Von Andreas Steinhardt 17.12.2023 um 14:38 Uhr | melden
Zur heutigen Gedenkkerze zum 3. Advent ein Gedicht von Joseph von Eichendorff, welches zunächst perspektivisch etwas pessimistisch herüber kommt, allerdings mit leicht hoffnungsvollem Vorausblick.
Liegt bei Ihnen die Welt verschneit zu ihren Füßen, wie zuletzt vielerorts in Bayern? Stimmt es Sie hoffnungsfroh oder verstimmt Sie die winterlich erstarrte Landschaft, wie in den Versen von Eichendorff, eher leicht depressiv? Denken Sie schon jetzt an noch ferne Frühlingstage?
Hier in unseren Breitengraden erwartet uns eine Regenwoche bei Plusgraden, vielleicht wäre Ihnen dies sogar ganz recht?
Franz konnte sich, ähnlich mir, über den Schneefall exorbitant freuen, ich erinnere mich gerne, wie mein Vater mich durch damals noch häufig tiefen Schnee auch hier im Flachland mit dem Schlitten zog und dabei mit dem glitzerndem Weiß um die Wette strahlte - ja, Schneefall in Maßen, nicht im Schnee gar zu ersticken wie in verschiedenen Regionen Deutschlands, das wäre sehr schön...ein frommer Wunsch hierzulande, ein Warten...auf Godot...
Winternacht
von Joseph von Eichendorff
Verschneit liegt rings die ganze Welt,
Ich hab’ nichts, was mich freuet,
Verlassen steht der Baum im Feld,
Hat längst sein Laub verstreuet.
Der Wind nur geht bei stiller Nacht
Und rüttelt an dem Baume,
Da rührt er seinen Wipfel sacht
Und redet wie im Traume.
Er träumt von künftger Frühlingszeit,
Von Grün und Quellenrauschen,
Wo er im neuen Blütenkleid
Zu Gottes Lob wird rauschen.
Joseph von Eichendorff, *10. März 1788 auf Schloss Luboswitz bei Ratibor, Oberschlesien (heutiges Racibórz, pl. Woiwodschaft Ślaskie)
+26. November 1857 in Neisse, Oberschlesien (heute Nysa, poln. Woiwodschaft Opole (ehem. Oppeln))





