Von Andreas Steinhardt 23.02.2025 um 14:54 Uhr | melden
Zur heutigen Gedenkkerze am Wahlsonntag
ein passendes Gedicht von Ludwig Thoma.
"Rot oder schwarz" - was klingt wie eine Entscheidung beim Roulette, war die Gretchenfrage meiner Eltern vor Wahlen.
Mein Vater beschaffte stets die Briefwahl- unterlagen, es gab jedes Mal größere Diskussionen wo man denn nun sein Kreuzchen
zu setzen hat. Heute kann man es ja sagen -
mein Vater hätte niemals seine Stimme einer anderen Partei gegeben als der CDU, meine
Mutter war überzeugte SPD-Wählerin.
Franz wollte meine Mutter immer davon überzeugen, dass dies der falsche Weg ist - die Diskussionen im meiner Kindheit sind mir noch sehr präsent - letztendlich ließ sich meine Mutter nicht von ihrem Standpunkt abbringen.
Als ich wahlberechtigt wurde, lebte mein Vater schon nicht mehr. Das Resultat dieser einst von mir als Heranwachsender erlebten, müßigen Darlegungen ist, dass ich seit meiner ersten Wahl nie einer dieser beiden Parteien gewählt habe...
Wählen Sie jede beliebige Partei, nur lassen Sie Ihren Finger nicht nach rechts rutschen, tun wir dies, haben wir nichts begriffen. Meine Meinung. Und es wäre auch die meiner Eltern.
Nach den Wahlen
von Ludwig Thoma
Es schreit nicht mehr in fetten Schriften
Das Für und Wider von der Wand.
So laßt uns alle Frieden stiften!
Ein jeder reiche seine Hand!
Zur Menschheit wird auf diesem Wege
Die heißentflammte Wählerschar;
Und wieder Nachbar und Kollege
Ist, wer noch gestern Schurke war.
Ludwig Thoma, *21. Januar 1867 in Oberammergau, +26. August 1921 in
Tegernsee.
Thoma war ein dt. Schriftsteller, Lyriker, Dramatiker und Rechtsanwalt. Durch
seine satirische Betrachtung politischer
Ereignisse wurde er einst populär. Allerdings
wird Thoma heute aufgrund seiner unter
anderem antisemitischen Zeilen seiner letzten
Lebensjahre zunehmend kritisch betrachtet.





