Franz Steinhardt

Franz
Steinhardt

26.03.1926
Gladbeck
-
15.03.1986
Gladbeck

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ZurückEine brennende Kerze: Kerze lila geschwungen
Oktobergedicht von Kästner

Von Andreas Steinhardt 01.10.2024 um 14:34 Uhr | melden

Zur heutigen Gedenkkerze am ersten Tag des Oktobers ein Gedicht von Erich Kästner.

Der heutige Oktoberbeginn ist ziemlich durchwachsen, wilde Wolken, am Vormittag
etwas Regen, gerade ist es trocken. Die nächsten Tage um den Feiertag herum sollen aber durchaus passabel werden...

Franz mochte, ja liebte gar den Herbst, wie auch ich. Mein Vater hätte heute einen ausgedehnten Spaziergang unternommen, sich das Wolkenspiel angesehen, durch die doch schon nicht wenig umherfliegenden Blätter gestapft.

"Riechst du das Laub, den Duft des Herbstes?"
an die Worte von Franz erinnere ich mich zurück, dabei atmete er tief durch...


Für Franz. Für Axel.


Der Oktober

von Erich Kästner


Fröstelnd geht die Zeit spazieren.
Was vorüber schien, beginnt.
Chrysanthemen blühn und frieren.
Fröstelnd geht die Zeit spazieren.
Und du folgst ihr wie ein Kind.

Geh nur weiter, bleib nicht stehen.
Kehr nicht um, als seis zuviel.
Bis ans Ende musst du gehen,
hadre nicht in den Alleen.
Ist der Weg denn schuld am Ziel?

Geh nicht wie mit fremden Füßen
und als hättst du dich verirrt.
Willst du nicht die Rosen grüßen?
Lass den Herbst nicht dafür büßen,
dass es Winter werden wird.

Auf den Wegen, in den Wiesen
leuchten, wie auf grünen Fliesen,
Bäume bunt und blumenschön.
Sinds Buketts für sanfte Riesen?
Geh nur weiter, bleib nicht stehn.

Blätter tanzen sterbensheiter
ihre letzten Menuetts.
Folge folgsam dem Begleiter.
Bleib nicht stehen. Geh nur weiter,
denn das Jahr ist dein Gesetz.

Nebel zaubern in der Lichtung
eine Welt des Ungefährs.
Raum wird Traum. Und Rausch wird Dichtung.
Folg der Zeit. Sie weiß die Richtung.
„Stirb und werde!“ nannte ers.


Emil Erich Kästner, *23. Februar 1899 in Dresden, +29. Juli 1974 in München.

Kästner war ein dt. Schriftsteller, Publizist, Drehbuchautor und Kabarettdichter - "Das doppelte Lottchen" oder "Emil und die Detektive" werden fast jedem etwas sagen. Er zählt zu den Autoren von Weltgeltung. 1959 bekam Kästner das Große Bundesverdienstkreuz.