigen Gedenkkerze ein Novembergedicht von Clara Müller-Jahnke.
Franz war ziemlich "Jahreszeiten-unabhängig",
er zog aber ähnlich wie auch ich die kühleren Herbsttage mit Wolkenspiel den warmen Sommertagen mit sengender Sonne vor.
Die letzten Tage waren ein wenig stürmisch und regnerisch, selbst das hätte meinen Vater nicht tangiert. Ich meine es war ihm schlichtweg
einerlei - es gab wichtigeres als sich ums Wetter zu scheren...
In Kürze ist Advent, verschönern wir uns
vielleicht jetzt schon das Heim mit bunten Lichtern, duftenden Kerzen, einem Lichterkranz...lassen wir doch ein wenig Heimelichkeit einziehen und voradventlichen Zauber zu...
Novemberabend
von Bruno Wille
Novemberabend kühlt und feuchtet.
Die Ferne stirbt in Dämmerduft.
Mit mattem Blinzeln nur durchleuchtet
Ein Stern die nebeltrübe Luft.
Gedämpfte Glockenlaute beben
Weich summend über Stoppelfeld.
Aus Wiesenniederungen heben
Sich dunkle Massen in die Welt.
Ein alter Pflüger mit dem Pferde
Zieht müde heim; die Pfeife glimmt.
Vom Schäferhund umtummelt, schwimmt
Mit Blöken dorfwärts eine Herde.
Mit qualmigdunkler Röte säumt
Der Himmel sich. Grossleuchtend taucht
Der Mond empor. Die Landschaft träumt
Von Ruhesehnsucht überhaucht.
Bruno Wille, *1860 in Magdeburg, +1928 in Äschach bei Lindau.
Der dt. Schriftsteller war seit 1892 Herausgeber der Zeitschrift."Der Freidenker". 1890 gründete
er die Freie Volksbühne Berlin und 1901 war er Mitgründer der Freien Hochschule. Wille war außerdem Theologe, Prediger, Journalist, Philosoph, Mathematiker und Naturwissenschaftler.
Zum heutigen Totensonntag oder Ewigkeits- sonntag ein paar Gedanken, Zitate von großen Meistern.
Auch mit katholischem Hintergrund, heutiges Christkönigsfest, war für Franz dieser Tag eindeutig dem Totengedenken mit Friedhofs-
gang gewidmet, nicht nur zu Allerheiligen und Allerseelen. So halten wir es auch heute.
Für Franz. Für seinen Sohn Axel und Bruder Rudolf.
Für seine Eltern Anna und Franz sen.
Und meine Seele spannte weit ihre Flügel aus,
flog durch die stillen Lande als flöge sie nach Haus…
Joseph von Eichendorff
Und am Abend meiner Reise
hebt der Ewige seine Hände.
Und er winkt und lächelt leise.
Und die Reise ist zu Ende.
Hermann Claudius
Ihr, die ihr mich so geliebt habt,
seht nicht auf das Leben, das ich beendet habe,
sondern auf das, welches ich beginne.
Aurelius Augustinus (Augustinus von Hippo, Hl. Augustinus, Bischof von Rom, 354-430)
Zur heutigen Gedenkkerze ein kleines Gedicht von Max Dauthendey.
Nach einem bisher ziemlich ruhigen, recht trockenen und windarmen November stehen
uns in Kürze etwas stürmischere und regnerische Tage bevor...
...Franz beklagte sich nie über das Wetter, am Fenster aber auch bei Spaziergängen verfolgte
er das wilde Wolkenspiel, Regen schien ihm
nichts anhaben zu können. Ich vernahm nie ein Fluch über das Novemberwetter, kein Murren meines Vaters. Ich sehe es ähnlich, es gibt kein "schlechtes Wetter" - ein bekannter Hamburger Meteorologe sagte einmal: "Es gibt für mich
nichts langweiligeres als einen über Wochen blauen Himmel" - ertragen Sie das Wetter (auch)
in Geduld, ändern können wir es ja eh nicht...
Für Franz. Für Axel.
November
von Max Dauthendey
Bin heut im erstarrten Garten gewesen,
Wo ich in deinem Auge einst Lieder gelesen;
Wo die Biene den Tropfen Seligkeit sog,
Und wie ein Stückchen Himmel der Schmetterling flog.
Wo der Mond aufstieg wie der Liebe Lob,
Wie ein Herz, das sich von der Erde hob,
Und wo jetzt die Wurzeln der Blumen verwesen,
Hab ich in toten Blättern noch Lieder gelesen.
Max Dauthendey, dt. Dichter und Maler, * 25. Juli 1867 in Würzburg, +20. August 1918 in Malang auf Java, Niederländisch-Indien, seit 1949 Indonesien.
Zum morgigen Martinstag passend - ein schönes Gedicht von Hoffmann von Fallersleben.
Ich erinnere mich an schöne Martinszüge in meiner Kindheit, mein Vater trug häufig meine Laterne, da ich meinte lieber mit anderen Kindern während des Zuges wild umher zu laufen...
Franz gehöre auch zeitweise zu den Fackelträgern, die St. Martin "hoch zu Ross" begleiteten.
Erst am kommenden Samstag, sehr spät organisiert, werden wir zu einem Zug gehen,
mit vielen erwachsenen Fackelträgern, ganzer Kapelle und anschließendem Martinsspiel mit Umtrunk und Brezeln. Die Kinder brechen dann
auf zum Martinssingen, ziehen von Haus zu
Haus, ein sehr schöner, traditioneller Akt in
einem traditionalistischem Ortsteil, welcher
keine Feier, keine folkloristische Aktivität
auslässt.
Kinderfest im Herbst
von Hoffmann von Fallersleben
Doch ehe der Herbst uns ganz verläßt,
So bringt er uns noch ein Kinderfest:
Sobald es Abend, zieh’n wir aus
Und wandern singend von Haus zu Haus,
Und bitten dem heiligen Martin zu Ehren
Uns kleinen Kindern was zu bescheeren.
Da reicht man uns Aepfel und Nüsse dar,
Zuweilen auch Honigkuchen sogar.
Wir sprechen unsern Dank dafür aus
Und wandern dann in ein anderes Haus.
Nun laßt uns heute singen auch
Wie’s ist am Martinstag der Brauch!
August Heinrich Hoffmann von Fallersleben,
*02. April 1798 in Fallersleben, Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg, seit 1972 zu Wolfsburg,
+19. Januar 1874 in Corvey, heute zur Stadt Höxter, Ostwestfalen.
Zur heutigen Gedenkkerze ein kleines Herbstgedicht von Julius Otto Bierbaum.
Nach mehreren, sehr sonnigen Tagen herrschte heute bei uns nebeliges, aber soweit trockenes Wetter vor.
Franz mochte diese "typischen Nobembertage", wie auch ich, er hätte vielleicht eine kleine Runde über den Feldweg in unserem Ortsteil gedreht.
Ich erinnere mich zurück an solch nebelige Tage
in meiner Kindheit, an denen man fast die Hand nicht vor Augen sehen konnte. Diese habe ich hierzulande ewig nicht mehr erlebt...
...das folgende Gedicht von Bierbaum trifft vielleicht nicht auf jene Situation zu, "Herbsttag, Du milder Gast (...)" , doch durchaus auf die Tage davor...
An den Herbst
von Julius Otto Bierbaum
Mit dankbarem Gemüte
Hier nehm ich deine Güte,
Herbsttag, du milder Gast,
Der du mich reich beschenktest,
Den Sinn in Klare lenktest
Und mich zum Abend fröhlich
ausgerüstet hast.
Nun ist in mir kein Drängen
Und bin doch nicht im Engen,
Bin ruhevoll bewegt.
Was gilt es, mehr zu wollen,
Als so im Friedevollen
Teilhaftig sein des Ganzen, das
mütterlich uns hegt.
Otto Julius Bierbaum, Pseudonyme „Martin Möbius“ und „Simplicissimus“, *28. Juni 1865
in Grünberg in Schlesien, heutiges Zielona Góra, poln. Woiwodschaft Lebus, +01. Februar 1910
in Dresden.
Bierbaum war ein dt. Schriftsteller, Journalist, Redakteur und auch Librettist.
Er war Herausgeber der Kunst- und Literatur-zeitschrift "Pan", welche von 1895 mit Unterbrechung bis 1915 in Berlin erschien.
Allerheiligen - eigentlich ist der (katholische) Gedenktag für die Toten erst am morgigen Allerseelentag, so wird in den Kirchen auch erst morgen den verstorbenen des letzten Jahres namentlich gedacht. Heute finden auf vielen Friedhöfen nachmittägliche Totenandachten
statt, mit anschließender Gräbersegnung.
Das Grab von Franz ist bereits eingeebnet, allerdings ist aus seiner Grabstätte ein Rasenstück entstanden, die Konturen seiner Ruhestätte sind aber noch deutlich zu erkennen, so daß man dort auch noch eine Kerze aufstellen kann.
Diese Gedenkkerze ist heute auch besonders Franz ältestem Sohn, meinem Bruder Axel gewidmet. Aus besonderen familiären Gründen habe ich bisher keine Gedenkseite für ihn angelegt.
Für Franz. Für Axel.
Das Sichtbare vergeht,
doch das Unsichtbare bleibt ewig.
Korinther 4, 18
Zur heutigen Gedenkkerze ein schönes Gedicht von Hermann Hesse, passend zum Herbst, zum Oktober.
Beobachten Sie auch still die Entwicklung der Bäume, ihres Laubes in dieser Jahreszeit?
Erfreuen sich auch an den sich in wundervollem rot verfärbenden Blätter im tiefen, besonders am Spätnachmittag herrlich diffusen Oktoberlicht der langsam ihre Abendrunde drehenden Herbstsonne?
Der gestrige Samstag war ein wunderbarer, lichtdurchfluteter Oktobertag mit Temperaturen bis 20°C. in hiesigen Breitengraden.
Heute ist es etwas trübe, es gab ein wenig Morgenregen, die Wolken lichten sich gerade zögerlich.
Franz hätte den gestrigen und auch heutigen Tag genutzt, um einen ausgedehnten Spaziergang zu übernehmen, der heutige wäre ihm beinahe lieber gewesen...
Baum im Herbst
von Hermann Hesse
Noch ringt verzweifelt mit den kalten
Oktobernächten um sein grünes Kleid
Mein Baum. Er liebts, ihm ist es leid,
Er trug es fröhliche Monde lang,
Er möchte es gern behalten.
Und wieder eine Nacht, und wieder
Ein rauher Tag. Der Baum wird matt
Und kämpft nicht mehr und gibt die
Glieder gelöst dem fremden Willen hin,
Bis der ihn ganz bezwungen hat.
Nun aber lacht er golden rot
Und ruht im Blauen tief beglückt.
Da er sich müd dem Sterben bot,
Hat ihn der Herbst, der milde Herbst
Zu neuer Herrlichkeit geschmückt.
-
Besonderes zum Gedicht:
Der Baum kämpft um sein grünes Kleid, welches er nicht verlieren möchte. Das Blätterkleid verfärbt sich im Laufe des Herbstes immer mehr, bis der Baum in Strophe 3 in einer golden-roten Farbe LACHT...
Interessant ist, das Hesse uns eine Mischung aus Kreuzreimen und umarmendem Reim präsentiert, jeder vierte Vers der drei Strophen fällt vom Reimschema ab - Sätze enden auch ex abrubto in einer Strophe, "Mein Baum" (ein lyisches Ich!), "Ein rauher Tag" - eher seltener in Gedichten zu finden - Rilke fällt mir dazu gerade ein.
Hermann Hesse, *02. Juli 1876 in Calw, BW, nahe Pforzheim, +09. Aug. 1962 in Montagnola, CH, südwestlich von Lugano.
Zur heutigen Gedenkkerze eine kleine Geschichte aus meiner Kindheit:
Am Freitag sah ich zum ersten Mal in diesem Herbst am frühen Morgen mein Lieblingssternbild Orion am Himmel. Ich warte immer sehnsüchtig darauf, es ist in der nördlichen Hemisphäre den ganzen Winter sichtbar, etwa bis Ostern, bald auch die komplette Nacht.
Unser schönstes Wintersternbild - wenn ich es erblicke, muss ich immer an meinen Vater denken, wie er mich als Kind nach Einbruch der Dämmerung auf dem Arm in unseren Garten trug und mir Orion häufig zeigte, mir die einzelnen Sterne erklärte. Bellatrix und Betelgeuse, Rigel, Meissa - und Mintarka im Gürtel des Orion.
Sicherlich hat dies meine Liebe zur Sternenkunde begründet - vielen Dank dafür, Vater! Unvergessen schöne Momente der Kindheit
Zur heutigen Gedenkkerze am ersten Tag des Oktobers ein Gedicht von Erich Kästner.
Der heutige Oktoberbeginn ist ziemlich durchwachsen, wilde Wolken, am Vormittag
etwas Regen, gerade ist es trocken. Die nächsten Tage um den Feiertag herum sollen aber durchaus passabel werden...
Franz mochte, ja liebte gar den Herbst, wie auch ich. Mein Vater hätte heute einen ausgedehnten Spaziergang unternommen, sich das Wolkenspiel angesehen, durch die doch schon nicht wenig umherfliegenden Blätter gestapft.
"Riechst du das Laub, den Duft des Herbstes?"
an die Worte von Franz erinnere ich mich zurück, dabei atmete er tief durch...
Für Franz. Für Axel.
Der Oktober
von Erich Kästner
Fröstelnd geht die Zeit spazieren.
Was vorüber schien, beginnt.
Chrysanthemen blühn und frieren.
Fröstelnd geht die Zeit spazieren.
Und du folgst ihr wie ein Kind.
Geh nur weiter, bleib nicht stehen.
Kehr nicht um, als seis zuviel.
Bis ans Ende musst du gehen,
hadre nicht in den Alleen.
Ist der Weg denn schuld am Ziel?
Geh nicht wie mit fremden Füßen
und als hättst du dich verirrt.
Willst du nicht die Rosen grüßen?
Lass den Herbst nicht dafür büßen,
dass es Winter werden wird.
Auf den Wegen, in den Wiesen
leuchten, wie auf grünen Fliesen,
Bäume bunt und blumenschön.
Sinds Buketts für sanfte Riesen?
Geh nur weiter, bleib nicht stehn.
Blätter tanzen sterbensheiter
ihre letzten Menuetts.
Folge folgsam dem Begleiter.
Bleib nicht stehen. Geh nur weiter,
denn das Jahr ist dein Gesetz.
Nebel zaubern in der Lichtung
eine Welt des Ungefährs.
Raum wird Traum. Und Rausch wird Dichtung.
Folg der Zeit. Sie weiß die Richtung.
„Stirb und werde!“ nannte ers.
Emil Erich Kästner, *23. Februar 1899 in Dresden, +29. Juli 1974 in München.
Kästner war ein dt. Schriftsteller, Publizist, Drehbuchautor und Kabarettdichter - "Das doppelte Lottchen" oder "Emil und die Detektive" werden fast jedem etwas sagen. Er zählt zu den Autoren von Weltgeltung. 1959 bekam Kästner das Große Bundesverdienstkreuz.
Zur heutigen Gedenkkerze am meteorologischen Herbstanfang (14:43 h MESZ) zwei Zitate über
den Herbst.
Ein Wetterwechsel kündigt sich für morgen an,
der Herbst steht nun endgültig vor der Tür.
Jetzt gerade, zwei Stunden vor dem Erreichen
des Herbstpunktes am Himmel herrscht in hiesigen Breitengraden recht sonniges Wetter,
am Nachmittag erwartet wir noch einmal Temperaturen bis zu 25° C. - passend zum Herbstäquinoktium soll es bewölkt werden -
ein fast symbolischer Akt der wechselnden Jahreszeiten.
Auf der ganzen Welt findet heute die Tag- und Nachtgleiche statt - mit dem Unterschied dass
es auf der Südhalbkugel Frühlingsanfang ist...
Die folgenden Zitate bejahen eindeutig den
Herbst und beleuchten ihn von seiner schönen, anmutigen Seite.
-
Die Farben des Herbstes...ein mächtiger Blumengarten, der im Bann des Zauberers
Frost erblüht.
John Greenleaf Whittier, amerik. Dichter
-
Solange der Herbst andauert, werde ich nicht genug Hände, Leinwand und Farben haben, um die schönen Dinge zu malen, die ich sehe.
Vncent van Gogh
Zur Gedenkkerze ein schönes Gedicht von Heinrich Seidel, passend zu diesen Septembertagen.
Nach noch sehr warmen Tagen gab es einen Wetterumschwung - Wind, Schauer und morgendliche Temperaturen von 8° C.
Wie Franz bin auch ich ein Herbst- und Winterkind, ich sage immer zur allgemeinen Heiterkeit "Sternzeichen Eisbär, Aszendent Pinguin" ...
Vermissen Sie den warmen Sommer schon jetzt?
In unserer Region war es von August bis in zuletzt eher schwül und stickig - selbst mir bekannte, passionierte Sonnenanbeter bestätigten mir das sie in diesem Jahr nun froh sind, dass der Herbst seinen Einzug hält. Man kann besser schlafen, die Schwüle verschwindet aus den Räumen, man kennt durchatmen.
Alles hat seine Zeit, den Lauf der Dinge können Sie nicht verändern, es sei denn sie überwintern wie ältere Bekannte in Marbella, um dem Frost zu entgehen...
Für die Sonnenkinder sei gesagt: Ihre Jahreszeit kehrt zurück, keine Sorge...gönnen Sie der Natur ihre Auszeit...
Im September
von Heinrich Seidel
Wir wollen in den Nussbusch gehn
Und dort einmal zum Rechten sehn.
Das Eichhorn und der Häher
Sind arge Nüssespäher,
Der Buntspecht und die Haselmaus,
Die lieben auch den Nusskernschmaus!
Sie nagen und sie zwicken,
Sie hacken und sie picken,
Und wer nicht kommt zur rechten Zeit,
Geht, wie ihr wisst, der Mahlzeit queit.
Wir wollen in den Garten gehen
Und dort einmal zum Rechten sehn.
Zur Nachtzeit war es windig!
Nun seht nur her! Was find ich
Im sand’gen Steig, im grünen Gras,
Bald hier, bald dort? Was ist denn das?
Äpfel mit roten Stirnen
Und goldgestreifte Birnen!
Und dort beim Eierpflaumenbaum …
O seht nur hin! Man glaubt es kaum!
Wir wollen an den Zaun hin gehn
Und dort einmal zum Rechten sehn.
Was steht denn gleich dahinter?
O seht, zwei arme Kinder!
Sie ladet hinter ihrem Haus
Kein Garten ein zu frohem Schmaus.
Da sollte man doch denken:
Heut’ gibt’s was zu verschenken!
Und merkt ihr erst, wie wohl das tut,
Da schmeckt es euch noch mal so gut.
Heinrich Seidel, *25. Juni 1842 in Perlin, heute im Landkreis Nordwestmecklenburg, +07. November 1906 in Groß-Lichterfelde, seit 1912 zu Berlin.
Seidel war ein dt. Ingenieur, Schriftsteller und Dichter.
Zur heutigen Gedenkkerze ein Gedicht von Hermann Hesse.
Nun, der heutige Tag ist nicht blau, wie im ersten Vers des Gedichtes beschrieben, wir finden ihn heute tiefgrau vor, dunkle Regenwolken trüben jede Aussicht auf Sonnenschein.
Franz wäre es durchaus genehm - wäre er doch die letzten Tage, ähnlich mir, ziemlich ins Schwitzen gekommen...
...für alle Sonnenanbeter sei gesagt, das uns ab Morgen, zumindest im hiesigen Sektor Rheinland, wieder strahlende Septembersonne erwartet...
Für Franz. Für Axel.
Mittag im September
von Hermann Hesse
Es hält der blaue Tag
Für eine Stunde auf der Höhe Rast.
Sein Licht hält jedes Ding umfaßt,
Wie mans in Träumen sehen mag:
Daß schattenlos die Welt,
In Blau und Gold gewiegt,
In lauter Duft und reifem Frieden liegt.
- Wenn auf dies Bild ein Schatten fällt! -
Kaum hast du es gedacht,
So ist die goldene Stunde
Aus ihrem leichten Traum erwacht,
Und bleicher wird, indes sie stiller lacht,
Und kühler wird die Sonne in der Runde.
Hermann Hesse, (Pseudonym Emil Sinclair), *2. Juli 1877 in
Calw, Württemberg, +9. August 1962 in Montagnola, Schweiz.
Hesse war ein deutsch-schweizerischer Schriftsteller, Dichter
und Maler.
Zur heutigen Gedenkkerze ein kleines Sommergedicht von Joseph von Eichendorff.
Das Wetter ist sehr unruhig und wechselhaft
in diesem August, als ob es sich nicht recht entscheiden mag...kurze Hitzewellen, Temperatursturz, Gewitter und Starkregen -
die Ernte fällt in diesem Jahr nicht gut aus.
Franz hatte seine ganz eigenen Methoden, seine Gartenernte zu verbessern oder gar zu retten, sollte es auch ein noch so durchwachsener Sommer gewesen sein.
Mein Vater hatte ein Händchen dafür, Erdbeer-pflänzen und Himbeer-, Brombeer- oder Johannisbeersträucher zu schützen, sei es durch Planen in "1-Form", die auf Holzbalken getackert vor starkem Regen schützten oder selbst kreierte Windschutzwände.
An Ernteausfälle im hiesigen Garten kann ich mich jedenfalls nicht erinnern...
Für Franz. Für Axel.
Wechsel
von Joseph von Eichendorff
Es fällt nichts vor, mir fällt nichts ein,
Ich glaub’ die Welt steht still,
Die Zeit tritt auf so leis und fein,
Man weiß nicht, was sie will.
Auf einmal rührt sich’s dort und hier –
Was das bedeuten mag?
Es ist, als hört’st du über dir
Einen frischen Flügelschlag.
Rasch steigen dunkle Wetter auf,
Schon blitzt ’s und rauscht die Rund’
Der lust’ge Sturmwind fliegt vorauf –
Da atm’ ich aus Herzensgrund.
Joseph Karl Benedikt Freiherr von Eichendorff,
*10. 03.1788 auf Schloss Lubowitz bei Ratibor, Oberschlesien, heutiges Racibórz, poln. Woiwodschaft Schlesien (Śląskie),
+26.11.1857 in Neisse, Oberschlesien, heutiges Nysa, poln. Woiwodschaft Oppeln (Opole).
Von Eichendorff war ein bedeutender Lyriker und Schriftsteller der deutschen Romantik. Er zählt zu den meistvertonten deutschsprachigen Lyrikern.
Zur heutigen Gedenkkerze ein schönes, kleines Sommergedicht von Theodor Fontane.
Vielleicht kannte Franz auch diese folgenden Verse, ich erinnere mich an einige Werke von Fontane, unter anderem auch ein Gedichtband
im heimischen Bücherschrank, es ist nicht in meinem Besitz.
Mittag
von Theodor Fontane
Für Franz. Für Axel.
Am Waldessaume träumt die Föhre,
Am Himmel weiße Wölkchen nur,
Es ist so still, dass ich sie höre,
Die tiefe Stille der Natur.
Rings Sonnenschein auf Wies und Wegen,
Die Wipfel stumm, kein Lüftchen wach,
Und doch, es klingt, als ström’ ein Regen
Leis tönend auf das Blätterdach.
Heinrich Theodor Fontane, *30.12. 1819 in Neuruppin, heute Kreisstadt im Lk Ostprignitz-Ruppin, Brandenburg, +20.09.1898 in Berlin.
Fontane war ein dt. Schriftsteller, Journalist
und Kritiker, er gilt als bedeutender Vertreter
des Realismus.
Zur heutigen Gedenkkerze ein Gedicht von Ludwig Thoma.
Nun, der August ist erst wenige Tage alt, und ob dieser so verregnet wird wie in den folgenden Versen wissen wir noch nicht, der erste Tag des Monats war in hiesigen Gefilden in der Tat sehr nass, gestern setzte ein wenig Regen ein, heute ist es durchweg bewölkt, leicht schwül, am Abend soll weiterer Regen einsetzen.
Franz wäre durchweg nicht unzufrieden mit einem sehr wechselhaften, gar nassen August, litt er und auch ich mehr unter Hitze und Binnenlands-Schwüle als viele andere.
Viele schüttelten früher den Kopf über seinen wenig vorhandenem "Sonnen- und Sommersinn", wie auch ich häufig Unverständnis und auch Spott erfahre, wenn ich äußere, dass ich ein Herbst- und Winterkind bin und ich diese Zeit zelebriere und genieße wie andere die Sommersaison...
...nun, es war noch nie einfach einer Minderheit anzugehören, ohne Hohn und Spott zu erfahren. "Anders sein" ist offensichtlich nach wie vor verboten, es ist kein Platz dafür in den Hirnen vieler engstirniger Mitmenschen, wenn etwas, jemand von der Norm abweicht.
Für Franz. Für Axel.
August
von Ludwig Thoma
gekürzt
(...für all die, welche Sommerregen verabscheuen...)
So hat man nichts als immer Regen,
Es plätschert laut, es rieselt still,
Es sammelt Dreck auf allen Wegen,
Wie Gott es will.
Man fühlt sich gänzlich auf dem Hunde
Und kommt so weit, wenns immer gießt,
Dass man in einer solchen Stunde
Die Zeitung liest.
Man hört den Regen, liest die Seiche
Und hat so das Gefühl dabei,
Man trete in das Windelweiche,
In lauter Brei.
Ludwig Thoma, * 21. Januar 1867 in Oberammergau, +26. August 1921 in Tegernsee.
Thoma war ein deutscher Schriftsteller und Rechtsanwalt, welcher in der jetzigen Zeit sehr umstritten ist.
Zur heutigen Gedenkkerze ein schönes Gedicht von Rainer Maria Rilke.
Ich erinnere mich, das mein Vater mit mir als Kind bei einsetzender Dunkelheit häufig in den Garten ging und mir den Sternenhimmel erklärte - ab Mitte Oktober beschrieb er mir die einzelnen Sterne des Orion, Bellatrix und Mintaka, Rigel und Betelgeuse, zeigte mir die Pleiaden und das kleine Sternbild Delphin, Sirius im Canis Major, erklärte mir alle zirkumpolaren Sternenbilder - und mit Glück konnten wir auch eine Sternschnuppe beobachten...seine Liebe zur Sternenkunde habe ich selbstredend übernommen - und diese schon oft weitergegeben.
Für Franz. Für Axel.
Nachthimmel und Sternenfall
von Rainer Maria Rilke
Der Himmel, groß, voll herrlicher Verhaltung,
ein Vorrat Raum, ein Übermaß von Welt.
Und wir, zu ferne für die Angestaltung,
zu nahe für die Abkehr hingestellt.
Da fällt ein Stern! Und unser Wunsch an ihn,
bestürzten Aufblicks, dringend angeschlossen:
Was ist begonnen, und was ist verflossen?
Was ist verschuldet? Und was ist verziehen?
Rainer Maria Rilke, eigentlich René Karl Wilhelm Johannes Maria Rilke, *1875 in Prag, +1926 im Sanatorium Valmont bei Montreux, CH.
Zur heutigen Gedenkkerze ein Sommergedicht von Maurice von Stern.
Nun, gestern war es in hiesigen Gefilden in der Tat ähnlich den Versen zu erleben - nach dem letzten, kleinen Regenguss erhellte sich wieder der Welt - die Tropfen ronnen von den Blättern, und es ergab sich ein kleiner Regenbogen.
Ein kurzes, knackiges Hoch ist angekündigt - das Intermezzo mit Temperaturen bis zu 32° C. hält allerdings nicht lang.
Dies beruhigt mich, wie es Franz auch erleichtert hätte - wir waren nun wirklich so gar nicht die Sonnenanbeter vor dem Herrn...im Gegensatz zu meiner Mutter - zwischen diesen Befindlichkeiten lagen Welten...
Sonnenregen
von Maurice von Stern
O wie der stäubende, sprühende Regen
Küsset die wonnig erschauernde Flur!
In sonnigem Segen
Lacht die Natur.
Hold wie ein Kind unter Tränen, so lächelt
Regengebadet das schimmernde Feld;
Taufrisch umfächelt
Leuchtet die Welt.
O wie es perlt in den goldenen Ähren,
Glitzert und funkelt im blumigen Klee!
Nun rinnet, ihr Zähren,
Verklärt mein Weh!
So wie die Erde in Regen und Sonne,
Bin ich verdüstert und wieder erhellt:
In Weh und Wonne
Eins mit der Welt.
Maurice Reinhold von Stern, *03. April 1860 in Reval, z. d. Zeit russ. Kaiserreich, heutiges Tallinn, Hauptstadt Estlands, +28. Oktober 1938 in Höflein, Gemeinde Ottensheim, Oberösterreich.
Von Stern war Schriftsteller, Journalist, Philosoph, Verlagsleiter, Redakteur und trat fordernd ein für das Frauenstudienrecht, was ihm seinerzeit viel Ärger einbrachte.
Zur heutigen Gedenkkerze ein Gedicht von Richard Dehmel.
Nun, dieser Sommerabend ist vielleicht ein Vorbote auf den morgigen, nach überwiegend bewölktem Tag konnten wir noch ein schönes Abendrot bewundern. Morgen soll es auch in hiesigen Gefilden bis zu 30° werden - bevor Mittwoch, spätestens Donnerstag der Regen wieder Einzug erhält.
Franz, ein Nachtschattengewächs wie ich, wäre gar nicht böse darum gewesen...ich gönne aber durchaus allen, die sich nach üppiger Sonne und hohen Temperaturen sehnen, diesen morgigen Tag... nutzen Sie diese Momentaufnahme!
Sommerabend
von Richard Dehmel
Klar ruhn die Lüfte auf der weiten Flur;
fern dampft der See, das hohe Röhricht flimmert,
im Schilf verglüht die letzte Sonnenspur,
ein blasses Wölkchen rötet sich und schimmert.
Vom Wiesengrunde kommt ein Glockenton,
der Hirte sammelt seine satte Herde;
im stillen Walde steht die Dämmerung schon,
ein Duft von Tau entweicht der warmen Erde.
Im jungen Roggen rührt sich nicht ein Halm,
die Glocke schweigt wie aus der Welt geschieden;
nur noch die Grillen geigen ihren Psalm.
So sei doch froh, mein Herz, in all dem Frieden!
Richard Fedor Leopold Dehmel, *18. November 1863 in Hermsdorf, Provinz Brandenburg (heute Ortsteil der Gemeinde Münchehofe, LK. Dahme- Spreewald, BB), +8. Februar 1920 in Blankenese, seit 1938 zu Hamburg.
Dehmel war ein deutscher Dichter und Schriftsteller.
Zur Gedenkkerze ein Gedicht von Detlev von Liliencron.
Lieben Sie den Juni? Denken Sie: "Endlich der erste Sommermonat?"
Nun, Franz war, mir ähnlich, kein Sonnenanbeter.
Er verzog sich lieber in den Schatten...
Die regnerischen Junitage sind vorbei - pralles Sonnenwetter mit Temperaturen bis zu 30° werden uns die nächsten Tagen ereilen.
Ich gönne es aber jedem, der sich darüber freut...
Schöne Junitage
von Detlev von Liliencron
Mitternacht, die Gärten lauschen,
Flüsterwort und Liebeskuss,
Bis der letzte Klang verklungen,
Weil nun alles schlafen muss –
Flussüberwärts singt eine Nachtigall.
Sonnengrüner Rosengarten,
Sonnenweiße Stromesflut,
Sonnenstiller Morgenfriede,
Der auf Baum und Beeten ruht –
Flussüberwärts singt eine Nachtigall.
Straßentreiben, fern, verworren,
Reicher Mann und Bettelkind,
Myrtenkränze, Leichenzüge,
Tausendfältig Leben rinnt –
Flussüberwärts singt eine Nachtigall.
Langsam graut der Abend nieder,
Milde wird die harte Welt,
Und das Herz macht seinen Frieden,
Und zum Kinde wird der Held –
Flussüberwärts singt eine Nachtigall.
Detlev von Liliencron, *1844 in Kiel, +1909 in
Alt-Rahlstedt (ab1937 zu Hamburg, Stadtbezirk Wandsbek)
Liliencron war ein dt. Lyriker.
Zur heutigen Gedenkkerze ein Gedicht von Erich Kästner, welches im Juni beginnt und uns heiter durch die Jahreszeiten führt.
Die "Schafskälte" hat uns in diesen Tagen voll im Griff, ein Tief aus Nordeuropa liegt über uns.
Franz wäre es durchaus genehm, das keine erste große Hitzewelle vorherrscht, wie vor einem Jahr in unserer Region. Mein Vater litt wie ich an Pollinose und einer leichten Lichtdermatitis, welche mich deutlich mehr trifft - an diesen kühleren, wolkigen Junitagen geht es mir gut.
Für Franz. Für Axel.
Der Juni
von Erich Kästner
Die Zeit geht mit der Zeit: Sie fliegt.
Kaum schrieb man sechs Gedichte,
ist schon ein halbes Jahr herum
und fühlt sich als Geschichte.
Die Kirschen werden reif und rot,
die süßen wie die sauern.
Auf zartes Laub fällt Staub, fällt Staub,
so sehr wir es bedauern.
Aus Gras wird Heu. Aus Obst Kompott.
Aus Herrlichkeit wird Nahrung.
Aus manchem, was das Herz erfuhr,
wird, bestenfalls, Erfahrung.
Es wird und war. Es war und wird.
Aus Kälbern werden Rinder
Und weils zur Jahreszeit gehört,
aus Küssen kleine Kinder.
Die Vögel füttern ihre Brut
und singen nur noch selten.
So ists bestellt in unsrer Welt,
der besten aller Welten.
Spät tritt der Abend in den Park,
mit Sternen auf der Weste.
Glühwürmchen ziehn mit Lampions
zu einem Gartenfeste.
Dort wird getrunken und gelacht.
In vorgerückter Stunde
tanzt dann der Abend mit der Nacht
die kurze Ehrenrunde.
Am letzten Tische streiten sich
ein Heide und ein Frommer,
obs Wunder oder keine gibt.
Und nächstens wird es Sommer.
Emil Erich Kästner, *23. Februar 1899 in Dresden, +29. Juli 1974 in München.
Kästner war ein dt. Schriftsteller, Publizist, Drehbuchautor und Kabarettdichter -
"Das doppelte Lottchen" oder "Emil und die Detektive" werden fast jedem etwas sagen.
Er zählt zu den Autoren von Weltgeltung. 1959 bekam Kästner das Große Bundesverdienstkreuz.
Zur heutigen Gedenkkerze ein Gedicht von Max Dauthendey.
Meine Gedanken sind bei den Opfern der schlimmen Regenfälle, des Hochwassers in Bayern und Baden-Württemberg.
Möge sich die Lage schnellstmöglich (weiter) entspannen!
Regen
von Max Dauthendey
Da draußen regnet es weit und breit.
Es regnet graugraue Verlassenheit.
Es plaudern tausend flüsternde Zungen.
Es regnet tausend Erinnerungen.
Der Regen Geschichten ums Fenster rauscht.
Die Seele gern dem Regen lauscht.
Der Regen hält dich im Haus gefangen.
Die Seele ist hinter ihm hergegangen.
Die Insichgekehrte ist still erwacht,
Im Regen sie weiteste Wege macht.
Du sitzt mit stummem Gesicht am Fenster,
Empfängst den Besuch der Regengespenster.
Maximilian Albert Dauthendey, *25. Juli 1867 in Würzburg, +29. August 1918 in Malang auf Java, Indonesien.
Zur heutigen Gedenkkerze ein Gedicht von Friedrich Nietzsche.
Franz war einerseits ein ernster Mensch, hatte aber auch eine große Portion Humor und konnte über vieles lachen.
Besonders amüsierte er sich über Filme und Sketche von Heinz Erhardt, Dieter Hallervorden auch über die Filme von Louis des Funės. Franz hatte Tage, an denen er sehr in sich gekehrt und verschlossen wirkte, an anderen Tagen "juxte" mein Vater den halben Tag lang und wurde schir albern - in positivem Sinne!
Mein verstorbener Bruder Axel hatte wie unsere Mutter Gerda ein sehr ansteckendes Lachen, wie Franz eine große Portion Humor - Axel musste immer sofort Tränen lachen - egal wie kurz das Amüsement war...
Ich habe auch all dies in guter Mischung - Gott sei Dank!
Für Franz. Für Axel.
Lachen
von Friedrich Nietzsche
Eine ernste Kunst ist Lachen
Soll ich’s morgen besser machen,
Sagt mir: macht’ ich’s heute gut?
Kam der Funke stets vom Herzen?
Wenig taugt der Kopf zum Scherzen,
Glüht im Herzen nicht die Glut.
Friedrich Nietzsche, *15.10.1844 in Röcken
(heute zu Lützen, Sachsen-Anhalt),
+25.08.1900 in Weimar.
Nietzsche war ein dt. klassischer Philologe und Philosoph.
"Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf Euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein"
Apostelgeschichte, 1.8
Zur heutigen Gedenkkerze am Pfingstsonntag ein Gedicht von Eduard Baltzer.
Ich erinnere mich an viele Pfingstfeste meiner Kindheit und frühen Jugend - zunächst ging es morgens zum Festgottesdienst in die hiesige Elisabethkirche, unweit von meinem Elternhaus entfernt - auch musste ich schon mal an einem Pfingstsonntag Messe dienen, was mir immer sehr viel Freude bereitete.
Einen Feiertagsausflug gab es meiner Erinnerung nach nicht, Mittags kamen allermeist meine Großeltern mütterlicherseits wie Franz Mutter Anna zum Festessen und zum Kaffeetrinken zu Besuch. Spielte das Pfingstwetter mit, verbrachten wir noch schöne Stunden im Garten, bis zum Abendessen...
Pfingsten
von Eduard Baltzer
Komm’, Geist der Pfingsten! Mit Maieswonnen
Erquick’ unser dürstendes Menschenherz!
Vollende, vollende, wie Du es begonnen,
Das Heil der Seele, besiege den Schmerz!
O mache uns edel und froh und frei,
Und schaff’ uns wieder des Herzens Mai.
Komm’, Geist der Pfingsten! Mit Feuerzungen
Verkünde die Wahrheit, behaupte das Feld!
Mit einem Munde wird doch noch gesungen
Halleluja Dir einst von aller Welt:
So zücket im Mai wohl der Wetterstrahl,
Doch dann wird es Frühling all überall.
Eduard Wilhelm Baltzer, * 24. Oktober 1814 in Hohenlein.(heute Landkreis Nordsachsen)
+ 24.Juni 1887 in Durlach (seit 1938 zu Karlsruhe)
Balzer war ev. Theologe, und nebenbei verfasste er auch Gedichte. Er vertrat einen "ethischen Vegetarismus", gründete den ersten Vegetarier-Verein in Deutschland (!), war Pionier der Lebensreform-Bewegung und der erste Präsident des Bundes Freireligiöser Gemeinden Deutschlands. 1852 prägte er den Begriff der „Jugendweihe“.
Zur Gedenkkerze am Himmelfahrtstag ein Gedicht von Hermann Löns.
"Kurz ist der Mai" - nun gut, drei Wochen lang können"wir" ihn noch "genießen" - lieben Sie diesen Monat mehr als den Juni, den Juli? Nun, es geht in der Tat ein Zauber von diesem Monat aus, welcher die meisten in seinen Bann zieht.
Franz hätte sicherlich auf eine gewisse Art und Weise diesen Monat auch "geschätzt", allerdings war mein Vater wie auch ich ein Freund der kühleren Jahreszeit...
Der Dichter lässt keine Option zum Maien, alles andere ist im offenbar ein Greuel, wenn er nur - schon jetzt - an kommende Schneetage denkt...
Genießen Sie den heutigen, warmen Feiertag, kurz ist der Mai...
Für Franz. Für Axel.
Kurz ist der Mai
von Hermann Löns
Herzblatt am Lindenbaum, Du grüner Maientraum,
Es sang die Nachtigall Ihren süßen Schall;
Sang Liebe, sang Leide, sang Freud und sang Leid, Lang ist das Leben, aber kurz die Maienzeit.
Schöne Zeit ist längst vorbei Welk ist der grüne Mai, Nachtigall singt nicht mehr, der Lindenbaum steht leer;
Aus Liebe ward Leide, aus Liebe ward Leid, lang ist das Leben, aber kurz die Maienzeit.
Will in den Garten gehn, wo die letzten Rosen stehn, aber o weh, o weh, Da liegt der Schnee; Schnee der tut wehe, Schnee der bringt Leid,
Lang ist das Leben, aber kurz die Maienzeit.
Hermann Löns, *29. August 1866 in Culm, Westpreußen, heute Chełmno, poln. Woiwodschaft Kujawien-Pommern, +26. September 1914 bei Reims, Frankreich.
Löns war ein deutscher Schriftsteller, Journalist, Naturforscher und "Heidedichter", dessen Verse ihn schon zu Lebzeiten zum Mythos machten.
Zur heutigen Gedenkkerze ein Gedicht von Clara Müller-Jahnke.
Der Mai ist gekommen - mit ungewöhnlicher Wärme - es herrschten hier bei uns im Rheinland Nachmittags-Temperaturen bis 27° C.
Haben Sie diesen Tag genießen können? Ich erinnere mich zurück an die Tage meiner Kindheit - bei ähnlich gutem Wetter am Maifeiertag fuhren wir häufiger als Tagesausflug zum Rhein. Natürlich war ein Spielplatzbesuch inklusive...
Für Franz. Für Axel.
Maien-Fest
von Clara Müller-Jahnke
Wieder taucht ein Maientag
aus des Winters Tiefen,
lockt ein heller Amselschlag
alle, die noch schliefen.
Wieder steht das goldene Licht
hoch im Heiligtume –
aus der Dornenhecke bricht
eine Rosenblume.
Maientag und Maienfest!
Unsre Klagen schweigen.
Unsre stolze Sehnsucht lässt
ihre Banner steigen;
ihre Tauben fliegen aus,
ihre Knospen springen –
Kirschen blühn um jedes Haus,
und die Glocken klingen.
Clara Müller-Jahnke, *05. Feb. 1860 in Lenzen, damaliges Hinterpommern, heute zur poln. Woiwodschaft Westpommern gehörend, +04. November 1905 in Wilhelmshagen, heute zu
Berlin gehörend.
Clara Müller-Jahnke, geb. Müller, war
eine deutsche Dichterin, Journalistin
und Frauenrechtlerin.
Zur heutigen Gedenkkerze ein Gedicht von Hermann Löns.
Nach einigen ersten warmen und sonnigen Tagen zeigt sich der April von der Seite, die ihm im Rufe nachhallt...
Franz war kein Sonnenanbeter, im Gegenteil,
er war sogar recht froh, wenn die richtig warmen
und heißen Tage noch Ferne blieben.
Er war ein großer "Wetter-Beobachter", und kannte sich hervorragend mit den unterschiedlichen Wolkentypen aus. Nichts war für meinen Vater langweiliger als ein stets blauer Himmel - was
gibt es da auch viel zu entdecken im Gegensatz
zu einem wilden Wolkenspiel?
Ich sehe es ähnlich...auch wenn es die wahren Sonnenkinder nie verstehen werden...
Für Franz. Für Axel.
Frühling
von Hermann Löns
Hoch oben von dem Eichenast
Eine bunte Meise läutet
Ein frohes Lied, ein helles Lied,
Ich weiß auch, was es bedeutet.
Es schmilzt der Schnee,
Es kommt das Gras,
Die Blumen werden blühen;
Es wird die ganze weite Welt
In Frühlingsfarben glühen.
Die Meise läutet den Frühling ein,
Ich hab es schon lange vernommen;
Er ist zu mir bei Eis und Schnee
Mit Singen und Klingen gekommen.
Hermann Löns, * 29. August 1866 in Culm, Westpreußen, heute Chełmno, poln. Woiwodschaft Kujawien-Pommern, + 26. September 1914 nahe Loivre bei Reims, Frankreich.
Der "Heidedichter" Löns war ein deutscher Journalist, Schriftsteller, Naturforscher und Naturschützer.
Zur heutigen Gedenkkerze ein Gedicht von Christian Morgenstern.
Nach einem warmen, sonnigen Wochenende
folgte nun ein größerer Temperatursturz mit einsetzendem Regen.
Franz wäre es ganz lieb gewesen, mir ist es
auch recht genehm...ein April ist halt kein Juli,
er macht immer noch "was er will". Mal Sonne
und frühlingshafte Wärme, nun wird die Erde
die nächsten Tage wieder etwas getränkt. Und:
Zum nächsten Wochenende wirds vielleicht wieder Ausflugswetter...
Frühlingsregen
von Christian Morgenstern
Regne, regne, Frühlingsregen,
weine durch die stille Nacht!
Schlummer liegt auf allen Wegen,
nur dein treuer Dichter wacht ...
lauscht dem leisen, warmen Rinnen
aus dem dunklen Himmelsdom,
und es löst in ihm tiefinnen
selber sich ein heißer Strom,
lässt sich halten nicht und hegen,
quillt heraus in sanfter Macht ...
Ahndevoll auf stillen Wegen
geht der Frühling durch die Nacht.
Christian Otto Josef Wolfgang Morgenstern,
*06. Mai 1871 in München, +31. März 1914 in Untermais, Tirol, damaliges Königreich Österreich-Ungarn.
Morgenstern war ein deutscher Dichter, Schriftsteller und Übersetzer. Besondere Bekanntheit erreichte Morgenstern durch
seine "komische Lyrik", die jedoch nur ein
Teil seines Werkes ist.
Zur heutigen Gedenkkerze am Weißen Sonntag
ein sehr bekanntes Gedicht von Eduard Mörike.
Erfreuen Sie sich an diesen ungewöhnlich warmen Apriltagen? Spornt es Sie an zu allerlei im Winter tief verborgenen Aktivitäten?
Franz hätte an solch einem Sonntag viele Stunden im Garten verbracht, hier gezupft und dort gepflanzt...es war sein Ausgleich, im heimischen Garten fand mein Vater Ruhe und Muße, konnte seinen Gedanken nachgehen und einmal so richtig abschalten...
Er ists
von Eduard Mörike
Frühling lässt sein blaues Band
Wieder flattern durch die Lüfte;
Süße, wohl bekannte Düfte
Streifen ahnungsvoll das Land.
Veilchen träumen schon,
Wollen balde kommen.
- Horch, von fern ein leiser Harfenton!
Frühling, ja du bist s!
Dich hab ich vernommen!
Eduard Friedrich Mörike, * 8. September 1804
in Ludwigsburg, damaliges Kurfürstentum Württemberg, + 4. Juni 1875 in Stuttgart, damaliges Königreich Württemberg.
Mörike war ev. Pastor, Lyriker der Schwäbischen Schule, Erzähler und Übersetzer.
Zur heutigen Gedenkkerze am Ostersonntag ein Gedicht von Ferdinand von Saar.
Ich erinnere mich besonders gerne an frühere Ostern, die Feste meiner Kindheit. Mein Vater machte den Garten schön, pflanzte die ersten Frühlingsblumen, meine Mutter schmückte das Haus mit blühenden Zweigen und bunten Dekoreiern, kleine und große Porzellanhasen standen hier und dort, und:
Die Suche nach vielen bunten Ostereiern im Garten! Natürlich gab es auch ein paar schöne Geschenke, einen Stoffhasen, ein Spielzeugauto und viele, viele Leckereien auf dem Osterteller.
Am Nachmittage kamen dann die Großeltern
zum großen Festessen. Und: Das Kind freute
sich wieder über einige Osterpräsente...
Den Besuchern von Franz Gedenkseite wünsche ich ein friedvolles Osterfest!
Ostern
von Ferdinand von Saar
Ja, der Winter ging zur Neige,
holder Frühling kommt herbei,
lieblich schwanken Birkenzweige,
und es glänzt das rote Ei.
Schimmernd wehn die Kirchenfahnen
bei der Glocken Feierklang,
und auf oft betretnen Bahnen
nimmt der Umzug seinen Gang.
Nach dem dumpfen Grabchorale
tönt das Auferstehungslied,
und empor im Himmelsstrahle
schwebt er, der am Kreuz verschied.
So zum schönsten der Symbole
wird das frohe Osterfest,
dass der Mensch sich Glauben hole,
wenn ihn Mut und Kraft verlässt.
Jedes Herz, das Leid getroffen,
fühlt von Anfang sich durchweht,
dass sein Sehnen und sein Hoffen
immer wieder aufersteht!
Ferdinand Ludwig Adam von Saar,
* 30. September 1833 in Wien,
+24. Juli 1906 in Wien-Döbling.
Von Saar war ein österr. Schriftsteller,
Dramatiker und Lyriker.
Heute jährt sich der 98. Geburtstag von Franz. Mein Vater wurde nur 59 Jahre alt. 11 Tage vor seinem 60. Wiegenfest verstarb Franz plötzlich und unerwartet an seinem 2. Infarkt.
Ich erinnere mich gerne zurück an seine Geburtstage, die ich als Kind und Jugendlicher miterlebte. Meine Mutter buk die leckersten Kuchen und kreierte die feinsten Torten, am Abend gab es meist eine erlesene Käseplatte, Spargelröllchen, Lachs und Stangenbrot. An einigen Geburtstagen konnten wir schon wetterbedingt am Nachmittag im Garten sitzen, auch auf einen Ostersonntag fiel meiner Erinnerung nach einer seiner Ehrentage.
Seine letzten Geburtstage feierte Franz krankheitsbedingt nur im ganz kleinen Kreise, seinen 60. Geburtstag wollte er hingegen groß feiern, sprach zuvor viele Einladungen aus. Diesen erlebte er nicht mehr...
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Heute vor 38 Jahren wurde Franz zu Grabe getragen. Unter sehr großer Beteiligung fand am Vormittag des 22. März 1986 in der Kirche
St. Elisabeth Gladbeck-Ellinghorst, es war ein Samstag, das Requiem für meinen Vater statt.
Franz verstarb eine Woche zuvor plötzlich und unerwartet mit 59 Jahren an seinem 2. Infarkt.
4 Tagen nach der Trauerfeier hätten wir seinen
60. Geburtstag gefeiert. Die Einladungen standen, die Vorbereitungen liefen...
Die große Anzahl an Trauergästen gaben Franz ein ehrenvolles Geleit zu seiner letzten Ruhestätte auf dem hiesigen Friedhof zu Gladbeck-Rentfort.
Mittlerweile ist sein Grab eingeebnet, die Stelle ist aber noch begehbar, ein kleines Stück Rasen blieb, welches nicht von neuen Gräbern belegt wurde. So können wir auch heute noch eine Gedenkkerze dort aufstellen.
(...) Ich bin die Auferstehung und das Leben.
Wer an mich glaubt, wird leben,
auch wenn er stirbt.
Und wer lebt und an mich glaubt,
wird niemals sterben.(...)
Johannes, 11, 25-26, Neue Evangelistische Übersetzung
Unsere Toten sind nicht abwesend
sondern nur unsichtbar.
Sie schauen mit ihren Augen voller Licht
in unsere Augen voller Trauer
Aurelius Augustinus (Hl. Augustinus, Aug. von Hippo)
Heute vor 38 Jahren starb Franz im Alter von 59 Jahren plötzlich und unerwartet an seinem zweiten Herzinfarkt.
Zur heutigen Gedenkkerze ein Gedicht von Gustav Falke.
"Holder Frühling hauch mich an", so beginnt der erste Vers - hat er Sie heute in Ihrer Region auch angehaucht? An diesem milden und sonnigen Märztag im Rheinland schienen mir alle Menschen, welche mir heute begegneten, ziemlich fröhlich und gelassen.
Franz wäre in meiner Kindheit an solch einem
Tag mit mir sicherlich zum Abenteuerspielplatz gefahren oder wie hätten im heimischen Garten zusammen Fußball gespielt - davon konnte ich
nie genug bekommen. Mein Vater zimmerte mir einst ein großes Tor - was den Neid meiner Spielkameraden schon hervorrief - diese aber auch vermehrt anlockte...war mir ganz lieb!
Bitte
von Gustav Falke
Holder Frühling hauch mich an,
Dass ich neu erstehe,
Was ein Herz ertragen kann,
Ich ertrugs an Wehe.
Einst so blühend, diese Brust,
Soll sie ganz erkalten?
Ach, ich bin mir kaum bewusst,
Lass den Tag so walten.
Wem ein schönes Glück verging,
Drauf er treulich baute,
Wer sich an ein Hoffen hing,
Das wie Märzschnee taute,
Lieblos scheint ihm wohl die Welt
Und so kalt zum Sterben;
All was er in Händen hält,
Sind nur tote Scherben.
Holder Frühling hauch mich an
In den neuen Tagen;
Was ein Herz ertragen kann,
Ach, ich habs ertragen.
Tausend Knospen schwellen dir,
Duft weht auf und Lieder.
Eine Blüte schenk auch mir,
Eine einzige wieder!
Gustav Falke, * 11. Januar 1853 in Lübeck,
+8. Februar 1916 in Hamburg-Groß Borstel
(seit 1913 zu HH)
Falke war seinerzeit ein bekannter deutscher Schriftsteller.
Zur heutigen Gedenkkerze ein Gedicht von Rilke, passend zum meteorologischem Frühlingsbeginn am 1. März.
War der März zu Beginn schon trocken und nicht besonders kalt, begann Franz unseren Garten für den Frühling auf Trab zu bringen, beschnitt Ästchen, grub den Boden um und entfernte das letzte liegengebliebene Laub.
Am 15. März 1986, seinem Todestag, tat er dies auch - es sollte das letzte Mal sein.
Vorfrühling
von Rainer Maria Rilke
Härte schwand. Auf einmal legt sich
Schonung an der Wiesen aufgedecktes
Grau.
Kleine Wasser ändern die Betonung.
Zärtlichkeiten, ungenau,
greifen nach der Erde aus dem Raum.
Wege gehen weit uns Land und Zeigens.
Unvermutet siehst du seines Steigens
Ausdruck in dem leeren Baum.
Rainer Maria Rilke, *04. Dezember 1875 in Prag,
+29. Dezember 1926 in Valmont bei Montreux, Schweiz.
Zur heutigen Gedenkkerze ein Gedicht von Hermann Hesse.
Der März ist der Geburts- wie Sterbemonat von Franz. Jeden
Beginn dieses Monats denke ich zurück an die letzten zwei Lebenswochen meines Vaters - eingebrannt für die Ewigkeit.
Für Franz. Für Axel.
Nacht
von Hermann Hesse
Ich habe meine Kerze ausgelöscht;
Zum offenen Fenster strömt die Nacht herein,
Umarmt mich sanft und läßt mich ihren Freund
Und ihren Bruder sein.
Wir beide sind am selben Heimweh krank;
Wir senden ahnungsvolle Träume aus
Und reden flüsternd von der alten Zeit
In unsres Vaters Haus.
Hermann Karl Hesse, Pseudonym Emil Sinclair,
* 2. Juli 1877 in Calw, ehem. Königreich Württemberg,
+ 9. August 1962 in Montagnola, Schweiz.
Hesse war ein deutsch-schweizerischer Schriftsteller,
Dichter und Maler.
Zur heutigen Gedenkkerze ein Gedicht von Fred Endrikat.
Ich erinnere mich gerne an Franz heitere Seite - mein Vater hatte
einen schönen Humor, konnte sich köstlich über Heinz Erhardt,
Sketche mit Dieter Hallervorden oder auch die Filme mit Louis des Funės amüsieren. Gerne trug mein Vater Reime von Heinz Erhardt
vor, welche er perfekt auswendig kannte...
Passend dazu ein Gedicht über den Humor:
Für Franz. Für Axel.
Der Humor
von Fred Endrikat
Humor ist sozusagen unser Senf des Lebens.
Er macht ein Stücklein trocken Brot zum Leibgericht.
Wer ihn nicht selbst besitzt, der hamstert ihn vergebens,
so hat man ihn entweder - oder hat ihn nicht.
Humor ist schwierig oder gar nicht zu ergründen.
Er ist stets taktvoll, niemals vorlaut und nicht spitz.
Humor ist zu erleben und nicht zu erfinden,
im Gegensatz zu seinem kleinen Bruder Witz.
Humor ist unser Freund in allen Lebenslagen,
weil er dem Herz entspringt und nicht dem Intellekt.
Man kann zum Beispiel mit Humor die Wahrheit sagen,
so dass sie uns bekommt und halb so bitter schmeckt.
Humor blüht auch an kühlen Dauerregentagen
und stimmt uns fröhlich, wenn es noch so schaurig ist.
Ja, mit Humor lässt sich sogar ein Humorist ertragen,
und wenn er wirklich noch so traurig ist.
Fred Endrikat, dt. Schriftsteller, *07. Juni 1890 in Nakel an der Netze, Pommern (heute Nakło nad Notecią , poln. Woiwodschaft Kujawien-Pommern), 12. August 1942 in München.
Endrikat, welcher im Ruhrgebiet aufwuchs, war ein seinerzeit sehr populärer Dichter, Schriftsteller und Kabarettist.
Zur heutigen Gedenkkerze ein Gedicht von Alfred Lichtenstein.
Die Masken sind gefallen, die Fastenzeit hat begonnen. Sind Sie froh, das der ganze Spuk des Faschings nun ein Ende hat? Oder trauern Sie der närrischen Zeit nach? Franz mochte den Karneval ganz gern, wie auch ich.
Nun ist er da, der Aschermittwoch, da hilft kein Weh und kein Ach...
eine karge Zeit beginnt, je nach dem wie Sie diese annehmen, mit christlichem Hintergrund oder purem Ignorieren...die gute Nachricht:
In 40 Tagen ist Ostersonntag. Ein überschaubarer Zeitraum, wie auch immer Sie diese kommenden Wochen gestalten, möge es Ihnen gut gelingen!
Aschermittwoch
von Alfred Lichtenstein
Gestern noch ging ich gepudert und süchtig
In der vielbunten tönenden Welt.
Heute ist alles schon lange ersoffen.
Hier ist ein Ding.
Dort ist ein Ding.
Etwas sieht so aus.
Etwas sieht anders aus.
Wie leicht pustet einer die ganze
Blühende Erde aus.
Der Himmel ist kalt und blau.
Oder der Mond ist gelb und platt.
Ein Wald hat viele einzelne Bäume.
Ist nichts mehr zum Weinen.
Ist nichts mehr zum Schreien.
Wo bin ich?
Alfred Lichtenstein, expressionistischer Dichter,
* 23.08.1889 in Wilmersdorf (seit 1920 zu Berlin),
+ 25.09.1914 in Vermandovillers, Nordfrankreich.
Zur heutigen Gedenkkerze ein kleines Gedicht von Theodor Storm, passend zum Karneval, zum Fasching.
Sind Sie jeck? Lieben Sie die "tollen Tage?" Oder ist es Ihnen ein Greuel? Darf man bei der derzeitigen politischen und wirtschaftlichen Situation überhaupt fröhlich sein? Feiern? Lassen wir nun auch unsere Geburtstage, Weihnachten, Ostern ausfallen oder gönnen wir uns ein paar Tage, ein paar Stunden Freude, Erholung vom trüben Alltag?
Franz mochte den Karneval, ich erinnere mich gerne wie wir einst zusammen "Mainz bleibt Mainz..." schauten oder uns auch die Rosenmontagszüge ansahen, aber auch zu verschiedenen Umzügen reisten...
Februar
von Theodor Storm
O wär’ im Februar doch auch,
Wie’s andrer Orten ist der Brauch,
Bei uns die Narrheit zünftig!
Denn wer, so lang das Jahr sich mißt,
Nicht einmal herzlich närrisch ist,
Wie wäre der zu andrer Frist
Wohl jemals ganz vernünftig.
Hans Theodor Woldsen Storm, * 14. September 1817 in Husum, damaliges Herzogtum Schleswig, + 4. Juli 1888 in Hanerau-Hademarschen, heute
Zur heutigen Gedenkkerze ein Gedicht von Cäsar Fleischlen.
Erwarten Sie schon voller Sehnsucht das (baldige) Frühlingserwachen?
Momentan ist es in meiner Region wieder sehr mild geworden, ein Februarschnee ist nicht in Sichtweite. Ich bin allerdings relativ sicher, das dieser noch kommt- im letzten Jahr lag hier auch im März einige Tage lang Schnee.
Franz war ähnlich mir eher der Herbst- und Wintertyp, nichts gegen
das Frühjahr - aber eine neuerliche weiße Pracht würde ich doch noch einmal sehr begrüßen...
Februarschnee
Februarschnee
tut nicht mehr weh,
denn der März ist in der Näh!
aber im März
hüte das Herz,
dass es zu früh nicht knospen will!
warte, warte und sei still!
Und wär der sonnigste Sonnenschein,
und wär es noch so grün auf Erden,
warte, warte und sei still:
es muss erst April gewesen sein,
bevor es Mai kann werden!
Cäsar Fleischlen, *12.05.1864 in Stuttgart,
+16.10.1920 in Gundelsheim bei Heilbronn.
Fleischlen war ein dt. Lyriker und Mundartdichter.
Zur heutigen Gedenkkerze ein Gedicht von Emil Besser.
Derzeit erfreue ich mich am vielen Schnee, was nicht mehr selbstverständlich ist in meiner Region.
Franz hatte auch Gefallen an diesem Wetter - Wintersonne und Schneelandschaft - ich erinnere mich noch gerne, wie mich mein
Vater mit dem alten Holzschlitten durch tiefen Schnee zog...
Das folgende Gedicht von Emil Besser lässt zumindest allen, die
das Frühjahr ersehen, einen kleinen Hoffnungsschimmer fühlen.
- Ende Januar ist nicht Anfang November...
Für Franz. Für Axel.
Januar
Das weite todesmüde Schweigen;
Die kalte Klarheit in der Luft;
Die Bäume mit den kahlen Zweigen;
Auf frischem Schnee ein blauer Duft;
Und drunter all das junge Leben,
Um dessen still verborgnes Sein
Schon ahnungsvolle Träume schweben
Von einer Welt im Sonnenschein.
Emil Besser, *09. September 1894 in Dresden, +29. Juni 1916
gefallen bei Avocourt, FR.
Zur heutigen Gedenkkerze ein Gedicht über "Das Buch" von Heinrich Seidel.
Franz war ein absoluter Bücherwurm, seine "Bibliothek" umfasste politische und religiöse Bücher, bibelforschende Werke, viele Lexika, eine Menge Biographien, unzählige Gedichtbände und Romane - aber nur von alten Meistern. Kitschige Bücher wie boulervardeske Bestseller verschmähte mein Vater gänzlich.
Einige Werke sind in meinen Besitz übergegangen, fasziniert hat mich schon recht früh sein Buch "Schuld und Sühne" von Dostojewski. Leider komme ich momentan viel zu wenig zum lesen - die Zeit und Ruhe, die trotz allem Franz dafür fand - werde ich vermutlich niemals finden.
Für Franz. Für Axel.
Das Buch
von Heinrich Seidel
Der Erste schreibt es,
Der Zweite vertreibt es,
Der Dritte verschmäht es,
Der Vierte ersteht es,
Den Fünften entflammt es,
Der Sechste verdammt es,
Der Siebente schätzt es,
Der Achte versetzt es,
Der Neunte verpumpt es,
Der Zehnte zerlumpt es,
Der Elfte vergräbt es,
Der Zwölfte verklebt es
Zu Düten, denn im Krämerladen
Da kommen sie schliesslich
Alle zu Schaden!
Heinrich Friedrich Wilhelm Karl Philipp Georg Eduard Seidel,
*25. Juni 1842 in Perlin, Mecklenburg-Schwerin, heute Landkreis Nordwestmecklenburg, + 07. November 1906 in Groß-Lichterfelde, einst eigenständige Gemeinde im Regierungsbezirk Potsdam, seit 1912 Berlin-Lichterfelde.
Seidel war ein deutscher Schriftsteller und Ingenieur.
Zur Gedenkkerze am Jahresanfang ein Gedicht von Richard von Schaukal.
Gesundheit, gesund zu bleiben oder es auch zu werden, ein wenig Glück, dann, wenn Sie vielleicht gar nicht damit rechnen und ein wenig Zuversicht in diesen nicht einfachen Zeiten - das wünsche ich Ihnen für das Jahr 2024.
Neues Jahr
von Richard von Schaukal
Wieder ein Ring am Baum,
der seine Wurzeln in Traum
taucht und Tiefe der Nacht.
Wieder ein Zeichen der Zeit,
die durch die Ewigkeit
tastende Menschen erdacht.
Wieder um Weh und Wahn
kreisend gemessene Bahn,
bis wir am Ziel erwacht.
Richard von Schaukal, * 27. Mai 1874 in Brünn, Mähren,
+ 10. Okt. 1942 in Wien. Schaukal war ein österreichischer
Dichter, Jurist und Staatsbeamter.
Zur heutigen Gedenkkerze am Silvesterabend ein Gedicht von Friedrich Wilhelm Wagner, welches schon etwas nachdenklich stimmt.
Was erwarten Sie vom nächsten Jahr? Haben Sie Erwartungen? Das vieles besser wird?
Franz war vor einem Jahreswechsel stets optimistisch - können wir das auch in der "heutigen Zeit?"
Ich wünsche Ihnen jedenfalls ein friedvolles gesundes neues Jahr!
Bleiben wir zuversichtlich...
Diese Gedenkkerze widme ich Franz und Axel.
Silvester
Man sitzt besinnlich still bei seinen Sachen
Und wartet. Auf was wartet man?
Man weiß es nicht. Man klopft mit schwachen
Und bangen Schlägen bei der Zukunft an.
Was wird uns öffnen? Weinen oder Lachen?
Ein Glück? Ein Wunder? Oder eine Tat?
Man sitzt ...
Und klopft und lauscht und bangt, vor dem was naht.
Friedrich Wilhelm Wagner, *16. August 1892 in Hennweiler, Hunsrück, LK Bad Kreuznach, +22. Juni 1931 in Schönberg, Schwarzwald, heute zu Seelbach, Ortenaukreis. Wagner war ein deutscher Schriftsteller und Expressionist, welcher weitestgehend in Vergessenheit geraten ist und quasi erst in den Achtziger Jahren wiederentdeckt wurde.
Zur heutigen Gedenkkerze am Heiligen Abend ein Weihnachtsgedicht von Theodor Storm.
Ich werde am heutigen Abend, während ich mit meinen Lieben das Christfest begehe, sicherlich viel an die Weihnachten der Kindheit mit meinen Eltern und Großeltern denken. Erinnerungen werden wieder besonders präsent, während des Singens am Christbaum, bei der Bescherung...
...gut, diese wundervollen Momente in der ewigen Erinnerung immer wieder aufs Neue abrufen zu können!
Ich wünsche Ihnen und ihren Angehörigen eine besinnliche Christnacht und friedvolle Weihnachten! Sollten Sie an diesen Tagen einen lieben Menschen besonders vermissen, vielleicht sogar durch einen Sterbefall in diesem Jahr, wünsche ich Ihnen viel Kraft! Ist ein lieber Mensch in ihrem Umfeld erkrankt, oder gar Sie selbst, wünsche ich Ihnen oder der entsprechenden Person Zuversicht und Hoffnung!
Das Weihnachtsfest
von Theodor Storm
Vom Himmel bis in die tiefsten Klüfte
ein milder Stern herniederlacht;
vom Tannenwalde steigen Düfte
und kerzenhelle wird die Nacht.
Mir ist das Herz so froh erschrocken,
das ist die liebe Weihnachtszeit!
Ich höre fernher Kirchenglocken,
in märchenstiller Herrlichkeit.
Ein frommer Zauber hält mich nieder,
anbetend, staunend muß ich stehn,
es sinkt auf meine Augenlider,
ich fühls, ein Wunder ist geschehn.
Hans Theodor Woldsen Storm, * 14. September 1817 in Husum, Herzogtum Schleswig, + 04. Juli in Hanerau-Hademarschen
(heute Kreis Rendsburg-Eckernförde, Schleswig-Holstein)
Storm war ein deutscher Schriftsteller und Lyriker, welcher vor
allem durch seine Novellen bekannt wurde - er gehört er zu den bedeutendsten Vertretern des Poetischen Realismus.
Zur heutigen Gedenkkerze, drei Tage vor dem Heiligen Abend, ein Gedicht von Ringelnatz, welches sich mit dem "Schenken" beschäftigt.
Liegen bei Ihnen zur Christnacht so viele Geschenke unter dem Baum, dass ein heilloses Durcheinander entsteht, wessen Paket nun wirklich wem gehört? Oder gehören Sie gar zu den Geschenk-Verweigerern, wobei ich allerdings nur eine Familie kenne, die dies so handhabt?
Bei uns wird es dieses "Durcheinander" geben, und Ehrlich gesagt gehört dies für uns auch zum Feste...
Franz hatte die Ruhe vor dem Feste weg, er stresste sich nicht, meine Mutter oblag die ganze Organisation. Meist wurde am heutigen Tag oder am morgigen 22. Dezember der Christbaum von meinem Vater ins Haus gebracht und er half auch gerne beim Schmücken. Wäre es nach mir gegangen, hätte dieser schon zum 1. Advent stehen können - zumindest lag der Baum aber schon tagelang in unserem Garten und wartete auf seinen Moment...
Schenken
von Joachim Ringelnatz
Schenke groß oder klein,
Aber immer gediegen.
Wenn die Bedachten
Die Gaben wiegen,
Sei dein Gewissen rein.
Schenke herzlich und frei.
Schenke dabei
Was in dir wohnt
An Meinung, Geschmack und Humor,
So daß die eigene Freude zuvor
Dich reichlich belohnt.
Schenke mit Geist ohne List.
Sei eingedenk,
Daß dein Geschenk
Du selber bist.
Joachim Ringelnatz, * 7. August 1883 in Wurzen als Hans Gustav Bötticher, † 17. November 1934 in Berlin. Bötticher war ein deutscher Schriftsteller, Kabarettist und Maler, der vor allem für humoristische Gedichte um die Kunstfigur "Kuttel Daddeldu" bekannt ist.
Zur heutigen Gedenkkerze zum 3. Advent ein Gedicht von Joseph von Eichendorff, welches zunächst perspektivisch etwas pessimistisch herüber kommt, allerdings mit leicht hoffnungsvollem Vorausblick.
Liegt bei Ihnen die Welt verschneit zu ihren Füßen, wie zuletzt vielerorts in Bayern? Stimmt es Sie hoffnungsfroh oder verstimmt Sie die winterlich erstarrte Landschaft, wie in den Versen von Eichendorff, eher leicht depressiv? Denken Sie schon jetzt an noch ferne Frühlingstage?
Hier in unseren Breitengraden erwartet uns eine Regenwoche bei Plusgraden, vielleicht wäre Ihnen dies sogar ganz recht?
Franz konnte sich, ähnlich mir, über den Schneefall exorbitant freuen, ich erinnere mich gerne, wie mein Vater mich durch damals noch häufig tiefen Schnee auch hier im Flachland mit dem Schlitten zog und dabei mit dem glitzerndem Weiß um die Wette strahlte - ja, Schneefall in Maßen, nicht im Schnee gar zu ersticken wie in verschiedenen Regionen Deutschlands, das wäre sehr schön...ein frommer Wunsch hierzulande, ein Warten...auf Godot...
Winternacht
von Joseph von Eichendorff
Verschneit liegt rings die ganze Welt,
Ich hab’ nichts, was mich freuet,
Verlassen steht der Baum im Feld,
Hat längst sein Laub verstreuet.
Der Wind nur geht bei stiller Nacht
Und rüttelt an dem Baume,
Da rührt er seinen Wipfel sacht
Und redet wie im Traume.
Er träumt von künftger Frühlingszeit,
Von Grün und Quellenrauschen,
Wo er im neuen Blütenkleid
Zu Gottes Lob wird rauschen.
Joseph von Eichendorff, *10. März 1788 auf Schloss Luboswitz bei Ratibor, Oberschlesien (heutiges Racibórz, pl. Woiwodschaft Ślaskie)
+26. November 1857 in Neisse, Oberschlesien (heute Nysa, poln. Woiwodschaft Opole (ehem. Oppeln))
Die heutige Gedenkkerze möchte ich nicht nur Franz, sondern auch seiner Mutter, meiner Großmutter Anna widmen wie ihrer Schwester Hedwig. Heute jährt sich Annas 128. Geburtstag. (*13.12.1895 in Krug-Schweingrube, Kreis Marienburg (pl. Malbork), Westpreußen, +04.07. 1982 in Gladbeck)
Für meine Oma väterlicherseits habe ich keine Gedenkseite angelegt, ich hatte zu wenig Bezug zu ihr. Aufgrund eines Familienzwistes zwischen Franz, seiner Mutter und seinem etwas jüngeren Bruder Rudolf war das Verhältnis von meinem Vater zur Mutter "angespannt". Ich sah sie nicht oft, als ich 12 Jahre alt war, verstarb Oma Anna im Alter von 86 Jahren. Franz Vater - Franz Steinhardt sen., geb. Kaminski (Namensänderung nach dem Zuzug aus Westpreußen ins Ruhrgebiet) lernte ich nie kennen, er verstarb weit vor meiner Geburt.
Anna Steinhardt, geb. Zakrezewski, war eine sehr stille und zurückhaltende Frau, ganz im Gegensatz zu meiner doch sehr volkstümlichen und fröhlichen Großmutter mütterlicherseits.
Diese und meinen Opa Willi nahm Franz quasi als seine Eltern an, kümmerte sich rührend um sie.
Ich fand als Kind nie richtig Zugang zu Franz Mutter, sie lächelte wenig, konnte sich nicht wirklich auf ein Kind einlassen.
Trotzdessen habe ich Oma Anna in "ganz guter Erinnerung", schließlich war sie "auch meine Großmutter", die man als Kind doch irgendwie lieb hatte...
Annas Schwester, meine Großtante Hedwig (Hedwiga Nowicki geb. Zakrezewski, später Hedwig Neuert) hingegen war eine sehr lebensfrohe, gar witzige Frau, welche ich besonders mochte. Zu ihr hatte ich mehr Kontakt als zu Oma Anna, noch Jahre nach Annas Tod besuchte ich Hedwig, ich erinnere mich auch noch an ihren 90. Geburtstag, welchen ich als Jugendlicher bei ihr mitfeierte.
Diese Kerze widme ich daher Franz, Oma Anna und Großtante Hedwig.
Diese Gedenkkerze möchte ich nicht nur Franz, sondern auch seinem erstgeborenen Sohn, meinem ältesten Bruder Axel widmen.
Am heutigen 12. Dezember vor zwei Jahren verstarb Axel plötzlich
und unerwartet einen Tag nach seinem 70. Geburtstag. Aus familiären Gründen habe ich noch keine Gedenkseite für ihn anlegen können.
Leider bestand aufgrund eines Familienstreits kein Kontakt mehr zu Axel und seiner Familie. Jeder mag es anders sehen, ich sehe mich aber nicht "berechtigt" eine Seite für meinen Bruder zu erstellen.
Daher möchte ich heute auf den Gedenkseiten meiner Eltern einige Worte aus Axels Leben schreiben:
Franz erster Sohn erblicke am 11. Dezember 1951 in Gladbeck die Welt. Erst fast 19 Jahre später wurde ich geboren, Franz war zu
diesem Zeitpunkt schon 45 Jahre alt, meine Mutter Gerda 39.
Axel besuchte das hiesige Gymnasium, nach dem Abitur studierte mein Bruder überwiegend in Marburg Germanistik und Sport. So konnte ich als Kind bei häufigen Besuchen dort die unglaublich schöne, mittelalterlich geprägte Stadt Marburg an der Lahn kennen- und lieben lernen. Für mich war es bis dahin "meine Traumstadt" der Kindheit, und meinen Bruder wie seine Freundin und spätere Gattin zu besuchen ein unglaubliches Highlight.
Mein Bruder Axel war für mich immer das große Vorbild, ich wollte auch Lehrer werden und sonst nichts anderes - wir verstanden uns
1:1, es gab in meiner Kindheit und Jugend niemals Streit zwischen
uns, und Axel erfüllte mir im Prinzip fast jeden Wunsch.
Ausflugsfahrten, Abenteuerspielplätze, Schwimmbadbesuch, ins Fußballstadion...er kümmerte sich rührend um sein kleines "Brüderchen", wie Axel mich auch immer nannte.
Nach dem Rückzug von Marburg ins Ruhrgebiet nahm Axel zwei Referendarstellen in Gladbeck und Oberhausen an. Bis zur Rente arbeitete mein Bruder als Studienrat für Deutsch und Sport wie Vertrauenslehrer am Essener Don Bosco Gymnasium. Zwischen- zeitlich war er auch Sprintertrainer bei der SGO Oberhausen, ich kam oftmals mit zum Training im Stadion und konnte auch sehr bekannte Leichtathleten kennenlernen. Natürlich nahm mich Axel mit zu Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften in verschiedene deutsche Stadien.
Axel war gläubiger Katholik, ein Vorbild im Glauben, den er nicht mit Strenge, sondern mit Fröhlichkeit lebte. Mein Bruder lächelte ständig, hatte einen großen Humor, konnte Tränen lachen wenn wir uns beispielshalber zusammen einen Louis des Fúnes-Film ansahen. Ein unglaublich positiver Mensch - ähnlich unserer Mutter. Gerda verstand sich ebenfalls prächtig mit ihrem Sohn, wer ihn nicht leiden mochte - war nicht zu verstehen.
Axel wurde zweimal Vater, 1983 und 1986, seine Söhne waren für mich das Allergrößte - wie kleine Brüder, die ich mir immer wünschte. Schon mit 13 Jahren wurde ich Onkel - ich war unglaublich stolz auf meinen ersten kleinen Neffen.
Nachdem wir uns viele Jahre nicht gesehen hatten entschloss ich mich, meinem Bruder Axel zum 70. Geburtstag eine Karte zu schicken. Mit der Aussicht, sehr bald Bilder von meiner Familie und mir zu schicken, in der Hoffnung auf ein Wiedersehen. Das ich Axel in aller Kürze zu Grabe tragen würde, war unvorstellbar.
Einen Tag nach seinem 70. Geburtstag verstarb Axel plötzlich und unerwartet. Mein Bruder war, wie ich durch andere familiäre Kontakte schon zuvor erfuhr, herzkrank. Einen weiteren Tag später erfuhr ich von meiner Cousine, welche informiert wurde, das Axel nicht mehr lebt. Er fühlte sich nicht gut und lag leblos auf seiner Couch.
Ich war geschockt, jetzt gerade, wo endlich einer von uns nach viel zu langer Zeit versuchte das Eis zu brechen, verstarb mein Bruder. Ich merkte, das es einerlei war, ob man sich einige Jahre nicht mehr gesehen hat, oder ob es noch gestern gewesen wäre. Meine Trauer
war groß, ich war fassungslos. Die vielen guten Erinnerungen an Axel wurden sehr präsent.
Es bleibt die Erinnerung an einen für mich persönlich wichtigsten Menschen, der mich in meiner Kindheit und Jugend geprägt hat, stets Vorbild war und ohne den ich mich nicht zu dem Menschen entwickelt hätte, der ich bin.
Auf der Gedenkseite meiner Mutter Gerda Steinhardt finden Sie ab dem Ende des letzten Abschnitts eine noch längere Version, einen Rückblick auf die leider kärgliche, ja skandalöse Trauerfeier Axels.
Für Franz. Für Axel.
"Unsere Toten sind nicht abwesend sondern nur unsichtbar. Sie schauen mit ihren Augen voller Licht in unsere Augen voller Trauer"
Aurelius Augustinus (Augustinus von Hippo, Hl. Augustinus, Bischof von Rom)
Zur heutigen Gedenkkerze ein Gedicht von Christian Morgenstern. Erleben Sie gerade einen "Wintertraum" im Spätherbst in ihrer Region? Oder "ersticken" Sie vor Schneemassen, wie in Teilen vom Bayernland? In meiner Region ist es eher regnerisch, bis vorhin kamen wir trockenen Fußes über einen hiesigen Christkindlesmarkt, das Wetter schlug am Abend um in leicht stürmischen Regenfall. Eine weiße Weihnacht würde ich mir wünschen - dies war in meinen Breitengraden zuletzt
vor 13 Jahren der Fall.
Franz liebte den Schnee wie ich, schneite es dicke Flocken, nahm mich mein Vater als kleiner Bub auf den Arm und rief aufgeregt" "Andi! Es schneit!" und ging mit mir zum Fenster...meine Liebe und Sehnsucht zum "richtigen" Winter ist exorbitant groß, ich denke auch bei Franz war es ähnlich.
Lieben Gruß besonders an alle Leser dieser Gedenkseite ins wundervolle Bayernland, welches ich, wie auch seine Menschen,
liebe - ich hoffe Sie sind regional dem vielen Schnee der letzen Zeit nicht überdrüssig - ich sehne mich danach...ich werde erst im kommenden Mai wieder, von mir sehnsüchtig erwartet, in Bayern zu Gast sein. München, Chiemsee, Berchtesgaden. Ich werde dann viel
an meinen Vater und auch Mutter denken, an vielen Stationen dort werden immerzu schöne Erinnerungen präsent...
Morgensonne im Winter
Auf den eisbedeckten Scheiben
fängt im Morgensonnenlichte
Blum und Scholle an zu treiben.
Löst in diamantnen Tränen
ihren Frost und ihre Dichte,
rinnt herab in Perlensträhnen.
Herz, o Herz, nach langem Wähnen
laß auch deines Glücks Geschichte
diamantne Tränen schreiben!
Christian Morgenstern, *06. Mai 1871 in München,
+ 31. März 1914 in Untermais, Tirol. Morgenstern
war ein dt. Schriftsteller, Dichter und Übersetzer.
Ich erinnere mich gerne zurück an den Nikolausabend in meiner Kindheit. Oder doch lieber nicht...?
Er war fast so aufregend wie der Heilige Abend, schließlich gab es
ja neben den Naschereinen ein oder zwei kleine Geschenke, beispielshalber ein kleines Spielzeugauto, eine Figur, ein Quartett...Gerda, meine Mutter rief gen Dämmerung (gespielt) aufgeregt: "Der Nikolaus! Ich glaube ich habe draußen den Nikolaus gesehen!" Nun, das einzig erschreckende daran war, das die Nikolausmaske, die mein Vater trug, sehr spukig aussah. Eine
Maske aus Plastik mit dicken, roten, hervorstehenden Wangen,
die Augen meines Vaters verloren sich gruselig verrutschend hinter dieser...heute würde man diese Nikolausmaske am ehesten zu Halloween tragen...mein Vater trat nah an das Wohnzimmerfenster heran und blickte hinein. Aufgeregtheit, Freude und Grusel - bis ich
5 Jahre alt war, hielt ich diese Gestalt mit der furchteinflößenden Maske wirklich für den Nikolaus...die Geschenke entschädigten
dann doch für den kleinen Schrecken...
Ja, heute spiele ich den Nikolaus für meine Lieben, vor einigen Jahren noch wirklich verkleidet, da die Tochter meiner Partnerin noch im Kindesalter war. Am heutigen Abend stelle ich beiden aber immer noch einige Geschenkchen und Leckereien vor die Tür. Irgendwann rufe ich aufgeregt: "Ich sehe draußen den Nikolaus!" Und wir alle haben Freude an dieser schönen Tradition - auch als Erwachsene. Und siehe da: Der Nikolaus hat heute auch meinen Schuh gefüllt...
Diese Kerze widme ich Franz und seinem Sohn, meinem ältesten Bruder Axel.
Zur heutigen Gedenkkerze ein Gedicht von Franz Grillparzer, passend zum Dezemberbeginn.
Freuen Sie sich auf diesen Monat, nach diesem zumindest in meiner Region sehr nassen und ungemütlichen November?
Franz freute sich sehr auf die kommende, lichtreiche Advents- und Weihnachtszeit, trug mir als Kind viele passende Geschichten vor, die meine Vorfreude auf das Fest kaum im Zaun halten konnten...
Dezemberlied
Harter Winter, streng und rauch,
Winter, sei willkommen!
Nimmst du viel, so gibst du auch,
Das heißt nichts genommen!
Zwar am Äußern übst du Raub,
Zier scheint dir geringe,
Eis dein Schmuck und fallend Laub
Deine Schmetterlinge,
Rabe deine Nachtigall,
Schnee dein Blütenstäuben,
Deine Blumen, traurig all’
Auf gefror’nen Scheiben.
Doch der Raub der Formenwelt
Kleidet das Gemüte,
Wenn die äußere zerfällt,
Treibt das Inn’re Blüte.
Die Gedanken, die der Mai
Locket in die Weite,
Flattern heimwärts kältescheu
Zu der Feuerseite.
Sammlung, jene Götterbraut,
Mutter alles Großen,
Steigt herab auf deinen Laut,
Segenübergossen.
Und der Busen fühlt ihr Weh’n,
Hebt sich ihr entgegen,
Lässt in Keim und Knospen seh’n,
Was sonst wüst gelegen.
Wer denn heißt dich Würger nur?
Du flichst Lebenskränze,
Und die Winter der Natur
Sind der Geister Lenze!
Franz Grillparzer, genannt "österreichischer Nationaldichter"
war Schriftsteller und Dramatiker, *15. Januar 1791 in Wien,
+31. Januar 1872 ebenda.




